Unsere Crew im Einsatz gegen Covid-19

Victoria Martin berichtet

Viele Crew-Mitglieder an Bord der Africa Mercy kennen Victoria Martin einfach nur als „Vicky“. Bereits vier Mal leistete die gelernte Kinderkrankenschwester einen ehrenamtlichen Einsatz auf dem Hospitalschiff, zuletzt für zwei Jahre auf der Krankenstation. Dort pflegte sie unsere kleinen Patientinnen und Patienten gesund.

Heute ist sie wieder in Deutschland tätig, doch die Corona Pandemie hat auch ihr Leben auf den Kopf gestellt. Victoria berichtet:

„Normalerweise arbeite ich im Krankenhaus auf einer Schulkinderstation. Seit März bin ich nun aber in der Notaufnahme für Erwachsene eingesetzt und engagiere mich dort im Besonderen für COVID-19-Verdachtsfälle. Jung und Alt, ob mit oder ohne Vorerkrankungen, ich sehe sie alle täglich und muss erkennen, dass es jeden treffen kann. Das ist eine schockierende Feststellung, da ich den Virus anfangs noch nicht für so schlimm gehalten habe. Die Zeit in der Notaufnahme hat mich so schnell eines Besseren belehrt.

Vielen Patienten geht es sichtlich nicht gut, wenn sie in die Notaufnahme eingeliefert werden. Andere müssen eine rasante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes erleben. Die Allermeisten wissen nicht, wie schlecht es wirklich um sie bestellt ist. Daher handeln wir als Personal schnell und effizient. Eilig werden die Patienten notfallmäßig versorgt und behandelt, bevor sie größtenteils stationär aufgenommen werden müssen, um im Krankenhaus weiterhin betreut zu werden.

So wie auf der Africa Mercy

Viele vom Personal kommen aus anderen Fachabteilungen, so wie ich. Gemeinsam müssen wir uns an die ständig aktualisierten Verfahrensanweisungen anpassen und sie schnellstmöglich umsetzten. Ein Gedanke kommt mir bei all dem, wenn ich so darüber nachdenke, und lässt mich schmunzeln: Es ist ein kleines bisschen so, wie auf der Africa Mercy.

Auf dem Schiff hatten wir viele unbekannte und komplexe Krankheitsbilder, und jetzt mit den Covid-Patienten ist es ähnlich. Diese Krankheit ist allen neu, daher müssen wir uns alle gemeinsam daran wagen, sie zu bekämpfen. Und dabei uns immer wieder neu erfinden und verbessern.

Das bunt zusammengewürfelte Team in der Notaufnahme erinnert mich zum zweiten an die Crew auf dem Schiff, die ja auch aus unterschiedlichen Ländern kommt und immer bunt zusammengewürfelt ist.

Und drittens spielt mein Glaube hier die gleiche Rolle wie auf dem Schiff. Ich gebe den Glauben nicht auf, dass wie auf dem Schiff durch Gebet auch auf meiner Arbeit Wunder geschehen können. Ich glaube fest daran, dass wir durch die vielen Gebete deutschlandweit, die schon gesprochen wurden, ein Wunder erleben. Denn „die große Welle“, die überall vorhergesagt wurde, und die Überlastung des Gesundheitssystems hat uns bis heute nicht getroffen. Ich bin davon überzeugt, dass das die Gebete waren und die Gnade Gottes.

Für die Patienten da sein

Dieser Gedanke motiviert mich jeden Tag, hier in Deutschland den Menschen in ihrem Leid zu begegnen. Ich schaue dabei nicht auf meine Umstände, sondern stelle meine Bedürfnisse hintenan. Ich will ihnen ein Segen sein, indem ich für sie da bin, denn ihren Angehörigen ist es zurzeit nicht erlaubt.

Dabei schießt mir ein weiterer Gedanke durch den Kopf: Der Blick in den Augen meiner Patienten hier ist dem der Mercy-Ships-Patienten nicht fern. Bei jedem neuen Kranken an Bord der Africa Mercy konnte ich Hilflosigkeit, Angst und Schmerzen in den Gesichtern lesen. Die gleichen verzweifelten Blicke brennen sich nun wieder in mein Gedächtnis ein, und treffen mich erneut bis ins Mark. Jeder Mensch, den wir auf der Africa Mercy im Heilungsprozess begleitet haben, hat eine persönliche Geschichte, einen eigenen Namen und einen Platz in der Gesellschaft. Ich kannte nur wenig ihrer Vergangenheit, war ein kleiner Teil ihrer Gegenwart, und wusste nichts über ihre Zukunft. So geht es mir jetzt auch wieder mit meinen Patienten in der Notaufnahme. Doch es ist egal, für wie lange wir uns kennen: Ich bete für sie um Gottes Gnade und Heilung, denn am Ende ist er der Einzige, der nachhaltige Rettung und Heilung bringen kann.“

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Victoria Martin

Victoria Martin ist gelernte Kinderkrankenschwester und war bereits vier Mal auf der Africa Mercy im Einsatz.

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