Tresor ist die Welt nicht mehr verschlossen

Der aufgeweckte Tresor kam wegen seines Grauen Stars in der Schule nicht mehr zurecht. Seine Mutter befürchtete, dass er jetzt sein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein würde. Aber eine kostenlose Operation auf der Africa Mercy öffnete ihm wieder die Augen und damit die Türen zu einer selbstbestimmten Zukunft.

Junger Grauer Star Patient nach OP mit Augenbinde und Mutter

Tresors Hände umklammern die Augenbinden, die gerade noch um seinen Kopf geschlungen waren. Der kleine Junge kneift die Augen fest zusammen. Auch als die Krankenschwester ihn freundlich ermutigte, wagte er sich nicht aus der vertrauten Dunkelheit. Es dauerte ein paar Minuten – und wer weiß, was seine Mutter ihm dabei zuflüsterte – bis der aufgeweckte Junge vorsichtig zu blinzeln beginnt.

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Seine Mutter war starr vor Angst

Doch dann, kaum hat er die Lider einen Spalt breit geöffnet, werden seine Augen ganz groß. Es kommt ihm vor wie ein Wunder. Ungläubig streckt er die Hand nach dem Spielzeugauto aus, das er plötzlich klar und deutlich vor sich sehen kann. „Eins, zwei, drei, vier, fünf!“. Tresor zählt lachend die ausgestreckten Finger seiner Mutter Larissa. Larissa drückt ihn fest an sich und seufzt erleichtert.

„Ich hatte richtig Angst vor der OP“, sagt Larissa. „Wie würden seine Augen danach aussehen? Würde er wieder sehen können? Was wäre wenn nicht? – Aber jetzt bin ich nur erleichtert. Er kann alles ganz genau erkennen. Es ist wirklich ein Wunder.“

In der Schule fällt auf, dass Tresor schlecht sieht

Als Tresor ein paar Monate zuvor in die Schule gekommen war, bemerkte Larissa plötzlich, dass ihr ihr pfiffiger Sohn Schwierigkeiten beim Sehen hatte. Das Lesen und Schreiben fiel ihm schwer und es kam immer wieder vor, dass er beim Gehen ins Stolpern kam.

„Er war ein richtiger Lausebengel, temperamentvoll und nicht auf den Mund gefallen,“ beschreibt ihn Dr. Glenn Strauss, der ehrenamtliche Augenchirurg, der Tresor behandelte. „Wahrscheinlich ist er deshalb zunächst mit seiner Einschränkung ganz gut zurechtgekommen. Aber als er in der Schule nicht sah was an der Tafel stand, konnte er seine Schwäche nicht mehr überspielen.“

Eine Zeitlang schaffte er noch den schmalen, felsigen Bergpfad nach Hause. So konnte er immerhin in die Schule gehen und mit seinem besten Freund, Sammy, spielen. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis der Graue Star seine Augen immer stärker eintrüben würde. Der Weg zur Schule wurde für ihn zu einem lebensgefährlichen Unterfangen. Aber ohne Schulbesuch wäre er zu einem Leben in Armut verurteilt gewesen.

Zusehen zu müssen, wie ihr einziges Kind nach und nach erblindete, war für Larissa fast nicht zu ertragen.

Sie ernährt ihre Familie indem sie kocht und Essen auf dem Markt verkauft – eine anstrengende Arbeit, bei der sie fast rund um die Uhr beschäftigt ist. Seit Tresors Geburt träumte Larissa davon, dass er es einmal besser haben sollte. Der Graue Star drohte nun die ganzen Träume über den Haufen zu werfen.

„Als ich die Diagnose hörte, war ich so niedergeschlagen,“ erinnert sich die Mutter. „Es fühlte sich an, als würde ein Teil in meinem Inneren absterben. Ich wusste ja, dass sehen zu können, eines der wichtigsten Dinge im Leben überhaupt ist. Ich konnte einfach nicht glauben, dass das meinem Kind passieren könnte.“

Larissa war wie erstarrt. Sie konnte sich die nötige Augen-OP bei weitem nicht leisten. „Ich konnte nicht mehr denken und habe fast nichts mehr gegessen. Jede Mutter wünscht sich doch, dass ihr Kind Glück im Leben hat.“ Sie fragte sich damals, ob Tresor jetzt immer auf Unterstützung angewiesen und ihr größter Schatz damit ünftig vor allem eine große Last sein würde.

Tresors Lehrerin erzählte der verzweifelten Mutter von Mercy Ships.

Larissa ging mit ihrem Sohn zur Voruntersuchung und nicht viel später an Bord der Africa Mercy. Trotz aller Ängste war die 20-minütige Augen-OP ein voller Erfolg. Das Tresor danach wieder so schnell und so gut sehen konnte, war vor allem seiner Jugend und dem Umstand zu verdanken, dass der Star recht frühzeitig behandelt wurde. Tresor bemerkte von Tag zu Tag, an dem er seine „neuen“ Augen benutzte, wie sein Sehvermögen sich verbesserte.

Dr. Glen Strauß sagt dazu: „Grauer Star führt unter anderem dazu, dass sich die Nervenbahnen zum Gehirn nicht richtig entwickeln. Das führt gerade bei jüngeren Kindern dazu, dass es manchmal nach der OP mehrere Wochen braucht, bis sie tatsächlich wieder sehen können. Wenn der Graue Star über mehrere Jahre unbehandelt bleibt, kann es sein, dass sich trotz deutlicher Verbesserungen, das vollständige Sehvermögen nie mehr einstellt.“

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Dieser Umstand macht deutlich wie wichtig Augenoperationen schon im Kindesalter sind. Zahllose Blinde Menschen, könnten geheilt, ihr Augenlicht gerettet und ihre Lebensperspektive verbessert werden, wenn mehr Menschen Zugang zu dringend erforderlicher medizinischer Behandlung hätten.

Tresor hatte Glück. Seine Behandlung bei Mercy Ships führte dazu, dass er schnell in das normale Leben eines aufgeweckten Jungen zurückehren konnte. Schon nach ein paar Wochen ging er wieder zur Schule und konnte lesen, schreiben und spielen, ohne dass ihn irgendetwas beeinträchtigte.

„Er schreibt jetzt so schön und ich freue mich so unglaublich darüber“, strahlt Larissa. „Jetzt glaube ich wieder fest daran, dass er eine gute Arbeit bekommen kann und es einmal nicht so schwer haben wird, wie ich. Danke Mercy Ships.“

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Markus Wittmer
Markus Wittmer
Markus Wittmer berichtet als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit regelmäßig über die Hilfseinsätze und Entwicklungszusammenarbeit von Mercy Ships.

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