Erste Eindrücke an Bord

Xenia Lengert auf der Africa Mercy

16.05.2011

Ungewöhnlicher Alltag

"Hier spricht jeder Amerikaner einen anderen Dialekt und jeder Brite genauso, ganz zu schweigen, von dem Rest, der aus der ganzen Welt kommt. Jeder spricht die Worte anders aus oder verwendet verschiedene Ausdrücke. Es ist wirklich anstrengend den ganzen Tag sich auf die verschiedensten Englischdialekte einzustellen. Abends hört sich für mich das Englisch irgendwie chinesisch an. Manchmal tut es da echt gut mit einem Deutschen zu reden und nicht über jedes einzelne Wort nachzudenken."

"Meine Kabine teile ich mit 5 anderen Leuten. Sie kommen aus England und Holland. Es ist wirklich eng, aber wir verstehen uns echt super. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie klein mein Kleiderschrank ist. Es ist eine Kunst, dort alles unterzubringen. Dabei habe ich mich diesmal wirklich aufs Nötigste beschränkt!"

"Gestern habe ich meine Wäsche mit Weichspüler gewaschen, weil er so aussah, wie Flüssigwaschmittel in Deutschland."

Land und Leute

"Ich bin wirklich schockiert, in welchen Verhältnissen die Menschen hier in Sierra Leone leben. Sie haben kleine Blechhütten, die aneinandergereiht sind. Von Strom und fließendem Wasser im Haus gar nicht zu reden. So etwas gibt es nicht. Zwischen den Häuschen fließt Abwasser in Gruben durch. Kinder fahren selbst gemachte Holzwägen zu den Wasserstellen, um frisches Wasser in die Kanister zu füllen."

Unser erster Untersuchungstag

"Das war wirklich ein Erlebnis. Wir fuhren um halb 6 Uhr Morgens in das National Stadion von Sierra Leone. Hinter den Mauern des Stadions war eine große Menschenmenge zu hören, obwohl man noch nichts sehen konnte. Wir begannen hunderte von Stühlen aufzustellen. Da habe ich noch teilweise gedacht, es sind so viele Stühle, dass sie niemals alle besetzt werden würden.

Aber es kamen einige Tausend Menschen, die wir in kleinen Gruppen ins Stadion ließen. Dann wurden sie zu den verschiedenen Stationen geschickt, je nachdem, was sie hatten, um festzustellen, ob sie geeignet für eine Operation sind. Ich sah Menschen mit großen Gesichtstumoren, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, großen ehemaligen Brandverletzungen und nicht verheilte Knochenbrüche. Es war teilweise wirklich angst-erregend. Man konnte vielen Menschen ansehen, dass sie verzweifelt medizinische Hilfe suchen und dass eine OP bei Mercy Ships deren letzte Hoffnung ist, um der sozialen Ausgrenzung zu entkommen.

Es sind nicht nur Menschen aus der Umgebung angereist, manche haben hunderte von Kilometer zurückgelegt und kamen teilweise aus den angrenzenden Nachbarländern. Das ist echt unvorstellbar für mich.

An diesem Tag war ich dem Augenteam zugeteilt. Es waren 3 Augenärzte da, die die Menschen mit Augenproblemen untersuchten. Ich war dafür zuständig, den Patienten Karten zu verteilen und deren Namen zu notieren, die für eine Katarakt-OP in Frage kamen. Es hat mich echt berührt, als der Arzt einen jungen Mann mit einem getrübten Auge untersuchte und ihm sagte, dass wir ihm nicht helfen können. In dem Moment kullerte dem jungen Mann eine Träne die Wange herunter und ich merkte, wie sehr er gehofft hatte, dass er operiert werden kann.

Es ist echt traurig, dass wir für manchen, auch jungen Menschen und Babys, nichts tun können. Es kommt immer darauf an, was die Ursache für die schlechte Sicht oder die Blindheit ist. Normal kommen Katarakte in Europa nur bei älteren Menschen vor. Die Betroffenen sind meistens um die 60-70 Jahre alt. In Afrika sind auch viele Babys und Jugendliche betroffen. Die Ursachen dafür sind: Mangelernährung, Staub und Schmutz und die hohe Strahlung der Sonne. Die wenigsten besitzen hier Sonnenbrillen. Aber es ist trotzdem wunderbar, dass wir einigen wirklich helfen können und dass diese Menschen nach einer OP ein normales Leben führen können, ohne ausgegrenzt zu werden."

Das OP-Schiff
Neue TV-Serie auf NatGeo People zeigt Ärzte bei ihrer lebensrettenden Mission auf der Africa Mercy. Mittwochs um 20:15 Uhr. mehr »
bringt Hoffnung und Heilung...
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