Vertrauen aufbauen, damit die Angst weichen kann

Eindrücke vom Mercy Ships Screening in Guinea

18.10.2012

Vertrauen ist die Brücke zwischen Mercy Ships und den Menschen, die in Westafrika Hilfe auf unserem Hospitalschiff suchen. Dort wo Vertrauen herrscht, kommt auch die Hoffnung wieder, dass alles anders werden kann. In unserem Alltag aber setzen wir allzu leicht voraus, dass Vertrauen etwas Selbstverständliches ist. Dabei werden wir immer wieder daran erinnert, dass Vertrauen erst aufgebaut werden muss.

Oftmals haben Patienten, die zu Mercy Ships kommen, einen langen von Leid geprägten Weg und viele Enttäuschungen hinter sich. Vorsichtig wägen sie deshalb ab, wem sie ihr Vertrauen schenken und wem sie sich anvertrauen können. Die Brücke zwischen uns und den Patienten muss erst gebaut werden. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir ihr Vertrauen verdienen, damit ihre Angst weichen kann.

Dies ist eine Erfahrung, die auch Catherine Murphy gemacht hat. An Bord der Africa Mercy in Guinea ist Catherine in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. In ihrem aktuellen Bericht teilt sie mit uns ihre Eindrücke vom Screening-Tag, der Voruntersuchung der Patienten, vor wenigen Wochen:

„Als neuer Mitarbeiter auf der Africa Mercy, kann man sich nicht so recht vorstellen, was bei einem Screening von Mercy Ships genau abläuft. Ich hatte zwar schon Bilder gesehen und auch einiges darüber gehört. Beispielsweise wie anstrengend es sei, aber andererseits auch erfüllend; dass es traurige, gleichzeitig aber auch freudige Momente gäbe, und dass es heiß sein würde. So konnte ich mich also auf das große Ereignis ein bisschen einstellen. Trotzdem erlebte ich eine Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hätte.

In meiner Tätigkeit als Berichterstatterin wollte ich am Screening-Tag mit den Patienten eine Beziehung aufbauen, die zur Behandlung an Bord der Africa Mercy kommen würden. Ich setzte mich also in die Nähe der letzten Screening-Station, an der die Patienten die Karte mit ihrem Operationstermin erhalten sollten. So konnte ich am besten beobachten, wie die Menschen vor Freude überglücklich sind und sich umarmten – dachte ich. Schließlich wollte ich miterleben, wie am Ende dieses Tages jeder Patient strahlte, der einen Termin bekommen hatte, weil er wusste, dass er eine lebensverändernde Operation erhalten würde. Auch war ich der Meinung, dass es sich für die Betroffenen so anfühlen musste, als ob sie das große Los gezogen hätten. Aber die Patienten kamen still und leise und gingen auch wieder still und leise.

Ich sprach an diesem Tag mit mehr als 25 Patienten, die einen Operationstermin erhalten hatten. Jeden von ihnen fragte ich verwundert, warum er so ernst und zurückhaltend sei. Immer wieder hörte ich sie sagen: „Oui, je suis content.“ – „Ja, ich freue mich“. Aber so schien es ganz und gar nicht zu sein.

Ich ging auf eine Patientin zu, die einen Tumor am Hals hatte. Als ich sie fragte, wie sie sich fühle, blieb die junge Frau still. Sie sah nur immer wieder mich und dann Barry, meinen Übersetzer an. Sie murmelte etwas in Susu, ihrer Muttersprache. Barry sah zu Boden und nickte. Dann wandte er sich zu mir und übersetzte: „Sie sagt, sie ist verunsichert.“

Ich hatte verstanden. Egal in welcher Sprache, ob in Französisch, Englisch, Susu, Malinke oder Pular – die Antworten auf meine Fragen standen in den Augen der Menschen. Sie hatten Angst und ich konnte nachvollziehen, warum. Krank und leidend fanden sie sich auf einmal in einer neuen, unbekannten Umgebung. Für viele war das eigene Leben von Enttäuschungen, Schmerz und Scham geprägt. Weshalb sollte jetzt alles anders sein? Warum sollten sie wegen einer kleinen gelben Karte aus der Fassung geraten? Es gab keinen Grund dafür. Noch nicht! Ich hatte vergessen, dass Vertrauen erst aufgebaut werden muss.

An diesem Abend ging ich erschöpft zurück auf das Schiff. Der Screening-Tag war in der Tat anstrengend, erfüllend, traurig, freudig und auch heiß gewesen. Dennoch freute ich mich darauf, am nächsten Tag wieder zu arbeiten. Mir war klar geworden, dass die Zeit zu Feiern noch vor uns liegt.

Wenn wir unsere Patienten im Mercy Ships Hospital willkommen heißen und wenn wir Jesu Beispiel von Liebe folgen, brauchen wir keine Übersetzer, um den Menschen zu zeigen, dass sie uns wichtig sind, und dass man sich auf uns verlassen kann. Wie ein Lächeln ist Sein Beispiel universell in allen Sprachen. Es ist unsere Aufgabe, unsere Patienten wie uns selbst zu lieben, die Hoffnung und Heilung lebensverändernder medizinischer Behandlungen anzubieten und zu beweisen, dass wir das Vertrauen der Patienten verdienen.

Wenn das geschehen ist, werden wir miteinander feiern. Davon bin ich überzeugt.“

Das OP-Schiff
Neue TV-Serie auf NatGeo People zeigt Ärzte bei ihrer lebensrettenden Mission auf der Africa Mercy. Mittwochs um 20:15 Uhr. mehr »
bringt Hoffnung und Heilung...
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