Sandrins

Nicht mehr die Zurückgelassene

Traurig schaut Sandrins ihren Schwestern zu, wie sie mit den anderen Kindern die Nachbarstraße herunter rennen. Sie freuen sich auf einen weiteren Schultag, an dem sie neue Dinge lernen können. Die achtjährige Sandrins beobachtet sie sehnsüchtig: Wie gerne würde sie sich ihnen anschließen! Während all ihre Geschwister und Freunde eine Schulausbildung genießen, muss Sandrins zuhause bei ihrer Mutter bleiben - zurückgelassen wie so oft. Der Grund ist eine Missbildung ihres Fußes.

Sandrins Leben hat nicht immer so ausgesehen. Für gewöhnlich ging sie mit den anderen zur Schule, doch inzwischen sind einige Monate vergangen, seitdem sie zuletzt am Unterricht in Invoilina, etwa 30 Minuten nördlich von Tamatave in Madagaskar, teilgenommen hat. Nach und nach wurde der drei Kilometer lange Schulweg zu schmerzvoll.

Nicht mehr die Schule besuchen zu können, war nur eine von vielen Einschränkungen in Sandrins Leben, nachdem ihr rechtes Bein durch eine Chinin-Injektion Schaden genommen hatte. Das Medikament, welches sie von ihrer Malariaerkrankung heilte, zerstörte tragischer Weise einseitig ihre Beinnerven, weshalb sich ihr rechter Fuß am Knöchel nach innen verbog.

Sandrins Mutter Lydia schildert die Details, wie sich der Fuß ihrer Tochter nahezu über Nacht verändert hat: "Etwa eine Woche nach der Spritze begann ihr Fuß anzuschwellen. Und so ging es auch über einige Monate hinweg weiter. Wir versuchten alles, aber ergebnislos."

Zu dieser Zeit war Sandrins erst fünf. Eine Weile lang bemühte sich Lydia, Sandrins weiterhin zur Schule zu schicken, indem sie das Kind selbst auf ihrem Rücken trug. Doch als Sandrins wuchs, wurde sie zu schwer, um von ihrer Mutter getragen zu werden. Lydia sah sich gezwungen, ihre Tochter zuhause zu behalten und deren Schulausbildung damit auszusetzen.

Eines macht es besonders traurig für die Mutter, ihre Tochter in dieser Verfassung zu sehen: Sandrins hat eine Zwillingsschwester, Sandra, die gesund ist. Die Unterschiede zwischen den beiden Mädchen kann man bis zu ihrer Geburt zurückverfolgen. Während Sandra als ein starkes, gesundes Kind geboren wurde, war Sandrins dagegen dünn und zerbrechlich.

Trotz allem gab Lydia die Hoffnung auf Heilung ihres geliebten Kindes nicht auf, und tatsächlich trat diese auf wundersame Art in Erscheinung. Aufgeregt beschreibt Lydia die Radio-Ankündigung von der Ankunft von Mercy Ships: "Im Radio hörte ich von jemandem, der Fußprobleme behandelt - Schwellungen und vielerlei andere Beschwerden. Diese Menschen luden uns ein, zum Manara-Penitra Hospital zu kommen." Sie glaubte, die Ankunft des Schiffes könnte die letzte Chance ihrer Tochter auf Genesung sein.

Mit Sandrins auf ihrem Rücken bestritt sie also den Weg nach Tamatave, wo sie mit hunderten anderen Hoffnungsvollen zusammen am ersten Tag der Untersuchungen wartete. Lydia war überglücklich, als ihre Tochter einen Termin für einen chirurgischen Eingriff an Bord der Africa Mercy, dem weltweit größten privaten Hospitalschiff, bekam.

Sandrins Genesungsweg an Bord bestand aus zwei Behandlungsschritten. Zunächst löste der ehrenamtliche amerikanische Chirurg Dr. Frank Haydon operativ die Fußsohlenfaszie, dem dünnen Band, welches die Ferse mit den Zehen verbindet, um den Fuß des Mädchens gerade zu richten. Ein zweiter Eingriff, fünf Wochen später, begradigte ihn anschließend vollständig. Für einige Wochen trug Sandrins einen Gipsverband, um ihrem Fuß zu erlauben, in richtiger Position ganz auszuheilen.

Die zweite Genesungsschritt – die emotionale Heilung - trat zu nahezu der gleichen Zeit ein. Als die ständig Zurückgelassene hatte sich Sandrins zu einem sehr zurückhaltenden, stillen Kind entwickelt. Wann immer Fremde sie während des Aufenthalts auf der Africa Mercy besuchten, verbarg sie sich hinter ihrer Mutter und mied jeglichen Blickkontakt zu ihnen. Durch die liebevolle Fürsorge der Pflegerinnen und Pfleger jedoch blühte das Mädchen auf und ihre wahre Persönlichkeit begann von innen heraus zu scheinen. Sie wurde zu ihrer „kleinen Gehilfin" auf der Krankenstation. Anstelle des schüchternen, kleinen Mädchens, das sich hinter ihrer Mama versteckte, war ihr offenes und fröhliches Wesen getreten - immer in Laufbereitschaft, um die erste sein zu können, Menschen zu begrüßen.

Jeder Erfolgsmoment auf ihrem Weg der körperlichen und emotionalen Heilung bringt Sandrins ihrem Ziel, wieder zur Schule gehen zu können, einen kleinen aber bedeutenden Schritt näher. In Zukunft wird sie nicht mehr die Daheimgelassene sein!

Jetzt Spenden
bringt Hoffnung und Heilung...
Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×