Edouard Eyessi

Unvergessliche Tage

05.03.2015

Seit seiner Geburt litt Edouard Eyessi an einem sehr schmerzhaften Leistenbruch (Hernie). Jede Art von Anstrengung verursachte ihm stechende Schmerzen, selbst lautes Sprechen war ihm kaum möglich. Die Schwellung war sehr unangenehm und vergrößerte sich mit zunehmendem Alter. Die größte Sorge der Familie war, dass Edouard nicht in der Lage sein würde, Kinder zu zeugen, wenn er ins heiratsfähige Alter kam.

Eine Operation, die den Bruch beheben würde, war laut Auskunft der Ärzte erst ab dem sechsten Lebensjahr möglich. Eugenie, Edouards Mutter, erzählt rückblickend: „Während der Zeit des Wartens war es das Schwerste für mich, mit ansehen zu müssen, wie mein Sohn nicht wie die anderen Kinder in seinem Alter spielen konnte.“

Kurz nach seinem sechsten Geburtstag brachten Edouards Eltern ihren Sohn wieder ins Krankenhaus. Dort mussten sie eine schwere Entscheidung treffen, denn die den Ärzten bekannte Operationsmethode bei Hernien in der Leistengegend barg die Gefahr, Edouard dauerhaft zeugungsunfähig zu machen.

Eugenie und Ihr Mann, Athanaz, trafen eine schnelle, dennoch schwierige Entscheidung: Sie würden versuchen, ihrem Sohn dabei zu helfen, mit seiner Krankheit leben zu lernen, anstatt eine Zeugungsunfähigkeit zu riskieren.
In den darauffolgenden Jahren konnte Edouard kein Fußball spielen oder sich an anderen körperlich anstrengenden Spielen beteiligen. Häufig auftretende Schmerzen und Schwellungen fesselten ihn zudem immer wieder ans Bett. Er konnte nicht schwer tragen, geschweige denn im Haushalt helfen.

Doch er besaß eine natürliche Begabung, die er gerne einsetzte, um anderen zu helfen. „Unser Sohn hat begabte Hände, die Linderung verschaffen“, sagt die sichtlich stolze Mutter. „Er hat schon vielen Menschen durch seine Massage geholfen.“ Familienangehörige wie Freunde profitierten von Edouards Fähigkeit – so auch sein Vater, der als Schuldirektor an der Lomé Public School arbeitet. „Den ganzen Tag über sitze ich in Besprechungen, in denen wir anstehende Probleme lösen. Dadurch sind meine Muskeln meist sehr verspannt. Edouards Massage bringt mir Entspannung, er massiert Knoten im Nacken und Schulterbereich aus“, sagt der Vater.

Auch in der Schule blieb Edouards Begabung nicht lange verborgen. Sein Lehrer Wilson Adjei, selbst Footballspieler, ermutigte ihn, seine Massagekünste für die Sportteams einzusetzen. Dank Edouard hat das Team seither mit wesentlich weniger Schmerzen zu kämpfen.

Eines Tages erfuhren Edouard und seine Familie aus dem Fernsehen, dass eine Organisation namens Mercy Ships kommen würde, um kostenlos medizinische Hilfe anzubieten. Zu diesem Zeitpunkt war Edouard bereits 16 Jahre alt. Ohne Zögern beschloss die Familie, dass er zur Voruntersuchung gehen müsse. Seinen ersten, unvergesslichen Tag bei Mercy Ships beschreibt der Teenager folgendermaßen: „Mein Lehrer, Herr Adjei, begleitete mich zum Kegue Stadion, wo die Untersuchung stattfand. Wir kamen morgens um 4 Uhr an. Nachdem wir viele Stunden gewartet hatten, wurde ich am Ende des Vormittages zu einer zweiten Untersuchung auf dem Schiff zugelassen. In der folgenden Nacht konnte ich kaum schlafen, weil ich die ganze Zeit gebetet habe, dass ich Hilfe bekomme.“

Edouards Gebete wurden erhört. Es dauerte nicht lange und Edouards Leistenbruch wurde an Bord der Africa Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Welt, operiert. Ein lebensverändernder Eingriff. Dr. Nabil Gayed, ein Chirurg aus den USA, operierte den Jungen. Für den Arzt war es der erste Einsatz als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Mercy Ships. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden: „Ich freue mich, etwas bewirken zu können. Ganz besonders für einen jungen Mann wie Edouard, der noch sein ganzes Leben vor sich hat.“

Vor seiner Entlassung erwartete Edouard noch eine besondere Überraschung. Die Mercy Ships Physiotherapeuthin Joanne Gates lud ihn ein, bei zwei ihrer Behandlungen zuzuschauen. Sie erklärte ihm die Behandlungsschritte und hatte dabei Edouards volle Aufmerksamkeit. „In diesem Bereich möchte ich einmal arbeiten. Es war für mich ein tolles Erlebnis, von einer ausgebildeten Physiotherapeutin zu lernen. Das ist für mich der zweite unvergessliche Tag bei Mercy Ships“, berichtet Edouard.

Als der junge Mann in sein Heimatdorf zurückkehrte, war das Staunen groß. Mit brüchiger Stimme beschreibt Eugenie die Reaktion ihres Ehemannes: „Beim Anblick seines Sohnes weinte Athanaz vor Freude. Vor Edouard liegt jetzt eine Zukunft ohne die Schmerzen und körperlichen Einschränkungen, unter denen er so viele Jahre gelitten hat. Zuerst war es wie ein Traum. Aber dank Mercy Ships ist dieser Traum Wirklichkeit geworden.“

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