Geduld, Humor und ein bisschen Mut
Tipps für den ersten Einsatz von Krankenschwester Sabrina Habicht
Sabrina ist 30 Jahre alt, kommt aus Herbstein in Hessen und hatte schon seit ihrer Teenagerzeit den Wunsch, im Ausland im medizinischen Bereich zu arbeiten. Über Mercy Ships stolperte sie eher zufällig und machte ihren Traum schließlich wahr.
„Eigentlich wollte ich Hebamme werden“, erzählt Sabrina lachend. Heute ist sie Krankenschwester und hat bereits auf der Station für Allgemeinchirurgie und in der Notaufnahme gearbeitet. Die Leidenschaft für Medizin begleitet sie schon seit ihrer Schulzeit im Schulsanitätsdienst. Den Traum, eines Tages ins Ausland zu gehen und dort Menschen medizinisch zu helfen, hatte sie schon lange im Hinterkopf. Als sie eines Tages auf die Mercy Ships-Website stieß, fasste sie den Entschluss: jetzt oder nie.
Sabrina, Dein Weg hat Dich an Bord unserer Hospitalschiffe geführt. Vermutlich erlebst Du dort einen ganz anderen Arbeitsalltag als zu Hause, oder? Wo siehst Du die größten Unterschiede zum Klinikbetrieb in Deutschland?
Abgesehen davon, dass die Patienten ein ganz anderes Leben führen und aus einer vollkommen anderen Kultur kommen, ist es ein engeres Miteinander. Man begrüßt sich viel herzlicher. Wir haben Zeit, um mit den Kindern zu spielen. Und man muss mehr auf den Verbrauch von Materialien achten, weil man nicht so viel hat wie in Deutschland. Besonders schön finde ich es, wie nett gerade die Teamleitungen sind. Alle sind zuvorkommend und überhaupt nicht von oben herab, sehr empathisch.
Wie erlebst Du das Arbeiten in dem internationalen Umfeld auf dem Schiff? Merkst Du, dass das Arbeiten dadurch anders ist?
Ja, schon. Manche Dinge, die ich in Deutschland schon gemacht habe, sind hier trotzdem anders, z. B. Verbandswechsel, Infusionen oder Medikamentengabe. Die Dokumentation ist auch ein bisschen anders. Sprachlich kommt man rein, auch wenn es evtl. einen Moment braucht … vieles muss man neu lernen und ist erstmal herausfordernd.
Wie kann man sich Deinen Alltag auf dem Schiff vorstellen?
Wir haben geregelte Essenszeiten. Das Frühstück endet um 7.45 Uhr, deswegen steht man teilweise früh auf. Wenn ich freihabe, hole ich mir einen Kaffee und setze mich raus ans Deck oder ins Café. Beim Frühdienst gehe ich zum Frühstück, dann in die Arbeit. Nachmittags ist oftmals die Zeit, um mit den Kindern zu spielen und zu toben. Super schön ist, dass abends noch einiges angeboten wird: Volleyball, Gesellschaftsspiele, manchmal Essen in der Stadt, zum Strand gehen, es ist immer was los.
Hört sich nach einer guten Mischung an! Gab es einen Moment oder eine Geschichte, die Dich besonders berührt hat?
Es gab viele schöne Momente, aber einer bleibt mir besonders in Erinnerung, und das war, als eine Patientin, ein Mädchen, entlassen wurde. Sie war lange Zeit bei uns auf Station. Wir haben ihr Lieblingslied abgespielt, sie nach draußen getragen und auf dem Dock mit Tränen verabschiedet, wo sie dann abgeholt wurde. Das war schon emotional.
Gab es Dinge, die Dich überrascht haben?
Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich hatte anfangs die Erwartung, schnell Freundschaften zu schließen, aber das hat länger gedauert als gedacht. Ich glaube, das hängt auch stark vom eigenen Typ ab: ob man eher introvertiert ist oder extrovertiert. Für mich war es eine gute Erfahrung, weil ich über mich selbst hinausgewachsen bin. Am Ende habe ich viel gelernt – über andere, aber auch über mich.
Wenn Dich jemand zu Hause fragt: „Wie war Deine Zeit bei Mercy Ships?“ – was würdest Du erzählen? Gibt es vielleicht sogar einen Ort an Bord, der das für Dich besonders widerspiegelt?
Für mich ist es ganz klar, das Leben in Gemeinschaft. Man macht unglaublich viel miteinander, und genau das schweißt unheimlich zusammen. Besonders die Kinder berühren mich: mit ihnen zu spielen, sie in den Arm zu nehmen oder einfach ein High Five zu geben – sie freuen sich über die kleinsten Dinge, und diese Freude ist so ansteckend. In solchen Momenten wirkt das Leid fast wie vergessen. Meine Lieblingsplätze an Bord sind deshalb Deck 7, wo wir gemeinsam Zeit mit den Patienten verbringen, und das Midships. Das ist unser Gemeinschaftsbereich, dort trifft man sich, spielt, lacht …
Was würdest Du anderen mitgeben, die auf eines der Hospitalschiffe kommen? Worauf sollte man sich vorbereiten?
Ein bisschen Englisch üben schadet nicht, und es ist hilfreich, sich darin sicher zu fühlen. Ich habe zum Beispiel vorab einen Kurs gemacht, um mein Englisch aufzufrischen. Aber keine Sorge: Für viele an Bord ist Englisch ebenfalls nur die Zweitsprache. Es ist also überhaupt nicht schlimm, wenn man mal nachfragen muss. Wichtig ist auch, sich Zeit zu geben, neue Leute kennenzulernen. Das kommt! (lacht)
Man braucht nur Geduld, Humor und ein bisschen Mut.
Liebe Sabrina, danke für Deine Zeit und das schöne Interview. Wir wünschen Dir weiterhin viele bereichernde Begegnungen und dass Du noch viele dieser Momente erleben darfst, die Dich strahlen lassen.
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Vanessa Body im TV
Vanessa Body wurde in Madagaskar geboren, machte in Bad Tölz eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet heute am Uniklinikum München. Im letzten Jahr erfüllte sie sich einen Jugendtraum und kehrte mit Mercy Ships in ihr Heimatland zurück, um auf der Africa Mercy ihren Landsleuten zu dienen. In diesem Monat war sie Talk-Gast in der BR Abendschau und berichtete live über die Arbeit auf dem Hospitalschiff.

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interviewte Sabrina Habicht über ihren Einsatz auf der Africa Mercy.
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