Anekdoten eins Bäckers
Als Bäckerlehrling träumte ich davon, einmal als Schiffsbäcker in die Welt zu fahren und ferne Länder kennen zu lernen.
Nach 48 Berufsjahren in der Backstube ging ich in Rente und anfangs
fehlte mir meine Arbeit doch sehr. Als nicht lange danach meine Frau
starb, kam ich mir ziemlich nutzlos und überflüssig auf dieser Welt
vor. Eines Tages hörte ich von Mercy Ships, war gleich begeistert und
heuerte an.
Von Dezember 2004 bis Februar 2005 backte ich an Bord Brot, Croissants
und Kuchen für 400 Menschen. Die Zeit als Schiffsbäcker war
natürlich etwas ganz besonderes. Zum Beispiel musste ich mich mit der
Tatsache abfinden, dass das Schiff nie ganz gerade im Wasser liegt,
selbst vor Anker im Hafen nicht. So ist auch die Backstube nie eben.
Die Ofentüre fiel oft ganz unverhofft wieder zu, und ich trug einige
Brandwunden davon! Schlimmer wirkte sich die Neigung des Schiffes beim
Kuchenbacken aus. Der Kuchenteig lief immer auf eine Seite, und es gab
nur ganz selten einen "geraden" Kuchen.

Einmal gab es einen längeren Stromausfall. Ich backte gerade
Brötchen, aber sie wurden nicht mehr rechtzeitig fertig. Bevor wir
wieder Strom hatten, waren sie schon wieder zusammen gefallen. Um den
Teig nicht zu verschwenden, habe ich die Brötchen dann dennoch
gebacken. Das Ergebnis war allerdings eine Schande für jeden Bäcker!
Aber dann hat mich etwas sehr erstaunt.
Ohne Murren und Meckern wurden die Brötchen von der Mannschaft
gegessen! Das habe ich meinen Freunden an Bord ganz hoch angerechnet.
Auf einem Kreuzfahrtschiff hätte ich so ein Gebäck nicht anbieten
können! Es hat mich tief befriedigt, etwas für diejenigen tun zu
dürfen, die den Kranken und Bedürftigen halfen, z.B. im
Operationssaal und auf der Krankenstation. Durch meinen Dienst als
Bäcker konnte ich einen kleinen Teil von dem Guten zurückgeben, das
ich selbst in meinem Leben empfangen habe.

