Untersuchungstage in Monrovia
Hunderte Menschen warteten darauf, für eine der kostenlosen Operationen an Bord der Anastasis ausgewählt zu werden.
Die Besatzungsmitglieder der Anastasis machten sich im Morgengrauen
auf. Wie Sardinen in der Dose saß die Mannschaft Seite an Seite in den
Landrovern. Mehr als die Hälfte der 350köpfigen Crew verbrachten den
Tag bei den Voruntersuchungen, die über das Schicksal vieler Kranker
und Hilfsbedürftiger entscheiden würden.
Die ersten Mitarbeiter von Mercy Ships erreichten das Gelände um 6:00 Uhr morgens. Und es erwartete sie bereits eine Menschenansammlung Wartender, die darauf hofften, vom einem der Ärzte untersucht zu werden. In den nächsten 14 Stunden gab die Crew ihr Bestes: die einen nahmen Blut ab, die anderen spielten mit den wartenden Kinder, die nächsten beteten und wieder andere teilten frisches Wasser aus. Hunderte Menschen, die aus ganz Liberia und sogar den Nachbarländern angereist waren, erhofften sich medizinische Hilfe und wurden untersucht.
Emmanuel George, 21 Jahre alt, wartete gebannt, als sich Dr. Gary Parker sein entstelltes Gesicht ansah. Der anwesende Übersetzer fragte Emmanuel: „Wie lange leidest Du schon unter dieser Erkrankung? Schon von Geburt an?“ Er verneinte und sagte, er habe das Problem, seitdem er 5 Jahre alt sei. Dr. Parker stellte Noma fest, eine Infektionskrankheit, die das Gewebe und den Knochen im Gesicht in kürzester Zeit zerstört.
Am Ende des langen Tages wurden über 450 Patienten für eine Operation eingeplant: fast 300 Gesichtsoperationen, plastische und allgemeine Eingriffe und 170 Augenoperationen werden bis Juni 2006 an Bord durchgeführt werden. Emmanuel gehört auch zu denen, die ein kleines Terminkärtchen erhalten haben.

