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Stefan Jäger und die Bilgeventile auf der Africa Mercy

Wie man als Techniker einen wertvollen Beitrag dafür leisten kann, damit das Hospitalschiff einsatzfähig ist.

Erica Schmidt ist technische Administratorin auf der Africa Mercy und schreibt einen Blog über ihre Erlebnisse auf der Arbeit. Letztens hat sie mitbekommen, was Stefan Jäger, ein Elektromeister aus Hamburg, erstaunliches auf der Africa Mercy geleistet hat:

Der Maschinenraum - hier muss es rund laufen, damit die Africa Mercy ihren Dienst tun kann.

Ich wette, Sie hätten nie gedacht, dass Sie über Bilgeventile lesen würden. Weiß überhaupt jemand, ausgenommen den technischen Kollegen an Bord, was ein Bilgeventil ist? Es ist erstaunlich, wie viele Fachbegriffe ich mittlerweile gehört habe, auch wenn ich nur eine sehr begrenzte Vorstellung davon habe, was sie bedeuten. Sie fragen sich bestimmt, was mich dazu gebracht hat, mich für Bilgeventile zu interessieren? Und wofür sind diese überhaupt wichtig? Nun, es liegt daran, dass wir durch Stefan Jäger ein paar großartige Neuerungen auf der Africa Mercy bekommen haben. Dazu aber später mehr.

Bilgesystem fängt überschüssiges Öl und Wasser auf

Aber was ist das Bilgesystem überhaupt? Die Bilge ist eine Art Auffangwanne, welche sich im Rumpf des Schiffes, genauer gesagt im Maschinenraum unterhalb der technischen Anlagen befindet. Hierin wird überschüssiges Öl und Wasser von den unterschiedlichsten technischen Anlagen aufgefangen. Um die Bilge zu reinigen wird über ein spezielles Rohrleitungssystem, welches Pumpen und viele Ventile beinhaltet, das ölige Wasser abgepumpt. Den internationalen Vorschriften entsprechend wird es dann in einem speziellen Tank gelagert, so dass es ordnungsgemäß entsorgt werden kann.

Alle diese Pumpen und Ventile können von zwei verschiedenen Schaltschränken aus gesteuert werden. Einer von ihnen befindet sich im Maschinenraum des Schiffes auf Deck 1 und der andere im Notstromaggregatraum auf Deck 7. Dieser zweite Schaltschrank, weit vom Maschinenraum entfernt, ist für sicherheitsrelevante Aufgaben vorgesehen. Für den Fall, dass bei einer Havarie Wasser in den Maschinenraum eingedrungen ist, kann von diesem Standort aus das Wasser wieder abgepumpt werden. Somit muss sich kein Crewmitglied in Gefahr begeben und es kann weiterer Schaden vom Schiff abgewendet werden. Dieser Schaltschrank muss daher immer einsatzbereit sein.

Alter Schaltschrank im Notstromaggregatraum.

Schaltschränke veraltet - das könnte Schiffsbetrieb gefährden

Beide Schaltschränke stammen noch aus der Zeit der Indienststellung des Schiffes und waren somit fast 40 Jahre alt. Aus diesem Grund gab es immer wieder Probleme mit der Verkabelung und den vielen Signalleuchten, so dass der Zustand der Ventile nicht richtig zu erkennen war. Und auch das Anlagenschema, welches einen Überblick über alle Pumpen, Rohrleitungen und Ventile aufzeigt, war stark veraltet. Somit war es besonders für neue Crewmittglieder schwierig einen guten und schnellen Überblick über das System zu bekommen.

Die internationalen Vorschriften verlangen außerdem, dass jedes Schiff über ein korrekt funktionierendes Bilgesystem verfügen muss, ansonsten darf der Schiffbetrieb nicht fortgeführt werden. All diese Anforderungen hatten zur Folge, dass wir dringend neue Schaltschränke benötigten!

Durch ehrenamtlichen Einsatz Wertvolles geleistet

Stefan Jäger bei der Arbeit in der Technikabteilung der Africa Mercy.

Stefan Jäger war mit seiner Frau bereits 2018 in Kamerun an Bord, um ehrenamtlich mitzuarbeiten. Er sah, welche Mühe die Ingenieure mit den alten Schaltschränken hatten, und machte sich daran, neue für uns anzufertigen. Dies hat ungefähr ein Jahr gedauert. Er entwarf die Pläne, während er im Januar und Februar letzten Jahres an Bord war. Alle Teile, die für den Umbau benötigt wurden, bestellte er über das Mercy Ships Büro in den Niederlanden. Die Schaltschränke wurden dann in seiner heimischen Werkstatt montiert und getestet. Anschließend wurden diese, mit Zwischenstopp im Zentrallager in den Niederlanden, per Container zur Africa Mercy transportiert. Nach Ankunft der Schaltschränke auf dem Schiff ist Stefan im Februar nach Guinea geflogen, um sie dort zu installieren und in Betrieb zu nehmen.

Die neuen Schaltschränke sind nun auf dem neusten Stand der Technik und erfüllen die geforderten Sicherheitsanforderungen. Alle Kontrolllampen sind auf moderne LED Technik umgerüstet worden und weisen daher eine hohe Lebensdauer auf. Des Weiteren sind alle Tasten sehr übersichtlich angeordnet und geben so einen genaueren Überblick über die einzelnen Teilbereiche des Systems. Dies macht es den diensthabenden Ingenieuren erheblich leichter, dass System sicher bedienen zu können.

Neuer Schaltschrank im Notstromaggregatraum.

Die neuen Schaltschränke sind wirklich beeindruckend! Wie im Foto zu sehen, kann man das hohe Maß an Genauigkeit erkennen, welches in die Fertigung eingeflossen ist.

Ein herzliches Dankeschön geht an Stefan Jäger – er ist ein wahrer Segen für unser Technikteam. Durch ihn wurden wir wirklich beschenkt!

Autorin: Erica Schmidt
Informationen wurden von Stefan Jäger und Viggo Bostrup zur Verfügung gestellt.
Übersetzung ins Deutsche: Susanne Reddig
Überarbeitung des deutschen Artikels: Stefan Jäger
Fotos des alten und neuen Schaltschrankes: Stefan Jäger

6. März 2019

Weiterführender Link:

Interessieren auch Sie sich für einen ehrenamtlichen Einsatz bei Mercy Ships? Hier finden Sie Informationen über unsere Auslandseinsätze.

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