Tahiry

Eine zweite Chance

Als Tahiry zwei Jahre alt war, bemerkte Victorine, dass etwas mit ihm nicht stimmte – die Beine ihres Sohnes verformten sich immer mehr zu sogenannten O-Beinen. Sie wusste nicht, was sie dagegen unternehmen sollte. Da sich Tahirys Zustand nicht verbesserte, brachte sie ihn ins nahegelegene Krankenhaus. Die einheimischen Ärzte sagten ihr, dass seine Beine nur durch eine kostspielige Operation begradigt werden können und die Kosten dafür rund eine Million Ariary (ca. 290 Euro) betragen würden.

Als alleinstehende Mutter hatte Victorine Mühe ihre zwei Kinder zu ernähren. Die eine Hälfte des Jahres arbeitete sie in der Landwirtschaft, während der anderen versuchte sie ihr Einkommen durch das Waschen fremder Kleidung aufzubessern. Trotz harter Arbeit, hätte sie niemals so viel Geld sparen können, um ihrem Sohn die benötigte Operation zu ermöglichen. „Wenn ich manchmal beobachte, wie eingeschränkt mein Kind beim Spielen mit anderen ist, macht mich das sehr traurig.“

Über zwei Jahre lang versuchte Victorine eine Lösung für diese Situation zu finden. Als Tahiry fünf Jahre alt war, begann sie erneut zu hoffen. Von einer befreundeten Familie erfuhr sie, dass auf dem Hospitalschiff von Mercy Ships chirurgische Behandlungen für Hilfsbedürftige kostenlos angeboten werden. Sie bemühte sich, einen Termin für ihren Sohn zur Voruntersuchung zu bekommen – leider ohne Erfolg, da der Terminplan für die Operationen bereits voll war. Victorine war verzweifelt! Sie fragte sich, ob die Chance auf Heilung für ihren Sohn jetzt endgültig verloren sei?

Ihre Verwandten sagten ihr, sie solle die Hoffnung nicht aufgeben, denn das Schiff würde wahrscheinlich nach kurzer Zeit wiederkommen – und sie hatten Recht! Die Africa Mercy kam tatsächlich ein zweites Mal nach Madagaskar. Victorine war überzeugt davon, dass ihr Sohn nun endlich die notwendige orthopädische Behandlung erhalten würde. Entschlossen machte sie sich mit Tahiry auf den Weg zum Manara-Penitra-Hospital, einem der Aufnahmezentren von Mercy Ships. Als sie dort an einem Mittwochnachmittag, um 17:00 Uhr ankamen, hatte das Krankenhauspersonal seine Arbeit bereits beendet und sie mussten auf den nächsten Tag warten. Abends nahm Victorine ihre Decken und ergatterte ein Stückchen Rasenfläche, um dort die Nacht zu verbringen. Hier vor dem Krankenhaus, in unmittelbarer Nähe der vielbefahrenen Geschäftsstraßen der Großstadt, lag sie auf dem Rasen und wartete auf den nächsten Morgen.

Sie hätte einfach alles getan, um für ihren Sohn die erforderliche Behandlung zu erhalten. Am nächsten Morgen wurde Tahiry dann endlich von ehrenamtlichen Mercy Ships-Mitarbeitern untersucht. Über tausend Menschen standen in einer langen Schlange und hofften auf einen Operationstermin und Tahiry war einer von ihnen.

Obwohl er mehr als sechs Wochen dicke Gipsverbände tragen musste, war sein Bewegungsdrang kaum zu stoppen. Seine Mutter war während dieser langen Genesungsphase immer an seiner Seite, um ihn zu begleiten und zu ermutigen. Tahirys Beine wurden geheilt und wiederhergestellt und Victorine bekam wieder Hoffnung für die Zukunft ihres Sohnes. „Tahiry soll wieder zur Schule gehen, damit er es später einmal leichter hat als ich. Jetzt, da seine Beine ihn wieder tragen, kann er ohne Probleme am Schulunterricht teilnehmen – dies ist der erste Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft, die sich seine Mutter so sehr für ihn wünscht.

bringt Hoffnung und Heilung...
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