„Es tut gut, anderen etwas geben zu können“

Geschäftsführer Ingo Viertler über das Glück des Gebens

Die Arbeit von Mercy Ships funktioniert nur, weil zahlreiche Menschen ein leidenschaftliches Herz für unsere Arbeit haben. Das drückt sich in vielfältigster Art und Weise aus. Unsere Einsätze werden beispielsweise auch von starken Firmen getragen, die durch ihr Firmenengagement verantwortungsbewusstes Handeln zeigen. Die Viertler GmbH ist so eine Firma. „Das Leben besteht ja nicht nur daraus, Geld zu verdienen“ – ein Satz, den man nicht von jedem Unternehmer hört. Viertler-Geschäftsführer Ingo Viertler lebt diesen Satz. Im Interview mit ihm sprechen wir über Herzenshaltung, praktische Hilfe und die Gabe des Gebens.

Herr Viertler, Sie sind Geschäftsführer der Viertler GmbH mit Sitz im hessischen Rüdesheim. Erklären Sie mal – was macht Ihr Unternehmen genau?

Die Viertler GmbH besteht aus drei Teilen. Es gibt einmal den B2C-Bereich. Da geht’s um die Lieferung von Waschmaschinen und Trocknern, Einbaugeräten und Küchen für den Haushalt. Der zweite Geschäftszweig ist Viertler Professional und steht für Wäscherei- und Spültechnik für den gewerblichen Bereich, wie beispielsweise Hotels und gastronomische Betriebe. Und dann gibt es noch Viertler Marine. In diesem Zweig arbeiten wir mit Mercy Ships zusammen. Hier decken wir das Thema Wäschereitechnik auf Schiffen ab. Für all unsere Produkte bieten wir außerdem auch einen Reparatur- und Wartungsservice an.

Wie kam die Zusammenarbeit von Viertler Marine und Mercy Ships eigentlich zustande?

Der erste Kontakt entstand 2019. Mercy Ships war damals auf der Suche nach Wäschereigeräten für die Hospitalschiffe. Dadurch hat sich die Organisation an einen großen Waschmaschinenhersteller gewendet. Der Hersteller hat Mercy Ships damals allerdings auf Viertler Marine verwiesen. Das lag daran, dass die Belieferung an eine internationale Hilfsorganisation mit verschiedenen Standorten größere logistische Herausforderungen mit sich gebracht hätte. Viertler Marine ist aber auf diesen Bereich spezialisiert. Deshalb haben wir die Anfrage von Mercy Ships dann übernommen und umgesetzt. Seitdem besteht der Kontakt zur Hilfsorganisation.

In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt Viertler Marine Mercy Ships?

Wir unterstützen Mercy Ships beispielsweise dadurch, indem wir Wäschereigeräte per Container zum Wartungsort der Hospitalschiffe liefern. Sobald die Geräte dort angekommen sind, reisen wir nach, bauen die Waschmaschinen in die Schiffe ein und nehmen sie in Betrieb. Zu unseren Aufgaben gehört es dann vor Ort auch, die vorhandenen Geräte in der Crew- und Hospitalwäscherei zu warten. Ähnlich wie bei einem Auto unterliegen unsere Waschmaschinen einem gewissen Inspektions- und Wartungsintervall. Wir unterstützen Mercy Ships auch, indem wir die Neugeräte stark rabattiert anbieten. Das bedeutet, dass sie deutlich günstiger sind, als würde die Hilfsorganisation die Geräte beim Hersteller selbst kaufen. Die Wartungsarbeiten, Anreisekosten und Arbeitszeiten übernehmen wir komplett. Teilweise auch die Materialkosten. Außerdem haben wir einen Teil der Crew-Waschmaschinen gesponsert.

Das ist erstaunlich großzügig. Wenn ich den Geschäftsführer in Ihnen frage: Rein wirtschaftlich gesehen ist es eigentlich uninteressant, Aufträge für Hilfsorganisationen anzunehmen. Wie kommt es, dass Sie so ein großes Herz dafür haben?

Das Leben besteht ja nicht nur daraus, Geld zu verdienen. Ich glaube, es geht jedem besser, wenn man auch etwas abgeben kann an Menschen, denen es nicht so gut geht. Das ist meine persönliche Meinung und die wird auch mindestens von der Hälfte meiner Belegschaft vertreten. Im näheren Umfeld meiner Firma gibt es integrative Sporteinrichtungen. Die veranstalten Triathlons mit Behinderten. In dem Bereich sind einige meiner Mitarbeiter aktiv. Ich habe etliche Beschäftigte, die sich sozial in ihrem Umfeld engagieren. Es ist doch ein großes Glück, dass wir gesund zur Welt gekommen sind und keine schlimmen Krankheiten haben. Gerade deshalb möchte ich andere Menschen unterstützen. Und das macht die Organisation Mercy Ships Tag für Tag. Ich finde das grandios!

Was motiviert und bewegt Sie, eine Hilfsorganisation wie Mercy Ships in so einem Umfang zu unterstützen?

Mich motiviert zum einen die sehr angenehme und unkomplizierte Zusammenarbeit. Wenn das nicht auf diesem Level laufen würde, wäre ich mit Sicherheit nicht bereit, Mercy Ships so großzügig zu unterstützen. Ich war im vergangenen Jahr mit meinem Technik-Teamleiter selbst an Bord der Global Mercy, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Wenn wir heute davon erzählen, kriegen wir immer noch ein bisschen Gänsehaut. Der Spirit an Bord war unfassbar positiv. Jetzt lag das Schiff in einer Werft im spanischen Cádiz. Der normale Hospitalbetrieb fand also gar nicht statt, aber die fröhliche Ausstrahlung aller Leute auf der Global Mercy war außergewöhnlich. Das hat absolut Seltenheitswert. Ich kenne nichts Vergleichbares. Egal, wen du angetroffen hast – jeder Kontakt verlief sehr angenehm. Du hast dort keinen gesehen, der schlecht gelaunt und missmutig unterwegs war. Wir unterstützen auch einige andere Organisationen. Beispielsweise eine Arbeit mit Straßenkindern in Asien. Wir helfen auch Organisationen in unserem regionalen Umfeld. Aber das mit Mercy Ships ist schon eine besondere Sache, weil die Arbeit auf Hospitalschiffen nichts Alltägliches ist.

Falls andere Unternehmen auch darüber nachdenken, humanitäre Arbeit zu unterstützen – was würden Sie denen sagen: Warum sollten sie das tun?

Weil es auf jeden Fall gut ist! Sich zu engagieren, gibt einem nicht nur selbst ein gutes Gefühl. Ich bin auch überzeugt davon, dass das, was du gibst, auch irgendwie wieder zurückkommt. Es tut gut, anderen etwas geben zu können, die es nicht so gut haben.

Machen Sie denn die Erfahrung, wer viel gibt, bekommt auch immer wieder etwas zurück?

Den Eindruck habe ich schon! Meine Frau ist diesbezüglich ähnlich eingestellt. Wir haben hier in Wiesbaden ein Kinderhospiz. Dort sind Kinder untergebracht, die leider keine sehr hohe Lebenserwartung haben. Die Kinder werden dort betreut, damit die Eltern auch mal eine Pause machen können. In dem Hospiz sind sie auf regelmäßige Unterstützung von externen Helfern angewiesen – in den verschiedensten Bereichen. Beispielsweise brauchen sie Leute, die den Kindern etwas vorlesen. Das tut alles keinem weh und ist oftmals mit nicht viel Aufwand verbunden. Das Geben ist eine prima Sache. Deshalb: Einfach mal machen!

Wie nehmen Ihre Angestellten Ihr Engagement für Mercy Ships wahr?

Die finden das schon faszinierend. Wenn es darum geht, wer zu einem Arbeitseinsatz auf eines der Schiffe reisen möchte, ist eine wirklich große Bereitschaft bei vielen in der Belegschaft da. Meine Assistentin ist von Mercy Ships auch sehr beeindruckt. Sie kann sich sogar sehr gut vorstellen, einen mehrmonatigen Einsatz an Bord eines der Hospitalschiffe zu machen, um in einem Bereich ehrenamtlich zu helfen. Der Hilfsaspekt der Organisation ist bei ihr der entscheidende Punkt, der sie persönlich begeistert. Ich muss schon sagen, ohne die Bereitschaft und Unterstützung meines Teams könnte ich Mercy Ships nicht in dem Umfang helfen.

Herr Viertler, vielen Dank für das nette Gespräch und Ihre außerordentlich großzügige Unterstützung. Es ist schön zu sehen, dass es Firmen in Deutschland gibt, die mit großem Vorbild ganz praktisch Verantwortung übernehmen und Gutes tun – für Menschen in Afrika, die nicht das privilegierte Leben führen können wie wir.

Helfen Sie mit!

Wenn auch Sie sich berufen fühlen, Menschen in Not zu helfen gibt es bei Mercy Ships immer einen Platz für Menschen wie Sie! Egal, ob Sie uns durch Spenden, ehrenamtliche Mitarbeit oder einfach durch ein Gebet unterstützen möchten – entdecken Sie die vielen Möglichkeiten, sich zu engagieren und uns zu helfen, der Welt Hoffnung und Heilung zu bringen.

Letzte Blogposts

„Ich muss Mercy Ships danken“

Farahs Lächeln steckt an. Dabei hätte der 65-jährige Landwirt aus Sierra Leone in den vergangenen 15 Jahren viel Grund gehabt, verbittert zu sein. Sein warmherziges und optimistisches Wesen hat er aber nie ganz verloren – genauso wenig wie sein herzliches Lächeln. Der Familienvater ist ein vorbildliches Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, Mut und Hoffnung zu bewahren – auch wenn die Stürme des Lebens Unruhe verbreiten.

Porträtaufnahme von Charlotte Schall auf der Global Mercy

Eine Weltmeisterin an Bord der Global Mercy

Charlotte Schall zieht es immer wieder nach Afrika. Die 24-jährige Kinderkrankenschwester aus Bad Rappenau bei Heilbronn ist Leistungssportlerin und Weltmeisterin im Ultimate Frisbee. Im Januar war sie zu ihrem zweiten Einsatz an Bord der Global Mercy in Sierra Leone, diesmal auch in einer Leitungsfunktion.

Tags

TEILEN

Bild von Thomas Sochocki
Thomas Sochocki

führte das Interview mit Ingo Viertler.

Ähnliche Beiträge

Bringen Sie mit uns Hoffnung nach Afrika!