Fünfzehn Minuten, die ein Leben verändern können

Mercy Ships Mitarbeiter berichten

22.11.2012

An Bord der Africa Mercy gehören Melanie und Michel Pelzer zu den rund 450 Besatzungsmitgliedern aus aller Welt, die gerade mit Mercy Ships medizinische Hilfe für die Ärmsten Guineas leisten. Das junge Ehepaar ist nicht zu seinem ersten Einsatz in Westafrika. In ergreifenden Geschichten erzählen sie uns in ihrem neuesten Blog von der Arbeit auf dem größten privaten Hospitalschiff der Welt.

Die Neuseeländerin Melanie und der Deutsche Michel Pelzer waren im Jahr 2009 das erste Mal mit Mercy Ships im Einsatz. Als OP-Pflegekräfte waren sie damals in Benin tätig. Seitdem kehrten sie jedes Jahr auf das Schiff zurück, um ehrenamtlich mit Hilfsbedürftigen in Westafrika zu arbeiten. Auch dieses Jahr sind Melanie und Michel wieder mit an Bord. Beim Einsatz von Mercy Ships in Guinea. Was sie dort erleben, teilt Melanie mit uns in ihrem neuesten Bericht:

„Von den insgesamt sechs Operationssälen an Bord werden in den Sälen für Augenoperationen gewöhnlich die meisten Patienten behandelt. Während des gesamten Einsatzes wird Michel diese beiden Operationssäle leiten und das Personal sowie die Chirurgen für beide Bereiche koordinieren.

Es gibt viele besondere Momente in den Augenoperationssälen. Man kann sich kaum vorstellen, wie ein augenchirurgischer Eingriff in fünfzehn kurzen Minuten das Leben eines Menschen für immer verändern können. Wir staunen auch immer wieder darüber, wie unsere Patienten es schaffen, auf das Schiff zu kommen. Aber sie schaffen es, oft in Begleitung eines Familienmitglieds.

Die Patienten, die eine Augenoperation erhalten erscheinen mir oft als die Dankbarsten. Vielleicht liegt es daran, dass viele von ihnen sich bei uns bedanken, noch bevor ihre Operation überhaupt stattgefunden hat. Manchmal vergessen wir dabei, dass nicht nur das Leben des behandelten Patienten verändert wird. Oftmals beeinflusst seine Operation auch das Leben seiner ganzen Familie. Kinder müssen ihre blinden Eltern zum Beispiel nicht mehr jeden Tag an der Hand über den Marktplatz oder eine befahrene Straße führen. Wenn ihr Vater oder ihre Mutter operiert wurden, können die Kinder in die Schule gehen und mit ihren Freunden spielen.

Fodes Geschichte – Das Ende der Dunkelheit

Michel und ich können nicht sehr oft zusammen arbeiten. Deswegen freue ich mich jeden Abend auf die Geschichten über die täglichen Herausforderungen und Erfolgen. Eine dieser Geschichten, die Michel mir vor ein paar Wochen erzählt hat, ließ mich in Tränen ausbrechen. Fode, einer seiner Patienten, war blind, taub und stumm. Er war für eine Kataraktoperation an Bord gekommen, damit seine getrübte Augenlinse entfernt und mit einer künstlichen Linse ersetzt werden konnte. Fodes Familie hatte eine besondere Art und Weise entwickelt, um mit ihm kommunizieren zu können. Sie klopften oder rieben ihm über die Brust. Seine Familie hoffte so sehr, dass er nach der Kataraktentfernung endlich sehen konnte.

Am Tag nach der Operation kamen Fode und seine Familie in die Mercy Ships Augenklinik, in der Nähe der Africa Mercy, um seine Verbände entfernen zu lassen. Als die Verbände abgenommen waren, sah Fode zu Boden. Erst langsam hob er seinen Blick und sah seinem Bruder in die Augen. Vor Freude fingen sie beide an zu weinen. Niemand in dem Raum konnte in diesem Moment seine Tränen zurückhalten.

Dann griff Fode in seine Tasche und zog seinen Identitätsausweis heraus. Als er auf seinen Status deutete, wurde den Krankenschwestern im Raum erst langsam klar, was er sagen wollte. Er versuchte zu zeigen, dass der Status, der in seinem Ausweis stand, geändert werden müsse. Er wusste, dass er nicht mehr länger blind war und so wollte er auch nicht länger als blind gelten. Er hatte eine neue Identität.

Fode ist 37 Jahre alt und hatte Monate seines Leben in Dunkelheit verbracht. Für Michel und mich ist Fodes Geschichte etwas Besonderes. Sie gibt uns den Ansporn, mit dem was wir tun weiterzumachen.

Vergangene Woche hatte Michel die Gelegenheit, bei den nachoperativen Behandlungen für Augenpatienten mitzuarbeiten. Jeder Patient besucht einen Tag nach der Operation die Augenklinik an Land. Das ophthalmologische Team von Mercy Ships nimmt ihnen dort die Verbände ab, testet ihr Sehvermögen und übergibt ihnen eine Sonnenbrille, Augentropfen, Schmerzstiller und sterile Verbände (Anm.: Ophthalmologie ist der Fachbegriff für Augenheilkunde).

Für Michel war es eine so große Freude, die Patienten nach ihrer Operation wiederzusehen. Er erzählte mir, wie sehr sich der Gesichtsausdruck der geheilten Patienten verändert hatte. Sie waren nicht mehr nervös, sie hatten keine Angst mehr. Sie lachten und lächelten, weil sie das erste Mal seit Jahren wieder sehen konnten. Als Michel gerade einen Mann untersuchte, deutete dieser auf Michels Arm und sagte etwas, das Michel nicht verstehen konnte. Etwas verwirrt sah er auf seinen Arm und wunderte sich, was der Mann denn meinte, bis der Dolmetscher übersetzte: ‚Er sagt, dass er dich sehen kann, Michel.‘“

Bitte unterstützen Sie unsere Einsatzkräfte

Um finanzielle Aufwendungen für unsere Arbeit zu senken und zu gewährleisten, dass Spendengelder direkt in unsere Hilfsprojekte in Westafrika fließen, übernehmen alle ehrenamtlichen Einsatzkräfte von Mercy Ships ihre anfallenden Kosten sowie einen Beitrag für Unterkunft und Verpflegung an Bord grundsätzlich selbst.

Um an Bord arbeiten zu können, sind sie auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Wenn Sie Melanie und Michel Pelzer oder eine andere unserer deutschen Langzeiteinsatzkräfte unterstützen möchten, können Sie das hier online tun.

Vielen Dank!

Verbleibende Zeit in Benin
bringt Hoffnung und Heilung...
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