Julies neues Leben
Julie ist 25 Jahre alt und kommt aus einem Dorf, das 50 km von Cotonou/Benin entfernt liegt. Im Jahr 2000 wurde sie für eine Operation auf dem Schiff ausgewählt, bei der eine Geschwulst in ihrem Gesicht entfernt werden sollte.
Als sie damals auf die Station aufgenommen wurde, stellten die
Krankenschwestern fest, dass Julie schwanger war. Um das Kind durch die
Narkose nicht zu gefährden, musste die Operation abgesagt werden.
Vier Jahre später klopfte ein Bekannter von Julies Familie an die Tür.
Er sagte, die Anastasis sei in Cotonou und würde morgen die Menschen
untersuchen und Termine für kostenlose Operationen vergeben. Als Julie
das hörte, wusste sie schon, dass bereits große Menschenmengen auf die
Ärzte und Krankenschwestern der Anastasis warteten. Sie konnte sich
heute nicht mehr auf den Weg in die Stadt machen. Es war bereits dunkel
geworden. Am nächsten Morgen um 5:00 Uhr verließ sie ihr kleines Dorf
und reiste in die Hafenstadt Cotonou.
Als sie beim Screening ankam, warteten schon, wie angenommen Hunderte
Kranke auf eine Untersuchung. So beschloss Julie enttäuscht, wieder
nach Hause zu fahren, da sie wohl keine Chance hätte, überhaupt noch an
die Reihe zu kommen. Sie wollte sich nur noch etwas zu essen kaufen.
Während sie am Straßenrand aß, kamen vier Besatzungsmitglieder vom
Schiff vorbei. Sie bemerkten Julie und ihre Geschwulst im Gesicht. Die
Vier wussten sofort, dass die Ärzte der jungen Frau helfen könnten, und
baten Julie, doch mit ihnen zu kommen. Tatsächlich war im
Operationsplan noch Platz für sie, und Julie konnte wenige Zeit später
endlich operiert werden.
Als ihre Wunde von den Krankenschwestern wieder einmal versorgt wurde,
sagte Julie zu Übersetzer Pierre: "Wenn Du erst einmal auf dem Schiff
warst, möchtest Du nie wieder weg, weil Dich die Leute hier so lieb
haben."

