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Ehrenamtlicher Schiffsschreiner spielt in Mercy Ships-Serie mit

Früher hat Sebastian Streicher (37) als Schreiner Kulissen für Fernsehsendungen gebaut. Dass er auch mal vor der Kamera zum Einsatz kommen würde – damit hätte der Kölner nicht gerechnet. Ausgerechnet während seines ehrenamtlichen Langzeiteinsatzes für die internationale Hilfsorganisation Mercy Ships bekam der Handwerker die Gelegenheit, auch vor die Kamera zu treten. In der Anfang Oktober auf Bibel TV erschienenen TV-Serie The Mercy Ships wird Streichers Arbeit als Schiffsschreiner vorgestellt. Wie er die Dreharbeiten auf dem Hospitalschiff Africa Mercy in Madagaskar erlebt hat und inwiefern ihm seine vorherige Aufgabe beim Fernsehen auch vor der Kamera geholfen hat, das erzählt er im Interview.

Sebastian, du bist in einigen Episoden der neuen TV-Serie The Mercy Ships zu sehen. Hättest du gedacht, dass du als ehrenamtlicher Schreiner jemals die Gelegenheit bekommst, in einer TV-Serie mitzuspielen?

Nein, nicht wirklich. Bevor ich zu Mercy Ships gekommen bin, habe ich zwar lange beim Fernsehen gearbeitet – aber eben immer hinter den Kulissen. Jetzt mal vor der Kamera zu stehen, ist schon gewöhnungsbedürftig. Da die Serie aber eine Mischung aus Dokumentation und Entertainment ist, musste ich jetzt nicht großartig schauspielern. Ich habe meine alltäglichen Sachen auf dem Schiff erledigt und wurde dabei noch gefilmt.

Wie hast du die Dreharbeiten mit dem Filmteam von City Gate erlebt?

Bei der ersten Staffel war es noch etwas komisch, weil es bizarr war, dass Leute hinter dir herlaufen und dich filmen. Aber ab der zweiten und dritten Staffel fühlte sich das Ganze schon viel natürlicher an. Dann hatte sich das Filmteam auch super in die Abläufe integriert. Ab da hat es dann auch noch mehr Spaß gemacht. Das Filmteam war jeweils einen Monat auf den Schiffen. Einige der ehrenamtlichen Crew sind deutlich kürzer an Bord. Von daher war die Beziehung zu manchen Kollegen am Ende bei weitem nicht so tief wie die zur Filmcrew. Gefilmt zu werden, war anfangs schon ungewohnt. Ich habe akribisch darauf geachtet, dass ich keine banalen Fehler beim Arbeiten mache. Dass ich mir nicht in den Finger schneide oder mich anderweitig blamiere (lacht). Du bist automatisch nochmal ganz besonders sensibilisiert, alle Sicherheitsregeln bei den Arbeitsabläufen korrekt einzuhalten, damit das alles auch einen vernünftigen Eindruck macht (lacht). Anfangs hat es sich so angefühlt, als würde dir jemand auf die Finger schauen. Nach ein paar Tagen war das dann aber ganz normal.

Gefilmt zu werden, war anfangs schon ungewohnt. Ich habe akribisch darauf geachtet, dass ich keine banalen Fehler beim Arbeiten mache. Dass ich mir nicht in den Finger schneide oder mich anderweitig blamiere (lacht).

Du hast früher Filmkulissen in Köln gebaut. Das heißt, du hast bereits einen Bezug zur Film- und Fernsehwelt. Hat dir das bei den Dreharbeiten in irgendeiner Form geholfen?

Ja. Fernsehleute sind schon ein spezielles Volk. Das ist eine ganz eigene Welt. Die sprechen ihren Slang und haben auch ihre speziellen Verhaltensweisen. Das kannte ich schon aus meiner Zeit beim Fernsehen. Ich habe während der Dreharbeiten dann auch zunehmend die Storyline erkannt und hatte für mich einen roten Faden, dem ich folgen konnte. Das hat das Filmteam auch gemerkt und letztendlich hat es die Zusammenarbeit zwischen mir und der Filmcrew sehr angenehm gestaltet.

Hattest du das Gefühl, dich normal durch deinen Alltag bewegen zu können, wenn ein Filmteam dich begleitet?

Hin und wieder kamen schon so Fragen in meinem Kopf auf wie: „Warum muss ich das jetzt nochmal machen?“ Im Grunde möchtest du nur deine Dinge erledigen, mit dem Unterschied, dass jemand hinter dir herläuft und es plötzlich heißt: „Die Lichteinstellung hat nicht gepasst, du musst das nochmal machen“ oder der Kameramann hat nicht den richtigen Knopf gedrückt und sagt: „Bitte wiederholen.“ Ein anderes Mal ist jemand durch das Bild gelaufen oder ein Türknallen war zu hören. So kommt es vor, dass du Sachen vier, fünf, sechs Mal wiederholst. Und das kann dann schon schnell anstrengend werden. Aber das gehört eben dazu. Im Großen und Ganzen hat das aber sehr viel Spaß gemacht.

Wenn du die fertigen Szenen siehst, hast du als Laie den Eindruck, dass Filmaufnahmen nicht sehr aufwendig sind. Das täuscht aber, oder?

Der Unterschied von der Drehzeit zu der hinterher fertigen Szene ist unvorstellbar groß für Leute, die nicht in dem Thema sind. Es kann sein, dass du 45 Minuten interviewt wirst – schlussendlich aber nur zwei Minuten davon gezeigt werden. Es ist schon komisch, wenn du bei den Dreharbeiten dabei warst und weißt, dass währenddessen sehr viel passiert ist, aber am Ende nur ganz wenig gezeigt wird. Die Vorgehensweise ist aber auch verständlich. Eine Dokumentation kann nicht stundenlang nur einen Charakter beleuchten. Deshalb muss das selbstverständlich zusammengeschnitten werden.

Mittlerweile hast du richtig viel Medienerfahrung gesammelt bei den Dreharbeiten von The Mercy Ships – wäre das noch eine Option für dich, Schauspieler zu werden?

Dafür muss man Texte gut auswendig lernen können und da tue ich mich sehr schwer mit. Als Schauspieler musst du auch ernst bleiben können und das kann ich auch nicht sehr gut (lacht). Hinzu kommt, dass du als Schauspieler häufig irgendwelche Rollen um jeden Preis annehmen musst, um weiterzukommen – darauf habe ich wenig Lust. Außerdem gibt es so viele Leute, die das versuchen wollen. Die, die es am Ende wirklich erfolgreich schaffen, kannst du an einer Hand abzählen. Da bleibe ich lieber beim Schreinern.

Der Unterschied von der Drehzeit zu der hinterher fertigen Szene ist unvorstellbar groß für Leute, die nicht in dem Thema sind. Es kann sein, dass du 45 Minuten interviewt wirst – schlussendlich aber nur zwei Minuten davon gezeigt werden.

In einer Folge besuchst du den madagassischen Schreiner Thonie. Erzähl mal, was hast du bei ihm gemacht?

Thonie baut zuhause Hocker in seiner Werkstatt. Ich habe ihn besucht und er hat mir vor laufender Kamera gezeigt, wie er die Hocker baut. Ich habe am Ende auch selbst einen Hocker gebaut. Fakt ist, wenn du seit Jahren eine spezielle Sache machst, dann bist du wirklich richtig gut darin. Und Thonie ist perfekt darin, diese Hocker zu bauen. Ich habe mich zwischenzeitlich echt blöd angestellt und Thonie musste immer wieder lachen. Ich bin froh, dass ich seine Kommentare nicht alle verstanden habe. Aber er war letztendlich sehr gnädig mit mir. Auch wenn ich mich wie ein absoluter Anfänger angestellt habe, hatten wir viel Spaß und es ist zum Schluss doch was ganz Schönes daraus entstanden.

Ihr seid Kollegen, ihr arbeitet beide auf eure Weise mit Holz. Konntet ihr etwas voneinander lernen?

Ob er was von mir lernen konnte, weiß ich nicht. Die Kommunikation zwischen Thonie und mir war natürlich auch etwas kompliziert. Aber was ich von ihm lernen konnte, war, wie perfekt du auch ohne elektrische Maschinen arbeiten kannst. Ich benutze in meinem Schreineralltag überwiegend elektrische Geräte. Thonie macht das nicht – er macht alles mit der Hand. So, wie Schreiner früher immer gearbeitet haben. Mir wurde bei diesem Besuch klar, wie sehr ich mich auf Maschinen verlasse. Die werden eingestellt, ich lege das Material rein und alles kommt fertig raus. Dadurch, dass Thonie komplett auf Maschinen verzichtet, ist seine Hand-Augen-Koordination im Vergleich zu meiner unglaublich gut. Thonie beherrscht seine Arbeit durch und durch. Er hat es im Gefühl, in welchem Winkel er den Hobel halten oder wie viel Kraft er anwenden muss. Mich hat der Besuch bei Thonie an meine Schreinerausbildung erinnert. Damals habe ich am Anfang auch ausschließlich Handarbeit gemacht.

In einer anderen Episode sehen wir dich Gehhilfen bauen und wie du Rollstühle auf der Africa Mercy umbaust. Das war früher nicht dein Tagesgeschäft. Fühlt sich deine Arbeit jetzt deutlich sinnstiftender an, weil du weißt, für was du es machst?

Ja, auf jeden Fall! Früher habe ich Filmkulissen gebaut. Da kam es maximal vor, dass Fernsehzuschauer meine Arbeit optisch ganz schön fanden. Aber nach gelaufener Sendung ist eine hübsche Filmkulisse auch schnell wieder vergessen. Wenn ich hier auf dem Schiff z. B. Gehhilfen baue, hat das einen ganz anderen Mehrwert. Hier sind Kinder, deren Beinstellungen korrigiert werden – meine Gehhilfen tragen nach der Operation dazu bei, dass diese Kinder wieder vernünftig laufen können. Meine Arbeit hat also einen nachhaltigen und positiven Effekt. Das, was ich hier mache, ist übrigens auch viel kreativer. Mal repariere ich Dinge, mal baue ich Gehhilfen und ein anderes Mal helfe ich einfach dort, wo ich gebraucht werde. Das ist alles sehr sinnstiftend.

Hier auf der Africa Mercy wurde ich jetzt schon hin und wieder darauf angesprochen, dass ich doch der Schreiner aus der Serie sei. Anfangs war die Aufmerksamkeit etwas ungewohnt, aber auch das hat sich nach einer Weile normaler angefühlt.

Wie ist das für dich, Teil einer TV-Serie zu sein, wenn du dir bewusst machst, dass deine Familie und Freunde dich im Fernsehen erleben können?

Das ist jetzt schon alles erstmal neu für mich. Aber die Serie ist ja erst vor kurzem angelaufen. Das heißt, viele Reaktionen werden erst noch kommen. Ich stelle mich aber schon darauf ein, dass mancher wissen will, wie ich gewisse Dinge gemacht habe oder wie das Filmteam diverse Szenen praktisch umgesetzt hat. Hier auf der Africa Mercy wurde ich jetzt schon hin und wieder darauf angesprochen, dass ich doch der Schreiner aus der Serie sei. Anfangs war die Aufmerksamkeit etwas ungewohnt, aber auch das hat sich nach einer Weile normaler angefühlt.

Schaust du dir die Folgen an, in denen du vorkommst, oder gehörst du eher zu denjenigen, die sich nicht im TV sehen möchten?

Tatsächlich habe ich die Folgen, in denen ich vorkomme, schon gesehen. Wir haben hier auf dem Schiff bereits große Filmabende gehabt, an denen Teile der Crew dabei waren. Das war immer eine sehr angenehme und lustige Stimmung. Jedes Mal, wenn jemand in der Serie zu sehen war, den wir kannten, haben wir laut gejubelt.

Das ist doch sehr schön zu wissen, dass du als Protagonist sowohl vor der Kamera als auch vor dem Fernseher viel Freude hattest. Sebastian, vielen herzlichen Dank für das offene Gespräch und die Bereitschaft, bei der Serie mitzuwirken. Ich wünsche dir noch eine wunderschöne Zeit an Bord der Africa Mercy in Madagaskar.

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Bild von Thomas Sochocki
Thomas Sochocki

interviewte Sebastian Streicher.

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