Ravette

Schritt für Schritt in ein neues Leben

23.06.2014

Der Schatten des Flugzeugs folgte dem Verlauf des Kongo bis zum Atlantischen Ozean – zu dem Schiff, das kostenlose Operationen anbietet. Sie hatten davon über das lokale Fernsehen erfahren und da das Dorf, aus dem die beiden kommen, schwer zu erreichen ist und die Reise allein zu beschwerlich wäre, unterstützte die Regierung ihre Anreise zum Schiff. Vivianne hielt die beiden von der Regierung bezahlten Flugtickets fest in der Hand, während sie für ihre hübsche Tochter, Ravette,betete. Ravette schaute vom Platz neben ihrer Mutter aus mit großen Augen aus dem Fenster.

Vielleicht, aber auch nur vielleicht würde es für Ravette auf dem Schiff Rettung geben. Und für Vivianne.

Ravette lebte seit ihrer Geburt elf Jahre zuvor mit einer Deformierung, die mit dem Fachbegriff »Genu Recurvatum« bezeichnet wird. Einfach übersetzt bedeutet es »rückwärts gebogenes Knie«, eine angeborene Verlagerung der Knie. Ravette hatte Probleme beim Gehen, beim Sitzen im Auto oder auf einem Stuhl, sie konnte kaum Treppensteigen und hatte Schwierigkeiten, die Schule zu besuchen.

Das auffälligste Merkmal an Ravette ist aber nicht ihre Deformierung, sondern ihr immer gleich bleibendes, hübsches Lächeln. Dieses strahlende Lächeln erhellte ihr Gesicht auch, als sie Dr. Frank Haydon, einen ehrenamtlichen orthopädischen Mercy Ships Chirurgen aus den USA begegnete. Dr. Frank lächelte zurück, während er ihre Beine untersuchte und seine Einschätzung erklärte: »In diesem Alter sind die Knie bereits deformiert. Sie werden sich nicht mehr normal beugen lassen, aber wir können sie begradigen.«

Ravette und Vivianne wurden die Vorher-Nachher- Bilder eines Jungen namens Abel gezeigt, der während des Einsatzes in Togo Patient auf der Africa Mercy gewesen war. Abel hatte an einer ähnlich schweren Ausprägung von Genu Recurvatum gelitten. In dem Video über Abels Genesung sahen sie, dass er mit geraden Beinen den Gang entlanglief. »Erst als ich den Film sah, konnte ich glauben, dass meiner Tochter wirklich geholfen werden kann«, sagte Vivianne später.

Vor dem Eingriff wurden Ravettes Beine in spezielle orthopädische Gipse platziert, auf die noch weitere folgen sollten. Durch diesen Prozess, der die Dehnbarkeit erhöht, wurden ihre Beine schrittweise gestreckt.

Der Eingriff verlief erfolgreich! Während Ravette auf ihren Gehhilfen durch die Krankenstation hüpfte, erfand sie immer neue Arten, Spaß zu haben. Ob es nun das Spielen mit einem Zeichenprogramm auf einem alten Computer war oder das Imitieren der Englischen Sprache. Mit Singsang- Stimme ahmte sie ihre neuen Freunde nach: »Mir geht es gut, wie geht es dir?« Dafür erntete sie immer wieder ein fröhliches Lachen.

Sobald ihre Knochen stark genug zum Laufen waren und Ravette keine Hilfe mehr brauchte, war es Zeit für Ravette und ihre Mutter das Flugzeug zu besteigen, das sie nach Hause zurückbringen sollte. Ravette wusste genau, welche Pläne sie für die Zukunft hat: »Ich möchte einen Job in einem Büro finden und am Computer arbeiten. Ich werden eine Chefin sein!« Und dann fügt sie hinzu: »Aber zuerst werde ich anderen Menschen, die leiden, sagen, dass sie auf das Schiff kommen sollen, damit ihnen geholfen wird.« Lächelnd fügte ihre Mutter hinzu: »Und damit auch anderen Eltern geholfen wird, so wie mir geholfen wurde.«

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