„Sie vertrauen uns …“
Christina Schwander, Leitung zahnärztliches Team auf der Global Mercy, darüber, was sie bewegt
Die ersten zehn Monate ihres zweijährigen Einsatzes sind bereits vergangen. Christina Schwander aus Mainz leitet seit August 2024 das Zahnärzte-Team auf der Global Mercy. Während das Hospitalschiff gewartet wurde und eine Sommerpause einlegte, nutzte Christina die Zeit, um neue Kraft zu sammeln, bevor es zurück nach Sierra Leone ging. Im Interview mit uns zieht sie eine Zwischenbilanz über das bisher Erlebte.
Christina, wie geht es Dir nach den ersten zehn Monaten im Einsatz?
Mir geht es gut, danke! Ich bin sehr zufrieden mit dem zurückliegenden Einsatz, wir konnten vielen Patienten helfen. Jetzt, in der Sommerpause, tut es mir auch sehr gut, durchzuatmen. Mein Alltag an Bord ist immer vollgepackt. Es gibt ständig Programm, auch nach der Arbeit. Manchmal ist es gar nicht so einfach, einen guten Ausgleich zu finden. Gleichzeitig tut mir das Leben in Gemeinschaft gut.
Wie sieht Dein Arbeitsalltag als Leiterin des zahnärztlichen Teams aus?
Die täglichen Aufgaben sind enorm vielfältig. Mein Arbeitsalltag ist ziemlich voll: Ich muss vieles gleichzeitig im Blick behalten, vorausplanen und trotzdem flexibel bleiben. Es geht viel um Organisation, Kommunikation, Meetings und darum, neue Teammitglieder einzuarbeiten – diese wechseln in meiner Abteilung meist alle zwei Wochen! Natürlich möchte ich auch immer schauen, wie wir unseren Unterricht zur Mundhygiene und unsere Abläufe verbessern können. Das macht meine Rolle sehr spannend und bewegt. Besonders motiviert mich unser tolles Team und natürlich der direkte Kontakt zu den Patienten. Da gibt es häufig sogar lustige, überraschende Begegnungen.
Was sind das für Begegnungen?
Einmal zum Beispiel wurde ein Patient darüber aufgeklärt, dass seine Zähne aufgrund chronischer Entzündungen ein Risiko für seine bevorstehende Operation darstellten. Es handelte sich um kleine Abszesse an den Wurzelspitzen. Auch wenn sie symptomlos waren, bestand das Risiko, dass sich die Bakterien ausbreiten und die Wundheilung beeinträchtigen könnten.
Seine knappe Antwort dazu: „Ich will nicht, und meine Bakterien sind kein Problem für mich.“ – Da mussten wir wirklich schmunzeln.
Oder eine Patientin, die noch nie zuvor auf einem Behandlungsstuhl gesessen hatte: Als wir sie baten, Platz zu nehmen, war sie offenbar so aufgeregt, dass sie nicht nur auf den Stuhl stieg, sondern auch versuchte, die Rückenlehne zu erklimmen!
„Immer aber berührt mich auch das pure, hingebungsvolle Vertrauen so vieler Patienten in unsere Arbeit.“
– Christina Schwander
Wie organisierst Du die Zusammenarbeit im Team – gerade in einem so internationalen Umfeld?
Wir sind sechs bis acht Leute im Dental-Team. Besonders wichtig ist mir eine gute Einführung jedes neuen Teammitglieds, damit niemand mit falschen Vorstellungen startet. Ich habe auch mal eine Stunde über Interkulturalität organisiert. Zu verstehen, dass wir alle ungeschriebenen Regeln folgen, die je nach Herkunftskultur allerdings völlig anders aussehen, war sehr augenöffnend. So verschieden wir auch sind, mit Empathie und viel Kommunikation arbeiten wir sehr gut zusammen.
Du hast auch mit Kindern an Land gearbeitet. In welchem Zusammenhang hat das stattgefunden?
Ja, das war ein ganz schöner Ausflug! Es war ein einmaliger Besuch in einem Waisenhaus, mit dem Ziel Kindern spielerisch und verständlich zu vermitteln, wie wichtig Zahnpflege ist. Ihre Neugier und Begeisterung waren beeindruckend. Auch unsere kurzen wöchentlichen Vorträge vor Kindern und Erwachsenen im HOPE-Center sind Highlights für mich. Prävention ist wirklich die halbe Miete und der Wissensdurst vor Ort ist groß.
Gibt es einen Moment, der Dich besonders bewegt hat?
Ja! Das war ein Patient, mit dem wir über mehrere Termine an einer Prothese gearbeitet haben, um ein Ulcus, also ein Loch, im Gaumen abzudecken. Durch seinen langen Krankenhausaufenthalt und seine schwere Geschichte ist er mir besonders ans Herz gewachsen. Der Moment, als wir die fertige Platte eingesetzt haben, ihm einen Becher Wasser gereicht und er zum ersten Mal nach vielen Monaten wieder normal trinken konnte – dieser Moment hat mich sehr gerührt.
Kannst Du diesen Satz vervollständigen? Mercy Ships ist für mich…
Zu einem Ort des Wachstums geworden: beruflich und persönlich. Hier kann ich mich maximal für andere entfalten.
Liebe Christina, danke, dass Du uns an Deiner Reise teilhaben lässt und mit so viel Herzblut, Hoffnung und Heilung bringst. Wir wünschen Dir weiterhin Kraft, Freude und viele bereichernde Begegnungen auf Deiner nächsten Etappe an Bord der Global Mercy
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interviewte Christina Schwander über ihren Einsatz auf der Global Mercy.
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