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Ist ein Einsatz bei Mercy Ships etwas für mich?

Praxistest bei einem Einführungskurs auf einem Schiff in Holland

Felicitias Mußler (rechts) mit einer anderen Teilnehmerin beim IMS Kurs. Foto: Mußler

Als Praktikantin bei Mercy Ships Deutschland e. V. bekam ich schon einen umfassenden Einblick in die Arbeitsabläufe der Hilfsorganisation. Ich wollte aber meinen Horizont erweitern und mehr erfahren. Gerne wäre ich auf die Africa Mercy gegangen, aber das war im Rahmen meines Praktikums leider nicht möglich. Deshalb suchte ich nach einer Alternative, um mehr Informationen über Mercy Ships und das Schiffsleben zu bekommen. Von einer Kollegin erfuhr ich, dass es für zukünftige Mitarbeiter der Africa Mercy und für allgemein interessierte Leute die Möglichkeit gibt, ein Wochenende lang auf einem Passagierschiff zu verbringen, das von Kampen in Holland aus in See sticht. In diesem Rahmen kann man einen tieferen Einblick in Mercy Ships bekommen. Der regelmäßig stattfindende Kurs heißt „IMS – Introduction to Mercy Ships“ (Einführung in Mercy Ships), die nächste Gelegenheit für eine Teilnahme ergab sich vom 22.bis 24. Juni. Kurzerhand meldete ich mich an.

Erste Eindrücke

Die "Siloam" im Hafen von Kampen. Foto: Mußler

Für mich begann das Abenteuer mit der Zugfahrt von Augsburg nach Zwolle. Das rund 125.000 Einwohner umfassende Städtchen liegt in der Nähe des Ijsselmeers. Die vielen neuen Eindrücke bei meinem Spaziergang durch das Städtchen ergriffen mich total – besonders gut haben mir die schmalen und verwinkelten Gässchen mit ihren wunderschönen alten und in ihrer Architektur ganz speziellen Häusern gefallen.

Am nächsten Tag fuhr ich von Zwolle nach Kampen zum Hafen. Mit der Bahn ist es nur eine knappe halbe Stunde. Freitagnachmittag sollte die „Siloam“, das Schiff, auf dem wir das Wochenende verbringen sollten, ablegen. Für rund 30 Passagiere bietet das Passagierschiff eine Schlafmöglichkeit. Tagsüber war man auf See und am Abend legte das Schiff in einem Hafen an, um auch die Küstenregion Hollands zu sehen.

Von Alize und ihrem Ehemann Arjen van der Wolf, beide Mitarbeiter im holländischen Länderbüro von Mercy Ships und Hauptorganisatoren des IMS Wochenendes, wurde ich ganz herzlich auf der "Siloam" begrüßt. Als sich alle Teilnehmer (eine gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus ganz Europa) im Aufenthaltsraum des Schiffes versammelten, hielt Alize eine Willkommensansprache. Danach war Zeit für eine kurze Vorstellungsrunde, in der uns die Angst, Englisch zu sprechen, erstmal genommen wurde. Sie erzählte uns von Mercy Ships und wie es zur Gründung der Hilfsorganisation kam.

Wichtige Fragen klären

Gemeinsame Mahlzeiten auf der "Siloam"

Mit dem Frühstück gestärkt ging es voller Elan an das Tagesprogramm. Das Ziel des Wochenendes ist es, die Leute mit einem besseren Verständnis über Mercy Ships zu entlassen. So standen also für Samstag Themen wie „Erwartungen an Mercy Ships“, „Das Leben auf dem Schiff“, „Der Bewerbungsprozess“ und „Support Raising“ (Unterstützung sammeln/finden) auf dem Plan. Gegen Ende des Tages gab es die Möglichkeit, das Einzelgespräch mit einem der drei Referenten zu suchen, um individuelle Fragen zu klären. Der Tag war mit sehr vielen Informationen gefüllt, welche einem eine neue Sichtweise eröffnen konnten. Die übermittelten Informationen wirkten sich durchaus positiv auf einige Teilnehmer aus und bestärkten Personen in ihrer Entscheidung, auf das Schiff zu gehen. Andererseits gibt es immer wieder Teilnehmer, die für sich herausfinden, dass Mercy Ships vielleicht nicht der richtige Weg ist - schließlich kommen einige Kosten und Aufwendungen auf einen zu, welche vielleicht nicht jeder tragen kann. Jedoch wird erklärt, wie man seinen eigenen finanziellen, praktischen und geistigen Unterstützerkreis aufstellen kann. Man erfährt, welche Möglichkeiten es gibt, Unterstützer zu finden und diese mit Informationen zu versorgen.

Seefahrt auf der "Siloam"

Eine weitere Nacht auf der "Siloam" ging zu Ende. Das Sonntagsfrühstück war schon aufgetischt - heute sogar mit einem Frühstücksei. Hier lernt man vor allem wieder die kleinen Dinge zu schätzen! Schließlich lebt man nur von begrenzten Bordvorräten. Viel zu schnell verging die Zeit auf der "Siloam" und die letzten Punkte des Programms wurden zügig abgearbeitet, damit noch Zeit für ein paar gemeinsame Lieder und ein Gruppenfoto war.

Mit einem letzten gemeinsamen Gebet wurden wir dann nach Hause entlassen. Die Verabschiedung war sehr herzlich, jeder wünschte den anderen nur das Beste, seinen Weg zur Africa Mercy zu finden, und ging dann seinen Weg.

Eine wertvolle Entscheidungshilfe

Teilnehmer werden über einen Einsatz bei Mercy Ships informiert

Für mich als Praktikantin entstand ein großer Mehrwert aus dem IMS Aufenthalt. Die Vorträge und die darin enthaltenen und sehr sorgfältig ausgewählten Informationen haben mein Verständnis für verschiedene Abläufe verbessert. Meine Motivation, einen ehrenamtlichen Einsatz auf der Africa Mercy zu absolvieren, hat sich dahingegen leider gemindert, da ich mich in meinem eigentlichen Berufsfeld als Sozialmanagerin nicht mit einbringen könnte. Auch die fehlende Privatsphäre, mit der ich auf der "Siloam" schon zu kämpfen hatte, hat mir gezeigt, dass ein mehrwöchiger Aufenthalt auf dem Hospitalschiff nicht mehr für mich in Frage kommt. Ich bin der Meinung, in der Zeit auf der "Siloam" kann sich jeder schon einen guten Eindruck verschaffen über Kommunikation, Zusammenleben und Regeln. Jeder kann sich darüber bewusstwerden, ob man sich mit der Arbeit und dem Leben auf dem Schiff wirklich identifizieren kann.

Felicitas Mußler

Titelbild: Gruppenfoto Teilnehmer an der IMS im Juni 2018. Foto: Mußler

Nächster Kurs IMS Introduction to Mercy Ships: Informationen dazu gibt es hier.

04. Oktober 2018

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