Behandlung von Klumpfüßen in Afrika
Warum wir die Ponseti-Methode so sehr lieben
Jedes Jahr werden rund 100.000 Babys auf der ganzen Welt mit Klumpfüßen geboren. “Klumpfuß” ist eigentlich ein umgangssprachlicher Begriff, der eine ganze Reihe von Fehlbildungen der Füße umfasst. Charakteristisch ist jedoch meist eine Einwärtsdrehung der Füße (die Fußsohlen zeigen nach innen) und eine Verkürzung der Achillessehnen.
Klumpfüße müssen behandelt werden. Die angeborene Fehlbildung verhindert sonst, dass die betroffenen Kinder richtig laufen lernen. Während hierzulande ein operativer Eingriff und eine angemessene Therapie kurz nach der Geburt selbstverständlich sind, bleiben tausende Fälle in Entwicklungsländern unbehandelt. Betrachtet man alle Kinder mit unbehandelten Klumpfüßen weltweit, stellt man fest, dass 80% von ihnen in Entwicklungsländern anzutreffen sind.
Warum werden Klumpfüße in Entwicklungsländern nicht richtig behandelt?
Die Ursachen sind vielfältig. Manchmal fehlt den Eltern das Wissen, dass eine Behandlung notwendig ist. Sie hoffen, die Fehlstellung der Füße würde sich von alleine herauswachsen. Diese Hoffnung ist vielleicht auch verbunden mit dem Bewusstsein, dass sie sich eine Behandlung eh nicht würden leisten können. Armut verhindert in Entwicklungsländern häufig eine angemessene medizinische Versorgung, selbst wenn sie verfügbar wäre. „Verfügbar wäre“ ist hier der richtige Begriff, weil die Dichte an medizinischen Einrichtungen und Kliniken gerade in Afrika sehr gering ist und die Bevölkerung nur mit großem Glück überhaupt Zugang dazu hat. Selbst wenn dann eine Klinik vorhanden ist, mangelt es häufig an ausgebildeten orthopädischen Fachkräften oder Physiotherapeuten, die eine Behandlung der Klumpfüße vornehmen können.
Der Weg zu gesunden Füßen ist für die betroffenen Babys und Kleinkinder in Afrika also mehr als beschwerlich.
Die Ponseti-Methode als vielversprechender Weg zum Erfolg
Es gibt aber Lösungen für dieses Problem. Zwar können wir nicht die Armut der betroffenen Familien beenden, aber den Zugang zur medizinischen Versorgung für sie leicht und erschwinglich machen. Dabei hilft uns die Ponseti-Methode, die eine Reihe von Vorteilen bietet.
Die Ponseti-Methode ist eine Standardtherapie bei Klumpfüßen und geht zurück auf Ignacio Ponseti, der sie bereits in den 1950er Jahren entwickelte. Die Behandlung gliedert sich dabei in drei Phasen:
Gipse für gerade Füße
In der ersten Phase werden die deformierten Füße mithilfe von Gipsen sanft über Wochen in die richtige Position gebracht. Diese Methode mit speziellen Wickeltechniken ist sehr kostengünstig, da das Material für die Gipse auch in Entwicklungsländern erschwinglich und verfügbar ist.
Ein kleiner operativer Eingriff mit großer Wirkung
Ist mithilfe der Gipse kein weiterer Fortschritt in der Behandlung zu erzielen, kann mit einem kleinen operativen Eingriff nachgeholfen werden. Dabei wird die Achillessehne unter lokaler Betäubung durchtrennt. Das gibt dem Fuß die Möglichkeit, sich weiter in die richtige Richtung zu drehen. Dabei kommen weitere Gipstechniken zur Anwendung. Die Achillessehne wächst nach wenigen Wochen wieder zusammen.
Schienen für einen langfristigen Erfolg
Ist die Therapie mithilfe der Gipstechnik abgeschlossen, sollten die betroffenen Kinder über einen längeren Zeitraum weiterhin Fußschienen tragen. So wird sichergestellt, dass die Füße auch weiter gerade wachsen und die Kinder richtig laufen lernen.
Ibrahim's Geschichte
Unser Ponseti-Schulungsprogramm in Afrika
Bei jedem Einsatz behandelt Mercy Ships Kinder mit Klumpfüßen und wendet dabei die Ponseti-Methode an. Das Erfolgsrezept wollen wir gerne an einheimische Fachkräfte weitergeben, und deswegen haben wir bereits vor Jahren ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm in der Ponseti-Methode gestartet.
Jedes Jahr schulen wir einheimische Orthopäden und Physiotherapeuten in dieser Methode. Sie lernen, selbst Gipse anzulegen und wenn nötig, die Achillessehne mit einem sicheren operativen Eingriff zu durchtrennen. Wir schulen darin, Behandlung und Fortschritte zu überwachen und gegebenenfalls korrigierende Maßnahmen zu ergreifen.
Bei jedem Einsatz spielt die Sensibilisierung der Eltern ebenfalls eine große Rolle. Wissen zu vermitteln ist für einen langfristigen Therapieerfolg wichtig. Das Wissen zur Bedeutung der Behandlung, das wir an die einheimischen Fachkräfte weitergeben, tragen sie ihrerseits an ihre Landsleute weiter.
Darüber hinaus bildet Mercy Ships bei jedem Einsatz auch Fachkräfte darin aus, Schienen herzustellen, die den langfristigen Erfolg der Therapie garantieren. Diese Schienen sind für die Eltern erschwinglich und bedeuten für die Fachkräfte gleichzeitig eine neue Einkommensmöglichkeit.
Warum wir die Ponseti-Methode so sehr lieben
Die Ponseti-Methode ist relativ leicht zu erlernen. Sie verwendet kostengünstiges Material, was auch in Entwicklungsländern verfügbar ist. Sie hat eine sehr hohe Erfolgsquote und ist auch in unseren Breitengraden die Therapieform der Wahl. Sie erfordert keine komplizierten Operationen.
Doch was am wichtigsten ist: Die Ponseti-Methode ermöglicht tausenden Kindern ein Leben ohne Behinderung, auf geraden Füßen, sie ermöglicht den Weg in ein normales Leben!
Unser Schulungsprogramm in Afrika zieht weite Kreise
Dr. Tsatedem ist ein orthopädischer Chirurg aus Kamerun. Bei einem Einsatz in seinem Heimatland nahm er an der Mercy Ships Schulung teil und lernte die Ponseti-Methode zur Behandlung von Klumpfüßen kennen. Er wendete die Therapie in seiner Klinik an und reiste bereits im darauffolgenden Jahr wieder zu unserem Hospitalschiff. Diesmal aber nicht mehr als Schüler, sondern als Lehrer! Er lernte zu lehren und unterstützte das Mercy Ships Team dabei, in Guinea weitere Fachkräfte auszubilden.
Dank seines Engagements bildet er nun in seinem Heimatland Kamerun viele weitere Fachkräfte aus. Damit irgendwann kein Fall mehr unbehandelt bleibt, und kein Kind sein Leben lang unter Klumpfüßen leiden muss!
Eine ehrenamtliche Physiotherapeutin berichtet
Stefanie Neeb war mehrere Jahre lang als Physiotherapeutin mit Mercy Ships im Einsatz und leitete das Rehateam. Sie berichtet:
“Wie viele Einheimische habe auch ich durch Mercy Ships gelernt, die Ponseti Methode anzuwenden. Die Arbeit mit den Familien hat mir dabei immer besondere Freude gemacht. Meist schon nach der ersten Gipsbehandlung ist eine deutliche Veränderung der Füße für alle Beteiligten sichtbar. So nehmen die Eltern dann auch gerne die Strapazen auf sich, die ein gegipstes Kind mit sich bringt.“
„Für die Kinder bedeuten gerade Füße die Welt. Häufig können sie nur dann eine Schule besuchen und im Haushalt helfen. So sind sie später keine Belastung für die Familie, sondern können zum Einkommen beitragen. Durch den zum Teil recht langen Behandlungszeitraum lernte ich die Familie und Kinder gut kennen. Bei den älteren Kindern war es am Ende immer ein besonderer Moment, wenn sie ihr erstes Paar normaler Schuhe anziehen konnten. Der Abschied geschah dann meist mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Ponseti Methode ist eine sanfte und einfache Möglichkeit einen großen Unterschied im Leben von Kindern mit Klumpfüßen zu machen und es lohnt sich sehr, die Einheimischen in dieser Technik zu schulen, um langfristig eine verbesserte Versorgung sicher zu stellen.“
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Vanessa Body im TV
Vanessa Body wurde in Madagaskar geboren, machte in Bad Tölz eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet heute am Uniklinikum München. Im letzten Jahr erfüllte sie sich einen Jugendtraum und kehrte mit Mercy Ships in ihr Heimatland zurück, um auf der Africa Mercy ihren Landsleuten zu dienen. In diesem Monat war sie Talk-Gast in der BR Abendschau und berichtete live über die Arbeit auf dem Hospitalschiff.

„Hier gehöre ich hin.“
„Das ist mein erster Einsatz“, erzählt Ellen-Tabea Schmid (27), die in Konstanz als Radiologieassistentin arbeitet. Für ein halbes Jahr hat sie auf der Global Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Welt, mitgearbeitet. Gerade ist sie von ihrer Reise zurückgekehrt. Sie gibt zu: Die ersten Wochen waren überwältigend – unzählige Informationen, neue Abläufe, unbekannte Strukturen. Heute jedoch merkt sie, wie sehr sie in diesen Rhythmus hineingewachsen ist und wie sehr diese Zeit sie geprägt und verändert hat.

Die Africa Mercy kehrt 2026 nach Madagaskar zurück
Mercy Ships wird 2026 erneut in Madagaskar im Einsatz sein. Die Einladung zur Rückkehr nach Toamasina bedeutet, dass noch mehr Menschen Zugang zu lebensverändernden Operationen erhalten werden. Die Africa Mercy wird voraussichtlich im Mai 2026 wieder im Hafen von Toamasina anlegen, um nach einer längeren jährlichen Wartungsphase in Südafrika weiterhin spendenfinanzierte chirurgische Versorgung zu ermöglichen.

Armella – Getragen von Liebe
So groß wie eine Orange war das Geschwulst, das Armella’s kleines Köpfchen niederdrückte. Doch die Liebe, mit der sie getragen wurde, veränderte alles: Eine kostenlose Operation an Bord unseres Hospitalschiffes Africa Mercy schenkte ihr Heilung und die Chance auf ein gesundes Leben.
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ist als Referentin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit gerne im Austausch mit unseren ehrenamtlichen Fachkräften
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