Betroffener Angehöriger rettet weiteren Erkrankten
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort war Emmanuel aus Nigeria, als er auf dem Markt von Cotonou von Veronique erblickt wurde. Motiviert durch die Erinnerung an den Leidensweg ihres Neffen eilte sie ihm nach.
Odilon und seine Tante Veronique nach der rettenden Operation.
Vor drei Jahren besuchte Veronique ihren älteren Bruder in
Abomey, der ehemaligen Hauptstadt Benins. Während ihres Besuchs
bemerkte sie eine Schwellung am Kiefer ihres Neffen Odilon. Sie fragte
seine Eltern, ob er Probleme mit seinen Zähnen hat. Seine Mutter
antwortete, „nein, Odilon hat keine Schmerzen“. Veronique konnte nicht
wissen, dass eine kleine Zyste, die in einer Stadt mit hinreichender
medizinischer Versorgung leicht entfernt werden könnte, sein Leben
bedrohen würde. Sie kehrte nach Cotonou und ihrer Familie zurück und
dachte nicht weiter daran.
Zwei Jahre später kehrte sie zurück nach Abomey und sie
war fassungslos, als sie sah, wie stark der Tumor gewachsen war. Sie
fragte Odilon`s Mutter, „warum hast du nichts gegen das Problem deines
Sohnes getan?“. Seine Mutter antwortete: „Wir sind mit ihm bei vielen
Leuten gewesen, aber keiner kann ihm helfen“. Der
zehnjährige Odilon litt sehr stark unter der Schwellung seines Kiefers.
Die Familie suchte verschiedene Ärzte auf, die ihm alle nicht helfen
konnten, und traditionelle Heiler verschrieben Kräutertees. Manchmal
hatte er Schwierigkeiten zu essen und oft spuckte er
Blut.

Odilon vor der lebensverändernden Operation
„Er war ein kräftiger Junge“, sagte seine Großmutter, „aber
der Tumor machte ihn klein und schwach“. Körperlich dahinwelkend zog er
sich mehr und mehr zurück und wurde schüchtern. Er war ruhig, lächelte
nicht und reagierte auf Fragen zurückhaltend. Er wurde verspottet wegen
dem tennisballgroßen Tumor, der gegen seine Wange presste, seinen
Kiefer und die Zähne verdrängte und weiter wuchs, während die Wochen
und Monate verstrichen.
„Als ich den Tumor hatte, habe ich mich geschämt“, sagte
Odilon. “Die Kinder in der Schule beleidigten mich. Ich wusste nicht,
warum ich diesen Tumor hatte, und ich habe mich gefragt, wo er her kam.
Die Familie litt auch unter der Situation. Sein Vater wurde
beschuldigt, nichts zu tun, um seinem Sohn zu helfen und ihn zu
vernachlässigen.
Zurück in Cotonou hörte seine Tante Veronique von einem
Mercy Ship, dass sich auf dem Weg nach Benin befand und Odilon helfen
könnte. Sie rief ihre Familie an und erzählte ihnen davon. Im Februar
reisten Odilon und seine Großmutter in das fünf Stunden entfernte
Cotonou. Dort erhielt er einen Termin für eine kostenlose Operation
durch Dr. Gary Parker, der seit 23 Jahren ehrenamtlich für Mercy Ships
tätig ist und Tumore wie den von Odilon entfernt.
„Wegen dem Tumor traute er sich nicht aus dem Haus“,
sagte seine Großmutter, „aber er hat geweint, da er wieder in die
Schule wollte. Wenn er geheilt ist, kann er wieder in die Schule gehen
und hat dann durch Gottes Gnade eine Zukunft“.
Odilon`s Gefühle über die Aussicht geheilt zu werden waren
nüchterner und einem zehnjährigen, der körperliche Schmerzen und
Isolierung erlitten hat, angemessen. Er erklärte: „Nach der Operation
wird es mir besser gehen, und die Leute werden nicht mehr über mich
lachen.“

Odilon und seine Großmutter vor der Operation auf der Krankenstation der Africa Mercy. Von ihrem Dorf im Landesinneren bis nach Cotonou waren sie fünf Stunden unterwegs.
Im März wurde Odilon das erstemal operiert, um den Tumor zu entfernen. In der zweiten Operation gestaltete Dr. Parker aus einer Titan-Platte und Teilen seiner Rippe einen neuen Kiefer. Eine kleine Narbe verläuft quer über seinem Kinn, aber der Tumor ist weg, und Odilon lächelt zufrieden. Jetzt schaut er den Leuten wieder in die Augen und freut sich auf die Zukunft. „Mir geht es gut!“ sagt Odilon “…und wenn ich mein Gesicht sehe, ist es gut!“. Jetzt möchte Odilon gerne wieder zur Schule gehen und Arzt werden. „Es gibt so viele verschiedene Krankheiten“, sagt Odilon, „und ich werde Menschen helfen können, damit es ihnen besser geht“. „Keiner hat geglaubt, dass eine Operation helfen könnte. Niemand sonst hat daran geglaubt, da die Operation zu schwierig war“, erklärt Veronique. „Es ist wunderbar, was die Chirurgen da für Odilon und damit für uns alle, getan haben.“

Odilon und Mercy Ships Mitarbeiter Arnold aus der Schweiz bei einem
Spaziergang an Deck der Africa Mercy.
Aber die Geschichte geht noch weiter. Nur wenige Wochen nach
Odilon´s letzter Operation, Veronique war gerade auf dem Markt, um ihre
Waren zu verkaufen, bemerkte sie in der glühenden Hitze und in der
Menschenmenge einen großen, dünnen Mann. Gegen seine Wange presste, und
seinen Kiefer und die Zähne verdrängte, ein großer Tumor. Veronique´s
Gedanken gingen zurück zu Odilon, wie sehr er gelitten hatte und zu den
vielen gescheiterten Versuchen seiner Eltern, ihm zu helfen. Aber sie
zögerte. Sie sah zu, wie er sich durch die Menschenmenge immer weiter
von ihr entfernte, unsicher, ob sie ihm folgen sollte. Veronique sagte
zu sich selbst: „Erinnere dich daran, wie dein Neffe gelitten hat und
wie sie alles versucht haben, um ihm zu helfen, aber keine Hilfe
gefunden haben!“. Zu diesem Zeitpunkt war der Mann schon sehr weit weg,
aber Veronique wusste, dass sie helfen musste. Also stand sie auf und
fing an zu rennen. Als sie ihn erreichte, zog sie ihm am Ärmel seines
T-Shirts. Der Mann blieb stehen, drehte sich zu ihr um, und sie fing
an, ihm von Mercy Ships zu erzählen. Sie sprach fon, ihre
Muttersprache, aber der Mann war verwirrt; er verstand ihre Sprache
nicht.
Der Name des Mannes war Emmanuel. Er kam aus dem
Nachbarland Nigeria und war nur für einen Tag in Benin, um Waren für
den Wiederverkauf in der Heimat zu besorgen. Er sprach englisch. Also
lief Veronique los, um einen Übersetzer zu finden. Eine andere
Marktfrau sprach beides, fon und englisch. Mit ihrer Hilfe war
Veronique in der Lage, Emmanuel über Odilon und das Mercy Ship zu
erzählen.
„Ist das wahr?“ Wo ist das Schiff?“ fragte
er. Emmanuel war fasziniert, aber besorgt. „Ich habe kein Geld“, sagte
er. Aber Veronique versicherte ihm, das alles kostenlos war. Emmanuel
glaubte ihr nicht und sagte, dass er das selber sehen müsste. Veronique
packte ihre Waren zusammen und dann gings auf dem direkten Wege zum
Schiff. Tatsächlich hatte das Schiff Platz für Emmanuel, und er bekam
einen Termin für Juli. Seine Dankbarkeit kam durch sein Lächeln und
seine Worte klar und laut zum Ausdruck. „Möge Gott diese Frau segnen,
möge er sie segnen. Ich weiß nicht, wie ich ihr danken soll“. Veronique
hat sich sehr gefreut, das Geschenk von Hoffnung und Heilung
weitergeben zu können. Sie sagte: „Weil ich meine Freude hier zurück
bekam, wollte ich sie teilen“.

Emmanuel, seine Retterin Veronique und Odilon

