Orthopädie in Afrika

Bei jedem Hilfseinsatz bieten wir in den Entwicklungsländern Afrikas Orthopädie als Teil unseres Behandlungsspektrums an. In unserer orthopädischen Klinik an Bord unseres Schiffes nehmen wir vor allen Dingen Kinder auf, die unter einer Fehlstellung der Beine leiden. Eine Operation stellt ihr Leben auf ganz neue Füße.

Unsere orthopädische Hilfe beinhaltet außerdem ein Rehabilitationsprogramm, das meist mehrere Wochen dauert. Hier begleiten unsere ehrenamtlichen Physiotherapeutinnen und Therapeuten jeden Schritt der kleinen Patientinnen und Patienten bis zu ihrer vollen Genesung. Mit jedem Schritt rücken die Kinder einem Leben näher, in dem sie befreit von sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung die Chance auf ein heiles Leben haben.

Die kostenlosen Operationen, die Mercy Ships anbietet, sind eben nur der Anfang!

Patientenbeispiel Ulrich

Ulrich wurde mit ausgekugelten Knien und einem Zustand geboren, der als „Quadrizeps-Kontraktur“ bekannt ist – ein Zustand, bei dem sich die Beinmuskulatur nicht im gleichen Tempo wie die Knochen entwickelt, wodurch sich die Beine drastisch nach hinten beugen. 

Seine Mutter Georgette versuchte verzweifelt, für Ulrich die Operation zu finden, die er brauchte. Aber die Kosten der OP und die Schwere seines Zustandes hatten ihre Hoffnungen zunichte gemacht. 
„Chirurgen wollten ihn nicht anfassen“, erinnert sich Georgette. Auch an Bord der Africa Mercy sorgte der „Fall Ulrich“ für Entsetzen. Selbst erfahrene Krankenschwestern hatten noch nie einen so gravierenden Fall gesehen. Doch die ehrenamtlichen Ärzte nahmen die Herausforderung an und operierten Ulrich.

Der Bedarf nach orthopädischer Hilfe in Afrika ist groß

Viele Fehlstellungen, die wir mithilfe der Orthopädie behandeln, sind angeboren. Unsere Patientinnen und Patienten leiden unter O-Beinen, X-Beinen, Quadrizeps-Kontrakturen oder Klumpfüßen. Die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates ist bereits seit der Geburt eingeschränkt und meist verschlechtert sich der Zustand über den Lauf der Zeit. Der Bedarf nach unserer orthopädischen Versorgung ist in Afrika besonders groß. Warum?

Orthopädische Behandlungen sind in Afrika nicht bezahlbar

In Entwicklungsländern haben die wenigsten Menschen eine Krankenversicherung. Eine orthopädische Behandlung müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. Doch das magere Einkommen reicht dafür meist nicht aus. Manchmal legen Familien ihre gesamten Ersparnisse zusammen, um einem Familienmitglied eine orthopädische Versorgung zu ermöglichen. Das Risiko, sich selbst zu verschulden, steigt. Damit wird ihre Armut noch weiter verschärft. 

Orthopädische Behandlungen sind in Afrika nicht verfügbar

Es gibt in den afrikanischen Entwicklungsländern wenig ausgebildete Orthopäden oder Orthopädinnen, und kaum orthopädische Kliniken. Die Reise in ein Land oder in eine Stadt, die über ein entsprechendes Angebot verfügt, treibt die Kosten für die Behandlung weiter in die Höhe. Daher müssen die Betroffenen meist ganz auf eine professionelle medizinische Versorgung verzichten.  

Mangel- und Fehlernährung verschlechtern Fehlbildungen

Bleiben die Fehlbildungen unbehandelt, verschlechtern sie sich meist über den Lauf der Zeit. Die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparat wird nicht richtig gefördert, und Fehl- oder Mangelernährung führen dazu, dass Gliedmaßen nicht richtig ausgebildet werden. In entwickelten Ländern werden angeborene Fehlstellungen, wie zum Beispiel X-Beine oder Klumpfüße, bald nach der Geburt behandelt. Erkrankungen dieser Art müssen rechtzeitig behandelt werden, damit die Behinderung des Kindes nicht immer größer wird.

Kinder leiden ein Leben lang unter den Fehlstellungen

Die Auswirkungen der orthopädischen Fehlstellungen sind gravierend. Kinder, die unter X-Beinen, O-Beinen, Quadrizeps-Kontrakturen oder Klumpfüßen leiden, können nicht laufen, rennen, springen oder anderen Sportarten nachgehen. Dadurch können Sie nicht an den Aktivitäten ihrer Altersgenossen teilnehmen, sie werden zu Außenseitern. Schlimmer aber noch wiegt, dass oft auch der Weg ins Klassenzimmer für sie eine große Hürde darstellt. Auf krummen Beinen schaffen sie es nicht in die Schule, öffentliche Transportmittel sind häufig nicht verfügbar oder für die Eltern nicht bezahlbar. Ohne Bildung fehlt den Patientinnen und Patienten jede Möglichkeit, später einen guten Beruf zu ergreifen und so Einkommen zu erwirtschaften.

Kinder mit Fehlstellungen bilden dadurch auch noch im Erwachsenenalter eine zusätzliche Belastung für Familien, die ohnehin schon unter Armut zu leiden haben.

Orthopädische Patienten fit für die Zukunft machen

Mit unserem orthopädischen Programm begegnet Mercy Ships dieser Not. Wir ermöglichen den Ärmsten eine orthopädische Behandlung und schenken ihnen mit einer kostenlosen Operation die Chance auf ein völlig neues Leben. In unserer Klinik an Bord nehmen wir sowohl Kinder als auch Erwachsene auf. Nach einer gründlichen Untersuchung operieren unsere ehrenamtlichen Orthopäden die Patientinnen oder Patienten. Manchmal sind mehrere chirurgische Eingriffe nötig, um die fortgeschrittenen Fehlstellungen zu korrigieren. Klumpfüße behandeln wir meist nicht-invasiv mithilfe der Ponseti-Methode.

Nach der Operation bietet Mercy Ships ein mehrwöchiges Rehabilitationsprogramm an. Das ist besonders wichtig, um die volle Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates herzustellen. Viele Kinder sind noch nie auf geraden Beinen gegangen. Unsere ehrenamtlichen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten begleiten ihre ersten unsicheren Schritten, bis sie wie ihre Altersgenossen fröhlich laufen, rennen oder springen können. 

Das Ergebnis unseres orthopädischen Angebotes ist so viel mehr, als einfach nur gerade Beine! Mit den kostenlosen Operationen und der anschließenden Physiotherapie ermöglichen wir großen und kleinen Patienten ein ganz neues Leben. Endlich stehen ihnen wieder alle Türen offen: die Tür zur Schule, zu Bildung und einem Beruf, die Tür zu einem gesellschaftlichen Leben. Während unserer Therapie sehen wir häufig wie Kinder, die jahrelang unter ihrer Isolation gelitten haben, langsam wieder neues Selbstbewusstsein gewinnen und wie nicht nur ihr Körper, sondern auch ihre Seele heilt.    

Unser orthopädisches Programm hat bereits das Leben Hunderter Patienten komplett auf den Kopf gestellt – so wie das Leben von Ulrich 

Orthopädische Fachkräfte ausbilden, um langfristig zu helfen

Unser orthopädisches Programm beinhaltet nicht nur die direkte medizinische Versorgung von Kindern und Erwachsenen, sondern auch die Ausbildung von einheimischen Fachkräften. Jedes Jahr investieren wir mit unserem Bildungsprogramm in das Gesundheitssystem unseres Einsatzlandes. Orthopädinnen und Orthopäden können zum Beispiel an unserem Mentoring-Programm teilnehmen. Besonders wichtig ist uns das Training von Einheimischen in der nicht-invasiven Ponseti-Methode, die eine besonders kostengünstige Behandlung von Klumpfüßen ermöglicht. 

Mit den Worten eines ehrenamtlichen Orthopäden

Seit mehr als 10 Jahren kehrt der Orthopäde und Chirurg Dr. Frank Haydon regelmäßig auf unser Hospitalschiff zurück, um ehrenamtlich Fehlbildungen zu behandeln. Während seiner Zeit mit Mercy Ships hat er bereits 650 Operationen durchgeführt. Dadurch hat er hunderten Kindern zu einem neuen Leben verholfen. 

Ousseynou und Assane nach der Operation mit Gipsschienen

“Ich denke, dass viele Menschen in Amerika kein Bewusstsein mehr haben für die Not der Armen und nicht wissen, wie gut es uns eigentlich geht. Selbst die Ärmsten hier haben Zugang zur elementaren Gesundheitsversorgung. Ich betrachte es als meine Pflicht, dort Versorgung und Ausbildung anzubieten, wo sie benötigt wird. Als Mercy Ships Ehrenamtlicher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man die Antwort auf die Frage 'Was ist der Sinn in meinem Leben?' tatsächlich findet.”

Dr. Frank Haydon

TEILEN

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit

„Ich unterstütze Mercy Ships, weil medizinische Versorgung ein absolutes Grundbedürfnis des Menschen ist und Mercy Ships diese zu den Ärmsten der Armen bringt."

TEILEN

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp

Unterstützen Sie unsere Orthopädie