Leben im Verborgenen, Teil 2

Hoffnung auf Heilung

02.08.2012

Seitdem ihr Unglück begann, kennen viele der Frauen, die unter Vesikovaginal Fistel leiden nur noch Ächtung und Einsamkeit. Aber ihr Leben steht kurz davor eine entscheidende Wendung zu nehmen. Sie finden Verständnis und Hilfe bei Mercy Ships. Angekommen im Hospital Out Patient Extension (HOPE) Center, begegnet ihnen das erste Mal seit langer Zeit Unterstützung und ein respektvoller Umgang.

Vesikovaginal Fistel (VVF), Blasenscheidenfistel oder auch Geburtsfistel genannt, kommt überwiegend bei Frauen vor, die eine äußerst schwere Geburt erleben, bei der das Kind im Geburtskanal stecken bleibt. Durch eine schwere Schädigung der Vesikovaginalwand kommt es zu einer schlimmen Inkontinenz. Aufgrund des beißenden Geruchs, der in der Folge zwangsweise von ihnen ausgeht, werden die Betroffenen von ihren Mitmenschen und Familien verstoßen.

Die Mittagssonne brennt gnadenlos. Die Hitze in Verbindung mit den von Urin vollgesogenen Kleidern der Frauen stellt eine extreme Herausforderung für die Helfer von Mercy Ships dar.

Der Uringeruch liegt wie eine Glocke über der kleinen Eingangshalle des HOPE Centers und man hat das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Dennoch werden die Frauen mit großem Respekt und einer beispiellosen Nächstenliebe behandelt.

Die VVF-Frauen, so nennt man sie liebevoll bei Mercy Ships, werden vom HOPE Center Team begrüßt. Still sitzen die Patientinnen da und sagen kein Wort. Kein Murren, keine Fragen. Sie harren der Dinge, die auf sie zukommen. Man spürt die Anspannung, ja, beinahe könnte man sie greifen.

Es folgt eine kurze Einweisung darüber, was nun mit ihnen geschehen wird. Jede Patientin bekommt ein Set mit Waschzeug und das HOPE Center Personal zeigt ihnen die Duschen.

Nach der Einführung erhalten die Frauen ein Mittagessen und zu trinken. Viele haben die Nacht durch nicht geschlafen und nichts gegessen, weil sie aus dem Norden Togos anreisen mussten.

Nach der Mahlzeit und einem Duschbad im HOPE Center werden die Frauen auf ihre Zimmer geführt. Zwischen sechs und acht Patientinnen sind dort untergebracht. Im Gegensatz zu europäischen Standards, wo jeder bestrebt ist, möglichst alleine ein Krankenzimmer zu bekommen, brauchen die Menschen hier die Gemeinschaft.

So können sie miteinander reden und fühlen sich nicht einsam. Für die VVF-Patientinnen ist diese Gemeinschaft besonders wichtig, denn bisher waren sie verstoßen und auf sich alleine gestellt. Im HOPE Center können insgesamt bis zu 80 Personen versorgt werden.

Langsam entspannen sich die Frauen. Der herzliche Empfang und die rührende Fürsorge der Mercy Ships Mitarbeiter zaubert das ein oder andere Lächeln ins Gesicht der sonst Verstoßenen. Jetzt haben sie etwas Zeit, sich auszuruhen und sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, bevor in einigen Tagen die Ärzte auf dem Hospitalschiff Africa Mercy die Frauen untersuchen werden. Dann wird sich entscheiden, wer die besten Voraussetzungen auf Heilung hat und wer einen OP-Termin bekommt.

Am 09. April wurden die Patientinnen vom HOPE Center zum Schiff gebracht. Dort begannen die Ärzte mit den Untersuchungen. Wie es mit den Frauen weitergeht und was eine mögliche Operation für ihr Leben bedeutet, lesen Sie im dritten und letzten Teil unserer Berichterstattung.

Das OP-Schiff
Neue TV-Serie auf NatGeo People zeigt Ärzte bei ihrer lebensrettenden Mission auf der Africa Mercy. Mittwochs um 20:15 Uhr. mehr »
bringt Hoffnung und Heilung...
Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×