Die unsichtbaren Lebensretter an Bord

Die Arbeit im Labor eines Hospitalschiffes

Dorothee Mäule ist medizinisch-technische Laborassistentin. Während ihrer Zeit an Bord der Global Mercy arbeitete sie im Labor. Sie liebt gute Gespräche, Cookies backen mit Freunden und wenn Glaube und Medizin Hand in Hand gehen. Im Interview erzählt sie uns, was sie an ihrer Arbeit so liebt.

Liebe Dorothee, danke, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst! Du warst jetzt schon zum zweiten Mal mit Mercy Ships unterwegs, richtig?

Genau. Mein erster Einsatz war auf der Africa Mercy, bei meinem letzten Einsatz war ich auf der Global Mercy. Ich habe erstmals von Mercy Ships über eine Bekannte gehört und war sofort begeistert. Dann gab es noch ein paar kleine Zeichen von Freunden, Familie und vor allem Gott, und danach war klar: Das ist etwas, was ich machen möchte.

Du arbeitest ja auch zu Hause im Labor. Was genau machst Du dort? Und wie unterscheidet sich das auf dem Schiff?

Ich arbeite in einem Krankenhauslabor. Wir untersuchen alles, was Ärzte aus dem Körper bekommen – hauptsächlich Blut, aber auch Urin, Stuhl oder Punktate. Ich mache Blutbilder, Gerinnungstests, klinische Chemie, Hormone, Leberwerte, PCRs – das volle Programm. Viele Patienten haben Blutkrebs, das ist emotional herausfordernd, aber ich liebe die Vielfalt meiner Arbeit.

An Bord waren es eher „die Basics“. Einige Geräte waren etwas älter, manche kannte ich noch aus meiner Ausbildung (lacht). Aber es funktionierte. Ich habe auf dem Schiff auch Dinge gemacht, die ich zu Hause nicht mache, zum Beispiel Mikrobiologie und Blutbankarbeit, die besonders verantwortungsvoll ist, weil jede Transfusion absolut kompatibel sein muss.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Labor für Dich aus?

Mein Tag startete meist mit der Blutbank: Lagerbestände prüfen, Blutprodukte für anstehende Operationen vorbereiten, Spenden organisieren. Danach ging es in die Routinetests: Blutbilder, Gerinnungstests, Chemie, PCRs. Zwischendurch kamen Notfälle, die schnelles Handeln erforderten.

Das Spannende war, dass jeder Tag anders war. Manchmal lief alles routiniert, manchmal benötigte ein Patient zehn oder mehr Blutprodukte, dann mussten wir perfekt organisiert sein. Jeder zog an einem Strang.

Gibt es eine Begegnung oder Geschichte, die Dich besonders berührt hat?

Ja, eine, die ich nie vergessen werde:

Ein Patient kam mit einem riesigen Gesichtstumor, der ihn sogar beim Essen beeinträchtigte. Sein Hämoglobinwert war lebensgefährlich niedrig. Die Blutgruppe war extrem selten (AB positiv) und sein Blut durfte nicht zu kalt gelagert werden, da er kälteempfindlich war.

Wir mussten alles perfekt vorbereiten. Jede Kleinigkeit zählte. Und dann sah ich, wie spontan viele Crewmitglieder, sogar Anästhesisten, Blut gespendet haben. Jeder wollte helfen, das Leben dieses Mannes zu retten. Die Einheit, die Hilfsbereitschaft und die Dankbarkeit an diesem Tag haben mich tief berührt.

Was bedeutet es für Dich, Menschen zu helfen?

Auch ohne direkten Patientenkontakt kann man Leben retten. Mein Job im Labor war Dienst am Nächsten: sorgfältige Arbeit, Kollegen unterstützen, dafür sorgen, dass Bluttransfusionen und Laborwerte stimmen. Ohne uns lief nichts. Und das macht mich stolz.

„Mein Job im Labor war Dienst am Nächsten: sorgfältige Arbeit, Kollegen unterstützen, dafür sorgen, dass Bluttransfusionen und Laborwerte stimmen. Ohne uns lief nichts. Und das macht mich stolz.“

Was macht Mercy Ships für Dich besonders?

Hier wird nicht nur einfach geholfen, sondern nachhaltig gewirkt. Fachkräfte vor Ort werden ausgebildet, Ressourcen werden geteilt. Und trotzdem kann ich einfach meinen Job tun – mit Herz und Verstand.

Und was machte Dir bei Deinem Einsatz am meisten Freude?

Ich spürte, dass das Schiff ein umbeteter Ort ist. Die Dankbarkeit der Menschen, das Miteinander, das war einfach anders als zu Hause. Selbst kleine Gesten, wie ein Dankeschön oder ein mitgebrachtes Snackpaket, berührten mich sehr.

Danke, Dorothee, für Deine Zeit, Deine Offenheit und Begeisterung! Es ist schön zu hören, wie Du mit Herz, Fachwissen und Glauben Deinen Platz an Bord gefunden hattest.

Sie möchten mit Herz und Können Leben verändern? Mercy Ships lebt von ehrenamtlichem Engagement. Werden Sie Teil der Mercy Ships Crews und engagieren Sie sich ehrenamtlich auf den weltweit einzigartigen Hospitalschiffen.

Weitere Infos finden Sie auf unserer Website.

Wir stehen Ihnen für alle Ihre Fragen gerne telefonisch unter 0 8191 98550-14 zur Verfügung. Mehr zu unseren Stellenangeboten finden Sie hier.

Letzte Blogposts

Crewmitglied Marcin Bierc

Zweite Heimat

„Falls du die Welt, die Medizin und auch dich selbst von einer anderen Perspektive erleben möchtest – dann ist das der place to be“, schwärmt Dr. Marcin Bierc (47). Mitte April feiert der Stuttgarter Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg ein besonderes Jubiläum. Seine große Leidenschaft, zu helfen, motiviert ihn, bereits zum 15. Mal ehrenamtlich für Mercy Ships zu arbeiten. Was ihn immer wieder zurück an Bord der Hospitalschiffe führt? Die außergewöhnlichen zwischenmenschlichen Begegnungen, die besondere Atmosphäre und die Erfüllung, anderen Menschen helfen zu können.

Poträtaufnahme von Patient Thierry vor der Africa Mercy

Thierry – Strahlende Hoffnung durch Ihre Hilfe

Eigentlich ist der Madagasse mit grauem Anglerhut und schwarzem
Oberlippenbart bekannt für sein fröhliches Lachen und seine Geselligkeit.
Eigentlich liebt es Thierry, mit Freunden unterwegs zu sein, zu reden,
zu lachen. Eigentlich. Denn bereits im Alter von 25 Jahren erfuhr
sein Leben eine tragische Wendung. Zunächst kaum merklich, dann
deutlich sichtbar.

Gruppenbild der ehrenamtlichen Mitarbeiter Manfred Harre, Stephanie Pape, Franziska Kaestner und Georg Eggers

Ehrenamtliche zu Gast bei Klassik Radio

Eine Apothekerin, eine Ärztin für Innere Medizin, ein MKG-Chirurg und ein Medizintechniker. Alle sind Experten in ihren Fachgebieten. Alle verbindet die Leidenschaft, notleidenden Menschen in Afrika zu helfen. Alle haben am Sonntag, 22. März, über ihre Mercy-Ships-Einsätze gesprochen – im Klassik Radio Spezial.

Crewmitglied Maren Jesske

„Tell God Tenki“

Maren Jesske (33) ist Pflegefachkraft aus Haßloch in Rheinland-Pfalz und bereits zum vierten Mal mit Mercy Ships unterwegs. Auf dem Hospitalschiff Global Mercy setzt sie sich für Menschen ein, die kaum Zugang zu medizinischer Hilfe haben – mit Herz, Kompetenz und unerschütterlicher Hingabe. In unserem Gespräch mit ihr, erzählt sie von bewegenden und schweren Momenten und einer Erkenntnis, die ihr Leben verändert hat.

Tags

TEILEN

Bild von Stefanie Odersky
Stefanie Odersky

interviewte Dorothee Mäule zu ihrem Einsatz auf der Global Mercy.

Ähnliche Beiträge

Schenken Sie Hoffnung und Heilung
Spenden