Brötchen für Gott: Wenn der Glaube Hände bekommt
Ein erfüllter Kindheitstraum und ein spannender Ferienjob – dahinter würde man nicht unbedingt einen ehrenamtlichen Hilfseinsatz erwarten.
Ein erfüllter Kindheitstraum und ein spannender Ferienjob – dahinter
würde man nicht unbedingt einen ehrenamtlichen Hilfseinsatz erwarten.
Albert Ritter und Hannes Cueni haben ihre freie Zeit an Bord der Mercy
Ships eingesetzt, um mit ihrer Berufserfahrung Menschen in Not zu
helfen. Dabei haben sie auch viel für sich selbst mitgenommen…
Die Bilder erschrecken – und machen zugleich Mut: Auf dem ersten sieht
man Malik mit einem Gesichtstumor so groß wie ein Ball, den Mund fast
um 90 Grad verschoben, die Augen resigniert und leer. Das nächste Bild
zeigt einen völlig veränderten Mann: Strahlend weiße Zähne, die zuvor
unsichtbar waren, zaubern jetzt ein Lächeln auf sein Gesicht, die Augen
sind hell und klar. Nur eine große Narbe am Kinn lässt erahnen, welche
Last der Afrikaner vorher buchstäblich mit seinem Gesicht herum
getragen hat.

Was ist geschehen? Wer oder was hat Malik sein Lächeln zurückgegeben? Er hatte das Glück, auf einem der Krankenhausschiffe der internationalen Hilfsorganisation Mercy Ships behandelt zu werden. Ärzte, Chirurgen und Krankenschwestern aus 40 Nationen setzen sich seit 1978 an Bord dieser Schiffe dafür ein, dass ihr Fachwissen denen zugute kommt, die in Entwicklungsländern leben und keinen Zugang zu dringend benötigter medizinischer Hilfe haben. An Land bringen zur gleichen Zeit Wasserbauingenieure und Agrarfachleute ihr Können in Landwirtschafts- und Bauprojekten ein, Hilfe zur Selbsthilfe wird geleistet. 225 Häfen in 54 Ländern wurden auf diese Art und Weise schon angefahren, 1,9 Millionen Menschen konnte insgesamt geholfen werden. Das Ziel von Mercy Ships? Hilfsbedürftigen Menschen Hoffnung und Heilung zu bringen und dabei dem Vorbild Jesu zu folgen.

Neben dem Fachpersonal, das direkte Hilfe leistet, gibt es an Bord
der Schiffe auch diejenigen, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass
alles reibungslos abläuft. Zu dieser Truppe gehören auch der
pensionierter Bäcker Albert Ritter und der Nautik-Student Hannes
Cueni.
Für Albert Ritter ist dabei auch ein Kindheitstraum wahr geworden:
Schon immer wollte er als Schiffsbäcker ferne Länder kennenlernen. Mit
seinem Einsatz auf der MS Anastasis konnte er sich so nicht nur diesen
Jugendtraum erfüllen, sondern gleichzeitig dabei helfen, die Mannschaft
und Patienten mit Brot und Kuchen zu versorgen. Sechs Mal war er bis
jetzt dabei und ist inzwischen „als der gute deutsche Bäcker bekannt,
der nicht richtig Englisch kann.“ Albert Ritter scheint das mit
Gelassenheit zu nehmen – ein Hindernis ist es für ihn jedenfalls
nicht.
Auf die Frage, ob es für ihn etwas gibt, das die investierte Zeit
wieder ausgleicht, antwortet er: „Man wird reichlich entschädigt!
Alleine wenn ich an die Kinder in einem Kinderheim in Monrovia denke,
für die ich Kuchen und Brötchen gebacken habe! Dass man helfen darf,
ist schon „Lohn“ genug. Unsere Zeit haben wir ja ohnehin geschenkt
bekommen.“ Auch die Tatsache, dass jeder ehrenamtliche Helfer das Geld
für seinen Einsatz selbst aufbringen muss, hat ihn nicht abgeschreckt:
„Für das Geld findet sich ein Weg. Ich habe in der Vorweihnachtszeit
für Freunde und Bekannte meine „Nürnberger Lebkuchen“ gebacken. Mit dem
Gewinn habe ich mir das Flugticket gekauft und es blieb noch etwas für
meine afrikanischen Freunde übrig. Für Kost und Wohnung habe ich ja
meine Rente.“

Hannes Cueni wollte während seinen Semesterferien eigentlich arbeiten gehen, um sein Taschengeld aufzubessern und seine Eltern zu entlasten. Aber dem gelernten Schiffsmechaniker schien ein „normaler Job“ auf einem Schiff zu langweilig. Durch einen Flyer auf Mercy Ships aufmerksam geworden, sprach er mit seinen Eltern und mit deren Unterstützung heuerte er auf der MS AFRICA MERCY an – auch ohne Gehalt. Auch seiner Meinung nach hat sich der Einsatz voll und ganz gelohnt: „Ich bin um so viele Erfahrungen und Begegnungen reicher geworden, dafür könnte ich mindestens drei Wochen im Ritz übernachten. Mein gesamtes Weltbild hat sich vielleicht näher zu Gott und den Menschen verschoben, wo vorher Werte waren, die bei näherer Betrachtung zweitrangig sind.“
Neben seiner Arbeit im Maschinenraum mit streikenden Kompressoren,
leckenden Ölleitungen und überschwappenden Fäkalientanks hat Hannes
Cueni das Programm „Adopt a Patient“ für die Besatzungsmitglieder
genutzt und so auch einen Einblick in das Leben der Patienten bekommen:
Wer möchte, bekommt einen „eigenen“ Patienten zugeteilt, mit dem man
zusammen betet, sich gegenseitig etwas vorliest oder mit dem man
einfach nur gemeinsam Zeit verbringt. Und für eine Band, die mit
Trommeln, Klatschen und Gesang durch die Krankenstation gezogen ist,
hat er dann auch einmal die Maschinen für kurze Zeit alleine gelassen:
„Selbst der schwächste Patient hat über’s ganze Gesicht gestrahlt und
mitgeklatscht.“
Wer oder was hat Malik also sein Lächeln zurückgegeben? Ist es „nur“
ein Team aus ehrenamtlichen Helfern, die sich freiwillig für die
Menschen in Not auf dieser Welt einsetzen? Oder ist es letztlich die
Liebe Gottes, die Hilfesuchende und Helfer motiviert, zusammenbringt
und beide reich beschenkt? Noch einmal Albert Ritter: „Ich finde, jedem
sind irgendwelche Gaben gegeben, die er nicht nur für sich verwenden
sollte. Man kann so viel Freude machen – und die zieht dann auch ins
eigene Herz ein!“

