Neues Ausbildungsprogramm in der Anästhesiepflege führt zu nachhaltigen Verbesserungen im Gesundheitswesen

Sierra Leone

Mit einem wegweisenden Projekt zur Unterstützung des chirurgischen Fachpersonals in Sierra Leone hat Mercy Ships in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und der Universität von Sierra Leone eine Ausbildung für das Diplom in Anästhesiepflege eingerichtet. 

Die Initiative hat zum Ziel, die chirurgische Versorgung im Land zu verbessern, indem spezialisierte Anästhesiepflegekräfte ausgebildet werden. So soll sichergestellt werden, dass die Verbesserungen im Gesundheitswesen auch dann bestehen bleiben, wenn Mercy Ships Freetown verlässt.

Suzanne Thomas, Leiterin für Bildungs- und Schulungsprogramme sowie Interessenvertretung in Sierra Leone bei Mercy Ships, hob die gemeinsamen Bemühungen hervor, die zur Einführung des Programms führten. „Die Partnerschaft zwischen Mercy Ships, der Universität von Sierra Leone und dem Gesundheitsministerium, ist sehr wichtig. Sie ist entscheidend für die Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Herausforderungen im Gesundheitswesen.“

„Das Ausbildungsprogramm für Krankenschwestern und -pfleger in der Anästhesie wurde speziell von unseren Partnern im Gesundheitsministerium angefordert, da sie den dringenden Bedarf an mehr ausgebildeten Anästhesiefachkräften in den staatlichen Krankenhäusern erkannt haben.“ – Suzanne Thomas

Alarmierende Zahlen in Sierra Leone

In Sierra Leone gibt es nur etwa 0,1 Anästhesisten pro 100.000 Einwohner, was bedeutet, dass es lediglich einen Anästhesisten pro einer Million Menschen gibt. Dies liegt weit unter der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die 20 Anästhesisten pro Million Einwohner empfiehlt.

Rund 90 % der chirurgischen Eingriffe werden ohne ausgebildete Anästhesisten durchgeführt, was das Risiko von Komplikationen erhöht, besonders bei Patienten, die sehr dringend eine Operation benötigen. In Sierra Leone kann die Sterblichkeitsrate nach großen Operationen bis zu 5 % betragen, was deutlich höher ist als in wohlhabenderen Ländern.

Hoffnung für das Gesundheitswesen

Diese besorgniserregenden Zahlen zeigen die Herausforderungen, mit denen viele Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen konfrontiert sind, insbesondere in Sierra Leone. Dort wird die Ausbildung von Anästhesiefachkräften als besonders wichtig angesehen.

Ein neues Ausbildungsprogramm hat im April 2024 mit 20 ausgewählten Studenten aus ganz Sierra Leone begonnen. Diese Studenten haben bereits Erfahrung in der Krankenpflege und sind sehr motiviert, sich in der Anästhesie zu spezialisieren. Der Lehrplan umfasst sowohl Theorie als auch Praxis. Die erste Ausbildung findet im Simulationszentrum auf der Global Mercy statt.

Ein gemeinsames Ziel

Josefin Tapper, eine ehrenamtliche Anästhesie-Teamleiterin auf dem Hospitalschiff, arbeitet eng mit den medizinischen Fachkräften zusammen, die zur Ausbildung an Bord kommen. „Es ist eine Bereicherung, sie an Bord zu haben und sich über Fachkompetenzen auszutauschen.“
„Ich denke, das ist der richtige Weg, wenn man nachhaltig etwas in den Ländern, in denen wir tätig sind, verändern will: Mentor sein, ausbilden, sich für unsere Kollegen hier einsetzen, damit sie ihre Arbeit besser machen können.” – Suzanne Thomas
 

Einer der Dozenten, der die Ausbildung unterstützt, Hailemariam Kasim, ist Assistenzprofessor für Anästhesiologie an der Universität von Dilla, Äthiopien, und Anästhesieberater mit mehrjähriger akademischer und Forschungserfahrung.

Verbesserung des Gesundheitssystems

„Das Anästhesieprogramm für Krankenschwestern und -pfleger in Sierra Leone ist ein Lichtblick, da es den großen Mangel an chirurgischen Fachkräften angeht und direkt dazu beiträgt, die hohe Belastung durch chirurgische Erkrankungen im Land zu reduzieren“, erklärt Kasim. „Dieses Programm zielt nicht nur auf die Ausbildung ab, sondern auch auf die Befähigung einer neuen Generation von medizinischen Fachkräften, die eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung des Gesundheitssystems in Sierra Leone spielen und eine sichere chirurgische Versorgung für alle zugänglich machen werden.“

Dr. Sandra Lako, Landesdirektorin von Mercy Ships in Sierra Leone, betont die Bedeutung des Programms:

„Sierra Leone hat eine Bevölkerung von über 8 Millionen Menschen, es gibt jedoch nur etwa 50 Anästhesiepflegekräfte und zwei Anästhesiologen im öffentlichen Gesundheitswesen. Der geschätzte Bedarf liegt bei mindestens 200 Anästhesiefachkräften. Durch die Ausbildung einer ersten Gruppe von 20 Pflegekräften und die Planung weiterer Auszubildenden wollen wir einen erheblichen Beitrag zum Fachkräftemangel leisten“ – Dr. Sandra Lako
 

Die Zukunft sichern

Mercy Ships wird das Programm drei Jahre lang unterstützen und stellt dafür unter anderem zwei Dozenten für die Anästhesieausbildung. Diese Dozenten werden nicht nur die Studierenden ausbilden, sondern auch einheimische Lehrkräfte schulen, um eine nachhaltige Ausbildungsinfrastruktur zu schaffen. So werden auch in den kommenden Jahren qualifizierte Anästhesisten ausgebildet. Das Schulungsprogramm für Anästhesiefachkräfte von Mercy Ships unterstützt die chirurgische Versorgung in den Einsatzländern, und hilft beim Aufbau von Expertise, auch nachdem Mercy Ships den Einsatz in dem Land beendet hat.

Warum hier, warum jetzt?

In Sierra Leone haben mehrere Ereignisse in der jüngeren Geschichte zu erheblichen Herausforderungen für das Gesundheitssystem geführt, wie z. B. ein katastrophaler Bürgerkrieg von 1991 bis 2002, in dem Krankenhäuser, Kliniken und medizinische Einrichtungen zerstört wurden. Im Jahr 2014 kam es dann zu einem schweren Ebola-Ausbruch, der die Entwicklung des Landes weiter belastete. Sierra Leone hat zwar Fortschritte bei der Bewältigung dieser Herausforderungen gemacht, doch die Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung und die Infrastruktur sind immer noch spürbar.

Rund 70 % der Krankenhäuser in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur und Ausstattung für eine sichere Anästhesie, einschließlich der erforderlichen Medikamente und Geräte.

Der Effekt des Schulungsprogramms geht über die unmittelbare Ausbildung hinaus. Die Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass ausgebildete Anästhesiepflegekräfte im ganzen Land eingesetzt werden, insbesondere in ländlichen und unterversorgten Gebieten, in denen es keine Anästhesiefachkräfte gibt und so den Zugang zu sicheren Operationen für Millionen von Menschen in Sierra Leone verbessern. Das Gesundheitsministerium hat sich verpflichtet, diese Studenten einzustellen, was ein entscheidender Schritt ist, um den Fachkräftemangel zu beheben und sicherzustellen, dass ausgebildete Fachkräfte im öffentlichen Gesundheitssystem bleiben, wo sie am meisten gebraucht werden.

Dr. Lako erklärt weitere positive Aspekte dieser Initiative: „Unsere Auswertung in Sierra Leone zeigte einen großen Mangel an chirurgischen Fachkräften. Insbesondere in der Anästhesie ist der Mangel an Pflegekräften eklatant. Indem wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um diesen Bedarf zu decken, bilden wir nicht nur Einzelpersonen aus, sondern bauen ein System auf, das sich selbst tragen und weiter wachsen kann.“

„Unsere Auswertung in Sierra Leone zeigte einen großen Mangel an chirurgischen Fachkräften. Insbesondere in der Anästhesie ist der Mangel an Pflegekräften eklatant. Indem wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um diesen Bedarf zu decken, bilden wir nicht nur Einzelpersonen aus, sondern bauen ein System auf, das sich selbst tragen und weiter wachsen kann.“ – Dr. Sandra Lako

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Dominic Pithan

berichtet über den Einsatz von Mercy Ships in Sierra Leone.

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