Ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk
Zwei Kinder haben an Bord der Anastasis die ungewöhnlichsten Weihnachtsgeschenke erhalten: prothetische Augen. Und die wurden aus Deutschland gespendet.
Lovareag, ein neunjähriger kleiner Junge und Gloria, 10 Jahre alt,
lächeln scheu in die Kamera. Ihre aufgerichteten, hübschen Gesichter
spiegeln ihre neuen Weihnachtsgeschenke wider. Der Grund für ihr Glück
ist nicht sofort sichtbar- aber außergewöhnlich. Gloria und Lovareag
haben die ungewöhnlichsten Weihnachtsgeschenke erhalten: prothetische
Augen.
„Zehn Jahre lang war Gloria von Hänseleien und Schikanen umgeben“
erklärt ihre Mutter mit emotionsgeladener Stimme.
Da sie mit einem beschädigten Auge geboren wurde, hat Gloria Jahre
voller Schmerz und Demütigung erfahren. Allein ihr scheues Lächeln
spricht schon Bände, während ihre Mutter erläutert, dass die Familie
Handel treibt und sich niemals ein künstliches Auge hätte leisten
können.

„Das wurde noch nicht einmal erwogen“, stellt sie einfach fest. „ Wir
leben am Volta-Fluss, wohin viele Touristen zu Besuch kommen. Eines
Tages entdeckte ein Weißer meine Tochter und sagte, sie kämen von einem
schwimmenden Krankenhaus und dass es möglicherweise Hilfe gäbe. Das war
das erste Mal, dass ich von Mercy Ships hörte.“
Nach einer Untersuchung bei Mercy Ships bekam Gloria dann eine tolle
Nachricht. Ihr wurde ein prothetisches Auge angeraten und es war sogar
möglich, eines zu bekommen!
„Als wir an Bord des Schiffes kamen, waren wir immer noch nicht sicher,
was sie dort für Gloria tun würden. Deshalb zeigten sie uns einen
Patienten, der ein Kunstauge hatte. Ehrlich gesagt, mir fehlten die
Worte. Er sah ganz normal aus! Ihn anzusehen, gab mir die Hoffnung,
dass auch meine Tochter wieder normal aussehen könnte“.
Nach zehn Jahren des Schmerzes und der Zurückweisung hat Gloria nun ihr
neues Auge und ihre Mutter dankt allen und preist alle, die das
ermöglicht haben. Es mag ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk sein,
aber es ist ein überaus wertgeschätztes, denn Glorias Leben ist damit
verwandelt worden.

Die Situation des neunjährigen Lovareag dagegen stellt sich ganz anders
dar. Er konnte perfekt sehen, bis sich vor zwei Monaten alles innerhalb
weniger Stunden veränderte.
Langsam erklärt seine Mutter, wie Lovareag in einem schrecklichen
Unfall von einem Stein im Auge getroffen wurde. Am Anfang schien noch
alles in Ordnung zu sein, aber schon um Mitternacht hatte sich die
Situation drastisch verwandelt.
„Er begann sich erst zu übergeben und dann brach er zusammen“ erklärt
seine Mutter.
Als das Auge zu schwellen und tränen begann, brachte die Familie ihren
Sohn eiligst in ein Krankenhaus. Einen Monat und viele Klinikrechnungen
später war die Situation noch immer unverändert. Ärgerlich und
frustriert zugleich nahm die Familie den Jungen mit nach Hause.
„Ich habe die ganze Zeit über geweint“, fährt seine Mutter fort, „es
gab nichts, was ich für meinen Sohn tun konnte.“ Dann hörte die Familie
von einem Schiff, das nach Ghana gekommen war und kostenlose
Operationen an Bord durchführte. „Wir waren in einer Klinik gewesen,
hatten eine Menge Geld bezahlt, ohne dafür etwas zu bekommen; es war
also unglaublich, dass diese Leute es kostenlos machen würden. Ich habe
es einfach nicht geglaubt.“
Lovareags Mutter umarmt ihn fest. Die Tränen laufen ihr, während sie
von der Freude und dem Glück spricht, als sie schließlich verstanden
hatte, dass Mercy Ships wirklich helfen konnte, dazu noch vollständig
kostenlos.

Während des Auswahl- und Anpassungsprozesses unterhielt man sich über
die gespendeten Kunstaugen, darüber, wie schön sie gefertigt waren, um
so umwerfend und unheimlich echt und natürlich auszusehen. Jetzt, wo er
mit einem Kunstauge ausgestattet ist, sieht Lovareag genau so wie jeder
andere neunjährige Junge aus.
„Wir werden eine Ziege schlachten und ein Fest veranstalten“ erklärt
die Mutter aufgeregt. Ich kann allen für ihre Hilfe für uns gar nicht
genug danken. Wir waren verzweifelt, doch unsere Situation ist
verwandelt worden.“
Wenn sie das Mercy Ship verlassen und sich zurück in ihre verstreuten
Dörfer aufmachen, halten die Mütter ein letztes Mal an. Mit geöffneten
Händen danken und preisen sie Gott für die Hilfe, die sie erhalten
haben und die schönen Kunstaugen, die die Verwandlung möglich gemacht
haben.
„Unsere Botschaft nach Deutschland: Nur Gott kann den Spendern danken.
Wir selbst können ihnen nicht genug danken, aber Gott vermag das.“

