Momohs Last wird leichter
Der neun Monate alte Momoh weinte, als die Schwester ihn von der Station in den Operationsraum trug. Er fürchtete sich - genau wie seine Mutter Mariatu. Auch ihr liefen die Tränen übers Gesicht.
Durch einen Krio-Dolmetscher erklärte Mariatu, sie glaube ja, dass die
Operation ihrem Sohn helfen würde. Aber sie hätte auch Angst. Sie litt
mit ihrem Kind, das noch so klein war und doch schon so viel leiden
musste.
Momoh hatte am Rücken einen Tumor, der größer war als sein Kopf. Je
mehr Momoh wuchs, desto mehr wuchs auch der Tumor. Er wurde so groß und
schwer, dass der Kleine nicht einmal herumkrabbeln konnte.

Zum Glück hörte Mariatu von der Ankunft der Anastasis. Als der Termin für die Voruntersuchung in Freetown nahte, verkaufte sie Momohs Plastikbadewanne für rund 10 Euro, um die Bootsfahrt in die Stadt zu bezahlen.
Wohin die beiden auch kamen, sie wurden entweder ignoriert oder beschimpft. Bei der Untersuchung meinte eine Frau aus der Warteschlange zu Mariatu: "Ich an deiner Stelle würde das Kind wegwerfen. Wenn dieses Kind mir gehörte, hätte ich es schon längst weggeworfen." Mariatu sagte zu unseren Mitarbeitern: "Ich, nein, ich will dieses Kind nicht wegwerfen. Es ist doch ein Mensch!"

Ein Arzt untersuchte Momoh und gab ihm einen Termin für eine
Operation an Bord. Dr. Tertius Venter aus Südafrika entfernte den Tumor
in einem eineinhalbstündigen Eingriff. Er wog 2,5 Kilo - ein Drittel
von Momohs Gewicht!
Dr. Venter erklärte, dass Neurofibromatose weit verbreitet ist, vor
allem in Westafrika. Warum der Tumor so schnell so groß geworden war,
sei allerdings schwierig zu sagen. "Das Gewächs hat seinem Körper
die Nährstoffe entzogen", sagte der Arzt. "Nun sollte er
sich bald erholen. Wäre der Tumor nicht entfernt worden, wäre Momoh
aber sicher gestorben."

