Das Augenlicht kehrt zurück: Operationen an Bord der Africa Mercy beginnen

Die Geschichte zweier Frauen, die durch eine Augen-OP neu aufs Leben schauen

„Kannst du mich denn wirklich nicht sehen, Oma?“ Nachdem Delphine ihr Augenlicht verloren hatte, stellte ihr dreijähriger Enkel ihr sehr oft diese Frage. Wenn sie gemeinsam spazieren gingen, nahm er sanft ihre Hand und führte sie. Zu den Mahlzeiten stellte ihre Tochter Noronette ihr sorgfältig das Essen hin und entfernte die Gräten vom Fisch, bevor sie mit dem Essen anfing. „Es gibt Dinge, die ich früher machen konnte und die ich jetzt nicht mehr tun kann, wie zum Beispiel auf den Feldern zu arbeiten und mich um mein Vieh auf dem Hof zu kümmern“, sagte Delphine. „Auch mit den Leuten aus der Nachbarschaft kann ich keinen Kontakt mehr pflegen. Jetzt sitze ich nur noch zu Hause.“

Nicht mehr das alte Leben

Was Anfang 2025 mit verschwommenem Sehen begann, verschlimmerte sich allmählich, bis die 69-Jährige im Dezember desselben Jahres aufgrund des Grauen Stars vollständig erblindete. Für Delphines Familie in Maroantsetra, einer abgelegenen Küstenstadt im Nordosten Madagaskars, hat dieser Verlust den Alltag grundlegend verändert. Früher arbeiteten Delphine und ihre Tochter Seite an Seite auf den Feldern. Während Noronette arbeitete, kümmerte sich Delphine um ihre drei Enkelkinder. Als sich ihre Erblindung verschlimmerte, musste ihre Tochter diese Aufgabe auch noch übernehmen.

Patientin Delphine vor ihrer Augen-OP auf der Africa Mercy. Ihr wurde der Graue Star behandelt.
Delphine kurz vor ihrer Operation. © Mercy Ships

Langjährige Verbindung

Anfang 2026 veränderte eine Radiosendung alles für Delphine: Mercy Ships kehrte für einen weiteren Einsatz nach Madagaskar zurück. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem die Africa Mercy in Madagaskar im Einsatz ist. Seit 1996 hat die Organisation Mercy Ships bereits insgesamt sechs Hilfseinsätze in dem Inselstaat durchgeführt. Neben der direkten medizinischen Hilfe durch kostenlose Operationen arbeitet Mercy Ships weiterhin mit der madagassischen Regierung, lokalen Krankenhäusern und akademischen Einrichtungen zusammen, um die chirurgische und anästhesiologische Versorgung im Land durch Bildungs- und Schulungsprogramme im Gesundheitswesen zu stärken.

30 Minuten, die ein Leben verändern

In den zehn Wochen vor Beginn des Einsatzes 2026 reisten Teams von Mercy Ships durch Madagaskar, um Patienten in Gemeinden im ganzen Land zu untersuchen und diejenigen zu ermitteln, die eine chirurgische Versorgung benötigen. Delphine war die allererste Patientin, die an Bord der Africa Mercy kam. „Es ist eine große Ehre, dass unsere Augenpatienten die ersten sind, die in diesem Jahr operiert werden“, sagte Ashleigh Wong, Leiterin des Augenärzteteams. Delphines Operation dauerte etwa 30 Minuten. Am nächsten Tag kam sie zurück, um ihre Augenklappe entfernen zu lassen. Als Delphine nach dem Entfernen der Augenklappe aufstand, streckte Noronette instinktiv den Arm aus, um ihre Mutter zu stützen, so wie sie es seit Monaten getan hatte. Doch Delphine lachte und schob die Hand ihrer Tochter sanft beiseite, wobei sie scherzte, dass sie keine Hilfe mehr brauche, da sie nun wieder sehen könne. „Ich bin wirklich glücklich“, sagte Noronette danach. „Mein Leben wird sich verändern. Jetzt kann meine Mutter sich wieder um meine Kinder kümmern, und wir können wieder zusammenarbeiten.“

Patientin Delphine wird nach ihrer Augen-OP auf der Africa Mercy an den Augen untersucht.
Geschafft! Nach erfolgreicher Augen-OP werden Delphines Augen untersucht. © Mercy Ships

Neue Sicht aufs alte Leben

Zum ersten Mal seit dem Verlust ihres Augenlichts konnte Delphine die Gesichter der Menschen, die sie liebt, wieder klar erkennen. „Zu sehen, wie sie zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder sehen konnte und nach so langer Zeit das Gesicht ihrer Tochter wiedererblickte, ist der Grund, warum wir tun, was wir tun“, sagte Ashleigh. Nun freut sich Delphine darauf, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren, um die Dinge zu tun, die sie am meisten vermisst hat. „Ich war schon lange nicht mehr in der Kirche, jetzt werde ich wieder hingehen“, sagte sie. „Ich habe meine Enkelkinder schon lange nicht mehr gesehen, aber ich werde sie wieder sehen.“

Sie können dazu beitragen, dass es noch mehr Geschichten wie die von Delphine gibt, indem Sie die Arbeit von Mercy Ships unterstützen.

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Bild von Thomas Sochocki
Thomas Sochocki

berichtete über Delphines Operation auf der Africa Mercy.

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