Leben im Verborgenen, Teil 1

Würdelos, einsam und verlassen

30.07.2012

Frauen in Westafrika, die unter Vesikovaginal Fisteln leiden, fristen ein menschenunwürdiges Dasein. Mercy Ships hilft diesen Patientinnen beim Start in ein neues Leben.

Es ist wieder einmal ein heißer Tag im Mercy Ships Hospital Out Patient Extension (HOPE) Center. Das HOPE-Center in Lomé, Togo ist Teil eines von der Regierung erbauten Distriktkrankenhauses und wurde im Rahmen von Renovierungsarbeiten von Mercy Ships modernisiert.

Es riecht beißend nach Urin. Eine erste Gruppe von insgesamt etwa 70 Frauen aus den unterschiedlichsten Regionen des westafrikanischen Landes, traf soeben ein. Sie alle leiden an einer bei uns im Westen meist vergessenen Krankheit mit dem Namen Vesikovaginale Fistel (VVF) oder Blasenscheidenfistel.

Die Krankheit kommt überwiegend bei Frauen vor, die eine äußerst schwere Geburt erleben. Ärzte und Hebammen sind rar und die wenigen, die es gibt, sind für die meisten Menschen nicht bezahlbar.

Ohne die notwendige medizinische Unterstützung aber sind Komplikationen vorprogrammiert, denn die Mütter können sich selbst nicht helfen, wenn das Kind im Geburtskanal stecken bleibt und das Becken einfach zu eng ist.

In unseren Regionen werden solche Komplikationen durch einen Kaiserschnitt gelöst. In Afrika jedoch quälen sich die Mütter tagelang vergeblich, ohne entsprechende ärztliche Intervention ihr Kind auf die Welt zu bringen. Oft wird es dann tot geboren. Nicht selten sterben auch die Mütter.

Durch den lange andauernden Druck vom Kopf des Kindes auf das Becken während des Geburtsvorgangs wird die Vesikovaginalwand schwer geschädigt. Eine schlimme Inkontinenz ist die Folge.

Der weitere Verlauf ist eine Tragödie. Da permanent der Urin tropft, führt dies in der Folge dazu, dass sich im Intimbereich der Betroffenen umfängliche Ekzeme bilden, die die ohnedies schon beträchtlichen Qualen erhöhen.

Verstoßen und gemieden

Der beißende Uringeruch macht die Frauen schnell zu Verstoßenen – nicht nur bei den Dorfbewohnern. Auch ihre Ehemänner und Familien meiden den Kontakt zu den Betroffenen, weil sie den unbeschreiblich penetranten Geruch nicht ertragen können.

Das Zusammenleben mit dem Ehepartner beziehungsweise den Familienangehörigen ist so gut wie nicht mehr möglich. Vollkommen ausgegrenzt leben sie, nicht selten über viele Jahre hinweg, isoliert und ihrem Schicksal überlassen. Ein soziales Umfeld ist schlichtweg nicht vorhanden. In vielen afrikanischen Kulturen wird die Krankheit zudem noch als selbstverschuldet angesehen und auf mangelnde Hygiene zurückgeführt.

Einige denken sogar, dass diese Krankheit eine Strafe Gottes sei oder glauben, dass es sich um eine über Geschlechtsverkehr übertragbare Infektion handelt. Für die Betroffenen bedeutet dies den kompletten Verlust ihrer Selbstachtung.

Die Ankunft im HOPE-Center von Mercy Ships bedeutet für die VVF-Frauen den ersten Schritt in ein neues Leben der Normalität und zurück in die Gesellschaft, nach Jahren der Isolation und des stillen Leidens im Verborgenen. Nicht nur ihre körperlichen Beschwerden können geheilt werden. Vielmehr noch bekommen die Frauen neue Hoffnung in ihrem Leben.

Wie die VVF-Frauen den nächsten Schritt machen, gesund und mit neuem Selbstbewusstsein in die Gesellschaft zurückzukehren, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Reihe.

Das OP-Schiff
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bringt Hoffnung und Heilung...
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