Somaya

Mit der Geburt ihrer Tochter Somaya veränderte sich das Leben von Neny schlagartig. Als die junge Frau ihr Neugeborenes zum ersten Mal sah, erschrak sie sehr. Der Mund des kleinen Mädchens war durch eine Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalte offen und ihr kleines Gesicht wirkte dadurch entstellt. So etwas hatte sie vorher noch nie gesehen! Ihr Ehemann war außer sich: „Das ist nicht mein Kind! Niemand in meiner Familie hat so eine Entstellung. Dieses Kind gehört nicht zu mir!“ Kurz darauf verließ er seine Familie und zog in ein anderes Dorf.

Als Neny aus dem Krankenhaus entlassen wurde und in ihr Dorf zurückkehrte, bedrängten die Nachbarn sie und sagten ihr, sie solle das Kind loswerden. „Gib sie einfach weg oder in ein Waisenhaus!“ Neny war verzweifelt, hörte aber nicht auf ihre Worte. „Somaya ist ein Geschenk Gottes!“, gab sie zur Antwort.

Die junge Mutter hörte nicht auf für Somaya zu beten. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als eine Fernsehsendung ein paar Monate später die Ankunft von Mercy Ships in ihrem Heimatland ankündigte. Sie erfuhr, dass Kinder und Erwachsene mit der gleichen Entstellung wie ihre Tochter sie hatte von Chirurgen an Board kostenlos operiert werden.

Als sie hörte, dass Mercy Ships Voruntersuchungen für mögliche Patienten durchführen wollte und diese bald in einem Dorf in ihrer Nähe stattfinden sollten, dachte Neny: „ Das ist Gottes Antwort auf meine Gebete.“

Früh am Morgen brach Neny mit Somaya auf, um sie zur Untersuchung aufs Schiff zu bringen. Dort angekommen sah sie zum ersten Mal Menschen, die wie ihre Tochter das gleiche Krankheitsbild hatten. Das gab ihr Mut und sie konnte ihre Freude kaum verbergen, als sie Somayas gelbe Karte mit einem OP-Termin in der Hand hielt.

Leider wurde dieses Glück und die anfängliche Freude über diese gute Nachricht getrübt und verwandelte sich in tiefe Verzweiflung. Denn nur zwei Tage vor dem Behandlungstermin ihres Kindes brach ein Feuer in ihrer Hütte aus. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber Neny verlor durch den Brand ihre letzten Habseligkeiten. Sie erinnert sich: „Natürlich war ich über den Verlust meiner Sachen traurig, aber das Schlimmste war der Verlust der gelben Karte. Es ging schließlich um die Zukunft meiner Tochter. Ihre Lippen sollten korrigiert werden und nun war diese Möglichkeit mit dieser Karte verbrannt.“ Dieser Gedanke lastete schwer auf ihr und sie fühlte sich hoffnungslos.

Als Somaya dann einige Zeit später zu sprechen begann, erschwerte ihr entstellter Gaumen deutlich das Formen ihrer ersten Worte. Auch die Nahrungsaufnahme wurde tagtäglich zu einer neuen Herausforderung. „Selbst das Wasser trinken bereitete ihr die größten Schwierigkeiten. Beides lief in die Luftröhre statt in die Speiseröhre. Dadurch wurde sie oft krank und musste ständig husten“, erinnert sich die Mutter.

Fünf Monate später wurden Nenys Hoffnungen erneut geweckt, als sie über eine Radioansage erfuhr, dass Mercy Ships nach Madagaskar zurückkehren würde. Auch dieses Mal sollte ein Tag zur Voruntersuchung in ihrer Nähe stattfinden. Das war Somayas zweite Chance! Dann lief alles schneller als Neny es erwartet hatte. Ihre mittlerweile zweijährige Tochter erhielt einen neuen Termin für den lang herbeigesehnten Eingriff.

Auf der Krankenstation des Hospitalschiffes fanden Mütter von Kindern mit Lippen- und Kiefernspalten Trost und Unterstützung. „Wir fanden schnell einen guten Kontakt zueinander, da unsere Kinder das gleiche Problem hatten“, berichtet Neny. „Wir fragten uns gegenseitig: „Wie geht es deinem Baby?“. Es tat Neny gut, nicht länger die abwertenden und harten Worte der Nachbarn zu hören. Stattdessen wurden ihr Fürsorge und Barmherzigkeit entgegen-gebracht. Endlich fand sie Menschen, die Mitgefühl mit ihrer Situation hatten und sie verstanden.

Nach erfolgreicher Operation rief die glückliche Mutter aus: „Meine Tochter ist jetzt wieder gesund! Sie kann normal essen und trinken. Vor dem Eingriff brachte sie nur ein unverständliches „Mumma“ heraus. Jetzt wird ihre Aussprache immer klarer und deutlicher. Wenn sie etwas zu trinken möchte, dann sagt sie jetzt: Wasser, Mama!“

Neny freute sich darauf, mit ihrem Kind wieder in ihr Dorf zurückzukehren. Sie konnte es kaum abwarten, den Nachbarn das neue süße Lächeln von Somaya zu zeigen. Mit Freude erfüllt sagt sie: „Sie werden sehr erstaunt sein, sie mit diesen geschlossenen Lippen zu sehen!“

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