Banay

Ein Mädchen kann wieder lachen

In einem Haus in Madagaskar schlüpft ein zwölfjähriges Mädchen zögerlich in ihren Badeanzug. Banay träumt davon, unbekümmert Ins Wasser zu springen und wie die anderen Kinder im Meer zu schwimmen. In Wahrheit aber wird sie auch an diesem Tag das Wasser des Indischen Ozeans nicht berühren, nicht den Mut finden, tatsächlich zu schwimmen. Zu sehr schämt sie sich, ihr Zuhause zu verlassen und ihr Gesicht im Tageslicht zu zeigen.

Ihre Lippenspalte ist der Grund, weshalb sie sich hässlich fühlt.
Ihr älterer Bruder, Theo, erzählt, sie berühre immerzu ihre Nase. Als ich sie frage, warum, beugt sie sich vor und flüstert: „Ich habe mich geschämt.“ Es ist ihre Weise, ihr Gesicht zu verstecken.

Banay ist ein extrem schüchternes und stilles Mädchen, vor allem deshalb, weil sie von Geburt an neben ihrer Lippen- auch unter einer Gaumenspalte leidet. Auch das Essen bereitet ihr Schwierigkeiten, weil beim Schlucken häufig versehentlich etwas in die Nase rutscht. Ihre Fähigkeit, ihre Gedanken in deutliche Worte zu fassen, ist stark eingeschränkt, wie uns auch Theo bestätigt: „Manchmal verstehen wir wirklich nicht, was sie uns mitzuteilen versucht.“ Denn ihr Handicap führt zusätzlich zu Hörproblemen, da die Verbindung der weichen Gaumenmuskeln mit dem Mittelohr eine höhere Anfälligkeit für Ohrinfektionen und sogar die Gefahr des völligen Gehörverlustes mit sich bringt.

Angstfrei hinter den schützenden Wänden ihres Hauses hervorzutreten, anderen Menschen zu begegnen - Diese und viele andere Dinge, die eigentlich Teil eines normalen Lebens darstellen, sind für Banay durch ihre Sprachschwierigkeiten unvorstellbar. Ihr größter Wunsch ist es, Freunde zu haben, mit ihnen herumalbern zu können. Doch die hat sie nicht. Es ist nicht leicht, eine Freundschaft aufzubauen, wenn dich niemand auch nur verstehen kann.

In Madagaskar beginnt für die meisten Kinder die Schulzeit im Alter zwischen vier und sieben Jahren, je nach Region, in der sie aufwachsen. Banay hingegen ist nie zur Schule gegangen und hat daher auch nicht zu lesen oder schreiben gelernt. Ihre Zukunftsaussichten sind aus diesem Grunde extrem eingeschränkt.

Die kanadische Krankenschwester, Brenda Sossou, die ehrenamtlich das Kinder-Sprachtherapie-Programm von Mercy Ships leitet, erklärt: „Bei vielen Gaumenspalten-Patienten liegt es nicht daran, dass sie sich nicht bemühen würden, das Sprechen zu erlernen, oder dass sie nicht die Intelligenz dazu mitbrächten. Ihnen fehlt einfach, die Fähigkeit, ihren Worten klaren Ausdruck zu verleihen, weshalb sie schließlich ganz den Mut verlieren, es auch nur zu versuchen.“

Als Banay von der Möglichkeit erfuhr, Hilfe bei Mercy Ships zu erhalten, machte sie sich mit ihrem Bruder auf den Weg zum Hospitalschiff. Sie erhielt einen Termin für eine kostenlose Behandlung! Eine Operation, die Banays Lippen- und Gaumenspalte schloss und die anschließende logopädische Betreuung ermöglichen Banay jetzt einen Neuanfang. Für die tapfere Banay bedeuteten die kostenlose Operation ihrer Lippen- und Gaumenspalte und die anschließende Sprachtherapie der Gewinn von neuer Lebensqualität.
Nach nur einer Woche, zeigte sie große Fortschritte. In ihren Therapiestunden übte sie unter anderem durch das Blasen von Seifenblasen, Luft in ihrem Mund zu behalten und dies kontrollieren zu können – früher ein undenkbares Kunststück für sie, welches jedoch für das Formen von Lauten unerlässlich ist.

Zu aller Freude bewies Banay in einer weiteren therapeutischen Übung eines ganz unbezweifelbar: Darin, wie man sich herzhaft amüsiert, verstand sie sich bereits ausgezeichnet. Um ihre Gesichtsmuskeln zu kräftigen, stellte sie auf akrobatische und facettenreiche Weise witzige Grimassen zur Schau - eine wahre Meisterin! Und ich wage mich, bereits mit Gewissheit vorauszusagen: Banays zukünftigen Freunde werden sich wahrhaft glücklich schätzen über ihre neue, lebenslustige Bekanntschaft.

Ihr älterer Bruder, Theo sagt „wir freuen uns sehr, weil Banay jetzt wie alle anderen aussieht. Wir freuen uns auch, dass sich ihre Aussprache verbessert. Vielen, vielen Dank. Möge Gott euch belohnen, denn wir können nichts von dem zurückgeben, was ihr für uns getan habt. Wir sind beeindruckt von den operativen Möglichkeiten. Noch tiefer beeindruckt hat uns aber die Freundlichkeit der Ärzte und Schwestern, die sich um Banay gekümmert haben“.

Der Erfolg für all die harte Arbeit, die es in der Therapie zu bewältigen gilt, zeichnet sich in der wertvollen Fähigkeit aus, die sie nach und nach hinzugewinnt: Aus Lauten lernt sie, Worte zu formen und aus Worten zusammenhängende Sätze. Hierfür haben sie die Ärzte und die ehrenamtliche Therapeutin mit einer reichen Auswahl an Lernkarten ausgestattet. Es liegt noch ein langer, teils beschwerlicher Weg vor ihr, an dessen Ende jedoch das eine große Ziel steht – für Banay der strahlende Traum von einer besseren, unbekümmerteren Zukunft. „Wir hoffen, dass Banay die Übungen, die wir ihr gezeigt haben, fleißig und regelmäßig fortführt. Eines Tages wird sie dann der Welt entgegensehen und mit einer selbstbewussten, starken Stimme ihren klaren Worten Ausdruck verleiht, vielleicht ja sogar Flügel.“, beschreibt Brenda das gemeinsame Ziel.

Autor: Eunice Hiew

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