Ich muss oft an dich denken!

Ein Erlebnisbericht von Sandra Schimek

Schon seit meiner Ausbildung hatte ich den Wunsch, als Krankenschwester nach Afrika zu gehen. Letzten Sommer folgte ich schließlich meiner Berufung und ging für 10 Wochen auf die Africa Mercy.

Auf Mercy Ships bin ich eher zufällig gestoßen – und war umso erstaunter zu hören, dass diese Hilfsorganisation in meiner Heimatstadt ihren Sitz hat. Ein Wink des Schicksals? Der Ruf Gottes?

Die Africa Mercy hatte aufgrund technischer Probleme zwei Wochen Verspätung. Zusammen mit anderen „Mercy Shippern“ erkundeten wir erst einmal die Gegend – für unsere spätere Arbeit ein wichtiger wie auch lehrreicher Trip durch Madagaskar. Dieses Land ist zwar arm, aber nicht arm genug, um weltweite Aufmerksamkeit zu erlangen. Zu sehen wie die Menschen dort leben und dass es an der einfachsten medizinischen Grundversorgung mangelt, prägte mich nachhaltig und veränderte meinen Blick auf unser eigenes Land.

Als wir dann endlich an Bord konnten, bewegte mich vor allem die Geschichte der kleinen Haingo. Liebe Haingo, das ist deine Geschichte:

Unser Screening-Team las dich durch Zufall in einem sehr kritischen Gesundheitszustand auf. Du warst 7 Monate alt und hast nur 2,2 kg gewogen, als du auf unsere Station kamst - das Gewicht eines Frühgeborenen und viel zu wenig für dein Alter. Deine beidseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte machte es deiner Mama unmöglich, dich zu stillen. Trotzdem schaffte sie es, dich 7 Monate lang mit Muttermilch zu ernähren. Als wir dich aufnahmen, warst du nur Haut und Knochen, und ich sah zum ersten Mal stehende Hautfalten bei einem Baby. Zusätzlich hattest du die Krätze – eine juckende Hauterkrankung, die dich quälte und viel weinen ließ. So eine Krankheit bekommt man unter anderem, wenn man sich wie du in einem schlechten Ernährungszustand befindet. Wenn ich dich mit der Spritze fütterte, hast du so hungrig und schnell getrunken, dass ich Angst hatte, du würdest dich ständig verschlucken – aber irgendwie gelang es dir beim Trinken tatsächlich deine eigene Technik zu entwickeln. In den ersten Tagen warst du selbst nach den Mahlzeiten oft unzufrieden – und das, obwohl wir dir alle zwei Stunden Milch gaben und die Menge täglich etwas erhöhten. Schließlich nahmst du an Gewicht zu und wurdest ein zufriedenes Baby. In meinen letzten Nachtdiensten musste ich dich sogar zum Füttern wecken, so friedlich hast du geschlafen und kurze Zeit später fingst du tatsächlich an zu lächeln. Wir zeigten deiner Mama, wie man Flaschennahrung zubereitet und dich damit richtig füttert. Mit einem Gewicht von 2,5 kg konnten wir dich dann endlich ins HOPE-Center entlassen. Dort wurdest du weiter betreut, bis deine OP stattfinden konnte. Heute, am 25.01.2016, also fast 5 Monate später, kam endlich dieser ersehnte Tag. Ich bin bereits wieder zurück in meiner Heimat und habe gerade wie so oft an dich gedacht.

bringt Hoffnung und Heilung...
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