Vom Fernseh-Krankenhaus aufs Hospitalschiff
Schauspielerin Gunda Ebert im Einsatz auf der Africa Mercy
Als Neurologin Franziska Ruhland operiert die Schauspielerin Gunda Ebert in der ARD-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ im TV-Krankenhaus. Auf der Africa Mercy tauschte sie ihren Ärztekittel gegen die Kluft der Tellerwäscher ein und schnupperte afrikanische Seeluft. Im Interview erzählt sie uns, was sie an Bord besonders beeindruckt hat.
Vom Tellerwäscher zum Millionär – diesen Traum haben viele. Sie haben sich stattdessen als Schauspielerin mal auf sehr einfache Tätigkeiten eingelassen und sind selbst eine Küchenhilfe geworden…
Naja, so einfach war das gar nicht! Die ganzen Abläufe innerhalb kürzester Zeit zu verstehen, zur richtigen Zeit an der richtigen Position zu sein, zu wissen worum es geht… Es ist ja alles sehr eingespielt an Bord, und gerade in der Küche und im Speisesaal gibt es viele Hygiene-Vorschriften, die man auch noch beachten muss.
Wovor hatten Sie denn am meisten Respekt vor Ihrem Einsatz?
Ab 40 aufwärts hat man ja nicht immer den besten Schlaf. Und ich dachte mir: „Wie soll das gehen, mit sechs Leuten in einer Kabine, alle haben unterschiedliche Schichten, alle sind nur mit einem Vorhang voneinander getrennt?“ Ich habe jede Menge Ohropax mitgenommen. Aber ich habe nichts von alledem gebraucht! Ich habe geschlafen wie ein Baby, von der ersten bis zur letzten Nacht.
Also ein kleines Wunder?
Ich glaube das liegt schon an dem besonderen Spirit an Bord. Ich war noch nie an einem Ort, wo ich so viele Menschen gesehen habe, die so viel Liebe und Licht und Freude ausstrahlen. Alle haben gut zu tun, aber ich habe trotzdem wahnsinnig viel Unterstützung bekommen. Ich habe mich extrem beschützt gefühlt. Das war für mich ein ganz großes Geschenk.
Wie viel Ähnlichkeiten hat denn der Alltag von einem Fernseh-Krankenhaus mit dem Alltag auf einem Hospitalschiff?
Oh, wahrscheinlich gibt es da sogar mehr Parallelen als zu einem deutschen Krankenhaus! In der Serie haben wir ja viel mehr Zeit für die einzelnen Patienten, auch in der Nachsorge. Und das war eben auch auf der Africa Mercy so großartig, die Möglichkeit, mit den Patienten im Hope Center oder an Deck in Kontakt zu kommen. Die Ärzte und Schwestern an Bord machen ihren Beruf mit sehr viel Leidenschaft und Liebe. Es ist bei uns in der Serie ja so, dass die Patienten, denen geholfen wurde, sehr dankbar und freudig sind. Diese Dankbarkeit und Freude, das war auch eine Sache, die man auf der Africa Mercy überall spüren konnte. Ganz viele Schwestern und Pfleger haben zu mir gesagt „Wir kriegen hier viel mehr als wir geben!“ Am Anfang habe ich gedacht das ist so eine Verabredung, das zu sagen, weil das wirklich alle gesagt haben! Aber nach fünf Tagen wusste ich, was die meinen.
Diese Erfahrung haben Sie also auch gemacht?
Ich habe ja im Speisesaal und in der Küche gearbeitet und auch da war es so, dass die Leute, wenn sie sich ihr Mittagessen abgeholt haben, durch die Luke geguckt haben und gesagt haben. „Hey, danke! Danke, dass du das machst! Denn weil du das machst, können wir uns auf unseren Job konzentrieren!“ Und egal, ob es der Maschinenraum oder OP Saal ist. Es war so ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Ein Mensch hilft mit seiner Begabung und seiner Ausbildung einem anderen Menschen, der in Not ist. Und der freut sich eben darüber und ist dankbar und gibt das dann auf seinen Wegen in seiner Welt weiter.
Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, einen Einsatz auf der Africa Mercy zu machen? Wollten Sie mal in einem echten Krankenhaus mitarbeiten?
Nein, so war das nicht. Vor der Schauspielschule habe ich nämlich eine Ausbildung zur Krankenschwester angefangen. Dadurch habe ich also schon Erfahrung in Krankenhäusern. Ich wollte einfach gerne ein Charity Projekt machen und bin bei der Entscheidung meinem Bauchgefühl gefolgt. Das habe ich keine Sekunde lang bereut!
Was hat Sie denn besonders beeindruckt?
Es gab jeden Tag Erlebnisse, wo ich gedacht habe: „Wow, das machen die auch noch?“ Mich hat beeindruckt wie nachhaltig alles ist. In Guinea wurde ja an Land eine Zahnklinik aufgebaut. Dort habe ich zum Beispiel gesehen, dass einfach jeder Arzt, der dort arbeitet, einen afrikanischen Kollegen weiterbildet. Ich habe mir alles angeguckt, jede Vorratskammer, jeden Zahnarztstuhl, und weiß einfach, wie viel da bleibt für die Menschen, wenn das Schiff nach 10 Monaten wieder in See sticht.
Sie waren so begeistert, dass Sie nach einer Woche direkt eine Spendenaktion gestartet haben.
Mir war klar, dass ich meine Kraft und Energie für diese Organisation einsetzen möchte! Mir erschien es als sehr einleuchtende Idee, gemeinsam mit Kollegen von „Die jungen Ärzte“ eine Spendenaktion auf Instagram zu starten, weil wir dank der Serie eben auch viele Follower haben. Ich habe Interviews geführt, ich habe selber berichtet, ich habe einfach meine Begeisterung geteilt.
Und wie sah die Spendenaktion dann konkret aus?
Ich habe dazu aufgerufen, dass jeder Follower einen Euro spenden soll. Einen Euro hat jeder, und wir sind doch so eine große Community und können dadurch mit wenig viel erreichen! Das war natürlich ein typischer Gutmensch-Gedanke, der so nicht ganz funktioniert hat…
Immerhin sind bis heute über 2000 Euro eingegangen!
Ja, das war toll. Aber es gibt leider Menschen, die meinen, ihr einer Euro würde auch keinen Unterschied mehr machen. Ich dagegen glaube, dass alles, was wir machen, eine Bedeutung hat und eine Reaktion hervorruft! Zum Glück gab es auf der anderen Seite, und das hat mich wiederum sehr berührt, Menschen die gesagt haben „Wow, was für eine tolle Aktion! Ich habe an meinem Stammtisch mit allen meinen Freunden geredet und alle machen mit!“ Und so haben wir eben die 2000 Euro zusammen bekommen.
Der christliche Glaube spielt an Bord der Africa Mercy eine große Rolle. Wie haben Sie das erlebt?
Er spielt ja generell in Afrika eine große Rolle, auch bei den Patienten! Ich bin in der DDR ohne Konfession groß geworden, aber würde durchaus sagen, dass ich ein gläubiger Mensch bin. Mit der christlichen Kirche bin ich auf dem Schiff für meine Verhältnisse sehr viel in Berührung gekommen und habe das sehr genossen. Wir wurden zum Beispiel auch zu einem Gospel-Konzert von einer lokalen Kirchengemeinde eingeladen. Was in meiner Generation ja weit verbreitet ist, ist diese Aussage „Ich bin ein gläubiger Mensch.“ und das hört sich natürlich oft recht allgemein an. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Glaube, wenn man ihn auf ein Ziel ausrichtet und ihm einen Namen gibt, die Energie einfach anders bündelt.
Hat diese Erfahrung Sie persönlich inspiriert?
Im Speisesaal und der Küche habe ich mit afrikanischen Kollegen gearbeitet und die haben beim Geschirr waschen wirklich die ganze Zeit laut Musik gehört und gesungen. Und dann nach jedem vollbrachten Tagwerk haben wir uns an den Händen gehalten und einer hat ein Dankesgebet für den Tag gesprochen. Das hat mich sehr inspiriert. Das ist etwas, was ich seitdem jeden Abend tue: Ich schließe einfach meine Augen und sage, wofür ich dankbar bin. Das ist für mich eine sehr schöne Übung, um den Tag abzuschließen. Da kommen dann manchmal Sachen hoch, die mich selber überraschen.
Hat der afrikanische Kontinent Sie gepackt?
Ja, total. Aber schon seit meiner ersten Landung dort. Ich war vor vielen Jahren in Südafrika, um eine Werbung für Ikea zu drehen. Als wir damals gelandet sind und ich das Licht gesehen habe… Diese Kraft und diese Schönheit, gerade in der Natur! Mit Mercy Ships habe ich nun meinen ersten Hilfseinsatz auf dem afrikanischen Kontinent gemacht. Und dadurch habe ich auch die Kraft und Schönheit der Menschen kennenlernen dürfen.
Wie wird es in Zukunft für Sie weitergehen? Würden Sie nochmal einen Einsatz auf der Africa Mercy wagen?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe noch nichts organisiert, also mal schauen, ob es noch im Senegal klappt. Ich habe jetzt nicht vor umzuschulen, sondern werde auf jeden Fall das weiter tun, was ich seit 40 Jahren mache und liebe! Aber ich nehme die Inspiration mit, die ich bei Mercy Ships bekommen habe. In mein Leben, in meinen Beruf und auch vor die Kamera!
Frau Ebert, vielen Dank für dieses Gespräch!
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