Mioty

Eine neue Nase. Und ein neues Herz

Während sich Mioty nach der Operation erholt, darf sie bereits an Deck spielen

Nicht nur die Patienten erleben bei Mercy Ships tiefgreifende Lebensveränderungen. Auch unsere Mitarbeiter erleben herzergreifende und tragische Momente, die für sie unvergesslich sind. Stationsschwester Heather Morehouse erzählt eine ganz besondere Geschichte:

Das Leiden eines 5-jährigen Mädchens in Bett D9 hat mein Leben verändert

Als du auf die Station kamst, sah ich als erstes dein Gesicht: deine nach oben gezogene Lippe, durch die dein Blick immer finster wirkte. Dein linkes Auge fehlte und dein Gesicht war deformiert. Du spieltest, aber du warst auch aggressiv. Als hättest du dein ganzes Leben lang nur gekämpft.

Ich erfuhr, dass deine Mutter dich mit deinen älteren Geschwistern zu Hause allein gelassen hatte, als du eine Woche alt warst. Sie ging arbeiten, um für dich und deine Geschwister sorgen zu können. Als sie nach Hause kam, musste sie feststellen, dass ein wildes Tier dich angegriffen hatte. Ein Loch war in deinem Gesicht, das sich entzündete, vermutlich mit einem gewebszerstörenden Bakterium namens Noma. Es zerstörte deine Nase und nahm dir ein Auge. Ein Arzt vor Ort nähte dein Auge zu und riet deiner Mutter, während der nächsten fünf Jahre jeden Tag heißes Wasser auf dein Auge zu gießen. Sie wusste nicht, was sie sonst hätte tun können.

Ich erinnere mich, wie deine Mutter weinte, als Dr. Garys Frau, Susan, ihr in die Augen sah und sagte: „Du bist eine gute Mutter. Du bist mutig.“ Es schien, als hätte deine Mutter diese Worte in ihrem ganzen Leben noch niemals gehört. Fünf Jahre lang hatte sie sich um dich gekümmert. Sie hielt dich im Haus, damit ihr beide keine angeekelten Blicke und Kommentare ertragen musstet. Sie wollte dich schützen, aber sie hatte keine Unterstützung. Ihre Augen sahen so müde und abgekämpft aus. Sie ist die geduldigste und liebevollste Mutter, die mir je begegnet ist.

Ich erinnere mich auch an meine vergeblichen Versuche, dich zum Lächeln zu bringen. Dein ganzer Kopf war bandagiert und mit deinem guten Auge konntest du kaum etwas erkennen. Ich habe dir vorgelesen und deine Hände auf die Bilder gelegt. Aber das beeindruckte dich nicht und nach einer Weile zogst du die Hände weg. Mein Herz tat deinetwegen weh. Ich brachte dir Malstifte. Du nahmst dir die Schachtel und schüttetest sie alle auf deinem Schoss aus, als hättest du Angst, jemand könnte sie dir wegnehmen.

Die Wochen vergingen und ich fühlte mich hilflos. Noch immer warst du so zornig wie zu Beginn. Wir Schwestern beteten oft für dich. Für Frieden in deinem Herzen und dafür, dass du uns vertrauen würdest und das kleine Mädchen in dir wieder zum Vorschein käme.

Mioty wird während der ganzen Behandlungsphase von ihrer Mutter begleitet, die sich seit Jahren aufopferungsvoll um ihre Tochter kümmert

In deinem Herzen war so viel Qual. Du trautest dich keine Armeslänge weit weg von deiner Mutter. Nach den Behandlungen verstecktest du dich unter dem Bett. Manchmal für Stunden. Jedes Mal, wenn ich dich begrüßte, strecktest du die Faust nach mir aus. Du verweigertest jegliche Medizin. Weil du sie mir ins Gesicht gespuckt hattest, versteckte ich sie in deinem Essen – was ungefähr zwei Tage lang funktionierte, bis du es merktest und dich fortan weigertest zu essen. Für deinen ersten Verbandwechsel verordnete der Arzt ein orales Beruhigungsmittel. Wir saßen zusammen und berieten, wie wir dich dazu bringen konnten, die Medizin zu nehmen. Ich fragte dich nach deinem Lieblingsessen, aber du wolltest es mir nicht verraten. Ich fragte dich, ob du Schokolade magst, und da nicktest du. Also mischte ich das Beruhigungsmittel mit Nutella und gab es dir mit einem Löffel und einem Lächeln. Du nahmst einen kleinen Löffel voll und ich freute mich – bis du alles wieder ausspucktest. Dich konnte man nicht austricksen. Uns blieb nur, dir eine Injektion zu geben.

Ich betete, dass der Frieden, den ich im Schlaf in dir sah, der Frieden sein möge, den du hast, wenn du wach bist. Dass, was immer dich quälte, verschwinden möge. Aber dann wachtest du auf und du verwandeltest dich wieder in dein zorniges Ich.

Doch dann kam die Woche, in der sich etwas in dir veränderte.

Deine Behandlungen hasst immer noch und wir geben dir keine Medikamente, die du schlucken musst, weil du dich weigerst, sie einzunehmen. Aber jetzt lächelst du. Vor ein paar Tagen beobachtete dich jemand, als du gesungen hast, und eine Schwester brachte dir bei zu winken.

Heute, über fünf Wochen, nachdem du zu uns gekommen bist, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten, als du zum ersten Mal mit deinem kleinen Roller durch die Station gefahren bist; als du dich von hinten an mich herangeschlichen hast, mich in die Seite pikstest und dann um die Ecke ranntest, damit ich dich fange; als ich dir in deinem Bett zuwinkte und du zurückwinktest. Heute habe ich gesehen, dass dein Herz ein kleines bisschen geheilt ist. Ein Herz, das sein ganzes Leben lang gekämpft hat und niemanden hineinließ hat. Weil niemand hinein wollte.

Ich habe geweint, weil du heil wirst. Und weil deine Reise so schwierig war. Ich erinnere mich an meine Frustration, wenn du um dich schlugst, wenn ich dich hielt. Ich sagte: „Alles ist gut“, aber durch deine Schreie hörtest du mich nicht. Obwohl ich oft daran dachte, darum zu bitten, nicht mehr deine Krankenschwester sein zu müssen, tat ich es doch nicht. Weil ich wusste, dass der Herr treu sein würde. Er würde deinen Körper und dein Herz heilen und er hat die Kraft, dir deine Freude zurückzugeben.

Du wirst jetzt wieder ein kleines Mädchen. Ganz allmählich lässt du zu, dass wir dich lieben. Die Qualen, die du während der vergangenen fünf Jahre erlebt hast, werden leichter.

Mein Herz war für dich zerbrochen. Ich habe den Herrn oft darum gebeten, mein Herz für seine Menschen zu brechen. Du bist der Beweis dafür, dass er es getan hat. Ich fühle mich geehrt, die Last seines gebrochenen Herzens zu tragen. Es ist all das wert, um dich zu lieben.

Du, mein Liebes, bist der Grund dafür, dass ich hier bin.

Von Heather Morehouse, AFM Stationsschwester https://heathermorehouse.wordpress.com

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