bringt Hoffnung
und Heilung...

Amina, ihre drei erblindenden Kinder...

...und ihre besondere Geschichte mit Mercy Ships

Die junge Mutter Amina aus Benin ist eine eifrige Beterin. Sie glaubt fest daran, dass Gebete erhört werden. Schließlich ist sie selbst der beste Beweis dafür.

Aminas erste Begegnung mit Mercy Ships in ihrer Jugend

Als sie noch ein kleines Mädchen war, begann sich ihr Augenlicht zu trüben. „Damals hätte sich meine Mutter eine Augen-OP nicht leisten können", berichtet Amina von ihrer ehemals ausweglosen Situation. Ihre Mutter betete. 2001 hörten sie dann plötzlich von Mercy Ships, die nach Benin gekommen waren, und alles wendete sich für Amina zum Guten. Dank einer einfachen operativen Entfernung ihres Grauen Stars konnte sie wieder vollständig sehen. Das damalige Hospitalschiff von Mercy Ships hieß „Anastasis“, griechisch für „Auferstehung“. Passend zum Schicksal der jungen Amina, denn wie wäre ihr Leben wohl ohne diesen chirurgischen Eingriff verlaufen? „Wahrscheinlich würde ich jetzt als Bettlerin auf der Straße sitzen", mutmaßt sie.

Aminas Kinder erblinden

Doch glücklicherweise ist dieser Fall nie eingetreten. Eine inzwischen erwachsene Amina zeigt sich umzingelt von ihrer eigenen Familie: einem Ehemann und vier bezaubernden Kindern. Doch die Erinnerungen an ihre eigene leidbehaftete Vergangenheit kehrte unversehens zurück, als ihr Sohn Jacques zwei Jahre alt wurde. „Wir bemerkten, dass er immer schlechter sah", erinnerte sich Amina. Augenärzte stellten wie damals bei ihr nun auch bei ihm Grauen Star fest. Sie erklärten, dass Jacques deswegen einen operativen Eingriff bräuchte, aber er müsste bis zu seinem zwölften Lebensjahr warten. Die Kindergartenzeit bestritt Jacques tapfer. Doch im Laufe der Zeit wurden Lesen und Schreiben immer schwieriger. „In der ersten Klasse blieb er sitzen und musste das Jahr wiederholen", erzählt Amina. Als sein Augenlicht immer weniger wurde - der Hohn seiner Mitschüler hingegen nicht - entschieden sich die Eltern, ihn von der Schule zu nehmen.

Auch in den lebhaft strahlenden Augen von Tochter Elodie entdeckten sie etwas Absonderliches, als sie Laufen und Sprechen lernte: „Sie fingen an, in unterschiedliche Richtungen auseinander zu blicken. Deswegen neckten andere Kinder sie, ihre Augen seien "verkehrt herum"", erinnert sich Amina. „Ich war untröstlich und sorgte mich um sie, darum betete ich dafür, dass Gott auch bei Elodie ein Wunder bewirken würde, so wie einst bei mir."

Operation unbezahlbar

Die Familie zog um und Jacques wurde von einem anderen Augenarzt untersucht. Er willigte ein, ihn zu operieren, verlangte aber 335 US Dollar dafür. Medikamente, Brille und Nachuntersuchungen nicht mit eingerechnet. „Mein Mann sammelte mühselig das Geld dafür zusammen. Als zur selben Zeit aber sein eigener Vater verstarb, mussten wir das Ersparte stattdessen für seine Beerdigung ausgeben", fasst Amina die unglückselige Entwicklung zusammen. Sie waren verzweifelt.

Dann hörte ihr Ehemann 2016 während der Arbeit im Radio plötzlich davon, dass Mercy Ships erneut nach Benin gekommen war. Sofort brachen sie zur Augenuntersuchung auf. „Ich habe vier Kinder und so entschied ich, sie alle sicherheitshalber untersuchen zu lassen", sagte Amina, obwohl sie glaubte, nur Elodie und Jacques müssten behandelt werden.

Dritte Erblindungsdiagnose und ein freudiges Wiedersehen

In langen Schlangen harrten die Hilfesuchenden für die Augenuntersuchung aus, sie strömten scheinbar von allen Seiten herbei. Am ersten Tag konnten Aminas Kinder noch nicht untersucht werden, es waren zu viele Menschen dort. „Also übernachteten wir an Ort und Stelle, um sicher zu gehen, endlich durchzukommen - was wir am Folgetag auch taten", berichtet der Familienvater. Bei der Untersuchung erfuhren die Eltern, dass die sechsjährige Marie ebenfalls an den Augen operiert werden müsste. Wenigstens Baby Bernards Augen stellten sich als einwandfrei gesund heraus.

Schließlich erhielten die drei Kinder Zugang zur Africa Mercy, wo der ehrenamtliche Augenchirurg Dr. Bob Burlingame die junge Familie in Empfang nahm: „Ich hatte den Eindruck, den Schimmer eines Implantats in Aminas Auge entdeckt zu haben. So erfuhren wir, dass sie Jahre zuvor selbst wegen Grauem Star operiert worden war."

Amina war zuversichtlich: „In meinem Fall war damals alles bestens verlaufen, darum verunsicherte es mich nicht, dass meine Kinder ebenfalls operiert werden müssten. Mein Gott, der Gott meiner Kinder, war es, der die Hände des Chirurgen führen würde. Darum fürchtete ich mich nicht." Dr. Burlingame freute sich danach sichtlich über das positive Ergebnis des Eingriffs: „Es machte mich so froh zu erleben, wie diese Kinder ihre Fähigkeit zu sehen zurückerlangten und wieder aktiv ins Leben fanden. Ihr Vater war ganz wunderbar fürsorglich mit ihnen und empfand eine nahezu unbeschreibliche Dankbarkeit Mercy Ships gegenüber. Und ich selbst, ich war ebenso dankbar für das Glück der ganzen Familie."

„Sieh nur! Ein Vogel!“

Auch nach der Heimkehr der Familie besserte sich das Sehvermögen der Kinder fortlaufend. So verfolgten Amina und ihr Ehemann mit größter Freude, wie sie verschiedenste Dinge zum ersten Mal erlebten und wahrnahmen. „Es brauchte nur ein Vogel am Himmel aufzutauchen, und Elodie würde begeistert ausrufen: „Mama, sieh nur, sieh nur der Vogel dort!" Und dann würden sie alle einstimmen: „Sieh dir den Vogel an, wie er fliegt!", berichtet Amina glücklich.

Im folgenden Halbjahr kehrte Jacques an die Schule zurück, die Schwestern werden folgen. Aus eigener Erfahrung weiß Mama Amina nur zu gut, wie wichtig dies ist: „Ein Kind muss in der Schule lernen zu lesen und zu schreiben und noch so vieles mehr. Nur auf diese Weise kann es später entscheiden, ob und welches Handwerk er oder sie erlernen möchte. Genau das ist der Grund dafür, warum das, was Mercy Ships für unsere Familie getan hat, eine so große Bedeutung hat."


Veröffentlicht am 28.10.2017

Nie verlernt zu lachen

Während Djazims Reha kämpft sein Vater mit dem Tod

Djazim ist ein geborener Entertainer – und er weiß das genau. Seine quirlige Art und sein gewinnendes Lächeln zeichnen den kleinen Jungen aus. Im Alter von vier begannen sich jedoch seine Beine zu verformen. Eines seiner Knie drehte sich nach innen, das andere zur gleichen Zeit nach außen. Er konnte nicht mehr laufen, nicht mehr mit den Nachbarsjungen spielen und auch nicht in die Schule gehen. Djazim litt an einer genetischen Krankheit, als "windswept legs" bezeichnet, was wörtlich etwa "windzerzauste Beine" bedeutet.

Seine Mutter Salimatu und sein Vater Jubulin suchten überall Hilfe, nicht ahnend, dass gerade die „Africa Mercy“ die belebte Hafenstadt Cotonou in Benin ansteuerte, nur noch wenige Stunden von ihrem Ziel entfernt. Eines der Auswahlteams von Mercy Ships fand Djazim und seine Eltern und er erhielt zügig einen Termin für eine Operation.

Die Hiobsbotschaft
Tapfer durchstand Djazim seine Operation, was Salimatu freudig telefonisch zuhause mitteilte. "Als ich aber mit meinem Ehemann sprach, gestand er mir, er fühle sich nicht gut, er schwächele zunehmend seit einer Weile", erinnert sie sich. Ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich, als Jubulin bei ihrem nächsten Anruf nicht einmal mehr in der Lage war, den Hörer ans Ohr zu halten. Von jetzt auf gleich war er sterbenskrank geworden.

Während sich Djazim im Laufe der langen Reha allmählich erholte, selig unwissend und in seiner gewohnt heiteren Stimmung, fragte sich Salimatu, ob Jubulin sterben würde. "Ich brachte es nicht fertig, etwas zu essen. Unaufhörlich betete ich zu Gott, er möge barmherzig sein und den Mann, den mein Djazim und ich so sehr liebten, heilen."

So verging die Zeit. Salimatu verheimlichte Djazim, wie schlimm es seinem Vater ging. Während er frohen Mutes seine Fortschritte feierte, bangte sie um das Leben ihres Mannes.

Freudiges Wiedersehen
Eines Tages jedoch hatten sich die Dinge verändert: "Auf einmal, als ich ihn erneut anrief, hörte ich seine Stimme am anderen Ende der Leitung", erzählt Salimatu mit strahlenden Augen. Er konnte den Hörer wieder halten.

Nur eine Woche später besuchte Jubulin seine Familie im HOPE-Zentrum, der ambulanten Einrichtung von Mercy Ships. Djazim, der kleine Wildfang, überfiel ihn hemmungslos und schlang seine Arme fest um den Papa. Immer wieder wirbelte Jubulin seinen Sohn im Kreis herum. "Ich hatte geglaubt, ihn nie wiederzusehen. Aber das habe ich. Und nicht nur das: Er rannte sogar auf mich zu!"

Bald darauf war Djazim stark genug, den Weg zurück nach Hause anzutreten, um dort mit alten Traditionen fortzufahren: Jeden Morgen begrüßt er seinen Vater mit einem Lied. Aber es ist ein neues hinzugekommen, eines, das er auf der Africa Mercy gelernt hat. "Jedes Mal wenn Djazim anfängt, das Schiffslied zu summen", verrät Salimatu vergnügt, "kann ich nicht anders, ich muss sofort lachen und mich freuen."

Djaliou

Wie ein totgesagtes Baby zum Leben fand

"Meine Familie sagte, er sei zu winzig. Er würde so oder so sterben – mit oder ohne Operation. Sie sagten mir, ich sollte mir gar nicht erst die Mühe machen, Djaliou zum Schiff zu bringen", erzählte Sara. Sie erinnert sich an den Moment, als ihr zum ersten Mal gesagt wurde, dass ihr Sohn eine kostenlose Operation an Bord der Africa Mercy erhalten könnte.

Geschwulst auf der Zunge

Ihr fünf Monate alter Sohn wurde mit einer seltenen Krankheit geboren, die die meisten Chirurgen nur vom Lesen her kannten. Der Säugling hatte seit seiner Geburt eine Geschwulst auf der Zunge, durch die es für ihn schwierig war zu atmen oder zu trinken. So konnte er kaum wachsen oder zunehmen, denn die Energie, die das Baby über die Muttermilch zu sich nahm, wurde fast komplett fürs Luftholen aufgebraucht. Immer wenn er einatmete, bebte sein Brustkorb, als wäre es sein letzter Atemzug.

Obwohl die Zeichen gegen ihren kleinen Jungen standen, gab Sara nicht auf. So pumpte sie Milch für ihn ab, weil nicht an der Brust saugen konnte. Trotzdem trank Djaliou nur wenig. Die meisten ihrer Familienmitglieder rieten Sara dazu, ihren Sohn aufzugeben. Ihr Mann hatte allerdings eine andere Einstellung: "Geh auf das Schiff", sagte er zu ihr. "Gott wird am besten für ihn sorgen." Sara packte also ein paar Sachen, und machte sich allein mit ihrem stillen Baby auf zu einer zehnstündigen Wanderung. Es hatte noch nicht einmal mehr Kraft um zu weinen.

Zu winzig für die OP

An Bord gab es für Djaliou trotzdem zunächst keine schnelle Lösung. Seine Verwandten hatten Recht gehabt: Der drei Monate alte Säugling brachte gerade mal 2,1 Kilogramm auf die Waage und war damit viel zu zerbrechlich für eine Operation. Auch wenn es schwierig war: Er musste zunehmen, um überhaupt überleben zu können. Djaliou und seine Mutter blieben daher fast zwei Monate im HOPE Center, der ambulanten Einrichtung von Mercy Ships. Dort arbeitete sie mit der australischen Ernährungsberaterin und Leiterin des Säuglingsernährungsprogramms, Lee-Anne Borrow zusammen. Und tatsächlich nahm das Baby langsam an Gewicht zu.

Wenige Tage später wurde Djaliou an Bord der Africa Mercy gebracht. Er sollte am nächsten Morgen operiert werden. Aber in dieser Nacht, als es auf der Station immer stiller wurde, gingen Sara wieder die Stimmen ihrer Familie im Kopf herum. "Ich habe nicht geschlafen", erzählt sie. "Ich habe daran gedacht, was die Leute gesagt hatten - dass mein Sohn während der Operation sterben würde."

Gerettet!

Am nächsten Tag arbeitete das OP-Team von morgens bis abends daran, langsam die Geschwulst aus Djalious Zunge zu lösen. Während dieser Zeit wartete Sara und sprach mit kaum jemandem. Am Abend wurde sie schließlich in den Aufwachraum gerufen. Da war ihr Sohn, Djaliou – er lebte.

Eine Woche nach der Operation saß Sara neben Lee-Anne und beobachtete, wie ihr Sohn mit dem Africa-Mercy-Ausweis der Ernährungsberaterin spielte. Djaliou hatte sich schnell erholt, es war schon seine vorletzte Kontrolluntersuchung. Unmittelbar nach der Operation konnte er schon viel besser atmen, und begann sogar zu weinen wie ein normales Baby. Innerhalb weniger Tage konnte er sogar alleine trinken. "Jetzt warte ich nur darauf, dass du mir sagst, dass ich nach Hause gehen kann", sagte Sara lachend und sah ihren Sohn an. "Ich möchte allen zeigen, dass er lebt."

Elina

Böswillig verbrannt: Elinas Weg zurück in ein normales Leben

Als Charlotte die tragische Geschichte von ihrer Tochter erzählt, kann der Dolmetscher auf einmal nicht mehr weitersprechen. Er wird so von den Gefühlen übermannt, dass er in Tränen ausbricht.

Madagaskar, im Sommer 2016: Charlotte und ihre 6-jährige Tochter Elina stehen versteckt im Gebüsch und beobachten die Warteschlange. Ein Ärzteteam von Mercy Ships ist schon früh ins kleine Spital gekommen und lockt viele Menschen an. Angst, und vielleicht auch Scham, halten Charlotte und Elina davon ab, sich unter die Menge zu mischen.

Aber sie werden bemerkt und verlassen ihr Versteck. Eine unserer Pflegekräfte nimmt sie in Empfang und ermuntert sie zu erzählen, wie es zu den schweren Verbrennungen an Elinas Oberkörper gekommen ist. Die Neugier weicht beim Zuhören bald einem tiefen Mitgefühl, und dann kann auch der zweite Dolmetscher nicht mehr weiterreden!

Fünf Monate zuvor war Elina für ein paar Tage bei ihrer Tante. Aus ungeklärten Gründen kam es zum Streit zwischen der Tante und einer anderen Frau. In einem Anfall von Wahnsinn, vielleicht auch Rache, stiess diese Frau die kleine Elina in ein Feuer und drückte sie dazu noch fest in die Flammen! Sie wurde sofort verhaftet. Aber der Schaden war angerichtet: Elina erlitt schwere Verbrennungen dritten Grades.

Elina kam ins „Spital“ und wurde dort mehr schlecht als recht versorgt. Um die Behandlung bezahlen zu können, verkaufte Charlotte ein Feld und einen Teil ihres Besitzes. Doch nach vier Wochen war das Geld aufgebraucht und die beiden wurden aufgefordert, das Spital zu verlassen.

Was Elina von Anfang an gebraucht hätte, wäre eine auf Verbrennungen spezialisierte Pflege gewesen. Nun ist ihre Haut an mehreren Stellen zusammengewachsen, so dass sie den rechten Arm nicht mehr bewegen kann und der Kopf nach hinten gezogen wird. Ausserdem ist ihr Körper übersät mit unzähligen Wunden, von denen einige noch offen und entzündet sind. Sie leidet unter starken Schmerzen, ihr Anblick ist nur schwer auszuhalten. Der Blick des kleinen Mädchens lässt nur erahnen, was sie durchmacht.

Der Aufenthalt an Bord wird lang werden. Sehr lang. Der erste Schritt zur Heilung besteht darin, die offenen Wunden zu behandeln. Dazu müssen immer wieder die Verbände gewechselt werden. Am Anfang reagiert Elina nur sehr zögernd auf jede Art von Berührung. Doch nach viel gutem Zureden lässt sie es endlich geschehen. Vier Monate später strahlt sie über das ganze Gesicht und freut sich wieder am Leben. Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, um die Hauttransplantationen vorzunehmen, die ihren Körper wieder aus seinem Gefängnis befreien, dann folgt die Physiotherapie.

Doch schliesslich kann Elina Kopf und Arm wieder normal bewegen. Auch die innere Heilung ist auf gutem Weg. Wir wünschen Elina sehr, dass die Narben sie mehr an die frohen Momente an Bord des grossen weissen Schiffes erinnern als an den schrecklichen Tag, der ihr junges Leben so durcheinandergebracht hat!

David

Ein hübscher Junge

„Hast du einen Tennisball verschluckt?“, fragten die Nachbarskinder David hänselnd. Doch er antwortete ihnen nicht.

„Ich weiß nicht, warum ich nichts erwiderte. Ich glaube, ich wollte diese Gemeinheiten einfach nicht zurückgeben“, erzählt David. Während er über diese bitteren Zeiten seiner Vergangenheit berichtet, schien sich ein sanftes Lächeln hinter seinem Gesichtsausdruck zu verbergen.

Im Alter von fünf Jahren begann ein schmerzhafter Tumor an seinem Hals zu wuchern. Seine Eltern hatten nicht genügend finanzielle Mittel, um David eine angemessene ärztliche Behandlung zu ermöglichen. Alle Anstrengungen die sie unternahmen, um ihrem Sohn zu helfen, scheiterten. Als David zehn Jahre alt war und sein Tumor bereits eine dramatische Größe erreicht hatte, brachten sie ihn ins nahegelegene Krankenhaus. Dort mussten sie $50.000 CFA (umgerechnet 85 US-Dollar) für Davids Voruntersuchung bezahlen. Danach teilte ihnen ein Arzt mit, dass eine Behandlung für ihren Sohn weitere $300.000 CFA (umgerechnet 508 US-Dollar) kosten würde. „Wir hätten ihm so gerne geholfen, aber die Behandlung war einfach zu teuer“, berichteten seine Eltern.

Weitere zwei Jahre musste sich David mit seinem Schicksal arrangieren. Er schämte sich in der Öffentlichkeit wegen seines Aussehens und verbrachte die meiste Zeit in seinem Elternhaus. Seine Mutter Diane war deswegen oft sehr traurig. „Er wollte nicht wie seine Brüder mit mir rausgehen und mich begleiten, sondern und blieb immer nur alleine zu Hause zurück“, erzählt Diane.

Im Alter von fünf Jahren begann ein schmerzhafter Tumor an seinem Hals zu wuchern. Nicht nur die Geschwulst, sondern auch die Hänseleien der anderen Kindern, waren schmerzhaft für David.

Doch dann hörte Davids Mutter von Mercy Ships. „Ich war gerade in der Nähe des Hafens, als das große, weiße Schiff zu ankern begann“, erinnert sich Diane. Ab diesem Zeitpunkt versuchte sie alles, um für ihren Sohn Hilfe zu erhalten. So kamen sie sechs Tage lang hintereinander jeden Tag aufs Neue zum Hafen, schliefen manchmal sogar draußen im Regen, um sich mit vielen anderen Patienten immer wieder in einer langen Warteschlange einzureihen. Ihre Beharrlichkeit zahlte sich schließlich aus und David bekam einen Termin für eine Operation an Bord der Africa Mercy.

Begleitet von seiner Mutter, begab er sich schließlich hoffnungsvoll in die Hände der Ärzte, die ihn operieren sollten. Einige Stunden – und viele Gebete später – konnte die Geschwulst dann endlich an seinem Hals entfernt werden.

David erholte sich schnell und als die Krankenschwestern auf seiner Station seine Verbände wechselten, reichten sie ihm einen Spiegel. Er staunte, denn zum ersten Mal nach acht Jahren, konnte er sein Gesicht ohne diesen Tennisball an seinem Hals sehen. „Als ich mich im Spiegel betrachtete, sah ich plötzlich einen gut aussehenden Jungen“, erzählt David.

Während seiner Genesungsphase auf dem Schiff malte David einige Portraits von sich selbst. „Ich habe mich vor und nach der Operation gemalt. Und jetzt bin ich ein hübscher Junge“, berichtet er selbstbewusst.

David erholte sich schnell und als die Krankenschwestern auf seiner Station seine Verbände wechselten, reichten sie ihm einen Spiegel. Er staunte, denn zum ersten Mal nach acht Jahren, konnte er sein Gesicht ohne diesen Tennisball an seinem Hals sehen.

Als er von der Krankenstation nach Hause entlassen werden konnte, fragte er sich, was wohl die Nachbarskinder zu seiner Veränderungen sagen würden? Diane erinnert sich: „Als wir in unser Dorf zurückkehrten, waren alle sehr erstaunt über Davids Aussehen. Sie umarmten ihn und freuten sich, ihn ohne diesen Tumor wiederzusehen. Als sie ihn so glücklich sahen, wollten sie mehr erfahren und erkannten, dass Gott manchmal andere Menschen schickt, um uns zu helfen.“

David freute sich, wieder zu Hause bei seiner Familie zu sein. Seine Geschwister waren neugierig und fragten ihn: „Wo ist dein Tumor an deinem Hals geblieben?“ Darauf hatte David die passende Antwort hatte: „Er ist einfach weg!“

Mary

Das Warten hat sich gelohnt!

Viele Jahre lang litt Mary unter den Hänseleien ihrer Klassenkameraden. Sie riefen ihr zu: „Dein Gesicht sieht aus wie ein Sack“ und „Sackgesicht“. Ein Tumor bedeckte fast ihr gesamtes linkes Auge und breitete sich über ihrer Gesichtshälfte aus. Das Gesicht wirkte dadurch erschlafft und das Mädchen sah deshalb immer traurig aus. Die 14- Jährige kam jeden Tag mit verweinten Augen nach Hause, die unter ihrem Tumor hervorquollen. Mary fragte sich, ob das Ding in ihrem Gesicht jemals weggehen würde.

Der Tumor, ein Neurofibrom, wuchs über Jahre hinweg und wurde immer größer. Solch eine Geschwulst entsteht um Nervenbahnen herum und wächst in seltenen Fällen sogar bis zum Gehirn. Je länger der Tumor unbehandelt bleibt, desto gefährlicher wird er.

Marys Tumor wuchs jahrelang weiter, weil sich ihre Eltern eine Behandlung nicht hatten leisten können.

Ihre Familie brachte Mary zu verschiedenen Ärzten, die immer wieder die gleiche Antwort gaben: „Nein, wir können dem Mädchen nicht helfen!” So vergingen Tage, Monate und Jahre, während der Tumor sich in Marys Gesicht langsam aber stetig immer mehr ausbreitete.

Als ihre Familie von Mercy Ships hörte, brachte sie Mary nach Nigeria. Kurze Zeit später stand sie dann in der langen Warteschlange, um einen Termin für ihre Voruntersuchung zu erhalten. Endlich, am Ende eines langen Tages bekam Mary dann die ersehnte Karte mit einem Termin für eine weitere Untersuchung. Ein Chirurg sollte im Anschluss daran entscheiden, ob die Geschwulst wirklich operabel sei.

Zwei weitere Wochen musste Mary warten. Ihre Mutter hielt es für das Beste, Mary so lange zu Hause zu behalten, bis eine endgültige Entscheidung gefallen sei. Als die Tage vergingen, verbrachte Mary viele Nachmittage damit alleine zu spielen und ihrer Mutter stillschweigend bei Näharbeiten zu helfen. Oft wartete sie auch einfach nur ungeduldig darauf, bis ihr Zwillingsbruder von der Schule nach Hause kam.

Endlich kam schließlich der langersehnte Tag. Mary stieg in das Mercy Ships-Auto, welches sie in den Hafen fuhr. Zum ersten Mal erblickte sie das große, weiße Schiff. Zunächst musste sie erneut warten, da auch dieses Mal bereits wieder viele andere Patienten vor ihr in der Warteschlange am Kai standen. Schließlich wurden Mary und ihre Mutter in das Medizinzelt gerufen. Nach Jahren des Wartens, erhielt sie großartige Neuigkeiten: „Wir freuen uns, dir und deiner Mutter mitteilen zu können, dass wir dir helfen und dich operieren werden – sogar noch in dieser Woche!“ Marys Mutter strahlte über ihr ganzes Gesicht und war erleichtert und glücklich. Als Mary diese Nachricht erfuhr, huschte in diesem Moment ein Lächeln über ihr Gesicht. Endlich schöpfte sie nach so langer Zeit des Wartens wieder neue Hoffnung für ihre Tochter.

Drei Tage später wurde Mary in den OP-Saal geschoben. Ihre Mutter saß mit gesenktem Kopf still im Warteraum. Es machte den Anschein, als ob sie betete. Stunden später wurde Mary dann auf ihrem Krankenhausbett wieder auf die Station geschoben. Ein dicker Verband bedeckte ihre linke Gesichtshälfte, über der sich zuvor der Tumor ausbreitete.

Aber das Warten hatte für den Teenager noch kein Ende. Erst nach zwei Tagen wurde der Verband durch einen dünneren ausgetauscht. 48 weitere Stunden musste sie abwarten, bis sie sicher sein konnte, dass der Tumor aus ihrem Gesicht verschwunden war. Ihr „Sackgesicht“ wich endlich dem gesunden, normalen und hübschen Gesicht einer 14-Jährigen.

Jetzt begann die lange Genesungsphase. Mary vertrieb sich währenddessen die Zeit mit ausmalen, spielte Spiele oder schaute sich Kinderfilme an. Als die Krankenschwestern schließlich kamen, um den alten Verband zu wechseln, war sie sehr nervös. Zum ersten Mal nach ihrer OP bekam Mary einen Spiegel in die Hand. Sie begann zu lächeln und erkannte plötzlich, wie wunderschön sie war!

In dieser Nacht betrachtete Mary sich stundenlang im Spiegel. Sie musste sich immer vergewissern, dass dies nun tatsächlich ihr neues Gesicht war. „Ja, es ist wahr, der Sack in meinem Gesicht ist wirklich weg!“

Zwei Wochen später wartete Mary wieder am Kai. Sie war mittlerweile entlassen worden und kam zur Nachuntersuchung zum Schiff zurück. Es sollte ihr letzter Termin sein. Dort, wo früher ihr Tumor war, erinnerte nur noch ein kleines „x“ aus dünnen Klebestreifen an die Geschwulst.

Als Mary am hinteren Ende des Behandlungszeltes saß, breitete sich ein selbstbewusstes Lächeln in ihrem Gesicht aus. Eine der Krankenschwestern, die Mary während ihres Aufenthaltes gepflegt hatte, erklärte: „Sie scheint jetzt ein ganz neuer Mensch zu sein. Es war erstaunlich, ihre Veränderung mit anzusehen – bei ihrer Aufnahme war sie schüchtern, aber die Nacht vor ihrer Entlassung tanzte sie ausgelassen."

Seit der Entfernung der Geschwulst strahlte Mary und war erfüllt von Hoffnung – das lange Warten auf Heilung fand endlich ein Ende!

Tahiry

Eine zweite Chance

Als Tahiry zwei Jahre alt war, bemerkte Victorine, dass etwas mit ihm nicht stimmte – die Beine ihres Sohnes verformten sich immer mehr zu sogenannten O-Beinen. Sie wusste nicht, was sie dagegen unternehmen sollte. Da sich Tahirys Zustand nicht verbesserte, brachte sie ihn ins nahegelegene Krankenhaus. Die einheimischen Ärzte sagten ihr, dass seine Beine nur durch eine kostspielige Operation begradigt werden können und die Kosten dafür rund eine Million Ariary (ca. 290 Euro) betragen würden.

Als alleinstehende Mutter hatte Victorine Mühe ihre zwei Kinder zu ernähren. Die eine Hälfte des Jahres arbeitete sie in der Landwirtschaft, während der anderen versuchte sie ihr Einkommen durch das Waschen fremder Kleidung aufzubessern. Trotz harter Arbeit, hätte sie niemals so viel Geld sparen können, um ihrem Sohn die benötigte Operation zu ermöglichen. „Wenn ich manchmal beobachte, wie eingeschränkt mein Kind beim Spielen mit anderen ist, macht mich das sehr traurig.“

Über zwei Jahre lang versuchte Victorine eine Lösung für diese Situation zu finden. Als Tahiry fünf Jahre alt war, begann sie erneut zu hoffen. Von einer befreundeten Familie erfuhr sie, dass auf dem Hospitalschiff von Mercy Ships chirurgische Behandlungen für Hilfsbedürftige kostenlos angeboten werden. Sie bemühte sich, einen Termin für ihren Sohn zur Voruntersuchung zu bekommen – leider ohne Erfolg, da der Terminplan für die Operationen bereits voll war. Victorine war verzweifelt! Sie fragte sich, ob die Chance auf Heilung für ihren Sohn jetzt endgültig verloren sei?

Ihre Verwandten sagten ihr, sie solle die Hoffnung nicht aufgeben, denn das Schiff würde wahrscheinlich nach kurzer Zeit wiederkommen – und sie hatten Recht! Die Africa Mercy kam tatsächlich ein zweites Mal nach Madagaskar. Victorine war überzeugt davon, dass ihr Sohn nun endlich die notwendige orthopädische Behandlung erhalten würde. Entschlossen machte sie sich mit Tahiry auf den Weg zum Manara-Penitra-Hospital, einem der Aufnahmezentren von Mercy Ships. Als sie dort an einem Mittwochnachmittag, um 17:00 Uhr ankamen, hatte das Krankenhauspersonal seine Arbeit bereits beendet und sie mussten auf den nächsten Tag warten. Abends nahm Victorine ihre Decken und ergatterte ein Stückchen Rasenfläche, um dort die Nacht zu verbringen. Hier vor dem Krankenhaus, in unmittelbarer Nähe der vielbefahrenen Geschäftsstraßen der Großstadt, lag sie auf dem Rasen und wartete auf den nächsten Morgen.

Sie hätte einfach alles getan, um für ihren Sohn die erforderliche Behandlung zu erhalten. Am nächsten Morgen wurde Tahiry dann endlich von ehrenamtlichen Mercy Ships-Mitarbeitern untersucht. Über tausend Menschen standen in einer langen Schlange und hofften auf einen Operationstermin und Tahiry war einer von ihnen.

Obwohl er mehr als sechs Wochen dicke Gipsverbände tragen musste, war sein Bewegungsdrang kaum zu stoppen. Seine Mutter war während dieser langen Genesungsphase immer an seiner Seite, um ihn zu begleiten und zu ermutigen. Tahirys Beine wurden geheilt und wiederhergestellt und Victorine bekam wieder Hoffnung für die Zukunft ihres Sohnes. „Tahiry soll wieder zur Schule gehen, damit er es später einmal leichter hat als ich. Jetzt, da seine Beine ihn wieder tragen, kann er ohne Probleme am Schulunterricht teilnehmen – dies ist der erste Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft, die sich seine Mutter so sehr für ihn wünscht.

Fenosoa

Reise zum Glück

Obwohl der fünfjährige Fenosoa und seine Familie in ein und demselben madagassischen Dorf wohnen, wächst der kleine Junge in der nahegelegenen Hütte seines Großvaters auf. Auf die Frage nach dem "Warum" entgegnete der betagte Papa Denis schlicht: "Weil er seinen Opa so sehr liebt."

Von Geburt an litt der Junge unter einer Zyste, die mittlerweile an seiner Körperseite so groß geworden war, dass er dadurch manchmal sogar das Gleichgewicht verlor. Diese wuchernde Geschwulst war immer an seiner Seite und wuchs von Tag zu Tag ein Stück mehr.

Als Fenosoas Vater durch eine Radiosendung über Mercy Ships von den kostenfreien medizinischen Spezialeingriffen in Madagaskar hörte, fasste er wieder Mut für seinen Jungen. Er brachte seinen Sohn und den 86-jährigen Großvater nach einem fünftägigen Fußmarsch zu einer Anschlussstelle der nächsten öffentlichen Verkehrsmittel. Als sie drei weitere Tage in Bussen unterwegs waren, näherten sie sich langsam dem Hospitalschiff und kamen dem Ziel näher, endlich die dringend notwendige Operation zu erhalten.

Nach einer Untersuchung erklärten die Crew-Mitglieder, dass sie Fenosoa zwar helfen können, aber die Kapazitäten für den Behandlungszeitraum des bestehenden Jahres bereits erschöpft seien. Ihre wertvolle Terminkarte fest in den Händen haltend, traten die beiden enttäuscht den beschwerlichen Heimweg an. Im Folgejahr, wenn Mercy Ships wieder in Madagaskar ankert, wollten sie es erneut versuchen. Die ausgelassene Plauderei zwischen Großvater und Enkel auf dem Nachhauseweg zeigte Außenstehenden deutlich, wie groß ihre Zuneigung zueinander war.

Im Folgejahr entfernten ehrenamtliche Ärzte dann endlich die 750 Gramm schwere Lymphgefäß-Zyste am Körper von Fenosoa. Der kleine Patient konnte sein Glück kaum fassen: "Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich habe geschlafen und als ich aufgewacht bin, war es nicht mehr da!"

Auf seinem Krankenbett dachte er angestrengt über die Frage nach, wie er sein Abenteuer seinen Spielkameraden zu Hause erklären könnte? Schließlich war er der Jüngste aus seinem abgeschiedenen Dorf, der jemals eine so lange Reise bis zur Küste und wieder zurück gewagt hatte. Daheim angekommen, fiel ihm die Antwort ein: „Dieses Schiff ist so riesig und sieht aus wie ein ganzes Dorf!“

Endlich konnte er die Beeinträchtigungen und die Last seiner langen Erkrankung hinter sich lassen. Umso eiliger fieberte er dem Wiedersehen mit seinen Freunden entgegen. Er wollte zurück zu all den wilden und nicht enden wollenden Soccer- und Murmelspielen, die kleine Jungen auf der ganzen Welt so sehr lieben – ganz gleich, welche Sprache sie sprechen.

Oceane

Ein freudiges Wiedersehen

Es war ein freudiges Wiedersehen, als der leitende Schiffsarzt, Dr. Gary Parker, Oceane nach sieben Jahren beim erneuten Einsatz in Benin wiedertraf. 2009 wurde sie bereits schon einmal von ihm auf unserem Hospitalschiff behandelt. Sie heute als lebensfrohes, junges Mädchen zu erleben, lässt kaum den Zustand erahnen, in dem sie zu den Voruntersuchungen zu Mercy Ships gebracht wurde.

Oceane kam damals mit einer Enzephalozele zur Voruntersuchung - eine Fehlbildung der Gehirnanlagen, bei der Hirnflüssigkeit durch eine nur 1,4 cm Lücke in ihrer Schädeldecke austrat und sich in der Hautaussackung ihres Halses ansammelte. Dies war die Ursache ihres übergroßen, "zweiten Kopfes".

Ihre medizinische Untersuchung bei einem der Mercy Ships Screenings verdankte das Mädchen der Initiative ihrer Mutter Philomen. Zu Oceanes Glück entschieden sich die Ärzte zu einer Operation. Die ballonartige Ausformung musste entfernt und anschließend ein kleiner Schlauch, ein sogenannter Shunt, in ihr Gehirn eingebracht werden. Dieser sollte das überflüssige Gehirnwasser in ihren Bauch ableiten. Bis zum frühesten Operationstermin musste sie allerdings noch bis Oktober warten.

Nach dem kostenlosen Eingriff, konnte sich Oceane auf der Krankenstation an Bord der Africa Mercy erholen.

Sieben lange Monate des Wartens - eine Zeit der zunehmenden Entmutigung für Philomen. Durch das unaufhörliche Anschwellen der „Beule“ ihrer Tochter, überfiel sie allmählich eine Angst vor den einfachsten Dingen, wie zum Beispiel Oceane ein Bad zu geben. "Wenn ich sie badete, sparte ich stets ihren Kopf aus. Ich hatte große Angst davor, der Tumor könne anschwellen, zerplatzen und mein Baby sterben."

Und als ob dieses Schicksal nicht schon genug gewesen wäre, fingen die Leute auch noch an, die besorgte Mutter zu verspotten. Äußerungen wie: "Sieh, was für ein fürchterliches Baby sie hat", setzten ihr sehr zu. Philomen berichtet, sie habe nie etwas erwidert. "Ich schämte mich zu sehr und verbarg mich im Haus." Selbst die Hoffnung auf Hilfe für Oceane ließen die verletzenden Aussagen der Dorfbewohner nicht verblassen.

Am Sonntag des 14. Oktobers, brachte sie ihre Tochter zur Africa Mercy. Der neurochirurgische Eingriff, für den sie ausgewählt wurde, hätte eigentlich mehrere Chirurgen, teure Instrumente und einen anschließenden Verbleib auf der Kinderintensivstation erforderlich gemacht. Selbst mit unbegrenzten Möglichkeiten der westlichen Medizin, wäre dieser bevorstehende Eingriff äußerst riskant gewesen

In Philomens Augen spiegelten sich bereits große Hoffnungen und Erwartungen. Ihre Tochter schlief in einem Bett an Bord der Africa Mercy und um ihr Handgelenk war dieses ID-Band des Krankenhausschiffs. Dies war der Moment, auf den Philomen sieben Monate lang gewartet hatte.

Am nächsten Tag sorgte ein frisch angefertigtes CT Bild von Oceanes Kopf für neuen Diskussionsstoff unter den Ärzten. Bedacht wägten sie zwischen Risiken und Erfolgsaussichten ab, um schließlich endgültig einer Operation zuzustimmen, die einige Tage später stattfinden sollte.

Nach dem erfolgreichen Eingriff hörten die Ärzte ihre Lungen ab und anschließend wurde sie an einen Herz-Monitor angeschlossen. Ihre Mutter wagte sich leise an ihre Bettseite heran und hielt vorsichtig ihre kleine Hand. Sie war sprachlos, als sie erkannte, dass der Tumor dank der OP nicht mehr zu sehen war. So verharrte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und Tränen der Freunde in den Augen minutenlang am Oceanes Bett.

Die folgenden Wochen verbrachten Mutter und Tochter zur Genesung auf der Krankenstation. Endlich konnte Philomen, wie andere afrikanische Mütter auch, ihre Tochter stolz in einem Tuch auf den Rücken binden.

Ihre letzte Nachuntersuchung auf der Africa Mercy trat die kleine Oceane drei Wochen nach ihrer OP an. Philomen hält ihre Tochter fest in den Armen, als sie sich bei den Mercy Ships-Mitarbeitern auf Französisch bedankte: "Merci, merci, merci beaucoup!" – "Danke, danke, vielen Dank, Gott hat ein Wunder vollbracht!“

Fifalina

Ein außergewöhnlich tapferes Mädchen

Das kleine, außergewöhnlich tapfere, neunjährige Mädchen erkämpfte sich einen Platz im Aufnahmezentrum von Mercy Ships. Fifalinas Beine schienen sich unter ihrem Körper gewissermaßen zu falten, sodass es ihr nicht möglich war, sich längere Zeit in einer aufrechten Position zu halten.

„Nach Fifalinas Geburt sahen ihre Beine noch ganz normal aus“, berichtet ihre Mutter Ludvine. Als sie dann zu laufen begann, stürzte Fifalina oft und Ludvine bemerkte, dass sich die Beine ihrer Tochter Stück für Stück immer mehr verbogen.

Fifalinas Vater versuchte verzweifelt Arbeit zu finden, um für seine Family sorgen zu können. Trotz finanzieller Probleme schaffte es die kleine Family, genügend Geld für einen Arztbesuch für ihre Tochter aufzutreiben. Der einheimische Arzt konnte Fifalina jedoch nicht helfen und verordnete ihr lediglich etwas mehr Kalzium. Daraufhin suchten die verzweifelten Eltern Hilfe bei einem traditionellen Heiler, welcher die Beine ihrer Tochter massierte. Doch nichts von alledem half und Fifalinas Zustand wurde zusehends schlechter.

Das lebhafte kleine Mädchen wollte aber trotz ihrer körperlichen Einschränkungen unbedingt die Schule besuchen. Anfänglich konnte Fifalina den 30-minütigen Schulweg noch bewältigen, bis sich ihr Zustand immer mehr verschlechterte. Ludvine erinnert sich: „Eines Tages stürzte Fifalina in der Schule, danach waren ihre Beine so stark verbogen, dass ich sie den ganzen Weg zur Schule und wieder zurück nach Hause auf meinem Rücken tragen musste. Der Schulbesuch war für Fifalina nicht immer eine angenehme Erfahrung. „In der Schule werde ich immer zurückgelassen. Ich kann nicht mit den anderen Kindern spielen. Aber wenn ich geheilt bin, werde ich mit ihnen spielen“, flüstert Fifalina.

Ludvine erfuhr durch einen Fernsehbericht von Mercy Ships. „Sie sagten, Mercy Ships ist Heilung“, fügt sie erklärend hinzu. „Ich dachte zuerst, dass die Ärzte nur Tumore operieren und wusste nicht, dass dort auch Beine wieder begradigt werden. Dann erfuhr ich durch ein veröffentlichtes Video von Vanyas Geschichte und ihrer Heilung. Das Gleiche wünschte ich mir natürlich auch für meine Tochter.“ Fifalinas Familie hörte von einem Erstuntersuchungstermin in ihrer unmittelbaren Umgebung und machte sich sofort dorthin auf den Weg. „Ich habe fest daran geglaubt, dass die Ärzte meinen Beinen helfen können und ich wollte es unbedingt nochmal versuchen“, erzählt Fifalina. Nur kurze Zeit später erhielt sie dann den erhofften Operationstermin.

Mercy Ships Spezialist Dr. Frank Hayden (USA) führte den orthopädischen Eingriff durch, indem er Fifalinas Ober- und Unterschenkelknochen durch eine Drehung von mehr als 200 Grad korrigierte. Zahlreiche Stifte fixierten ihre Hüften und Knie, um diese in die richtige Ausrichtung zu bringen. Nach erfolgreicher Operation wurden Fifalinas Ober- und Unterschenkel mit einem Gipsverband gestützt, welcher fast so viel wog wie sie selbst.

Mit neun Jahren war Fifalina gerade mal so groß wie eine vierjährige, entsprechend der Durchschnittsgrößen laut Weltgesundheitsorganisation.

Während der Heilungsphase musste Fifalina eine sehr schmerzhafte Zeit überstehen, die sogar einen Erwachsenen an die Grenzen des Ertragbaren gebracht hätte. Doch Fifalina biss tapfer die Zähne zusammen und lächelte ununterbrochen. Durch ihre niedliche Art, die sie ständig durch ihr ansteckendes Grinsen und Kichern zum Ausdruck brachte, hätte man leicht die unglaubliche Tapferkeit dieser kleinen Kämpferin übersehen können.

Nachdem die Gipsverbände nach langer Zeit von ihren Beinen entfernt werden konnten, erklärte die Neunjährige voller Zuversicht: „Jetzt werde ich wieder laufen lernen!“ Als Ludvine zum ersten Mal die begradigten Beine ihrer Tochter sah, war sie sprachlos und brach in Tränen aus.

Nach der Operation folgten viele Monate, in denen Fifalina sich nur durch Schienen gestützt aufrecht halten konnte. Ihre Muskeln waren schwach und untrainiert und ehrenamtliche Physio-therapeuten übten mit ihr täglich, bis sie schließlich nach langer Zeit wieder mühsam das Laufen lernte.

Im Laufe der langen Zeit, die ihre Tochter für ihre Genesung benötigte, dachte Ludvine viel über die vergangenen Geschehnisse nach: „Hätte Fifalina diese Hilfe nicht erhalten, hätte sie sehr leiden müssen und ich mit ihr. Auf den Fotos vor ihrer Operation sah es so aus, als ob ihre Knie gleich nach unten rutschen würden – so verbogen waren ihre Beine. Wäre ihr Zustand so geblieben wie er war, hätte sie sich irgendwann nur noch auf Knien fortbewegen können und unsere Probleme wären immer größer geworden. Ich wäre auch irgendwann nicht mehr in der Lage gewesen, sie zu tragen. Jetzt kann sie wieder neben mir laufen und meine Hand halten“, berichtet Ludvine glücklich.

Dann kam endlich der Tag, an dem Fifalina einen Meilenstein erreichen konnte – ohne Hilfe auf einem Bein balancieren, einen Fuß vor den anderen setzen und auf Zehenspitzen stehen. All diese spielerischen und gewöhnlichen Aktivitäten eines Kindes waren ganz neue Erfahrungen für dieses außergewöhnliche Mädchen. Ludvine ist überzeugt davon, dass Fifalina eine großartige Lehrerin abgeben würde, wenn sie groß ist. Aber die Mercy Ships Mitarbeiter sind der Meinung, dass die Neunjährige durch ihre Tapferkeit bereits jetzt schon ein Vorbild ist.

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William

Neues Augenlicht

Bereits im Alter von drei Jahren trug Williams Sohn Unida eine große Verantwortung: Er wurde sinnbildlich zu den Augen seines Vaters, der ein Jahr zuvor sein Augenlicht verloren hatte. Auf den Märkten übernahm er Handel und Tauschgeschäfte, hob schwere Güter und warnte seinen Vater vor Gegenständen, die im Weg lagen.

Geduldig wartet William, bis ihm der Verband von seinem rechten Auge abgenommen wird. Der 29-Jährige sitzt still, während der Arzt sein Auge auswäscht. Alle Anwesenden, einschließlich seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn, warten gespannt, als er langsam sein Augenlid öffnet. Stillschweigend stellen sich alle dieselbe Frage: „Hat die Operation Williams Sehvermögen wiederherstellen können?"

Vor drei Jahren war Williams Augenlicht noch völlig intakt. Er führte sein eigenes kleines Unternehmen, indem er Kleidung auf den lokalen Märkten in seiner Region verkaufte. Einige Zeit später fielen William dann erstmals Beeinträchtigungen seines Sehvermögens auf. Zunächst trübte sich sein rechtes Auge, bis er schließlich nur noch Schatten erkennen konnte. Wenige Monate später geschah dasselbe mit seinem linken Auge. William war nicht einmal mehr fähig, Personen voneinander zu unterscheiden und konnte deswegen auch seiner Arbeit nicht weiter nachgehen.

Durch seine Sehbehinderung war er gezwungen zuhause zu bleiben und half seiner Familie bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Zu dieser Zeit sorgte seine Ehefrau Elisa als Alleinverdienerin für das Familieneinkommen. Bereits im Alter von drei Jahren trug ihr gemeinsamer Sohn Unida eine große Verantwortung: Er wurde sinnbildlich zu den Augen seines Vaters. Auf den Märkten übernahm er Handel und Tauschgeschäfte, hob schwere Güter und warnte seinen Vater vor Gegenständen, die im Weg lagen. All die zusätzlichen Belastungen und Aufgaben, die auf den Schultern seiner Frau und seines Sohnes lasteten, beunruhigten William. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als seine Familie und das gemeinsame Heim zuverlässig und selbstständig versorgen zu können.

„Ich litt sehr darunter, von meinem eigenen Sohn abhängig sein zu müssen. Hier, in unserem Zuhause, sollte ich derjenige sein, der für die Familie sorgt. Doch das Gegenteil war der Fall. Ich hätte der Starke sein müssen, und war derjenige, der Hilfe brauchte. Das war furchtbar schwer für mich.“

Ein ganzes Jahr lang suchte William nach einem Ausweg. Zuletzt stellte ihm ein Arzt die Diagnose Diabetes. Eine der gesundheitsschädlichen Folgen dieser Krankheit war auch in Williams Fall, die Entwicklung von Grauem Star. Mit der Gabe von Insulin gelang es zwar seine Diabetes unter Kontrolle zu bekommen, jedoch ließ sich der Graue Star dadurch leider nicht bekämpfen.

Einheimische Augenärzte untersuchten Williams Augen und überbrachten ihm die hoffnungsvolle Nachricht: „Wir sind in der Lage, dich vom Grauen Star zu befreien.“ Der chirurgische Eingriff hätte William jedoch 600 Ariary für jedes Auge gekostet (umgerechnet $ 240 US) Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters in Madagaskar liegt aber nur bei 260 $ und William fragte sich, wie er eine solch hohe Summe ohne feste Arbeitsstelle aufbringen sollte? Er war verzweifelt.

Doch dann erfuhr er, dass Mercy Ships die operative Entfernung des Grauen Stars in ihrer Augenklinik für Patienten kostenlos durchführen.

Nur 20 Minuten dauerte der kostenlose Eingriff bei Mercy Ships, um Williams Augenlicht, das er aufgrund einer Diabetes verloren hatte, wiederherzustellen.

William machte sich sofort auf den Weg dorthin. Dr. Ralph Crew, ehrenamtlicher Augenchirurg aus den USA, untersuchte ihn und gab ihm einen OP-Termin, welcher innerhalb der nächsten 48 Stunden stattfinden sollte. William erinnert sich: „Ich glaubte fest daran, nach der Verbandsabnahme wieder sehen zu können."

Nur 24 Stunden nach einem einfachen, zwanzigminütigen Eingriff versammelte sich das Team der Augenspezialisten von Mercy Ships, sowie Williams Ehefrau und ihr gemeinsamer Sohn, um das Ergebnis der OP zu begutachten. Sofort wurde der Erfolg des Eingriffs sichtbar: Unmittelbar nach der Entfernung der Augenbinde stellten sich Williams frisch operierte Augen auf das Licht ein. Vorsichtig blinzelte er im Raum umher, bis seine Blicke schließlich auf der Gestalt seines Sohnes verharrten.

Ein strahlendes Lächeln legte sich auf sein Gesicht, bevor William seinen Gefühlen Ausdruck verlieh: „Ich kann meinen Sohn wieder erkennen, den ich für lange Zeit nicht mehr sehen konnte!“

Eine Mischung aus Tränen und Freude erfüllte die Stimmung im Raum. Wenig später bestätigte ein Sehtest, dass William nicht nur sein Augenlicht wiedererlangte, sondern nach dem Eingriff sogar über eine außerordentlich gute Sehkraft verfügte. Es kam genauso, wie er es vorhergesagt hatte. Durch Spenden und die Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter aus aller Welt, erhielt eine ganze Familie in Madagaskar wieder Hoffnung auf eine Zukunft - eine Hoffnung, die nicht zuletzt durch Williams unerschütterlichen Glauben getragen wurde. Kurz vor seiner Heimreise bedankte er sich bei allen Spendern, die seine Operation möglich machten: „Machen Sie weiter mit Ihren guten Taten. Die meisten Menschen, denen sie helfen, sind arm und können deshalb „nur“ danke sagen, aber ich bin sicher, Gott wird Sie dafür segnen.“

Nach der erfolgreichen Operation und der Verbandsabnahme, legte sich ein strahlendes Lächeln auf Williams Gesicht, bevor er seinen Gefühlen Ausdruck verlieh: „Ich kann meinen Sohn wieder erkennen, den ich für lange Zeit nicht mehr sehen konnte!“

Ronaldo

Seine Zähne bleiben erhalten!

Schon am Morgen brannte die Sonne unbarmherzig auf die vielen Menschen herab. Sie warten vor dem Tor des Krankenhauses in der Hoffnung auf Linderung ihrer Zahnschmerzen. Im Inselstaat Madagaskar sind Zahnbehandlungen für die meisten Einwohner nicht erschwinglich.

Unter den Wartenden ist der 17-jährige Ronaldo. Geduldig steht er mit seinem Schulranzen in der Schlange und hofft auf eine der begehrten Patientenkarten. Für ihn die einzige Möglichkeit, eine Behandlung seiner von Zahnverfall betroffenen Schneidezähne zu bekommen. „Ich habe Angst, dass sie mir ausfallen und ich habe kein Geld für einen Zahnarzt“, sagt er. Da die Frontzähne des jungen Mannes schmerzunempfindlich geworden sind, ahnt er nicht, dass eine Infektion in seinen Zähnen seine Gesundheit ernsthaft bedroht.

Ronaldo bekommt die Karte und betritt das von Mercy Ships renovierte und zur Zahnklinik umgebaute Krankenhaus. „Gott sei Dank habe ich einen Termin bekommen! Ich habe es nicht zu hoffen gewagt. Die Schlange war so lang und ich stand ganz am Ende.“

Der leitende Zahnarzt erklärt Ronaldo die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung. Zahnverfall setzte dem Schmelz der Schneidezähne zu und verursachte eine große Infektion des zerstörten Nervs. Darum hatte sich eine Fistel im Zahnfleisch des Zahnes gebildet. Der Zahnarzt entschied sich für eine Wurzelbehandlung, um den Frontzahn zu erhalten. Weitere Defekte wurden von ihm durch Füllungen behoben. Zudem bekam Ronaldo Antibiotika, um die Infektion unter Kontrolle zu bringen.

Das Ergebnis ist so, wie Ronaldo es sich erhofft hatte. Sein gewinnendes Lächeln ist wiederhergestellt. Eingehend betrachtet er es von allen Seiten im Spiegel der Dentalklinik. „Meine Zähne sind nicht mehr kaputt! Ich kann jetzt wieder mit Menschen zusammen lachen. Und die Mädchen mögen das auch!“

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Tsiky

Keine verfaulten Zähne mehr!

Die kleine Tsiky und ihr Vater leben nicht weit von der Dentalklinik entfernt. Trotzdem standen beide bereits um 3 Uhr morgens auf, um einen Platz in der Warteschlange zu erhalten. Tsiky litt wegen ihrer verfaulten Zähne unter großen Schmerzen und ihrem Vater fiel es sehr schwer, das mitanzusehen:
„Als die Entzündung immer schlimmer wurde, konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Zunächst hatte sie nur Schmerzen, wenn sie aß, später auch nach der Schule, wenn sie müde war. Als Elternteil fühlte ich mich oft hilflos, denn ich wollte ihr nicht zu viele Medikamente verabreichen. Ich war auch unsicher, ob sie die Behandlung bei einem Heiler ertragen würde. Als wir dann von Mercy Ships hörten, machten wir uns sofort auf den Weg. Wir waren sicher, dass die Mitarbeiter dort ihre Arbeit gut machen würden. Wir warteten schon lange auf solch eine Gelegenheit."

Tsiky war eine von über 5000 Patienten, die das Dentalteam innerhalb des sechsmonatigen Einsatzes im Jahr 2014/2015 in Madagaskar behandelte. Das Team arbeitete sehr hart, um Hoffnung und Heilung durch Zahnaufbau, kostenloses Zähne ziehen und sonstige Eingriffe zu ermöglichen.
Tsikys Vater erklärt: „Die medizinische Versorgung ist klasse! Wir wurden herzlich aufgenommen und sind sehr dankbar dafür!“ Durch das Dental Team kann man nun ein schmerzfreies Lächeln von Tsiky und vielen anderen Menschen in Madagaskar sehen. Tsikys Name heißt passenderweise übersetzt: „Lächeln!“

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Sambanys Heimkehr

Sambany kehrt nach Hause zurück

Sambany war Patient an Bord der Africa Mercy und wurde durch seine außergewöhnliche Geschichte in Madagaskar berühmt. Ehrenamtliche Mercy Ships Chirurgen entfernten durch eine Operation seinen fast 7,5 kg schweren Tumor.

Als Sambany entlassen wurde, begleiteten ihn sein Enkel und sechs Mitarbeiter von Mercy Ships sicher in sein Heimatdorf Sahanomby. Zum ersten Mal wanderte Sambany ohne seinen Tumor durch sein Heimatland. Menschen kannten ihn seit Jahren nur als „den Mann mit dem großen Ding in seinem Gesicht.“ Zum ersten Mal sahen sie ihn ohne die Geschwulst und konnten es kaum glauben, dass er noch am Leben war.

Einige Monate zuvor blickte Barazafy, Sambanys Frau, ihren Verwandten hinterher, die ihren Ehemann auf ihrem Rücken für die lange Reise zu Mercy Ships trugen. Er war leblos und schwach und Barazafy war sehr besorgt um ihn. Sie erinnert sich: „Meine ganze Familie sagte immer wieder, dass er sicher nicht mehr am Leben sei. Ich hatte keine Ahnung, wie es weiter gehen sollte und bekam den Gedanken nicht mehr aus meinem Kopf, dass mein Ehemann und mein Enkel tot sein könnten. Als sie jedoch hörte, dass Sambany am Leben war, machte sie sich sofort auf den Weg, um ihn in einem Dorf entlang seiner Wegstrecke zu treffen. Barazafy berichtet: „Ich habe Sambany zuerst gar nicht erkannt und fragte ihn: ‘Bist du es?‘ Ich freute mich so sehr, dass sogar mein Herz schneller schlug.“

Das glücklich wiedervereinte Ehepaar konnte sein Glück kaum fassen. Dann sagte Barazafy zu ihrem Mann: „Lass uns jetzt gemeinsam nach Hause gehen!“ und schloss sich der Reisegruppe an.

Dieser Mann, der zuvor getragen werden musste, lief jetzt auf seinen eigenen Beinen. Seine Habseligkeiten befanden sich in einer Plastiktüte, die an einem Stab über seiner Schulter baumelte. Als sie die verschiedenen Dörfer passierten, beobachteten die Bewohner ihn mit Erstaunen, denn viele dachten, dass er nicht mehr am Leben sei und nun war er durch seine Veränderung zu einem Mann mit einer Mission geworden. Aufmerksam lauschten sie seinen Erzählungen, denn Sambanys Geschichte zeugte nun von Kraft und Sieg – eine lebendige Botschaft, die Hoffnung real werden lässt und das Unmögliche möglich macht.

Im Dorf angekommen erzählt seine Schwester: „Die Geschwulst hatte die Größe seines Kopfes. Wir hatten keine Hoffnung mehr für ihn und glaubten, dass er nicht mehr behandelt werden könnte.“ An ihren Bruder gewandt fügte sie hinzu: „Du hast eine zweite Chance bekommen. Das große Ding in deinem Gesicht ist verschwunden. Nicht einmal eine Narbe ist mehr sichtbar. Das ist erstaunlich!“

Als die Reise zu Ende war, ging Sambany zuerst in das Zentrum seines Dorfes, um zu beten. Die ersten Momente seiner Heimkehr sollten Gott gehören.

Sambanys Familie und seine Angehörigen versammelten sich, um sich von den Mercy Ships Mitarbeitern zu verabschieden. Auf ihren Gesichtern spiegelte sich eine große Freude wieder – die Freude eines Mannes und seiner Familie, die von einer schrecklichen Last befreit wurden und nun gemeinsam ein neues Leben beginnen können.

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Somaya

Mit der Geburt ihrer Tochter Somaya veränderte sich das Leben von Neny schlagartig. Als die junge Frau ihr Neugeborenes zum ersten Mal sah, erschrak sie sehr. Der Mund des kleinen Mädchens war durch eine Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalte offen und ihr kleines Gesicht wirkte dadurch entstellt. So etwas hatte sie vorher noch nie gesehen! Ihr Ehemann war außer sich: „Das ist nicht mein Kind! Niemand in meiner Familie hat so eine Entstellung. Dieses Kind gehört nicht zu mir!“ Kurz darauf verließ er seine Familie und zog in ein anderes Dorf.

Als Neny aus dem Krankenhaus entlassen wurde und in ihr Dorf zurückkehrte, bedrängten die Nachbarn sie und sagten ihr, sie solle das Kind loswerden. „Gib sie einfach weg oder in ein Waisenhaus!“ Neny war verzweifelt, hörte aber nicht auf ihre Worte. „Somaya ist ein Geschenk Gottes!“, gab sie zur Antwort.

Die junge Mutter hörte nicht auf für Somaya zu beten. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als eine Fernsehsendung ein paar Monate später die Ankunft von Mercy Ships in ihrem Heimatland ankündigte. Sie erfuhr, dass Kinder und Erwachsene mit der gleichen Entstellung wie ihre Tochter sie hatte von Chirurgen an Board kostenlos operiert werden.

Als sie hörte, dass Mercy Ships Voruntersuchungen für mögliche Patienten durchführen wollte und diese bald in einem Dorf in ihrer Nähe stattfinden sollten, dachte Neny: „ Das ist Gottes Antwort auf meine Gebete.“

Früh am Morgen brach Neny mit Somaya auf, um sie zur Untersuchung aufs Schiff zu bringen. Dort angekommen sah sie zum ersten Mal Menschen, die wie ihre Tochter das gleiche Krankheitsbild hatten. Das gab ihr Mut und sie konnte ihre Freude kaum verbergen, als sie Somayas gelbe Karte mit einem OP-Termin in der Hand hielt.

Leider wurde dieses Glück und die anfängliche Freude über diese gute Nachricht getrübt und verwandelte sich in tiefe Verzweiflung. Denn nur zwei Tage vor dem Behandlungstermin ihres Kindes brach ein Feuer in ihrer Hütte aus. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber Neny verlor durch den Brand ihre letzten Habseligkeiten. Sie erinnert sich: „Natürlich war ich über den Verlust meiner Sachen traurig, aber das Schlimmste war der Verlust der gelben Karte. Es ging schließlich um die Zukunft meiner Tochter. Ihre Lippen sollten korrigiert werden und nun war diese Möglichkeit mit dieser Karte verbrannt.“ Dieser Gedanke lastete schwer auf ihr und sie fühlte sich hoffnungslos.

Als Somaya dann einige Zeit später zu sprechen begann, erschwerte ihr entstellter Gaumen deutlich das Formen ihrer ersten Worte. Auch die Nahrungsaufnahme wurde tagtäglich zu einer neuen Herausforderung. „Selbst das Wasser trinken bereitete ihr die größten Schwierigkeiten. Beides lief in die Luftröhre statt in die Speiseröhre. Dadurch wurde sie oft krank und musste ständig husten“, erinnert sich die Mutter.

Fünf Monate später wurden Nenys Hoffnungen erneut geweckt, als sie über eine Radioansage erfuhr, dass Mercy Ships nach Madagaskar zurückkehren würde. Auch dieses Mal sollte ein Tag zur Voruntersuchung in ihrer Nähe stattfinden. Das war Somayas zweite Chance! Dann lief alles schneller als Neny es erwartet hatte. Ihre mittlerweile zweijährige Tochter erhielt einen neuen Termin für den lang herbeigesehnten Eingriff.

Auf der Krankenstation des Hospitalschiffes fanden Mütter von Kindern mit Lippen- und Kiefernspalten Trost und Unterstützung. „Wir fanden schnell einen guten Kontakt zueinander, da unsere Kinder das gleiche Problem hatten“, berichtet Neny. „Wir fragten uns gegenseitig: „Wie geht es deinem Baby?“. Es tat Neny gut, nicht länger die abwertenden und harten Worte der Nachbarn zu hören. Stattdessen wurden ihr Fürsorge und Barmherzigkeit entgegen-gebracht. Endlich fand sie Menschen, die Mitgefühl mit ihrer Situation hatten und sie verstanden.

Nach erfolgreicher Operation rief die glückliche Mutter aus: „Meine Tochter ist jetzt wieder gesund! Sie kann normal essen und trinken. Vor dem Eingriff brachte sie nur ein unverständliches „Mumma“ heraus. Jetzt wird ihre Aussprache immer klarer und deutlicher. Wenn sie etwas zu trinken möchte, dann sagt sie jetzt: Wasser, Mama!“

Neny freute sich darauf, mit ihrem Kind wieder in ihr Dorf zurückzukehren. Sie konnte es kaum abwarten, den Nachbarn das neue süße Lächeln von Somaya zu zeigen. Mit Freude erfüllt sagt sie: „Sie werden sehr erstaunt sein, sie mit diesen geschlossenen Lippen zu sehen!“

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Minette

Minettes Cinderella Geschichte

Aufgeregt saß Minette auf dem Stuhl und beobachtete, wie die Friseurin geschickt mit ihrem Haar arbeitete. Noch immer konnte sie kaum fassen, dass dieser lang ersehnte Moment in ihrem Leben gekommen war – niemand hatte mehr Angst, sie zu berühren und ihre Haare schön zu frisieren. An diesem Tag fühlte sich Minette als etwas ganz Besonderes, wie die Märchenprinzessin Cinderella. Nein, Minette war nicht auf dem Weg zu einem Ball, um ihren Prinzen zu treffen, aber ihr größter Wunsch war dennoch schon wahr geworden. Eine Stunde später waren ihre Zöpfe perfekt hergerichtet und Minette war fertig gestylt für die Feier, die sie sich seit vielen Jahren wünschte … genauer gesagt, seit sechzehn Jahren.

Alles hatte im Alter von fünf Jahren begonnen, als sich bei ihr Symptome einer Erkrankung namens Neurofibromatose zeigten. Tumore, die an Nerven über den ganzen Körper verstreut wachsen. In Entwicklungsländern wie Madagaskar weiß man wenig über Ursachen und Verlauf dieser Krankheit, geschweige denn darüber, wie sie behandelt werden kann. Minettes Vater Robert brach es das Herz, als die Krankheit bei seiner Tochter ausbrach. Er wusste nur allzu gut, um was es sich handelte – denn auch er war litt seit seinem fünften Lebensjahr unter dieser Krankheit.

Einige Tumore bleiben sehr klein, was es den Betroffenen einfacher macht, sie zu verstecken. Doch es gibt im Krankheitsverlauf häufig einen Tumor, der viel mehr wächst als alle anderen. Roberts größter Tumor befand sich an seinem rechten Handgelenk. Auf den ersten Blick sah es aus, als ob er eine Einkaufstüte trug. Minettes größter Tumor saß an einer viel empfindlicheren Stelle. Er begann an ihrem Nackenansatz, dort, wo die Haare aufhören. Und wie viel Leid er ihr verursachte! Menschen hatten Angst, sie anzufassen, sie musste die Ausgrenzung durch andere Kinder ertragen und Nachbarn sagten, die Familie sei verflucht.

Aber es wurde noch schlimmer. Als Minette einundzwanzig Jahre alt war, hatte der Tumor der Länge nach ihre Hüfte erreicht und wog 4,3 kg. Minette hatte Probleme beim Gehen, Stehen und Sitzen und mit anderen Dingen des Alltags. Um die Ausbeulungen des Tumors zu verbergen, trug sie übergroße T-Shirts. Die Ausgrenzung und der Spott hatten sie sehr ernst gemacht und sie lebte zurückgezogen. „Meine Mitmenschen behandelten mich nicht einmal wie ein menschliches Wesen. Ich hatte kaum Freunde“, erinnert sie sich. Die junge Frau hoffte all die Jahre auf Hilfe. Aber in der realen Welt gab keine guten Feen, die Wünsche erfüllen, oder?

Die Erfüllung ihres Wunsches kam mit über 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern auf dem 16.5000 Tonnen schweren Hospitalschiff Africa Mercy. Einer Mannschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, gelebte Barmherzigkeit zu den Ärmsten der Armen zu bringen. Das sollte Minettes Welt und auch die ihres Vaters für immer verändern.

Beide hörten zum ersten Mal über eine Radioansage von Mercy Ships. Ein Hospitalschiff, das kostenlose medizinische Hilfe bringt – das schien fast zu schön, um wahr zu sein! Als sie den Plan fassten, das Schiff aufzusuchen, warnten die Dorfbewohner Vater und Tochter davor, dass man ihnen an Bord Organe entnehmen und Experimente an ihnen durchführen würde. Doch die verzweifelte Suche nach einer geeigneten Behandlung, ließ sie alle Warnungen in den Wind schlagen und Vater und Tochter machten sich auf den Weg. Nach drei Stunden in einem vollgestopften Bus erreichten sie nach drei Stunden das Schiff im Hafen von Tamatave.

Nach ihrer Ankunft wurde Minette von ehrenamtlichen Chirurgen und Mitarbeitern untersucht. Die Hoffnung auf Hilfe, an der sie so viele Jahre festgehalten hatten, schien real zu werden, als Vater und Tochter einen Termin für eine Operation erhielten. Doch das kaum vorstellbare innere Leiden hatte äußerlich sichtbare Spuren an Minette hinterlassen: Sie lächelte kaum, stellte keinen Augenkontakt her und verzog das Gesicht.

Am Morgen der OP halfen zwei Krankenschwestern Minette, sich auf den Eingriff vorzubereiten, indem sie den großen Tumor wuschen. Zwei Schwestern mussten ihn dafür gemeinsam anheben. Dieses Gewicht hatte Minette über so viele Jahre allein getragen! Der ehrenamtliche Chirurg Dr. Tertius Venter und sein Team hatten ein klares Ziel für den Eingriff: so viel wie möglich von Minettes Tumor zu entfernen, ohne ihre Bewegungsfreiheit einzuschränken oder ihre Nerven zu schädigen. Die OP dauerte drei Stunden. Dann hatte das medizinische Team das große Neurofibrom entfernt.

Äußerlich sollten nur noch Narben an den Tumor erinnern. Doch stärker als der Wunsch, den Tumor loszuwerden, war Minettes Sehnsucht, geliebt zu werden. Die vielen Jahre der Ablehnung machten es ihr nicht leicht, die Liebe anzunehmen, die ihr an Bord entgegengebracht wurde. An den ersten Tagen nach dem Eingriff erhielt die junge Frau Bluttransfusionen. Die Mitarbeiter beteten für sie und pflegten sie mit viel Hingabe, wie sie es nie zuvor erlebt hatte. Jeden Tag erhielt sie viel liebevolle Fürsorge von den Krankenschwestern, Seelsorgern und anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern. So heilte nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Innerstes wandelte sich.

Irgendwann in dieser Zeit kam der Augenblick, in dem ein erstes Lächeln über ihr Gesicht huschte. Der Moment, in dem Minettes wahre Persönlichkeit zum Vorschein kam und ihre innere Schönheit und Freude sichtbar wurden. Seitdem hat Minette nicht mehr aufgehört zu lächeln.

Die Krankenschwester und Stationsleiterin für plastische Operationen, Stacia Julien, erzählt: „Es hat mich sehr berührt, mitzuerleben, wie jemand mit einem sehr geringem Selbstwertgefühl wie Minette anfing zu verstehen, dass sie geliebt ist und sich selbst annehmen darf. Jetzt leuchten ihre Augen und sie sprudelt nur so vor Freude.“

Nicht nur der Tumor ist aus Minettes Leben verschwunden, sondern auch die übergroßen T-Shirts. Sie stattet ihren Kleiderschrank jetzt neu aus mit den Stücken, die sie schon immer tragen wollte, aber nie konnte.

Während ihrer Nachsorge im HOPE-Center von Mercy Ships konnte Minette zum ersten Mal in ihrem Leben richtige Freundschaften schließen. Mit einer anderen Patientin namens Sarah spielte sie viel, lackierte ihre Fingernägel, redete über Mode und zwischen den beiden entwickelte sich eine besondere Freundschaft.

Neun Monate nach ihrem Eingriff hat Minette noch nicht aufgehört zu lächeln. Als sie gefragt wird, was ihr Leben am meisten verändert hat, denkt sie einen Moment nach und antwortet: „Früher hatten die Menschen Angst vor mir. Niemand wollte meine Haare anfassen. Jetzt ist das kein Problem mehr!“

Minette feierte ihre Veränderung mit einem lang erträumten Besuch beim Friseur und einer Feier anlässlich ihres eigenen Märchens – ihrer Version der Cinderella Geschichte. Und wer weiß … vielleicht wird es in ihrer Zukunft einen Prinzen geben, der von ihrem Lächeln fasziniert ist.

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Sandrins

Nicht mehr die Zurückgelassene

Traurig schaut Sandrins ihren Schwestern zu, wie sie mit den anderen Kindern die Nachbarstraße herunter rennen. Sie freuen sich auf einen weiteren Schultag, an dem sie neue Dinge lernen können. Die achtjährige Sandrins beobachtet sie sehnsüchtig: Wie gerne würde sie sich ihnen anschließen! Während all ihre Geschwister und Freunde eine Schulausbildung genießen, muss Sandrins zuhause bei ihrer Mutter bleiben - zurückgelassen wie so oft. Der Grund ist eine Missbildung ihres Fußes.

Sandrins Leben hat nicht immer so ausgesehen. Für gewöhnlich ging sie mit den anderen zur Schule, doch inzwischen sind einige Monate vergangen, seitdem sie zuletzt am Unterricht in Invoilina, etwa 30 Minuten nördlich von Tamatave in Madagaskar, teilgenommen hat. Nach und nach wurde der drei Kilometer lange Schulweg zu schmerzvoll.

Nicht mehr die Schule besuchen zu können, war nur eine von vielen Einschränkungen in Sandrins Leben, nachdem ihr rechtes Bein durch eine Chinin-Injektion Schaden genommen hatte. Das Medikament, welches sie von ihrer Malariaerkrankung heilte, zerstörte tragischer Weise einseitig ihre Beinnerven, weshalb sich ihr rechter Fuß am Knöchel nach innen verbog.

Sandrins Mutter Lydia schildert die Details, wie sich der Fuß ihrer Tochter nahezu über Nacht verändert hat: "Etwa eine Woche nach der Spritze begann ihr Fuß anzuschwellen. Und so ging es auch über einige Monate hinweg weiter. Wir versuchten alles, aber ergebnislos."

Zu dieser Zeit war Sandrins erst fünf. Eine Weile lang bemühte sich Lydia, Sandrins weiterhin zur Schule zu schicken, indem sie das Kind selbst auf ihrem Rücken trug. Doch als Sandrins wuchs, wurde sie zu schwer, um von ihrer Mutter getragen zu werden. Lydia sah sich gezwungen, ihre Tochter zuhause zu behalten und deren Schulausbildung damit auszusetzen.

Eines macht es besonders traurig für die Mutter, ihre Tochter in dieser Verfassung zu sehen: Sandrins hat eine Zwillingsschwester, Sandra, die gesund ist. Die Unterschiede zwischen den beiden Mädchen kann man bis zu ihrer Geburt zurückverfolgen. Während Sandra als ein starkes, gesundes Kind geboren wurde, war Sandrins dagegen dünn und zerbrechlich.

Trotz allem gab Lydia die Hoffnung auf Heilung ihres geliebten Kindes nicht auf, und tatsächlich trat diese auf wundersame Art in Erscheinung. Aufgeregt beschreibt Lydia die Radio-Ankündigung von der Ankunft von Mercy Ships: "Im Radio hörte ich von jemandem, der Fußprobleme behandelt - Schwellungen und vielerlei andere Beschwerden. Diese Menschen luden uns ein, zum Manara-Penitra Hospital zu kommen." Sie glaubte, die Ankunft des Schiffes könnte die letzte Chance ihrer Tochter auf Genesung sein.

Mit Sandrins auf ihrem Rücken bestritt sie also den Weg nach Tamatave, wo sie mit hunderten anderen Hoffnungsvollen zusammen am ersten Tag der Untersuchungen wartete. Lydia war überglücklich, als ihre Tochter einen Termin für einen chirurgischen Eingriff an Bord der Africa Mercy, dem weltweit größten privaten Hospitalschiff, bekam.

Sandrins Genesungsweg an Bord bestand aus zwei Behandlungsschritten. Zunächst löste der ehrenamtliche amerikanische Chirurg Dr. Frank Haydon operativ die Fußsohlenfaszie, dem dünnen Band, welches die Ferse mit den Zehen verbindet, um den Fuß des Mädchens gerade zu richten. Ein zweiter Eingriff, fünf Wochen später, begradigte ihn anschließend vollständig. Für einige Wochen trug Sandrins einen Gipsverband, um ihrem Fuß zu erlauben, in richtiger Position ganz auszuheilen.

Die zweite Genesungsschritt – die emotionale Heilung - trat zu nahezu der gleichen Zeit ein. Als die ständig Zurückgelassene hatte sich Sandrins zu einem sehr zurückhaltenden, stillen Kind entwickelt. Wann immer Fremde sie während des Aufenthalts auf der Africa Mercy besuchten, verbarg sie sich hinter ihrer Mutter und mied jeglichen Blickkontakt zu ihnen. Durch die liebevolle Fürsorge der Pflegerinnen und Pfleger jedoch blühte das Mädchen auf und ihre wahre Persönlichkeit begann von innen heraus zu scheinen. Sie wurde zu ihrer „kleinen Gehilfin" auf der Krankenstation. Anstelle des schüchternen, kleinen Mädchens, das sich hinter ihrer Mama versteckte, war ihr offenes und fröhliches Wesen getreten - immer in Laufbereitschaft, um die erste sein zu können, Menschen zu begrüßen.

Jeder Erfolgsmoment auf ihrem Weg der körperlichen und emotionalen Heilung bringt Sandrins ihrem Ziel, wieder zur Schule gehen zu können, einen kleinen aber bedeutenden Schritt näher. In Zukunft wird sie nicht mehr die Daheimgelassene sein!

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Elvie

Freude über ein Leben ohne Einschränkung

Die zweijährige Elvie kam mit einem so genannten Klumpfuß zur Welt. Ihr linker Fuß war hoffnungslos nach innen gekrümmt. Doch wie die meisten Mütter war auch Noeline, Elvies Mutter, fest entschlossen, Hilfe für ihre Tochter zu finden. Eine erste Operation im Alter von sechs Monaten blieb jedoch erfolglos. Die Krümmung in Elvies Fuß war unverändert. Elvie allerdings ließ sich von ihrem Klumpfuß nicht beim Spielen stören. Sie ist ein kleiner Wildfang, der Luftballons liebt! Schnell gewann sie die Herzen aller um sich herum. Im Gegensatz zu dem, was viele andere Patienten erleben müssen, zeigten die Menschen in Elvies Dorfgemeinschaft viel Mitgefühl. Und darüber hinaus schlossen sie sie so sehr ins Herz, dass sie ihre Deformierung kaum noch wahrnahmen.

Doch Elvies Mutter war sich der Probleme bewusst, die der Klumpfuß ihrem Kind eines Tages bereiten würde. Sie dachte an die Möglichkeiten, die Elvie aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung vielleicht verpassen würde. Das betrübte ihr Herz, und sie betete oft für ihre Tochter. Wie konnte sie ihr helfen? Einige Jahre später berichtete Noelines Pastor über Mercy Ships. „Die kommen mit einem Schiff und behandeln Menschen mit Fußerkrankungen. Sobald du mehr darüber im Fernsehen oder Radio erfährst, geh doch bitte zu dem Ort, den sie nennen. Vielleicht können sie euch dort helfen.” „Sobald ich von der Ankunft des Schiffes im Hafen von Toamasina hörte, machten wir uns auf den Weg zur Voruntersuchung im Manara-Penitra Krankenhaus“, erzählt Noeline. „Ich war hoffnungsvoll und bat Gott, mit uns zu sein. Wir sind gleich zum ersten Voruntersuchungstag gegangen.“ Mutter und Tochter standen mit Tausenden anderen Menschen in der Warteschlange. Noelines Freude war groß, als Elvie eine Karte mit einem Termin für eine kostenlose OP erhielt. Diese kleine gelbe Karte war für sie mehr als eine Terminerinnerung.

Für sie und ihre Tochter war sie ein Zeichen der Hoffnung auf ein normales Leben ohne Einschränkungen. Erfahrene Mercy Ships-Ärzte wendeten die Ponseti Methode an, um Elvies Klumpfuß zu behandeln. Die Behandlung war erfolgreich. Ein kleiner Eingriff, viele Verbandswechsel und einige Wochen später war die Krümmung in Elvies Fuß nicht mehr zu sehen. Noeline ist sehr dankbar und voller Freude! Ihr Dank gilt allen ehrenamtlichen Mercy Ships-Mitarbeitern und Unterstützern, die mit ihrem Einsatz und ihren Finanzen eine kostenlose Operation für Elvie möglich gemacht haben. Sie träumt davon, dass Elvie eines Tages vielleicht selbst einmal eine Ärztin wird, damit sie Menschen in ihrem Land Madagaskar helfen kann – so, wie ihr geholfen wurde!

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Mioty

Eine neue Nase. Und ein neues Herz

Während sich Mioty nach der Operation erholt, darf sie bereits an Deck spielen

Nicht nur die Patienten erleben bei Mercy Ships tiefgreifende Lebensveränderungen. Auch unsere Mitarbeiter erleben herzergreifende und tragische Momente, die für sie unvergesslich sind. Stationsschwester Heather Morehouse erzählt eine ganz besondere Geschichte:

Das Leiden eines 5-jährigen Mädchens in Bett D9 hat mein Leben verändert

Als du auf die Station kamst, sah ich als erstes dein Gesicht: deine nach oben gezogene Lippe, durch die dein Blick immer finster wirkte. Dein linkes Auge fehlte und dein Gesicht war deformiert. Du spieltest, aber du warst auch aggressiv. Als hättest du dein ganzes Leben lang nur gekämpft.

Ich erfuhr, dass deine Mutter dich mit deinen älteren Geschwistern zu Hause allein gelassen hatte, als du eine Woche alt warst. Sie ging arbeiten, um für dich und deine Geschwister sorgen zu können. Als sie nach Hause kam, musste sie feststellen, dass ein wildes Tier dich angegriffen hatte. Ein Loch war in deinem Gesicht, das sich entzündete, vermutlich mit einem gewebszerstörenden Bakterium namens Noma. Es zerstörte deine Nase und nahm dir ein Auge. Ein Arzt vor Ort nähte dein Auge zu und riet deiner Mutter, während der nächsten fünf Jahre jeden Tag heißes Wasser auf dein Auge zu gießen. Sie wusste nicht, was sie sonst hätte tun können.

Ich erinnere mich, wie deine Mutter weinte, als Dr. Garys Frau, Susan, ihr in die Augen sah und sagte: „Du bist eine gute Mutter. Du bist mutig.“ Es schien, als hätte deine Mutter diese Worte in ihrem ganzen Leben noch niemals gehört. Fünf Jahre lang hatte sie sich um dich gekümmert. Sie hielt dich im Haus, damit ihr beide keine angeekelten Blicke und Kommentare ertragen musstet. Sie wollte dich schützen, aber sie hatte keine Unterstützung. Ihre Augen sahen so müde und abgekämpft aus. Sie ist die geduldigste und liebevollste Mutter, die mir je begegnet ist.

Ich erinnere mich auch an meine vergeblichen Versuche, dich zum Lächeln zu bringen. Dein ganzer Kopf war bandagiert und mit deinem guten Auge konntest du kaum etwas erkennen. Ich habe dir vorgelesen und deine Hände auf die Bilder gelegt. Aber das beeindruckte dich nicht und nach einer Weile zogst du die Hände weg. Mein Herz tat deinetwegen weh. Ich brachte dir Malstifte. Du nahmst dir die Schachtel und schüttetest sie alle auf deinem Schoss aus, als hättest du Angst, jemand könnte sie dir wegnehmen.

Die Wochen vergingen und ich fühlte mich hilflos. Noch immer warst du so zornig wie zu Beginn. Wir Schwestern beteten oft für dich. Für Frieden in deinem Herzen und dafür, dass du uns vertrauen würdest und das kleine Mädchen in dir wieder zum Vorschein käme.

Mioty wird während der ganzen Behandlungsphase von ihrer Mutter begleitet, die sich seit Jahren aufopferungsvoll um ihre Tochter kümmert

In deinem Herzen war so viel Qual. Du trautest dich keine Armeslänge weit weg von deiner Mutter. Nach den Behandlungen verstecktest du dich unter dem Bett. Manchmal für Stunden. Jedes Mal, wenn ich dich begrüßte, strecktest du die Faust nach mir aus. Du verweigertest jegliche Medizin. Weil du sie mir ins Gesicht gespuckt hattest, versteckte ich sie in deinem Essen – was ungefähr zwei Tage lang funktionierte, bis du es merktest und dich fortan weigertest zu essen. Für deinen ersten Verbandwechsel verordnete der Arzt ein orales Beruhigungsmittel. Wir saßen zusammen und berieten, wie wir dich dazu bringen konnten, die Medizin zu nehmen. Ich fragte dich nach deinem Lieblingsessen, aber du wolltest es mir nicht verraten. Ich fragte dich, ob du Schokolade magst, und da nicktest du. Also mischte ich das Beruhigungsmittel mit Nutella und gab es dir mit einem Löffel und einem Lächeln. Du nahmst einen kleinen Löffel voll und ich freute mich – bis du alles wieder ausspucktest. Dich konnte man nicht austricksen. Uns blieb nur, dir eine Injektion zu geben.

Ich betete, dass der Frieden, den ich im Schlaf in dir sah, der Frieden sein möge, den du hast, wenn du wach bist. Dass, was immer dich quälte, verschwinden möge. Aber dann wachtest du auf und du verwandeltest dich wieder in dein zorniges Ich.

Doch dann kam die Woche, in der sich etwas in dir veränderte.

Deine Behandlungen hasst immer noch und wir geben dir keine Medikamente, die du schlucken musst, weil du dich weigerst, sie einzunehmen. Aber jetzt lächelst du. Vor ein paar Tagen beobachtete dich jemand, als du gesungen hast, und eine Schwester brachte dir bei zu winken.

Heute, über fünf Wochen, nachdem du zu uns gekommen bist, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten, als du zum ersten Mal mit deinem kleinen Roller durch die Station gefahren bist; als du dich von hinten an mich herangeschlichen hast, mich in die Seite pikstest und dann um die Ecke ranntest, damit ich dich fange; als ich dir in deinem Bett zuwinkte und du zurückwinktest. Heute habe ich gesehen, dass dein Herz ein kleines bisschen geheilt ist. Ein Herz, das sein ganzes Leben lang gekämpft hat und niemanden hineinließ hat. Weil niemand hinein wollte.

Ich habe geweint, weil du heil wirst. Und weil deine Reise so schwierig war. Ich erinnere mich an meine Frustration, wenn du um dich schlugst, wenn ich dich hielt. Ich sagte: „Alles ist gut“, aber durch deine Schreie hörtest du mich nicht. Obwohl ich oft daran dachte, darum zu bitten, nicht mehr deine Krankenschwester sein zu müssen, tat ich es doch nicht. Weil ich wusste, dass der Herr treu sein würde. Er würde deinen Körper und dein Herz heilen und er hat die Kraft, dir deine Freude zurückzugeben.

Du wirst jetzt wieder ein kleines Mädchen. Ganz allmählich lässt du zu, dass wir dich lieben. Die Qualen, die du während der vergangenen fünf Jahre erlebt hast, werden leichter.

Mein Herz war für dich zerbrochen. Ich habe den Herrn oft darum gebeten, mein Herz für seine Menschen zu brechen. Du bist der Beweis dafür, dass er es getan hat. Ich fühle mich geehrt, die Last seines gebrochenen Herzens zu tragen. Es ist all das wert, um dich zu lieben.

Du, mein Liebes, bist der Grund dafür, dass ich hier bin.

Von Heather Morehouse, AFM Stationsschwester https://heathermorehouse.wordpress.com

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Banay

Ein Mädchen kann wieder lachen

In einem Haus in Madagaskar schlüpft ein zwölfjähriges Mädchen zögerlich in ihren Badeanzug. Banay träumt davon, unbekümmert Ins Wasser zu springen und wie die anderen Kinder im Meer zu schwimmen. In Wahrheit aber wird sie auch an diesem Tag das Wasser des Indischen Ozeans nicht berühren, nicht den Mut finden, tatsächlich zu schwimmen. Zu sehr schämt sie sich, ihr Zuhause zu verlassen und ihr Gesicht im Tageslicht zu zeigen.

Ihre Lippenspalte ist der Grund, weshalb sie sich hässlich fühlt.
Ihr älterer Bruder, Theo, erzählt, sie berühre immerzu ihre Nase. Als ich sie frage, warum, beugt sie sich vor und flüstert: „Ich habe mich geschämt.“ Es ist ihre Weise, ihr Gesicht zu verstecken.

Banay ist ein extrem schüchternes und stilles Mädchen, vor allem deshalb, weil sie von Geburt an neben ihrer Lippen- auch unter einer Gaumenspalte leidet. Auch das Essen bereitet ihr Schwierigkeiten, weil beim Schlucken häufig versehentlich etwas in die Nase rutscht. Ihre Fähigkeit, ihre Gedanken in deutliche Worte zu fassen, ist stark eingeschränkt, wie uns auch Theo bestätigt: „Manchmal verstehen wir wirklich nicht, was sie uns mitzuteilen versucht.“ Denn ihr Handicap führt zusätzlich zu Hörproblemen, da die Verbindung der weichen Gaumenmuskeln mit dem Mittelohr eine höhere Anfälligkeit für Ohrinfektionen und sogar die Gefahr des völligen Gehörverlustes mit sich bringt.

Angstfrei hinter den schützenden Wänden ihres Hauses hervorzutreten, anderen Menschen zu begegnen - Diese und viele andere Dinge, die eigentlich Teil eines normalen Lebens darstellen, sind für Banay durch ihre Sprachschwierigkeiten unvorstellbar. Ihr größter Wunsch ist es, Freunde zu haben, mit ihnen herumalbern zu können. Doch die hat sie nicht. Es ist nicht leicht, eine Freundschaft aufzubauen, wenn dich niemand auch nur verstehen kann.

In Madagaskar beginnt für die meisten Kinder die Schulzeit im Alter zwischen vier und sieben Jahren, je nach Region, in der sie aufwachsen. Banay hingegen ist nie zur Schule gegangen und hat daher auch nicht zu lesen oder schreiben gelernt. Ihre Zukunftsaussichten sind aus diesem Grunde extrem eingeschränkt.

Die kanadische Krankenschwester, Brenda Sossou, die ehrenamtlich das Kinder-Sprachtherapie-Programm von Mercy Ships leitet, erklärt: „Bei vielen Gaumenspalten-Patienten liegt es nicht daran, dass sie sich nicht bemühen würden, das Sprechen zu erlernen, oder dass sie nicht die Intelligenz dazu mitbrächten. Ihnen fehlt einfach, die Fähigkeit, ihren Worten klaren Ausdruck zu verleihen, weshalb sie schließlich ganz den Mut verlieren, es auch nur zu versuchen.“

Als Banay von der Möglichkeit erfuhr, Hilfe bei Mercy Ships zu erhalten, machte sie sich mit ihrem Bruder auf den Weg zum Hospitalschiff. Sie erhielt einen Termin für eine kostenlose Behandlung! Eine Operation, die Banays Lippen- und Gaumenspalte schloss und die anschließende logopädische Betreuung ermöglichen Banay jetzt einen Neuanfang. Für die tapfere Banay bedeuteten die kostenlose Operation ihrer Lippen- und Gaumenspalte und die anschließende Sprachtherapie der Gewinn von neuer Lebensqualität.
Nach nur einer Woche, zeigte sie große Fortschritte. In ihren Therapiestunden übte sie unter anderem durch das Blasen von Seifenblasen, Luft in ihrem Mund zu behalten und dies kontrollieren zu können – früher ein undenkbares Kunststück für sie, welches jedoch für das Formen von Lauten unerlässlich ist.

Zu aller Freude bewies Banay in einer weiteren therapeutischen Übung eines ganz unbezweifelbar: Darin, wie man sich herzhaft amüsiert, verstand sie sich bereits ausgezeichnet. Um ihre Gesichtsmuskeln zu kräftigen, stellte sie auf akrobatische und facettenreiche Weise witzige Grimassen zur Schau - eine wahre Meisterin! Und ich wage mich, bereits mit Gewissheit vorauszusagen: Banays zukünftigen Freunde werden sich wahrhaft glücklich schätzen über ihre neue, lebenslustige Bekanntschaft.

Ihr älterer Bruder, Theo sagt „wir freuen uns sehr, weil Banay jetzt wie alle anderen aussieht. Wir freuen uns auch, dass sich ihre Aussprache verbessert. Vielen, vielen Dank. Möge Gott euch belohnen, denn wir können nichts von dem zurückgeben, was ihr für uns getan habt. Wir sind beeindruckt von den operativen Möglichkeiten. Noch tiefer beeindruckt hat uns aber die Freundlichkeit der Ärzte und Schwestern, die sich um Banay gekümmert haben“.

Der Erfolg für all die harte Arbeit, die es in der Therapie zu bewältigen gilt, zeichnet sich in der wertvollen Fähigkeit aus, die sie nach und nach hinzugewinnt: Aus Lauten lernt sie, Worte zu formen und aus Worten zusammenhängende Sätze. Hierfür haben sie die Ärzte und die ehrenamtliche Therapeutin mit einer reichen Auswahl an Lernkarten ausgestattet. Es liegt noch ein langer, teils beschwerlicher Weg vor ihr, an dessen Ende jedoch das eine große Ziel steht – für Banay der strahlende Traum von einer besseren, unbekümmerteren Zukunft. „Wir hoffen, dass Banay die Übungen, die wir ihr gezeigt haben, fleißig und regelmäßig fortführt. Eines Tages wird sie dann der Welt entgegensehen und mit einer selbstbewussten, starken Stimme ihren klaren Worten Ausdruck verleiht, vielleicht ja sogar Flügel.“, beschreibt Brenda das gemeinsame Ziel.

Autor: Eunice Hiew

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Nana

Trotzdem geliebt

„Ich war tief berührt von der Empathie der anderen VVF-Patientinnen, von Freunden und dem Pflegepersonal, als sich zeigte, dass die Fistel geschlossen und ich nicht mehr inkontinent war“, erinnert sich Nana.

Im Alter von 15 Jahren wurde Nana dem fünf Jahre älteren Bauern Kabinet zur Frau gegeben. Schon bald darauf wurde sie schwanger. Nach neun Monaten begann sie mit den Vorbereitungen für die Geburt, da Nana wusste, dass neun volle Monde bis zur Geburt vergehen sollten. Als aber nach weiteren vier Wochen immer noch nichts passierte, war Nana sehr besorgt. Sie ging zu einem traditionellen Wunderheiler in ihrem Dorf, der ihr eine Mixtur zum Einnehmen gab. Nach der Einnahme hatte sie zwar mit Unwohlsein zu kämpfen, aber die Wehen setzten noch immer nicht ein. Doch bald darauf bekam sie so starke Schmerzen, dass sie sich nicht mehr zu helfen wusste. Nana brauchte dringend medizinische Hilfe!

Das ganze Dorf half, damit sie ins nächste Krankenhaus gebracht werden konnte. Viele Stunden wurde die junge Frau mit einer selbstgemachten Hängematte getragen. Es folgten weitere qualvolle Stunden in einem Taxi, bis sie das Hospital erreichte. Während des dreitägigen Aufenthalts wurde das mittlerweile tote Kind aus ihrem Körper entfernt. Sehr lange konnte sie danach ihre Beine nicht mehr bewegen und bald darauf musste sie feststellen, dass sie inkontinent war.

Während der Genesungszeit bei ihren Eltern bekam sie Besuch von ihrem Ehemann und dessen Familie. Seine Worte sind ihr unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt: „Kabinet erklärte, dass er mich erst als Frau zurücknehmen werde, wenn ich geheilt sei.“

Als Nana sich wieder bewegen konnte, ging sie in ihrer Verzweiflung heimlich zu ihm, um ihn zu bitten, sie wieder zur Frau zu nehmen. Als Kabinet ihr sagte, dass er sie nicht mehr liebe, war ihr das letzte Fünkchen Hoffnung genommen.

Vom Ehemann verlassen und damit öffentlicher Schande ausgesetzt, kehrte Nana auf den Bauernhof ihrer Eltern zurück. Zusammen mit ihrer Mutter sorgte sie dafür, dass immer genügend Seife zum Waschen und Einlagen bereitlagen. Aber so sehr sie es auch versuchten, sie kamen dem ständigen Auslaufen nicht hinterher. Die Mixturen der verschiedenen Wunderheiler, die sie besuchten, zeigten keinerlei heilende Wirkung, sondern verursachten stattdessen schlimme Kopfschmerzen und Ausschläge.

Doch das Blatt sollte sich wenden. Eines Tages traf Nana Djibril, der in einem Bauunternehmen tätig war. Er zeigte Interesse an ihr und wollte ihr Herz für sich gewinnen. Doch Nana war vorsichtig. Sie erzählte ihm von ihrer Inkontinenz. Entgegen ihrer Befürchtungen bekräftigte Djibril, dass sie ihn in ihrer Situation umso mehr bräuchte. „Wie auch meine Eltern, hatte Djibril keine Zweifel daran, dass mir eines Tages geholfen werden könnte. Er kam genau zur richtigen Zeit. Wie konnte ich einen so liebevollen Mann nicht heiraten?“, erzählt Nana.

Mit den Einnahmen aus seinem Unternehmen war es Djibril möglich, Nana drei Anreisen zu einem Krankenhaus in Sierra Leone zu ermöglichen, das für die Behandlung von VVF bekannt war. Doch dort wurde sie aus den verschiedensten Gründen dreimal abgewiesen.

Trotz der Rückschläge gab das Ehepaar nicht auf. Eines Tages schaute Djibril mit einem Mann fern, der sehr gut Französisch sprach. Dieser übersetzte ihm die Ansage des Nachrichtensprechers, der die Ankunft eines Hospitalschiffes ankündigte, das kostenlose medizinische Hilfe bringt. Die Ärzte wollten unter anderem Menschen mit Tumoren und besonders auch Frauen mit Geburtsverletzungen behandeln. „Djibril rief mich sofort an und erzählte mir davon. Mir war schnell bewusst, dass das eine Antwort auf meine Gebete zu Gott war“, erinnert sich die junge Frau.

Mit einer Gruppe von Frauen, die das gleiche Problem wie sie hatten, erschien Nana zur Voruntersuchung. Sie erhielt eine Patientenkarte, die ihr eine Operation auf dem Schiff zusicherte. Nachdem die erste Operation die Inkontinenz nicht völlig behoben hatte, war eine weitere nötig. Als die Fistel auch nach dem zweiten Eingriff nicht völlig korrigiert war, gab Nana ihre Hoffnung auf Heilung trotzdem nicht auf. Sie wusste, dass sie bei Mercy Ships am richtigen Ort war.

Ihr unbeirrbarer Glaube war nicht vergebens – die dritte Operation verschloss die Fistel ganz. Nach zwei Wochen war Nana endlich trocken!

Nana freut sich darauf, nach einer Genesungsphase auf dem Hof ihrer Eltern wieder zu ihrem Ehemann zurückzukehren. „Ich weiß gar nicht, wie ich mich für all die Liebe, Unterstützung und medizinische Hilfe bedanken soll, die mir durch euch zuteil geworden ist“, sagt sie den Mitarbeitern bei ihrem Abschied vom Schiff. „Nur Gott kann euch dafür belohnen! Und ich weiß, dass er das tun wird!“

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Florine

Am Ende wieder Hoffnung

Florine ist 39 Jahre alt. Seit 25 Jahren leidet sie unter einer Geburtsfistel/ Blasen-Scheiden- und Rectalfistel. Nach einer schwierigen Geburt ohne die Hilfe einer Hebamme hatte sie ihr erstes Kind verloren. Bald darauf merkte sie, dass sie inkontinent war. Doch hier fängt ihre Leidensgeschichte erst an: Sie erlitt in der Folgezeit zwei Fehlgeburten und verlor drei weitere Kinder bei der Geburt.

Da sie inkontinent und nicht in der Lage war, weitere Kinder zur Welt zu bringen, verließ ihr Mann sie. Florine musste daraufhin aus der Ferne mit ansehen, wie er eine andere Frau aus ihrem Dorf heiratete. Sie selbst war für ihn zur „Zeitverschwendung“ geworden. Florine wohnt in einem abgelegenen Dorf im Norden des Landes. Ohne Hoffnung auf Hilfe lebte sie die kommenden Jahre abgeschieden bei ihrer Familie.

Über eine Radioansage erfuhr sie eines Tages von der Ankunft von Mercy Ships. Sie begann wieder zu hoffen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester machte sie sich auf den Weg zur Voruntersuchung. Die drei Frauen waren neun lange Tage zu Fuß unterwegs, um die Hauptstadt Antananarivo zu erreichen, wo sie das Hospitalschiff vermuteten.

Zu ihrer Enttäuschung war das Schiff nicht dort. Als alles Suchen erfolglos blieb, arbeiteten sie, um Geld für den Heimweg zu verdienen. Bis sie sich auf den Weg machen konnten, mieteten sie ein Zimmer in einem Vorort der Hauptstadt. Als alles für die Abreise bereit war, erkrankte Florine an Malaria. Eine freundliche Frau aus der Nachbarschaft, Rosette, nahm Florine auf, während ihre Familie die Rückreise antrat. Es war sehr offensichtlich, dass die Familie Florine zurücklassen wollte. Rosettes Familie war arm und sie musste sich um drei eigene Kinder kümmern. Doch trotz ihrer eigenen schwierigen Lage, nahmen sie und ihre Familie Florine wie ein Familienmitglied auf. Sie hatten Mitleid mit der verlassenen Frau.

Rosette und weitere Nachbarn taten sich zusammen, um Florine zu helfen. Sie unterstützen sie mit Kleiderspenden, obwohl sie selbst kaum genug hatten. Ihr Zusammenhalt als Dorfgemeinschaft sollte belohnt werden.

Rosette zeigte Florine, wie sie sich trotz des andauernden Auslaufens sauber halten konnte. Zudem lernte Florine nach vielen Jahren der Isolation wieder, in Gemeinschaft zu leben. Jeden Morgen wusch Florine ihr Bett, das sich über Nacht mit Urin vollgesogen hatte. Da es in dem Dorf keine Elektrizität und kein fließendes Wasser gibt, dauerte das oft den ganzen Vormittag. Aber Florine hat eine schnelle Auffassungsgabe und sie lernte bereitwillig dazu.

Schließlich gelang es den beiden Frauen tatsächlich, das Schiff und den Ort, an dem die Voruntersuchung stattfinden sollte, ausfindig machen. Rosette begleitete Florine. Die Ärzte konnten ihr helfen, und Florine kehrte mit einem Termin für eine OP zunächst nach Hause zurück. Bis zum Eingriff sollte sie noch komplett von der Malariainfektion genesen.

Bald darauf war es soweit. Die Mercy Ships Ärzte Dr. Itengre (Burkino Faso) und Dr. Jerry Puttman (USA) nahmen den Eingriff vor. Rosette lief ungeduldig auf dem Flur auf und ab, während sie den Ausgang von Florine Eingriff abwartete. Ihre Gebete wurden erhört! Die Operation verlief wie gehofft. Als Florines Katheder Tage später entfernt wurden, blieb sie trocken.

Der aufopferungsvollen Liebe von Rosette und der unermüdlichen Arbeit der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter von Mercy Ships ist es zu verdanken, dass Florine das Schiff bald mit Hoffnung auf einen Neuanfang verlassen kann!

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Edouard Eyessi

Unvergessliche Tage

Seit seiner Geburt litt Edouard Eyessi an einem sehr schmerzhaften Leistenbruch (Hernie). Jede Art von Anstrengung verursachte ihm stechende Schmerzen, selbst lautes Sprechen war ihm kaum möglich. Die Schwellung war sehr unangenehm und vergrößerte sich mit zunehmendem Alter. Die größte Sorge der Familie war, dass Edouard nicht in der Lage sein würde, Kinder zu zeugen, wenn er ins heiratsfähige Alter kam.

Eine Operation, die den Bruch beheben würde, war laut Auskunft der Ärzte erst ab dem sechsten Lebensjahr möglich. Eugenie, Edouards Mutter, erzählt rückblickend: „Während der Zeit des Wartens war es das Schwerste für mich, mit ansehen zu müssen, wie mein Sohn nicht wie die anderen Kinder in seinem Alter spielen konnte.“

Kurz nach seinem sechsten Geburtstag brachten Edouards Eltern ihren Sohn wieder ins Krankenhaus. Dort mussten sie eine schwere Entscheidung treffen, denn die den Ärzten bekannte Operationsmethode bei Hernien in der Leistengegend barg die Gefahr, Edouard dauerhaft zeugungsunfähig zu machen.

Eugenie und Ihr Mann, Athanaz, trafen eine schnelle, dennoch schwierige Entscheidung: Sie würden versuchen, ihrem Sohn dabei zu helfen, mit seiner Krankheit leben zu lernen, anstatt eine Zeugungsunfähigkeit zu riskieren.
In den darauffolgenden Jahren konnte Edouard kein Fußball spielen oder sich an anderen körperlich anstrengenden Spielen beteiligen. Häufig auftretende Schmerzen und Schwellungen fesselten ihn zudem immer wieder ans Bett. Er konnte nicht schwer tragen, geschweige denn im Haushalt helfen.

Doch er besaß eine natürliche Begabung, die er gerne einsetzte, um anderen zu helfen. „Unser Sohn hat begabte Hände, die Linderung verschaffen“, sagt die sichtlich stolze Mutter. „Er hat schon vielen Menschen durch seine Massage geholfen.“ Familienangehörige wie Freunde profitierten von Edouards Fähigkeit – so auch sein Vater, der als Schuldirektor an der Lomé Public School arbeitet. „Den ganzen Tag über sitze ich in Besprechungen, in denen wir anstehende Probleme lösen. Dadurch sind meine Muskeln meist sehr verspannt. Edouards Massage bringt mir Entspannung, er massiert Knoten im Nacken und Schulterbereich aus“, sagt der Vater.

Auch in der Schule blieb Edouards Begabung nicht lange verborgen. Sein Lehrer Wilson Adjei, selbst Footballspieler, ermutigte ihn, seine Massagekünste für die Sportteams einzusetzen. Dank Edouard hat das Team seither mit wesentlich weniger Schmerzen zu kämpfen.

Eines Tages erfuhren Edouard und seine Familie aus dem Fernsehen, dass eine Organisation namens Mercy Ships kommen würde, um kostenlos medizinische Hilfe anzubieten. Zu diesem Zeitpunkt war Edouard bereits 16 Jahre alt. Ohne Zögern beschloss die Familie, dass er zur Voruntersuchung gehen müsse. Seinen ersten, unvergesslichen Tag bei Mercy Ships beschreibt der Teenager folgendermaßen: „Mein Lehrer, Herr Adjei, begleitete mich zum Kegue Stadion, wo die Untersuchung stattfand. Wir kamen morgens um 4 Uhr an. Nachdem wir viele Stunden gewartet hatten, wurde ich am Ende des Vormittages zu einer zweiten Untersuchung auf dem Schiff zugelassen. In der folgenden Nacht konnte ich kaum schlafen, weil ich die ganze Zeit gebetet habe, dass ich Hilfe bekomme.“

Edouards Gebete wurden erhört. Es dauerte nicht lange und Edouards Leistenbruch wurde an Bord der Africa Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Welt, operiert. Ein lebensverändernder Eingriff. Dr. Nabil Gayed, ein Chirurg aus den USA, operierte den Jungen. Für den Arzt war es der erste Einsatz als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Mercy Ships. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden: „Ich freue mich, etwas bewirken zu können. Ganz besonders für einen jungen Mann wie Edouard, der noch sein ganzes Leben vor sich hat.“

Vor seiner Entlassung erwartete Edouard noch eine besondere Überraschung. Die Mercy Ships Physiotherapeuthin Joanne Gates lud ihn ein, bei zwei ihrer Behandlungen zuzuschauen. Sie erklärte ihm die Behandlungsschritte und hatte dabei Edouards volle Aufmerksamkeit. „In diesem Bereich möchte ich einmal arbeiten. Es war für mich ein tolles Erlebnis, von einer ausgebildeten Physiotherapeutin zu lernen. Das ist für mich der zweite unvergessliche Tag bei Mercy Ships“, berichtet Edouard.

Als der junge Mann in sein Heimatdorf zurückkehrte, war das Staunen groß. Mit brüchiger Stimme beschreibt Eugenie die Reaktion ihres Ehemannes: „Beim Anblick seines Sohnes weinte Athanaz vor Freude. Vor Edouard liegt jetzt eine Zukunft ohne die Schmerzen und körperlichen Einschränkungen, unter denen er so viele Jahre gelitten hat. Zuerst war es wie ein Traum. Aber dank Mercy Ships ist dieser Traum Wirklichkeit geworden.“

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Sambany

Mein Herz ist wieder glücklich

19 von seinen 60 Jahren hat Sambany mit einem von seinem Hals langsam wachsenden Tumor leben müssen. Der Tumor war mittlerweile gewaltig groß und eine enorme Last für den Mann aus Madagaskar. Er spiegelt 19 Jahre Elend und Scham wieder.

Sambany konnte nicht glauben, dass er jemals von dieser Last befreit werden würde. „Seit einem Jahr warte ich auf den Tod und frage Gott, ‘Wann wirst du mich zu dir nehmen?’. Ich konnte körperlich nichts mehr tun. Jeden Tag hoffte ich darauf zu sterben.“

Ende letzten Jahres begegnete er einem Freund, der ihm erzählte: „In Tamatave liegt ein Schiff von Mercy Ships. Du kannst dahin gehen und Dich untersuchen lassen.“ Das Hospitalschiff der Hilfsorganisation liegt seit November letzten Jahres in der Hafenstadt, um dort medizinische Hilfe zu leisten.

Zusammen mit seinem Enkel Flavy machte sich Sambany auf den langen und beschwerlichen Weg in die Hafenstadt, um diese letzte Chance auf Hilfe zu nutzen. Sie waren drei Tage zu Fuß unterwegs, bis sie schließlich auf eine geteerte Straße stießen. Nach einer kurzen Rast konnten sie den Rest des Weges in einer vierstündigen Autofahrt zurücklegen. Trotz aller Anstrengungen, war Sambany sich nicht sicher, was ihn erwarten würde.

Als er am 21. Januar 2015 zur Africa Mercy kam, nahm das Untersuchungspersonal ihn schnell mit an Bord des Hospitalschiffes, um mit dem schiffseigenen CT Scanner einen Bildschnitt von Kopf und Tumor zu machen. Die Mitarbeiter von Mercy Ships waren über die enorme Größe des Tumors sehr erstaunt.

An den darauffolgenden Tagen besprach das Ärzteteam Sambanys Testergebnisse und überprüfte seinen Gesundheitszustand. Es war lange nicht klar, ob Sambany aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes überhaupt operiert werden könnte.

Nach vielen Überlegungen fassten das Ärzteteam und Sambany einen mutigen Entschluss. Trotz der bekannten Risiken wollten sie Sambany operieren. Ob Sambany am Tag vor dem Eingriff aufgeregt war?

Keineswegs, er sagte: „ Ich bin einfach nur glücklich. Ich weiß, dass ich ohne eine Operation sterben werde. Ich bin mir bewusst, dass ich auch während des Eingriffs sterben könnte, aber ich fühle mich innerlich bereits wie tot, da ich in den letzten Jahren viel Ablehnung und Ausgrenzung erfahren habe.“

Während der Operation verlor Sambany viel Blut. Die Hilfsorganisation konnte zum Glück auf eine einzigartige Blutbank zurückgreifen - ihre Mitarbeiter. Nun fließt das Blut von 17 Menschen durch die Venen des Malegassen. Doch die Zahl derer, die direkt und indirekt an Sambanys Rettung beteiligt waren, ist sehr viel größer. Dazu zählen nicht nur das medizinische Personal im Operationssaal, sondern alle ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Nach einer zwölfstündigen Operation war der 7,46 kg schwere Tumor entfernt. Der leitende Chefarzt der Africa Mercy und erfahrene Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Dr. Gary Parker, führte den schwierigen Eingriff durch.

Als er nach der Operation erwachte, erklärt Sambany erleichtert „Ich bin so froh, dass mir geholfen wurde. Ich weiß, dass ich meine Rettung Gott und Mercy Ships verdanke.“

Als er sich das erste Mal im Spiegel ohne seinen Tumor sah, sagte er „Mir gefällt das. Ich fühle mich frei und bin überglücklich, denn ich habe ein neues Gesicht bekommen!“

Die nächsten Monate wird Sambany auf dem Schiff bleiben, um vollständig genesen zu können.

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Abdul

Neue Hoffnung für Abdul

Von den Dorfbewohnern wurde Abdul wegen seiner nach innen gebogenen Füße das „Teufelskind“ genannt. In Entwicklungsländern werden jedes Jahr 220.000 Kinder mit so genannten Klumpfüßen geboren.

Wie die meisten Dorfbewohner glaubte auch Abduls Mutter, dass die Missbildung eine Folge von Hexerei und ihr Sohn somit verflucht sei. Bald konnte sie die Last der Scham und des vermeintlichen Fluches nicht mehr ertragen und verließ ihre Familie. Abduls Vater Simeon hingegen war überzeugt, dass die Deformierung eine medizinische Ursache haben müsse. Er entschied sich, bei seinem Sohn zu bleiben und diesen großzuziehen.

Um Geld für Essen zu verdienen, lief Simeon jeden Tag viele Kilometer und verkaufte in den Dörfern der Umgebung Feuerholz. Abdul spielte währenddessen mit den Nachbarkindern in seinem Dorf. Doch wegen seiner Klumpfüße wurde er regelmäßig zum Gespött seiner Spielkameraden. Oft lief er weinend nach Hause, um sich dort vor weiterem Gelächter und schmerzender Ablehnung zu verstecken.

Als Abdul anfing, die Schule zu besuchen, stellte sich sehr bald heraus, dass er eine gute Auffassungsgabe besaß und gern lernte. Jeden Samstag nahm sich Simeon vor dem Abendessen Zeit, um mit Abdul über die Zukunft zu sprechen. Zwischen Vater und Sohn hatte sich im Laufe der Jahre eine enge Beziehung entwickelt.

Simeon hatte sich in den Kopf gesetzt, eine erfolgreiche medizinische Behandlung für die missgebildeten Füße seines Sohnes zu finden. Sie besuchten viele Ärzte, von denen leider keiner helfen konnte. Doch Simeons feste Zuversicht auf Gott und die Hoffnung, dass Abdul eines Tages ganz gesund sein würde, ließen ihn nicht aufgeben.

Dann kündigte eine Ansage im Radio die Ankunft von Mercy Ships Ärzten an, die Leute kostenlos untersuchen und, wenn möglich, auch behandeln würde. Konnte das die lang erhoffte Hilfe sein?

Vater und Sohn machten sich auf den Weg. Bei der Voruntersuchung angekommen, warteten die beiden drei lange ermüdende Tage in der Schlange, um von einem Arzt angeschaut zu werden. Es sollte sich herausstellen, dass die Anstrengung nicht vergeblich gewesen war, denn Abdul kam tatsächlich für eine Behandlung in Frage.

In der ersten Phase der Behandlung seiner Klumpfüße wurden Abdul schwere Gipsverbände angelegt, um seine verbogene Fußstellung zu korrigieren. Die hüfthohen Gipsverbände sollten seine Füße in eine normale 90-Grad-Stellung bringen. Trotz der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, gewann Abduls aufgewecktes und abenteuerlustiges Wesen bald die Oberhand. Nach vielen Verbandswechseln konnte Abdul schließlich operiert werden, um mit diesem letzten Eingriff die Begradigung seiner Füße abzuschließen.

Ein paar Tage nach seiner erfolgreichen Operation wurde Abdul mit kurzen, geraden Gipsschienen, die das Laufen erheblich erleichterten, ins HOPE Center verlegt. Zusammen mit ein paar anderen Jungs, die eine ähnliche Behandlung durchliefen, hoppelte er bald darauf fröhlich auf Krücken durch die Betreuungsstation. „Ich bin glücklich, in Zukunft ohne Schmerzen von zu Hause in die Schule laufen zu können.“, sagte Abdul.

Beim Abschied betritt Abdul selbstbewusst die Gangway. Die medizinische Behandlung durch Mercy Ships und die liebevolle Zuwendung der Mitarbeiter hier haben ihn den Schmerz über vergangene Ablehnung und Spott überwinden lassen und ihm neues Selbstvertrauen verliehen. Vater und Sohn winken ein letztes Mal der Crew zu und treten, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft, den Heimweg in ihr Dorf an.

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Gisele

Ein neuer Anfang

Eigentlich sollte dies nicht Giseles Geschichte sein. Aber sie ist es. Im Jahr 1993 war Gisele 28 Jahre alt, verheiratet und sie erwartete ein Kind. Da sie bereits eine Fehlgeburt erlebt hatte, war ihr dieses Kind umso wertvoller. Sie freute sich über die Aussicht, Mutter zu werden, denn alles, was Gisele jemals gewollt hatte, war Kinder zu haben. Sie glaubte, dass dies der Sinn ihres Daseins auf Erden sei.

Doch alles sollte anders kommen. Seit dem Tag, an dem die Wehen einsetzten, war Giseles Leben von »hätte«, »sollen« und »können« geprägt. Sie hätte eine normale Geburt erleben sollen. Als dies nicht geschah, hätte es eine Notfallversorgung geben müssen. Gisele hätte einen Kaiserschnitt bekommen und Mutter werden sollen. Heute hätte sie die Mutter eines 21-jährigen Sohnes sein können und die seiner vielen jüngeren Schwestern und Brüder.

Doch heute, zwanzig Jahre später, ist Gisele 48 Jahre alt, geschieden und kinderlos.

Gisele hat im Jahr 1993 in ihrem Dorf in der Republik Kongo ihr Kind aufgrund eines verzögerten Geburtsvorgangs verloren. Als Folge der traumatischen Geburt bildete sich eine Blasen-Scheidenfistel, auch Vesico-Vaginale Fistel (VVF) genannt. VVF tritt nach Komplikationen während des Geburtsvorganges auf. Zwischen dem Geburtskanal und dem Harnleiter entsteht ein Loch, das eine Inkontinenz verursacht. Zwanzig Jahre lang musste Gisele mit ständigem Ausfluss von Urin leben.

Gisele konnte dem Geruch des Urins nicht entfliehen. Ihre vom Urin feuchte Kleidung und ihre nassen Beine waren zudem eine ständige Erinnerung an das Kind, das sie verloren hatte, und an die anderen Kinder, die sie nicht mehr bekommen konnte. Nachts musste sie stündlich aufstehen, um ihre feuchten Kleider zu wechseln. Als Giseles Ehemann merkte, dass sie keine Kinder mehr bekommen konnte, verließ er sie. Er wolle immer noch eine Familie, sagte er schroff, »aber mit dir verschwende ich meine Zeit«.

Giseles körperliche Beschwerden waren nichts, verglichen mit der emotionalen Last, infolge der öffentlichen Verstoßung durch den Ehemann. Im Hinblick auf ihr großes Ziel, Mutter zu werden, war Gisele gescheitert und sie sah keinen Sinn mehr im Leben. Ihre gescheiterte Ehe machte ihr auch Angst: Eine Frau ohne Kinder zu sein, hieß, eine Frau ohne Wert zu sein. Gisele sagt, dass sie seit diesem Jahr, 1993, ihr Leben nicht mehr lebte, sondern nur zwischen Leben und Tod existierte und auf das Ende wartete.

Aufgrund des Geruchs, der sie umgab, und dem damit verbundenen Stigma, zog sich Gisele in ein vollkommen vereinsamtes Leben zurück. Dabei war sie in Wahrheit weit davon entfernt, allein zu sein. Laut Weltgesundheitsorganisation leben über 2 Millionen Frauen in den Ländern unterhalb der Sahara und in Asien mit VVF. In großen Teilen der Entwicklungsländer gibt es im Bereich Geburtshilfe keinerlei medizinische Versorgung. Frauen müssen einfach ohne die Versorgung auskommen und viele sterben an den Nebenwirkungen unbetreuter Geburten. Viel zu viele der Frauen, die Komplikationen während der Geburt durchleben, müssen ihr totgeborenes Kind beerdigen – und über die lange Liste von »hätte«, »sollen« und »können« trauern.

VVF ist in den meisten Fällen durch einen Eingriff zu beheben. Und als sich in der Republik Kongo die Neuigkeit verbreitete, dass Mercy Ships ins Land kommen würde, begann Gisele zu hoffen. Sie machte sich auf den Weg, wurde als Patientin registriert und bekam einen OP-Termin.

Seit ihrem Eingriff hat Gisele immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie sitzt anmutig in ihrem Bett, strickt und summt, während sie mit Frauen in den benachbarten Betten angeregte Gespräche führt. Die Operation konnte ihr die Mutterschaft nicht zurückbringen, doch an Bord der Africa Mercy hat Gisele etwas anderes gefunden: emotionale Wiederherstellung. Durch die Art und Weise, in der Ärzte und Krankenschwestern sie medizinisch versorgten und sich auch darüber hinaus um sie kümmerten. Und durch die Freundschaften, die sie zu anderen Patientinnen aufgebaut hat, von denen die meisten ebenfalls keine Mütter sind.

Wenn für VVF-Patientinnen der Zeitpunkt der Entlassung näher kommt, organisiert das Hospital eine Abschiedsparty, genannt die »Bekleidungs-Zeremonie«. Jede Patientin bekommt ein neues Kleid, das sie behalten darf, wenn sie nach Hause geht. Am Morgen von Giseles Feier versammeln sich die Frauen auf der Krankenstation, um Make-up aufzutragen und ihren Haarschmuck anzulegen. Die Station ist mit Gesprächen, Lachen und Spannung angefüllt, wie vor einer Brautfeier. Gisele schaut sich die Frauen an, die sich bereit machen und sagt: »Aujord’hui c’est bon.« Der heutige Tag ist gut. Bald nach der Feier wird Gisele aus dem Hospital entlassen. Als sie den Hafenbereich betritt, ist es für sie ein symbolischer erster Schritt zurück in die Gesellschaft.

Gisele mag die Trauer über den Verlust ihres Kindes und den Schmerz der langen Leidensjahre für immer in sich spüren. Aber sie wird beides mit erhobenem Kopf tragen, da sie jetzt die Wahrheit kennt. Sie kennt ihren Wert. Zu viele Jahre hat sie unter dem, was »hätte sein sollen oder können« gelitten. Aber jetzt ist es Realität: Jetzt kann sie leben.

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Ravette

Schritt für Schritt in ein neues Leben

Der Schatten des Flugzeugs folgte dem Verlauf des Kongo bis zum Atlantischen Ozean – zu dem Schiff, das kostenlose Operationen anbietet. Sie hatten davon über das lokale Fernsehen erfahren und da das Dorf, aus dem die beiden kommen, schwer zu erreichen ist und die Reise allein zu beschwerlich wäre, unterstützte die Regierung ihre Anreise zum Schiff. Vivianne hielt die beiden von der Regierung bezahlten Flugtickets fest in der Hand, während sie für ihre hübsche Tochter, Ravette,betete. Ravette schaute vom Platz neben ihrer Mutter aus mit großen Augen aus dem Fenster.

Vielleicht, aber auch nur vielleicht würde es für Ravette auf dem Schiff Rettung geben. Und für Vivianne.

Ravette lebte seit ihrer Geburt elf Jahre zuvor mit einer Deformierung, die mit dem Fachbegriff »Genu Recurvatum« bezeichnet wird. Einfach übersetzt bedeutet es »rückwärts gebogenes Knie«, eine angeborene Verlagerung der Knie. Ravette hatte Probleme beim Gehen, beim Sitzen im Auto oder auf einem Stuhl, sie konnte kaum Treppensteigen und hatte Schwierigkeiten, die Schule zu besuchen.

Das auffälligste Merkmal an Ravette ist aber nicht ihre Deformierung, sondern ihr immer gleich bleibendes, hübsches Lächeln. Dieses strahlende Lächeln erhellte ihr Gesicht auch, als sie Dr. Frank Haydon, einen ehrenamtlichen orthopädischen Mercy Ships Chirurgen aus den USA begegnete. Dr. Frank lächelte zurück, während er ihre Beine untersuchte und seine Einschätzung erklärte: »In diesem Alter sind die Knie bereits deformiert. Sie werden sich nicht mehr normal beugen lassen, aber wir können sie begradigen.«

Ravette und Vivianne wurden die Vorher-Nachher- Bilder eines Jungen namens Abel gezeigt, der während des Einsatzes in Togo Patient auf der Africa Mercy gewesen war. Abel hatte an einer ähnlich schweren Ausprägung von Genu Recurvatum gelitten. In dem Video über Abels Genesung sahen sie, dass er mit geraden Beinen den Gang entlanglief. »Erst als ich den Film sah, konnte ich glauben, dass meiner Tochter wirklich geholfen werden kann«, sagte Vivianne später.

Vor dem Eingriff wurden Ravettes Beine in spezielle orthopädische Gipse platziert, auf die noch weitere folgen sollten. Durch diesen Prozess, der die Dehnbarkeit erhöht, wurden ihre Beine schrittweise gestreckt.

Der Eingriff verlief erfolgreich! Während Ravette auf ihren Gehhilfen durch die Krankenstation hüpfte, erfand sie immer neue Arten, Spaß zu haben. Ob es nun das Spielen mit einem Zeichenprogramm auf einem alten Computer war oder das Imitieren der Englischen Sprache. Mit Singsang- Stimme ahmte sie ihre neuen Freunde nach: »Mir geht es gut, wie geht es dir?« Dafür erntete sie immer wieder ein fröhliches Lachen.

Sobald ihre Knochen stark genug zum Laufen waren und Ravette keine Hilfe mehr brauchte, war es Zeit für Ravette und ihre Mutter das Flugzeug zu besteigen, das sie nach Hause zurückbringen sollte. Ravette wusste genau, welche Pläne sie für die Zukunft hat: »Ich möchte einen Job in einem Büro finden und am Computer arbeiten. Ich werden eine Chefin sein!« Und dann fügt sie hinzu: »Aber zuerst werde ich anderen Menschen, die leiden, sagen, dass sie auf das Schiff kommen sollen, damit ihnen geholfen wird.« Lächelnd fügte ihre Mutter hinzu: »Und damit auch anderen Eltern geholfen wird, so wie mir geholfen wurde.«

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Emmanoel

Emmanoel kann wieder atmen

In der Nacht vor dem Operationstermin ihres kleinen Sohnes an Bord der Africa Mercy kann Elodie nicht schlafen. Erschöpft ruht ihre Hand auf dem Kleinen. Sie möchte bei ihm sein, falls er aufwacht- oder falls er nicht mehr aufwacht.

Die Nachtschwestern von Mercy Ships beugen sich regelmäßig über Emmanoels Bett: „Er ist in guten Händen. Sie sollten versuchen, etwas zu schlafen.” Elodie nickt, aber sie rührt sich nicht. An Schlaf ist für sie nicht zu denken.

In den letzten 18 Monaten haben ihr Mann Maurice und sie alles versucht, um ihrem Sohn zu helfen. Sie machten sich Sorgen, weil sein Atem so flach und angestrengt klang, als litte er unter starkem Asthma. Die Ärzte sagten zunächst, er habe „einfach Malaria“. Aber die Atembeschwerden wurden so schlimm, dass er mehrmals am Tag ohnmächtig wurde.

In einem anderen Krankenhaus fanden die Ärzte schließlich die Ursache: Ein Tumor hatte sich an Emmanoels Gaumen gebildet. Er musste so schnell wie möglich operiert werden, sonst würde der Kleine allmählich daran ersticken. Aber im Krankenhaus konnte man diese Operation nicht durchführen.

Maurice und Elodie wussten nicht mehr weiter und ihrem Sohn blieb nicht mehr viel Zeit. Die Ohnmachtsanfälle kamen so regelmäßig, dass Elodie ihn schon gar nicht mehr ins Krankenhaus brachte. Es konnte ihm sowieso keiner helfen.

Während der Zeit der schlaflosen Nächte arbeitete Maurice im Frachthafen von Pointe Noire. An einem nebligen Freitag sah er ein ungewöhnliches Schiff. Es hieß, es sei ein Krankenhaus an Bord. Maurice und Elodie zählten die Tage, bis die Ärztedes Schiffs mit ihren Sprechstunden begannen.

Als es endlich soweit war, warteten Emmanoel und seine Eltern gemeinsam mit über 7.300 Anderen in einer langen Warteschlange auf die Untersuchung. Plötzlich fiel Emmanoel wieder in Ohnmacht. Er musste sofort von unserem Notfallteam behandelt werden, womit er an die Spitze der Schlange rückte.

Emmanoel wurde einer unserer ersten Patienten im Kongo. Nach der Operation wurde aus ihm ein völlig anderes Kind. Lächelnd schmiegte er sich in die Arme seiner überglücklichen Eltern. „Ich kann es kaum erwarten, dass er ‘Mama’ sagt”, sagt Elodie, denn wegen des Tumors hatte ihr Sohn noch nicht sprechen gelernt.

Am Ende der Genesungszeit hat Emmanoel zur Freude seiner Mutter schon drei Worte gelernt: „Mama“, „Onkel“ und „morgen“. Ab jetzt können Maurice und Elodie auch wieder gut schlafen, denn für ihr Kind wird es ein „Morgen“ geben.

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Grace

Eine Menschenkette der Nächstenliebe

Die 17-jährige Grace war eine der ersten, die bei unserem Einsatz in der Republik Kongo als Patientin ausgewählt wurde. Entstanden war ihr Kontakt zu Mercy Ships auf ungewöhnliche Weise.

Vielleicht fragen Sie sich, nach welchen Kriterien wir unsere Patienten auswählen? Die meisten von ihnen kommen zu den Untersuchungstagen, die wir an verschiedenen Orten im jeweiligen Gastgeberland organisieren. Doch im Fall von Grace war es anders. Der Kontakt zwischen ihr und unserem Hospitalschiff wurde durch eine einzigartige „Menschenkette“, die von Afrika bis nach Europa reichte, hergestellt.

Das erste „Glied“ der Kette war Pastor Grégoire. Er begegnete Grace im August 2012 in einem Krankenhaus in Kinshasa. Ihr 2,2 kg schwerer Gesichtstumor schockierte ihn, aber zugleich war er tief bewegt. Er schloss das junge Mädchen sofort ins Herz und besuchte sie von da an regelmäßig. Bei seinen Besuchen erfuhr er, dass Grace mit elf Jahren an einer Kieferentzündung gelitten hatte und bereits zwei Mal operiert worden war. Beide Eingriffe waren erfolglos verlaufen und die Ärzte hatten sie aufgegeben. Viele Stunden verbrachte Grégoire bei Grace im Krankenhaus, um sie zu trösten. Oft war sie so verzweifelt, dass sie die ganze Nacht weinte und Nahrung und Getränke verweigerte. Das Geschwür wuchs unterdessen weiter und entstellte ihr Gesicht immer mehr.

Im gleichen Sommer lernte Grégoire einen Schweizer Pastor kennen und erzählte ihm von Grace. Zurück in der Schweiz beschrieb dieser Pastor in seinem Rundbrief ihr Schicksal. Den Brief erhielt auch eine frühere Mitarbeiterin von Mercy Ships, die den Pastor ermutigte, sich an Mercy Ships zu wenden. Nach gelungener Kontaktaufnahme wurden Grace und Pastor Grégoire gebeten, nach Pointe Noire in der Republik Kongo zu kommen. Dort angekommen wurde Grace von dem erfahrenen Gesichtschirurgen und Chefarzt Dr. Gary Parker untersucht, der feststellte: Grace Tumor war operabel! Und so war die Menschenkette vollendet, Grace war am Ziel.

In zwei Operationen wurde Grace ein künstlicher Kiefer aus Titan eingesetzt, ein weiterer Eingriff ist für den März dieses Jahres vorgesehen und bald danach wird Grace nach Hause zurückkehren. Dort möchte sie wieder zur Schule gehen und später, wie viele unserer Patienten, Medizin studieren oder Krankenschwester werden. Dass Grace operiert werden konnte, ist einer Kette einzelner Menschen zu verdanken, die von ihrer Geschichte berührt waren und helfen wollten.

"Gott ist gut, denn Er hat etwas Großes für mich getan. Ich hätte nicht geglaubt, dass mir geholfen werden könnte. Aber Gott hat sich erbarmt. Mercy Ships kam nach Pointe Noire, sie haben mich operiert und heute geht es mir besser.“ Grace, 17 Jahre

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Sory

Die Liebe gibt niemals auf

Den Kopf unter einem Tuch versteckt, wartete der 17-jährige Sory auf das, was niemand für möglich gehalten hatte. Dabei hatte seine Mutter Saran ihm immer wieder erklärt, dass es auch für ihn Heilung gebe – oder jemand den riesigen Tumor entfernen würde, der sein Gesicht entstellte.

Ganz fest hält Saran Sorys Hand. Mit dieser fast unauffälligen, in einer vom Aberglauben geprägten Kultur doch bedeutsamen Geste lässt sie ihn spüren, dass sie niemals aufhören wird, ihn zu lieben. Je größer der Tumor wurde, desto enger wurde auch die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Es ist ein Albtraum. Aber Sory soll ihn nicht allein durchleben.

Während Saran davon erzählt, wie die Zukunftspläne für ihren Sohn zunichte gemacht wurden, ist ihr der Kummer noch deutlich anzusehen: „Alle im Dorf glaubten, Sory wäre verflucht. Die Leute hatten solche Angst vor ihm, dass sie schrien und mit Stöcken nach ihm warfen.“ Saran und ihr Mann entschlossen sich, ihren Sohn zu Hause zu verstecken. Doch immer, wenn sie die Bestürzung und Qual in den Augen ihres Jungen sahen, brach es ihnen fast das Herz.

Saran betete immer wieder für ihren Sohn und spürte doch gleichzeitig, wie die Verzweiflung auch in ihr wuchs. Sory hatte Probleme beim Essen und mit dem Atmen. Wenn der Tumor noch größer würde, würde er sterben. Aber Saran ließ sich ihre Ängste und Sorgen nicht anmerken. Sory erzählt: „Meine Mutter schenkte mir Hoffnung. Wenn ich weinte, hat sie mich getröstet. Immer wieder hat sie mir gesagt, dass ich wieder gesund werde.”

Sory ist fest davon überzeugt, dass die beständige Liebe seiner Mutter ihm über die Zeit hinweggeholfen hat, bis Hilfe kam. Saran erinnert sich noch sehr gut an jenen Tag. „Der Tumor beherrschte Sorys ganzes Leben. Er konnte immer nur ganz wenig schlucken und war furchtbar schwach. Was um ihn herum vorging, berührte ihn nicht mehr. Und dann, als ich dachte, gleich würde er seinen letzten Atemzug tun, rief mein Schwager an und sagte: ‚Kommt sofort mit Sory in die Stadt! Hier ist ein Schiff, auf dem Leute operiert werden!’”

Bei seiner Voruntersuchung in Conakry, Guinea erhält Sory einen Termin für eine Operation auf dem Schiff. Einige Wochen später ist es dann soweit. Während Sory im Operationssaal ist, wird Saran von den schmerzlichen Erinnerungen förmlich überwältigt. Sie berichtet: „Die ganze Qual, die Sory durchlitten hat, rollt sich vor mir ab – besonders die Ablehnung, die Kränkungen und das Flüstern, dass er besser tot wäre. Und jetzt wird mein Junge gesund gemacht! Gott hat unsere Gebete erhört und schenkt Sory neues Leben.”

Wenn man Sory fragt, was ihn durchgetragen hat, antwortet er, Gott habe die Treue seiner Mutter gesehen. „Meine Mutter hat mich nie aufgegeben. Als mich niemand mehr lieben konnte, hat sie mich geliebt. Als keiner mehr mit mir essen wollte, aß sie mit mir. Meine Mutter hätte ihr Leben für mich gegeben, damit ich gesund werde. Gott weiß es und ich weiß es auch.”

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Fodè

Eine Liebe ohne Grenzen

Durch Grauem Star die Sehfähigkeit zu verlieren, ist ein schwerer Schicksalsschlag. Doch für den 45-jährigen Fodé stand noch viel mehr auf dem Spiel.

Fodé hatte unter einer schweren Kinderkrankheit gelitten und war in der Folge taubstumm geworden. In den darauffolgenden Jahren hatte er die L’Ecole des Ourdes besucht, eine Schule für taubstumme Menschen in Conakry. Dort war er der ebenfalls taubstummen Hawe begegnet. Bald entwickelte Fodé ein über eine Bekanntschaft hinausgehendes Interesse an ihr und es dauerte nicht lange, bis er beschloss, Hawe seine Gefühle in einem Brief zu offenbaren. Hawe erwiderte seine Zuneigung und bald darauf heiraten die beiden.

Einige Monate ist es her, dass sich bei Fodé erste Anzeichen der Krankheit zeigten. Der Graue Star befiel beide Augen und trübte zunehmend sein Augenlicht. Fodé hatte große Angst, die einzige ihm verbliebene Verbindung zur Außenwelt auch noch zu verlieren. Durch den Verlust der Sehkraft hätte Fodé nicht nur sein Einkommens verloren, sondern auch die Fähigkeit zu lesen, zu schreiben, zu kommunizieren und sich allein zu versorgen.

Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Graue Star in den Entwicklungsländern die Hauptursache für Sehbehinderungen. Einer der Hauptgründe für die fatalen Folgen, die diese Krankheit dort mit sich bringt, ist der größtenteils eingeschränkte oder nicht vorhandene Zugang zu operativer Versorgung. Statistisch kommen in Ländern südlich der Sahara auf einen Augenarzt ungefähr 1 Million Patienten (Quelle: Vision 2020).

Für Fodé gab es kaum Hoffnung auf Hilfe, obwohl seine Erkrankung in der westlichen Welt einfach zu behandeln wäre. Als die Africa Mercy im Hafen von Conakry anlegte, hatte Fodé bereits seit vielen Monaten in kompletter Isolation gelebt. Um mit Fodé weiterhin kommunizieren zu können, hatten Hawas und Fodés Geschwister, die die Pflege unter sich aufteilten, eine außergewöhnliche Methode erfunden: Durch bestimmte Handbewegungen auf seiner Brust schafften sie es, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Der Tastsinn war der einzige Weg, auf dem Fodé sich noch mitteilen konnte.

Doch mit der Ankunft von Mercy Ships begann Fodés Familie, neue Hoffnung zu schöpfen. Etwas, auf das sie nicht zu hoffen gewagt hatten, war nun in greifbare Nähe gerückt: Eine Operation, durch die Fodés Augenlicht wiederhergestellt werden konnte!

Fodés Bruder begleitete ihn zum Screening. Beide verständigten sich mit Hilfe ihrer ungewöhnlichen Zeichensprache, die nur sie verstanden. „Mercy Ships kann helfen!“ „übersetzte“ man Fodé mittels Berührungen. „Unsere ganze Familie ist gesegnet“, sagte eine seiner Schwestern. „Jeder in der Familie kann sich nun freuen, weil Fodé wieder sehen wird!“

Fodé war in Begleitung seiner Schwestern zur Abnahme der Verbände gekommen. Hawe wartete zu Hause auf ihren Ehemann, da sie aufgrund ihrer eigenen Behinderung nicht hatte mitreisen können. Fodé blinzelte und schaute sich vorsichtig um. Allmählich schien die Welt um ihn herum wieder Gestalt anzunehmen. Dann hielt er eine Hand vor das Gesicht und Tränen der Freude und der Erleichterung liefen ihm über die Wangen! Endlich war er aus dem dunklen Gefängnis der Isolation befreit, das ihn viele Monate lang festgehalten hatte.

Fodés Familie freut sich von ganzem Herzen mit ihm! „Fodé ist glücklich“, sagt seine Schwester, „weil er nun nach Hause gehen und endlich seine Frau wiedersehen kann!“

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Jaka

Ein kleines Mädchen mit großem Lachen

Wenn es auf der Welt etwas gibt, das allen Kindern gemeinsam ist, dann ist es der Bewegungsdrang. Wer erinnert sich nicht gern daran, wie man im Kreis herumwirbelte, allein oder mit Kameraden, bis einem ganz schwindelig wurde, sich die ganze Welt zu drehen schien und man aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Wissen Sie es noch?

Vor vier Jahren tanzte auch Jaka mit ein paar Kindern herum, während ihre Mutter auf dem Markt war. Die Arme ausgebreitet, das Kinn in die Höhe gereckt, ein Lachen im Gesicht, so wirbelte sie herum. Aber dann verlor sie das Gleichgewicht und stürzte mit erhobenem Arm in die Feuerstelle ihrer Tante. Ein Topf mit kochendem Wasser ergoss sich über Schultern, Arme und Rücken. Das Lachen erstarb und verwandelte sich in lautes Schreien!

Jakas Mutter, Fanta, konnte die 1,5 Millionen Guinea-Francs – knapp 160 € – nicht aufbringen, die die Behandlung im Krankenhaus gekostet hätte. Und so lag Jaka die nächsten acht Monate auf ihrem kleinen Bauch, zusammengekrümmt vor Schmerzen, während ihre Mutter ihr Luft zufächelte.

Mit der Zeit heilten die Verbrennungen auch ohne ärztliche Hilfe oder Rehabilitationsmaßnahmen, aber an der linken Seite verwuchs die Haut der Schulter mit dem Arm, so dass Jaka, als alle Wunden verheilt waren, den Arm von der Achsel bis zum Ellbogen nicht mehr bewegen konnte.

Heute erholt sich die 9-jährige Jaka von der kostenlosen Operation, durch die ihr Arm wieder gelöst wurde. Ihr Oberkörper ist zwar immer noch mit zahlreichen Brandnarben bedeckt – an Kopf, Hals, Schultern, Rücken und Armen –, aber das fällt kaum auf, wenn man sie mit ihrer Zahnlücke fröhlich lächeln sieht.

Wischen und waschen – das sind die Dinge, die Jaka mit dem wieder gesunden Arm tun will. Das mag für viele nicht verlockend klingen, aber ganz normal im Haushalt helfen, das konnte Jaka bislang nicht. „Ich bin so froh“, sagt sie. „Wenn ich nach Hause komme, werde ich die ganze Zeit arbeiten, weil ich das jetzt kann.“ Ihre Mutter freut sich über den Enthusiasmus! Ohne die Behinderung kann Jaka nun endlich auch die Schule besuchen.

Obwohl noch im Krankenbett, strahlt Jaka überglücklich. Sie kann ihre Freude auf die Zukunft kaum für sich behalten – spielen, in die Schule gehen, mit ihren neun Geschwistern den vorbeifahrenden Autos hinterhersehen. Aber was sie an der Operation und der anschließenden Rehabilitation am meisten freut, ist etwas viel Einfacheres: „Klatschen!”, sagt sie. Mit dem freien Arm kann sie jetzt endlich wieder in beide Hände klatschen. Wenn das nicht ein Happyend ist, das einen Applaus verdient hat!

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