Die harte Arbeit auf dem Feld

Wenn aus Feindschaft Freundschaft wird

Rauchschwaden steigen empor und verteilen sich langsam auf der abgebrannten Erde. Hier im Norden von Conakry, der Hauptstadt Guineas, ist der Boden trocken und die Felder sind staubig. Dazu setzen viele Landwirte auf Brandrodung, wenn es darum geht, fruchtbaren Boden zu gewinnen. Doch eine Oase sticht hervor: Sattes Grün fällt dem Betrachter ins Auge, wenn er sich der Fabik Farm nähert.

Hier streicht sich Marie-Louise Kantabadouno gerade den Schweiß aus ihrem Gesicht und verteilt damit unmerklich ein wenig Erde auf ihrer Wange. Die Arbeit auf dem Feld ist hart, aber lohnend. In einer großen Gruppe jäten sie die frisch gepflanzten Reihen an Mais und Salat, ein paar haben bereits mit dem Wässern begonnen. Sie alle sind Teilnehmer und Teilnehmerinnen des ‚Food for Life‘ Programmes von Mercy Ships. Marie-Louise Kantabadouno wurde von ihrem Arbeitgeber, einer lokalen gemeinnützigen Organisation, für die Teilnahme besonders empfohlen. Auch andere Organisationen haben ihre besten Mitarbeiter geschickt. So ist eine Truppe zusammengekommen, die den Willen zur Veränderung in sich trägt und das Wissen, was sie hier im Kurs erlernen, so schnell wie möglich an ihre Dorfgemeinschaften weitergeben möchte.

„Um gesund zu leben, braucht man gesunde Nahrung. Und damit es gute und gesunde Nahrung gibt, braucht man eine gut funktionierende Nahrungsmittelproduktion. In unserem Kurs bieten wir dazu die neuesten Erkenntnisse im biologischen Anbau an,“ erklärt Eliphaz Essah.

Essah ist der Manager des ‚Food for Life‘ Programmes. Während Mercy Ships Hauptfokus nach wie vor auf der spezialchirurgischen Versorgung der Bevölkerung liegt, ist doch die Ernährung ein Schlüsselelement, um generell eine gute Gesundheit zu gewährleisten. Viele Krankheitsfälle, denen die Crew an Bord der Africa Mercy begegnet, haben ihre Ursache in einer gravierenden Mangelernährung.

Das Gelernte weitergeben

Die Idee des ‚Food for Life‘ Programmes: Einheimische Multiplikatoren werden in nachhaltigen und ökologischen Anbaumethoden unterrichtet, sie lernen Techniken und Methoden zur richtigen Lagerung ihrer Ernte, sie erhalten Einblicke in die neuesten Erkenntnisse der Ernährungsforschung. Dieses Wissen geben sie innerhalb ihrer Organisationen und ihren Dorfgemeinschaften weiter. So kann diese Hilfe weite Kreise ziehen.

„Wenn die Teilnehmer als Trainer zurück in ihre Heimat kehren, findet eine Veränderung statt,“ erläutert Projektleiter Essah. „Wir können den positiven Einfluss des Programmes beobachten. Die Menschen bekommen die Möglichkeit, ihre Ernte zu sichern und dadurch ihr Einkommen. Die Qualität des Essens verbessert sich, sogar die Art und Weise, wie die Landwirte ihre Nahrung auswählen und zusammenstellen, verändert sich!“

Nach Abschluss des Trainings stürzt sich auch Marie-Louise Kantabadouno in die Arbeit. Gemeinsam mit zwei anderen Kursteilnehmerinnen reist sie in verschiedene Dörfer und zeigt dort Landwirtinnen gewinnbringende Techniken der Nahrungsmittelproduktion. Sie erläutert Verpackungsmethoden, damit die Bäuerinnen ihre Ernte besser lagern und länger verkaufen können.
In einem Klassenzimmer lauschen Schülerinnen und Schülern dem Dreiergespann rund um Marie-Louise und dürfen auch selbst mit anpacken. Zum Schluss gibt es für jeden einen Sack Mehl – und dafür das Versprechen, das gelernte Wissen an die Eltern weiter zu geben.

„Ich habe bei diesem Training gelernt, dass Kinder mangelernährt sind, weil die Eltern nicht über genügend Mittel verfügen und zu wenig Wissen in der Landwirtschaft besitzen,“ bedauert Kantabadouno. „Ihr Eltern sind alle Bauern, aber sie haben zu wenig Expertise. Jetzt haben die Kinder die Chance, mit ihren Eltern zu reden. Sie können ihnen helfen, sich im Bereich der ökologischen Landwirtschaft, der Züchtung neuer Kulturen und des Mulchens, der Verwendung von Kompost statt chemischem Dünger, weiter zu entwickeln.“

Ohne die Partnerschaft mit lokalen Organisationen und ihrer Mitarbeiter wäre das ‚Food for Life‘ Programm nicht möglich. Die Zusammenarbeit ist ein schönes Zeichen dafür, was erreicht werden kann, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen – Gesundheit für die gesamte Bevölkerung.

„Wir bringen Hoffnung und Heilung, auch für afrikanische Landwirte!“ sagt Essah. „Sie verstehen, dass die Art und Weise, wie sie ihr Land bisher bestellt haben, nicht gut war! Sie verstehen, dass die beste Art und Weise sein Land zu bestellen die ist, ein Freund seines Feldes zu sein. Wenn dann der Boden zufrieden ist und gute Früchte hervorbringt, dann findet Heilung statt – sowohl für den Bauern als auch für seinen Bauernhof. Hoffnung entsteht, wenn man nachhaltig arbeiten kann und langfristig Wachstum sieht.“

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Tabea Supplieth
Tabea Supplieth
Als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit berichtet Tabea Supplieth regelmäßig über unsere Arbeit an der Küste Subsahara-Afrikas.

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