Schiff ahoi

Neuer Direktor auf der Africa Mercy

23.07.2015

Roland Decorvet war der CEO von Nestle China bevor er die Stelle als Schiffsdirektor bei Mercy Ships antrat

Seit Mai dieses Jahres ist der frühere Top-Manager von Nestlé China der Direktor der Afrika Mercy. Mit seiner Frau und den vier Töchtern leben sie an Bord des Hospitalschiffes. Im nachfolgenden Interview berichtet Roland Decorvet von seiner Motivation, Herausforderung und Zukunftsperspektive bei und für Mercy Ships.


Herr Decorvet, was verbindet Sie mit Mercy Ships?

Meine Eltern sind bereits seit den Gründungstagen von Mercy Ships, vor nun mehr als 35 Jahren, enge Freunde von Don und Deyon Stephens. Ich selbst bin dem Stiftungsrat von Mercy Ships Schweiz 2008 beigetreten und seit 2011 im internationalen Vorstand der Organisation tätig.

Wann haben Sie zum ersten Mal von Mercy Ships gehört?
Bereits als Teenager hatte ich schon viel über Mercy Ships gehört, da das Ehepaar Stephens hin und wieder in meinem Elternhaus zu Besuch war. Darüber hinaus hatte ich viele Freunde, die bei Mercy Ships mitarbeiteten.


Welche Gründe führten zu der Entscheidung, die Stelle als Direktor der AFM anzunehmen?
Die zwei Organisationen, die ich schon immer sehr bewundert habe, sind Mercy Ships und die Heilsarmee. Beides christliche Organisationen, die sich stark darum bemühen, anderen zu helfen, dem Nächsten Gutes zu tun und ihn in Liebe anzunehmen. Christsein heißt für mich, in Liebe zu helfen- ohne Einschränkungen. Mercy Ships repräsentiert genau das, was mir wichtig is: Bedingungslose Hilfe, geleistet aus einem liebenden Herzen.

Welche Veränderungen kommen auf Sie und Ihre Familie nun zu?
Mit dem Wechsel kommt natürlich eine große Veränderung auf uns alle zu. Meine Frau Carol und ich sind Eltern von vier kleinen Töchtern. Die größte Herausforderung wird das Wohnen auf engstem Raum, und das Zusammenleben in einer Gemeinschaft sein. Gleichzeitig wird das eine wertvolle Erfahrung sein, und unsere Töchter sind schon seit unserem ersten Besuch an Bord begeistert. Es ist ein tolles und einzigartiges Abenteuer für uns alle. Wir sind glücklich denen helfen zu können, die Hilfe brauchen, dies gemeinsam als Familie zu tun und dabei unseren Mädchen die Wichtigkeit des Gebens vermitteln zu können.


Wie genau sehen Ihre Verantwortungsbereiche aus?
Die Stelle des leitenden Direktors an Bord ist vergleichbar mit der eines Dirigenten. Das Geheimnis ist so zu dirigieren, dass alle Abteilungen des Schiffes harmonisch miteinander singen, vom Krankenhaus bis in den Maschinenraum, von der Küche bis zur Lagerverwaltung. Ebenfalls wichtig sind mir die Schulung und Weiterentwicklung talentierter und begabter Mitarbeiter, ganz besonders im Hinblick auf das neue Schiff, das in ungefähr drei Jahren einsatzbereit sein wird. Dann werden wir noch viel mehr ehrenamtliche Mitarbeiter benötigen.

Wie wichtig ist für Sie persönlich der "christliche Aspekt" der Hilfsorganisation?

Er ist sehr wichtig für mich. Ich wäre Mercy Ships nicht beigetreten, wenn die Organisation sich nicht öffentlich zu ihrem “christlichen Aspekt” bekennen würde. Trotz dessen ist Mercy Ships keine Missionsorganisation, sondern ein Hospitalschiff auf der Grundlage christlicher Werte, das sich um alle Kranken jeglichen Hintergrundes kümmert.

Welche Werte sind für Sie zentral? Was ist Ihnen wichtig in Ihrem Leben und in Ihrer Arbeit?
Ehrlichkeit und Loyalität sind sehr wichtige Werte in meinem Leben und auch in meiner Arbeit. Auch ist mir die richtige innere Haltung eines Menschen wichtiger, als seine Fähigkeiten oder Leistungsvermögen. Mit der richtigen Haltung kann jeder große Dinge tun.

Wo sehen Sie die Stärken von Mercy Ships?
Mercy Ships ist eine sehr komplexe Organisation, ich vergleiche es mit dem Management eines Krankenhauses, eines Hotels, eines Restaurants, einer Bank, einer Postfiliale, etc. Auf dem Schiff besteht eine der komplexesten Organisationen, die ich je gesehen habe. Ich habe schon viel größere Unternehmen geleitet, aber das ist eines der komplexesten, das ich kenne. Dabei sei beispielhaft darauf hingewiesen, dass Mitarbeiter aus 43 verschiedenen Nationen zusammenarbeiten oder die Fähigkeit gefordert ist, extrem flexibel zu sein, besonders dann, wenn unerwartete Dinge passieren (wie mit der derzeitigen Änderung des Einsatzlandes).


Was denken Sie, sind die größten Herausforderungen für Mercy Ships?
Sich auf das zweite Schiff vorzubereiten, für das wir mehr ehrenamtliche Mitarbeiter finden müssen. Gleichzeitig muss sich die Organisation intern reflektieren, um diese Erweiterung angemessen nach außen darstellen zu können.


Wie sieht für Sie die Zukunft von Mercy Ships und Hilfsorganisationen im Allgemeinen aus?

Ich glaube, dass die Zukunft für Mercy Ships gut aussieht, da uns viele Länder bitten, für einen Einsatz zu ihnen zu kommen oder für einen weiteren zurückzukehren. Mit dem neuen Schiff werden wir unsere Kapazität verdoppeln können. Wir werden uns auch immer mehr auf Fort- und Weiterbildung für einheimische medizinische Fachkräfte konzentrieren, um sicherzustellen, dass sich die Gegebenheiten vor Ort bleibend verbessern, auch nachdem wir den Einsatzhafen verlassen haben.

Lassen Sie mich enden mit einem Appell: Wir brauchen viele weitere deutsche und deutschsprachige Mitarbeiter an Bord, als Ärzte, Chirurgen aber auch Mechaniker, Friseure etc.

Herr Decorvet, wir danken Ihnen dafür und natürlich für dieses gesamte Interview und wünschen Ihnen und Ihrer Familie Gottes Segen und einen gelungenen Start an Bord der Africa Mercy!

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