Chirurg erhält Bundesverdienstkreuz
Jedes Jahr setzt sich Dr. Dr. Lür Köper aufs Neue für seine Patienten auf der MS Anastasis ein. Jetzt wurde er für sein Engagement in Afrika mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Wie und wann haben Sie von Mercy Ships erfahren?
Im Herbst 1992 war die „Anastasis“ zu einem Besuch in Bremen,
meiner Heimatstadt. Ich konnte am medizinischen Abend die operative
Arbeit kennenlernen und war spontan begeistert. Die Möglichkeit, in
meinem Fachgebiet, der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, in Afrika
tätig zu sein, hat mich so fasziniert, dass ich nur noch mitmachen
konnte! Auch meine Frau stand von Anfang an hinter meinem Engagement,
so dass ich im Februar 1993 erstmals auf der „Anastasis“ in
Freetown, Sierra Leone, mitarbeiten konnte.
Wie sieht Ihr Engagement für Mercy Ships praktisch aus?
Üblicherweise bin ich einmal im Jahr für ca. 3-4 Wochen während
eines medizinischen Einsatzes in Afrika an Bord. Dann geht es um die
praktische Arbeit mit Patienten, Kopf-, Gesichts- und Halsoperationen
und Untersuchungen. Dank der langjährigen Zusammenarbeit mit den
anderen Ärzten aus aller Welt werden mittlerweile Patienten mit
bestimmten Erkrankungen extra zu der Zeit für die Operation
einbestellt, in der ich an Bord bin. Neben der Patientenversorgung
konnte ich dazu beitragen, dass ein Computer-Tomograph in die Anastasis
eingebaut und der Sterilisator im OP erneuert wurde. Außerdem
organisiere ich gemeinsam mit anderen Hilfswerken, dass die Kinder, die
nicht an Bord operiert werden können, auf andere Weise medizinische
Hilfe erhalten. Besonders am Herzen liegt mir auch die Vorstellung der
Arbeit von Mercy Ships in den Medien, Gemeinden und
Unterstützerkreisen sowie im ärztlichen Umfeld. Letzteres dient zum
einen dafür, die Behandlungen an Bord durch unabhängige dritte Ärzte
überprüfen zu lassen als auch dazu, neue ärztliche Mitarbeiter zu
gewinnen.
Gibt es einen Patienten, der Ihnen besonders in Erinnerung
geblieben ist?
Es gibt sehr viele Patienten an die ich denke. Das vielleicht
bewegendste Erlebnis war für mich die kleine Juliet aus Freetown. 1993
wurde sie uns mit einem großen Halstumor vorgestellt. Seinerzeit (mein
erster Einsatz in Afrika) traute ich mich noch nicht an so große
Operationen heran. Wir haben das Kind mit Friedensdorf e.V. nach
Deutschland zur Operation geholt. Durch die Bürgerkriegswirren in
Sierra Leone konnte Juliet erst 2001 wieder in ihre Heimat
zurückkehren. Dort geht sie jetzt auf die Oberschule und ist eine gute
Schülerin. Bei meinem letzten Besuch in Freetown Anfang 2004 verriet
sie mir, dass sie Ärztin werden möchte. Sie wolle den Menschen so
helfen, wie ihr auch geholfen worden sei. Da kamen mir vor Rührung
echt die Tränen. Und meiner Frau war klar, dass wir ein weiteres
Patenkind haben würden, das wir durch das Studium (möglicherweise in
Deutschland) mit Rat und Tat begleiten möchten.
Was unterscheidet den Alltag im Operationssaal auf der Anastasis von
dem in einem deutschen Krankenhaus?
Eigentlich nur die räumliche Enge (anstatt 35m² OP-Raum nur 12m²),
aber dafür ein OP mit Seeblick. Die Operationen sind eher schwerer und
anstrengender als zu Hause, die Verantwortung größer als in Bremen.
Es ist schließlich nicht möglich, weitere Spezialisten heranzuziehen.
Die medizinischen Standards entsprechen den unsrigen. Der bedeutsamste
Unterschied ist aber das Gebet vor dem Eingriff. Es ist gut, sich
vorher zu sammeln und Gott um Hilfe und ein waches Auge zu
bitten.

