„Hier gehöre ich hin“

Von einem zögerlichen Gebet zu bewegenden Begegnungen

„Das ist mein erster Einsatz“, erzählt Ellen-Tabea Schmid (27), die in Konstanz als Radiologieassistentin arbeitet. Für ein halbes Jahr hat sie auf der Global Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Welt, mitgearbeitet. Gerade ist sie von ihrer Reise zurückgekehrt. Sie gibt zu: Die ersten Wochen waren überwältigend – unzählige Informationen, neue Abläufe, unbekannte Strukturen. Heute jedoch merkt sie, wie sehr sie in diesen Rhythmus hineingewachsen ist und wie sehr diese Zeit sie geprägt und verändert hat.

Ein kleines Team, große Verantwortung

In der Radiologie ist Ellen-Tabea Teil eines kleinen Teams. Zu zweit begannen sie, doch schon nach einer Woche musste ihre Kollegin aus persönlichen Gründen abreisen. Plötzlich war die 27-Jährige ganz allein für die Abteilung verantwortlich. „Das war eine sehr intensive Zeit“, erzählt sie. Viele Extraaufgaben, viele neue Herausforderungen, ein Alltag, der sie anfangs an ihre Grenzen brachte. Doch genau in dieser Phase lernte sie, flexibel zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu haben.

Ein Weg, der sich Schritt für Schritt öffnete

Ellen-Tabeas Entscheidung für Mercy Ships war kein spontaner Impuls, sondern ein Weg voller Fragen, Zerrissenheit und Gebet. Sie wollte lernen, Gott mehr zu vertrauen, und bat darum, dass sich Türen schließen mögen, wenn es nicht der richtige Weg wäre. „Heute weiß ich: Ich bin hier am richtigen Ort“, sagt sie.

Über Mercy Ships erfuhr sie eher zufällig während einer Nachtschicht im Krankenhaus. In ihrer Pause begann sie zu recherchieren, wie sie ihre Fähigkeiten und Talente weiterentwickeln könnte. Ihr Vater hatte irgendwann einmal von Hospitalschiffen erzählt – der Gedanke ließ sie seitdem nicht mehr los, und ihre Recherche führte sie schließlich zu Mercy Ships. Als die Zusage kam, war ihr klar: Das ist ein Zeichen. Gott führte sie wortwörtlich aufs Wasser und jetzt durfte sie vertrauen.

Alltag zwischen Andacht, Diagnostik und Improvisation

Die Tage auf dem Schiff beginnen für Ellen-Tabea ruhig: mit einem leckeren Frühstück und mittwochs mit einer gemeinsamen Andacht, den „Devotionals“. Für Ellen-Tabea ist das ein wertvoller Moment, um Kraft zu sammeln.

Danach geht es in die Radiologie. Dort begegnet sie selten Fällen „nach Lehrbuch“. Patienten mit schweren Verbrennungen oder Kinder mit Fehlstellungen brauchen individuelle Lösungen. „Wir müssen oft kreativ werden“, erzählt sie. „Manchmal geht es nur so, wie es eben geht.“

Gerade diese Mischung aus Fachwissen, Improvisation und Nähe zu den Patienten macht ihre Arbeit auf dem Schiff für sie so bedeutungsvoll.

Begegnungen, die bleiben

Ein Erlebnis hat Ellen-Tabea besonders berührt: Ein Teenager kam mit einem großen Tumor im Gesicht an Bord. Sie begleitete ihn beim CT, später wurde er erfolgreich operiert – der Tumor konnte vollständig entfernt werden. „Ihn danach gesund zu sehen, war unglaublich bewegend. Ich musste viel darüber nachdenken, was er all die Jahre durchgemacht haben muss.“

Doch es sind nicht nur solche großen Momente. Ellen schwärmt auch von den kleinen Szenen, die den Schiffsalltag so besonders machen: Musik und spontaner Tanz im Hope Center oder sechs fröhliche Patienten, die sich lächelnd fünf Stühle teilen, damit niemand stehen muss. „Diese Lebensfreude packt mich jedes Mal“, sagt sie.

Eine Veränderung, die sie mitnimmt

Ellen merkt, wie sehr diese Zeit sie selbst verändert. „Wir in Deutschland denken oft zu kompliziert. Hier sind die Menschen viel offener und unkomplizierter – das tut so gut. Das wünsche ich mir auch für mich.“

Gerade der ganzheitliche Ansatz von Mercy Ships überzeugt sie: moderne Technik, umfassende Nachsorge, Schulungen für lokale Fachkräfte und seelsorgerliche Begleitung. „Das macht die Arbeit hier so besonders und nachhaltig.“

Ein Rat für alle, die überlegen

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, sich ebenfalls zu bewerben, hat Ellen-Tabea einen klaren Rat: „Geht ins Gebet – und dann einfach los. Eine Freundin hat mir einmal einen guten Rat gegeben: Ein fahrendes Auto lässt sich leichter lenken als ein stehendes.“

Sie selbst hätte früher nie gedacht, dass sie im medizinischen Bereich landen oder gar auf einem Hospitalschiff arbeiten würde. Doch rückblickend erkennt sie den roten Faden und Gottes Wirken: Jeder Schritt hat sie genau hierhergeführt.

Eine Berufung, die gewachsen ist

Was als Unsicherheit begann, hat sich für Ellen-Tabea zu einer Berufung entwickelt. „Früher wusste ich nicht, wohin mein Weg führt. Jetzt sehe ich klar, dass Gott mich hierhergeführt hat. Ich bin dankbar, Menschen helfen zu dürfen.“

Vielen Dank, Ellen-Tabea, für Deinen Einsatz und dieses Gespräch!

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Bild von Stefanie Odersky
Stefanie Odersky

interviewte Ellen-Tabea Schmid zu ihrem Einsatz auf der Global Mercy.

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