„Mein Herz wusste schon lange, wohin ich gehöre“
Vanessa Body über ihre Wurzeln, ihren Glauben und ihren ersten Einsatz mit Mercy Ships
Fahendrena Vanessa Rose de Lima Body, (kurz: Vanessa) wurde in Madagaskar geboren, lebt heute in München und erfüllt sich einen Traum, den sie seit ihrer Jugend trägt: ein Einsatz als Krankenschwester auf einem Hospitalschiff von Mercy Ships. Im Interview, das wir vor ihrer Abreise mit ihr geführt haben, erzählt die 28-jährige, wie alles begann und warum sie trotz Widerständen nie aufgehört hat, an diesen Weg zu glauben.
Vanessa, erzähl uns ein bisschen von Deiner Herkunft. Wie bist Du aufgewachsen?
Ich bin in Madagaskar geboren und habe dort meine Kindheit verbracht. Ich habe einen älteren Bruder, und obwohl meine Eltern getrennt sind, haben sie mich immer unterstützt – moralisch wie finanziell. Meine Mutter ist Juristin und arbeitet in der Nationalversammlung mein Vater im Finanzwesen. Meine Eltern haben mir alles ermöglicht, was sie konnten. Ich telefoniere bis heute jeden Tag mit meiner Mutter. Diese Verbindung bedeutet mir sehr viel.
Welche Rolle spielte der Glaube in Deiner Kindheit?
Eine große. Wir sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Und das mache ich auch jetzt noch, hier in München, selbst wenn ich allein hingehe. Ich beginne jeden Tag mit einem Gebet.
Wann hast Du gemerkt, dass Du in den medizinischen Bereich möchtest?
Schon als Jugendliche, so mit 13 oder 14. Mein großer Bruder wollte Arzt werden – und ich habe gesagt: „Dann werde ich Krankenschwester, damit wir zusammenarbeiten können.“ Und meine Eltern meinten: „Das passt perfekt zu dir.“
Wie kam es dann dazu, dass Du nach Deutschland gegangen bist?
Eigentlich wollte ich in Madagaskar Medizin studieren, aber ich habe die Frist verpasst. Ein ganzes Jahr zu warten – das konnte ich mir nicht vorstellen. Also habe ich entschieden, Deutsch zu lernen und als Au-pair nach Deutschland zu gehen. Das war 2017. Danach habe ich einen Bundesfreiwilligendienst gemacht, intensiv Deutsch gelernt und später die Ausbildung zur Krankenschwester begonnen, die ich 2022 abgeschlossen habe.
Und heute arbeitest Du in München?
Ja, an der Uni-Klinik der LMU, in der Anästhesie. Vorher war ich in der Notaufnahme tätig. Für das Schiff wollte ich unbedingt noch Erfahrung im OP-Umfeld sammeln – deshalb habe ich mich bewusst für die Anästhesie entschieden.
Wann bist Du zum ersten Mal auf Mercy Ships gestoßen?
Das war 2014, ich war 17. Mercy Ships war damals in Madagaskar. Mein Cousin arbeitete als Übersetzer an Bord. Ich hörte ein Telefonat zwischen ihm und meiner Mutter mit – und plötzlich war ich aufmerksam.
Was er erzählte, hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe recherchiert, Bilder angeschaut – und sofort gespürt: Das ist genau das, was ich will.
Was hat Dich so berührt?
Die Hoffnung, die diese Organisation bringt. Viele Menschen in Madagaskar können sich medizinische Behandlung nicht leisten. Manche leben zehn Jahre oder länger mit Erkrankungen, die eigentlich behandelbar wären. Mercy Ships verändert Leben – das hat mich zutiefst bewegt.
Was wünschst Du dir für diesen ersten Einsatz?
Ich freue mich auf die Teamarbeit, auf den Austausch, auf die Menschen. Ich möchte mich einbringen, lernen, helfen. Ich möchte einfach präsent sein – mit Herz und Kompetenz.
Wie nimmst Du die medizinische Situation in Madagaskar wahr?
Das Gesundheitssystem ist sehr schwach. Es gibt keine Krankenversicherung. Man muss zuerst zahlen – und dann wird man behandelt. Viele Menschen können das nicht.
Wer auf dem Land lebt, muss teils hunderte Kilometer zurücklegen, um überhaupt ein Krankenhaus zu erreichen. Manche schaffen es nicht bis dorthin. Das bricht mir das Herz. Darum ist Mercy Ships so wichtig.
Du bringst deutsche Ausbildung und madagassische Wurzeln mit. Wie siehst Du deine Rolle auf dem Schiff?
Als Brückenbauerin. In der Anästhesie ist Sprache unglaublich wichtig. Patienten haben Angst, wenn sie nicht verstehen, was passiert.
Ich kann ihnen Sicherheit geben. Ich kann erklären, übersetzen, ihnen die Hand halten. Ich kann ihnen zeigen: Du bist nicht allein. Du kannst mir vertrauen.
Das ist für mich das Schönste an diesem Einsatz.
Vielen Dank, Vanessa, für Deinen Einsatz und dieses Gespräch!
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interviewte Vanessa Body zu ihrem Einsatz auf der Africa Mercy.
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