„Das ist mein Zuhause“
Wenn ein Hospitalschiff zur neuen Heimat wird
Liebe auf den ersten Blick war es nicht zwischen Shaniva Textor und Mercy Ships. Doch was als Zweifeln begann, entwickelte sich zu einer unglaublich positiven Erfahrung, die die 26-Jährige nie wieder vergessen wird. Als junge verheiratete Frau entschied sich die Technische Sterilisationsassistentin, ihr vertrautes Leben für zwei Monate hinter sich zu lassen. Ihren Ehemann, den Heimatort Steinen in Süddeutschland, Freunde und Familie – alles ließ sie zurück, um einem Ruf Gottes zu folgen. Leicht fiel ihr das nicht. Doch eines lernte sie schnell: Ein Zuhause kann sie überall auf der Welt finden – sogar auf einem Hospitalschiff in Madagaskar.
Bis vor drei Jahren kannte Shaniva Textor Mercy Ships nicht. Das änderte sich schnell, als sie eine Bekannte traf, die ihre Wanderung auf dem Jakobsweg abgebrochen hatte, um sich als Physiotherapeutin auf der Africa Mercy zu engagieren. „Sie hatte mir einiges von der Hilfsorganisation erzählt. Anfangs war ich nicht davon überzeugt, dass so ein Einsatz mein Ding sein würde. Als sich dann aber alles fügte und ich merkte, dass mein Beruf in Deutschland genau für die ausgeschriebene Stelle passt – da musste ich es gefühlt machen“, erinnert sich Shaniva. Die Medizinerin glaubte zunächst nicht daran, dass sie ernsthaft eine Stelle an Bord bekommen würde. Doch dann erreichte sie damals überraschend eine Nachricht: „Ich war bei der Arbeit und bekam die Zusage von Mercy Ships per Mail. Das war der Zeitpunkt, als ich mir sagte: Okay, ich glaube, ich muss mein Leben für acht Wochen umplanen.“
Leichtigkeit trotz Schwere
Im Juni 2026 wurde es konkret. Shaniva startete in ihren ersten Mercy Ships-Einsatz in Madagaskar. Die Baden-Württembergerin erinnert sich noch sehr gut an die erste Begegnung mit der Africa Mercy: „Wir waren noch in der Stadt und fuhren mit dem Auto Richtung Schiff. Als man mir das Hospitalschiff schon von weitem zeigte, dachte ich sofort: Das ist mein Zuhause.“ Auch wenn der Beginn des Einsatzes viel Neues und Schwieriges mit sich brachte – Shaniva hatte von Anfang an ein Gefühl, das sie auch bei der Crew wahrnahm: „Alle an Bord hatten den gleichen Hintergrund. Alle hatten ihre Jobs und ihr normales Leben für eine gewisse Zeit hinter sich gelassen. Deshalb verspürte ich auf dem ganzen Schiff eine echte Leichtigkeit und ein heimatliches Gefühl.“
Unerwartete Vertrautheit
Shaniva konnte ihre Fachkompetenz als Technische Sterilisationsassistentin sehr gut auf dem Schiff einbringen: „Um sieben Uhr begann mein Tag. Wir haben geschrubbt, gewaschen und sterilisiert.“ Nach jeder Operation müssen die verwendeten Instrumente sterilisiert werden, um die Übertragung von Infektionen auf dem Hospitalschiff zu verhindern. Die Patientensicherheit kann nur gewährleistet werden, wenn die OP-Teams mit hygienisch einwandfreien Instrumenten versorgt sind. Textor hatte nicht erwartet, dass sie so schnell vertraut werden würde mit der Arbeit an Bord: „Als ich angefangen habe zu arbeiten, stellte ich fest: Viele Reinigungs- und Desinfektionsgeräte kenne ich von meiner Arbeit in Deutschland. Deshalb musste ich mich teilweise gar nicht großartig umgewöhnen.“
„Das war ein Wunder“
Um eine neue Operation auf der Africa Mercy vorzubereiten, arbeiten Technische Sterilisationsassistenten mit einer Vielzahl an Geräten: Reinigungs- und Desinfektionsgeräte ähneln industriellen Spülmaschinen und waschen die Instrumente nach strengen Vorgaben. Ultraschallbäder werden zur Vorreinigung von schwer zugänglichen Stellen oder empfindlichen, mikrochirurgischen Instrumenten verwendet. Zum Einsatz kommen aber auch Lupenleuchten, um die OP-Instrumente visuell auf Sauberkeit zu überprüfen. Während Shanivas Einsatz kümmerten sich fünf Ehrenamtliche um die fachgerechte Sterilisation an Bord: „Wir hatten fünf OP-Säle, die oftmals gleichzeitig belegt waren. Dafür waren wir ein verhältnismäßig kleines Team. Das wäre in Deutschland gar nicht denkbar. Auf dem Schiff lief das aber trotzdem perfekt. Wir konnten Hand in Hand arbeiten. Das war ein Wunder.“
Große Zufriedenheit trotz großer Not
Auch wenn das Arbeiten auf der Africa Mercy nicht in allen Punkten deutschen Standards entsprach, reflektiert Shaniva: „Das Arbeiten auf dem Schiff fiel mir leichter als in Deutschland.“ Das mag auch an den madagassischen Patienten liegen: „Die Zufriedenheit der kleinen und großen Patienten in Madagaskar war einfach nur erstaunlich. Obwohl dort eine so große Not herrschte, waren die Menschen unheimlich fröhlich und voller Lebensfreude“, erzählt sie mit einem Strahlen im Gesicht. In Deutschland arbeitet die junge Frau in einer chirurgischen Praxis. Leberflecken, Muttermale und kleine Tumore werden dort z. B. entfernt. Doch das Verständnis von Not erlebt sie dort anders: „Deutsche Patienten denken natürlich auch, dass sie in Not sind. Und für sie persönlich ist es auch eine Not. Sie möchten Hilfe, aber mit dem Unterschied, dass sie diese auch bekommen. In Madagaskar habe ich gesehen, dass medizinische Hilfe wirklich dringend benötigt wird.“
Berührende Begegnungen
In ihrer alltäglichen Arbeit als Technische Sterilisationsassistentin hatte die 26-jährige Ehrenamtliche keinen Kontakt mit den Patienten. Doch während einer Führung begegnete Shaniva einem Patienten auf der Station: „Mir kam ein kleiner Bub mit einem Gehbock und zwei eingegipsten Beinen entgegen. Das war so süß. Sein Papa stand vor ihm und machte ein Video und feuerte ihn glücklich an. Da sind mir dann echt die Tränen gekommen.“
Auch die Arbeitspausen nutzte die Medizinerin gerne, um Patienten auf Deck 7 persönlich zu besuchen – dem Deck, auf dem die Behandelten zu gewissen Zeiten von der Crew unterhalten werden. Shaniva erinnert sich sichtlich gerührt an diesen Moment: „Ich hatte mich in meiner Pause mit einem Kaffee kurz dort hingesetzt und sah mir die Patienten an. Ich dachte mir in diesem Moment: Krass, für jeden Menschen, den ich hier sehe, habe ich die OP-Instrumente sauber gemacht und war entsprechend auch Teil der Operation. Vielleicht kennen mich die Patienten nicht, aber ich weiß ganz genau, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass diese Menschen wieder gesund werden.“
Die Nächstenliebe steckt im Detail
Ehrenamtlich engagierte erleben nicht nur mit Patienten besondere Momente, es ist auch die außergewöhnliche Gemeinschaft der Mercy Ships-Crew, die viele sehr zu schätzen wissen. Das konnte auch die baden-württembergische Sterilisationsassistentin erleben: „Es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht jemand Neuen kennengelernt habe. Das war jedes Mal ein besonderer Moment, weil ich das Gefühl hatte, dass sich auf dem Schiff jeder ernsthaft für dich interessiert. Zu Hause laufen die Menschen oft an mir vorbei und sagen beiläufig: Wie geht’s dir? Mehr als eine Floskel steckt aber meistens nicht dahinter.“
Shaniva denkt mit großer Freude an die vielen Eindrücke mit anderen Crewmitgliedern zurück: „Es war erstaunlich, wie viel Segen auf den Gesprächen an Bord lag.“ Und manchmal wurde sie am meisten überrascht, wenn sie gar nicht damit gerechnet hätte: „Ich hatte mir einmal einen Kaffee bestellt. Die Bedienung hatte mir zum Getränk einen Zettel dazugegeben. Es standen nur drei Wörter drauf: flooded by light“ (Anm. d. Red.: von Licht durchflutet). Rückblickend stellt Shaniva fest: „Es sind nicht die großen Dinge, die es hier ausmachen, sondern eher die kleinen Dinge, die kleinen Begegnungen.“
Herausforderungen vorbildlich meistern
Shaniva schmunzelt, wenn sie an ihre Wohnsituation auf der Africa Mercy zurückdenkt: „Verrückt! Ich habe noch nie mit so vielen Leuten in einem Raum so dicht beieinander gewohnt. Ich war in der größten Kabine des Schiffs untergebracht – zusammen mit neun anderen Ehrenamtlichen.“ Shaniva kamen auf dem Hospitalschiff öfter Erinnerungen an ihre Schulzeit hoch: „Meine neuen Freunde an Bord und ich beschrieben das Leben auf dem Schiff wie das Wohnen in einer Jugendherberge. Das war wie eine große Klassenfahrt – nur dass man hier noch das Leben notleidender Menschen verändert.“ Trotz guten Austauschs und einer innigen Gemeinschaft sagt sie rückblickend: „Natürlich gibt es bei so vielen Leuten auch Reibungspunkte. Aber faszinierend fand ich, wie die Crew mit Kritik untereinander umgegangen ist. Es wurde viel mehr und vor allem gesünder kommuniziert. Für Kritik oder Feedback hat man sich bedankt. Das erlebe ich in der normalen Arbeitswelt in Deutschland nicht häufig.“
„Auf dem Schiff war Jesus so präsent“
Als gläubige Christin ist Shaniva Textor mit Höhen und Tiefen im Glaubensleben vertraut. Sie kennt die Momente, in denen Gott nicht viel in ihrem Alltag vorkommt. Doch wenn sie an ihren Einsatz mit Mercy Ships zurückdenkt, sagt sie mit begeisterter Stimme: „Auf dem Schiff war Jesus so präsent! Die meisten Crewmitglieder hatten einen christlichen Hintergrund. Das hat sehr viel Ruhe mit sich gebracht. Ich glaube auch, dass das maßgeblich dazu beigetragen hat, warum diese Gemeinschaft an Bord überhaupt funktionierte.“ Der Einsatz auf der Africa Mercy hat auch Shanivas Glaubensleben neu geprägt: „Heute weiß ich viel besser: Gott ist auch präsent, wenn ich ihn nicht direkt spüre. Er ist da und verändert Menschenleben – auch wenn es dabei nicht immer um mein Leben geht. Er hat mich und meine ehrenamtlichen Kollegen auf dem Schiff als Werkzeuge eingesetzt, um in Madagaskar zu wirken.“
Eine zweite Familie
Acht Wochen war Shaniva Textor über 8.000 Kilometer von ihrem Ehemann entfernt. Im Nachhinein sagt sie: „Es war natürlich schon schwer. Ich habe anfangs viel gehadert, ob so ein Einsatz etwas für mich ist.“ Doch eine Entscheidung für Mercy Ships entstand am Ende, weil sie und ihr Mann tief im Glauben verankert sind: „Mein Mann sagte mir damals: Du wirst mir zwar fehlen, aber wenn der Einsatz Gottes Plan ist, dann können wir da nicht dazwischenfunken.“ Shaniva ist das Abenteuer eingegangen und kann im Nachhinein für sich sagen: „Ich habe meinen Mann vermisst und meinen Kater, aber weil wir wussten, dass es Gottes Plan ist, fiel es uns nicht so schwer.“ Als verheiratete Frau ging die 26-Jährige einen mutigen Weg. Ihre eigene Familie verließ sie temporär und ahnte dabei nicht, dass sie mit einer neu dazugewonnenen Mercy Ships-Familie zurückkehren würde.
Vielen Dank, Shaniva, für Deinen Einsatz!
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Alumni-Treffen 2026 & Serienpremiere
Am Samstag, den 19. September, hatte der Mercy Ships Deutschland e. V. Alumni und Unterstützer der internationalen Hilfsorganisation zu einem besonderen Event eingeladen. In den Räumen der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Augsburg hatten die rund 90 Gäste die Möglichkeit, sich auszutauschen und Neues über die Einsätze in Afrika zu erfahren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand jedoch die Serienpremiere von The Mercy Ships – einer Reality-Dokumentation, die ab dem 2. Oktober 2026 exklusiv auf Bibel TV ausgestrahlt wird. Die TV-Serie ermöglicht spannende Einblicke in den Alltag auf den Hospitalschiffen.

„Es ist ein Wunder“
Ali Naddaf (46) ist schon viel rumgekommen auf der Welt. Entsprechend erfahren ist er mit anderen Nationalitäten und Kulturen. Mit seiner Familie lebt er derzeit in Mittelhessen. Naddaf ist leitender Oberarzt für endokrine Chirurgie in der Asklepios Klinik in Lich. Der Schilddrüsenexperte setzte seine Expertise im Januar 2026 für zwei Wochen in Sierra Leone ein – an Bord der Global Mercy. Ein ehrenamtlicher Einsatz, der ihn gestärkt, motiviert und dankbar nach Hause kehren ließ – mit dem großen Wunsch, Mercy Ships in Zukunft jährlich zu unterstützen.

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„Ich muss Mercy Ships danken“
Farahs Lächeln steckt an. Dabei hätte der 65-jährige Landwirt aus Sierra Leone in den vergangenen 15 Jahren viel Grund gehabt, verbittert zu sein. Sein warmherziges und optimistisches Wesen hat er aber nie ganz verloren – genauso wenig wie sein herzliches Lächeln. Der Familienvater ist ein vorbildliches Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, Mut und Hoffnung zu bewahren – auch wenn die Stürme des Lebens Unruhe verbreiten.
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berichtete über den Einsatz von Shaniva Textor.
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