Einfach mal machen

Miriam Thöne über ihren Einsatz bei Mercy Ships und den Mut, Neues zu wagen

Bereits mit acht Jahren wusste Miriam Thöne aus Nordrhein-Westfalen, dass sie Krankenschwester werden wollte – ein Wunsch, der sie ihr Leben lang begleitet hat. Trotz aller Veränderungen im Gesundheitswesen sagt sie heute: ‚Ich würde mich immer wieder für diesen Beruf entscheiden. Es ist nach wie vor meins.‘

Mit Ende 50 erfüllte sie sich schließlich einen langgehegten Traum: Sie ging an Bord bei Mercy Ships, um Menschen in Not zu helfen. Im Interview erzählt sie, was die Arbeit auf dem Hospitalschiff so besonders macht.

Liebe Miriam, wie kam es dazu, dass Du Dich für einen Einsatz bei Mercy Ships entschieden hast?

Auf einer Fortbildung in Berlin hörte ich von Mercy Ships – eine Krankenschwester berichtete und hatte Infomaterial dabei. Als junge Frau hatte ich den Wunsch, mich in einem sozialen Projekt wie diesem zu engagieren, aber es kam immer etwas dazwischen: Erst das Studium, dann habe ich geheiratet, dann kamen die Kinder, Corona, ein Krankheitsfall in der Familie. Und als die Kinder dann aus dem Haus waren, habe ich doch noch ein bisschen gebraucht. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich mich entschieden hatte. Dabei ging es mir nicht darum, ob ich die Erfahrung machen möchte, sondern viel mehr, ob ich es mir zutraue. Jetzt ist es schon der zweite Einsatz, von dem ich gerade zurückkomme. 2022 war ich mit Mercy Ships im Senegal und habe dort hauptsächlich in der Frauenheilkunde gearbeitet und dieses Jahr war ich von Oktober bis Ende November auf der Africa Mercy in Madagaskar im Einsatz.

Was hast Dich letztendlich überzeugt, diesen Schritt zu machen?

Es war ein lang ersehnter Wunsch und dann habe ich es einfach gewagt. (lacht).

Wie erlebst Du die Arbeit auf dem Hospitalschiff im Vergleich zu Deinem Alltag in Deutschland?

Es ist ein ganz anderer Ansatz. In Deutschland hat man als OP-Schwester kaum direkten Kontakt zu den Patienten. Sie kommen schlafend in den OP und verlassen ihn genauso. Bei Mercy Ships holen wir die Patienten selbst von der Station ab, sprechen mit ihnen – oft über Dolmetscher – und wir lernen ihre Familien kennen. Diese Nähe und die entgegengebrachte Dankbarkeit sind unglaublich berührend.

Gibt es einen Moment, der Dich besonders bewegt hat?

Es gab viele solcher Momente. Besonders berührt hat mich ein dreijähriges Mädchen, das mehrfach operiert werden musste. Es war so klein und doch so tapfer. Am Ende war die Behandlung erfolgreich. Zu sehen, wie glücklich ihre Familie war, war einfach wunderbar.

Was nimmst Du aus Deinen Einsätzen mit?

Man lernt eine Menge – nicht nur medizinisch, sondern vor allem menschlich. Man wird sich bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben. Hier in Deutschland geht es oft um Zahlen, Effizienz und wirtschaftlichen Druck.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Einsätze reagiert?

Meine Familie und Freunde waren begeistert und haben mich sehr unterstützt. Einige haben sogar gespendet oder sich überlegt, wie sie selbst helfen könnten. Viele waren auch neugierig und wollten wissen, wie es auf dem Schiff abläuft. Ich habe sie durch Berichte und Bilder ein bisschen „mitgenommen“.

Was würdest Du anderen Menschen raten, die über einen Einsatz nachdenken?

Traut euch! Der erste Schritt, sich überhaupt zu bewerben, ist mir lange Zeit nicht leichtgefallen. Aber mit dem Einreichen der Bewerbung nehmen die Dinge ganz automatisch ihren Lauf. Die Arbeit auf dem Schiff selbst ist nicht überfordernd, sondern gut machbar. Und ja, es erfordert schon auch Mut. Aber wenn du es nicht versuchst, weißt du nie, was du verpassen könntest. Außerdem ist der Umgang an Bord unglaublich wertschätzend und die Dankbarkeit der Patienten gibt einem so viel zurück.

Dein Fazit: Was macht Mercy Ships so besonders?

Es ist die Kombination aus Menschen aus verschiedenen Kulturen, die zusammenarbeiten und dem gemeinsamen Ziel, medizinischen Zugang zu ermöglichen, den die Menschen sonst nicht hätten. Es ist eine Zeit, die einen für immer prägt.

Liebe Miriam, vielen Dank für das Gespräch und für die wertvollen Einblicke in Deine Arbeit! Deine Erfahrungen und Deine Leidenschaft für Mercy Ships sind unglaublich inspirierend. Wir danken Dir für deinen Einsatz und wünschen Dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg!

Werden auch Sie Teil unserer ehrenamtlichen Crew!

Menschen wie Miriam sind Herz und Motor von Mercy Ships. An Bord unserer Hospitalschiffe werden nicht nur ehrenamtliche Fachkräfte im medizinischen Bereich gesucht. Von der Kantine bis zum Kapitän sind vielfältigste Berufsfelder gefragt und für den zuverlässigen Betrieb der Schiffe unabdingbar. Nur gemeinsam als Team wird ein Hilfseinsatz zum Erfolg – nur zusammen können wir Hoffnung und Heilung zu den Ärmsten der Armen bringen.

Sie haben Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit an Bord?

Wir stehen Ihnen für alle Ihre Fragen gerne telefonisch unter 0 8191 98550-14 zur Verfügung. Mehr zu unseren Stellenangeboten finden Sie hier.

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Vanessa Body im TV

Vanessa Body wurde in Madagaskar geboren, machte in Bad Tölz eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet heute am Uniklinikum München. Im letzten Jahr erfüllte sie sich einen Jugendtraum und kehrte mit Mercy Ships in ihr Heimatland zurück, um auf der Africa Mercy ihren Landsleuten zu dienen. In diesem Monat war sie Talk-Gast in der BR Abendschau und berichtete live über die Arbeit auf dem Hospitalschiff.

„Hier gehöre ich hin.“

„Das ist mein erster Einsatz“, erzählt Ellen-Tabea Schmid (27), die in Konstanz als Radiologieassistentin arbeitet. Für ein halbes Jahr hat sie auf der Global Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Welt, mitgearbeitet. Gerade ist sie von ihrer Reise zurückgekehrt. Sie gibt zu: Die ersten Wochen waren überwältigend – unzählige Informationen, neue Abläufe, unbekannte Strukturen. Heute jedoch merkt sie, wie sehr sie in diesen Rhythmus hineingewachsen ist und wie sehr diese Zeit sie geprägt und verändert hat.

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Bild von Stefanie Odersky
Stefanie Odersky

interviewte Miriam Thöne über ihren Einsatz auf der Africa Mercy.

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