Paul kann sein Schicksal in beide Händen nehmen
Mit drei Jahren erlitt Paul Bernard bei einem Unfall schwere Verbrennungen, so dass er seinen rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. Eine plastische OP auf der Africa Mercy brachte Hoffnung und Beweglichkeit zurück.
Schwül war es und heiß. Der dreijährige Paul Bernard und sein Cousin schliefen. Eine Nacht wie jede andere. Pauls Cousin mag vielleicht schlecht geträumt haben, jedenfalls stieß er im Schlaf eine Kerosinlampe um, die in der Nähe stand. Im Nu stand die Matratze in Flammen und rund um die beiden Jungen brannte es lichterloh.
Paul versuchte vergeblich das Feuer mit seinen Händen zu löschen. Ohne Erfolg aber stattdessen mit schweren Verbrennungen im Gesicht, an seinen Armen und seinem ganzen Oberkörper. Nach zwei langen Jahren waren die Wunden endlich verheilt, jedoch hatten die entstandenen riesigen Narben zur Folge, dass der Junge seine Ellenbogen nicht mehr bewegen und dadurch besonders den rechten Arm kaum noch benutzen konnte.
Paul wollte nicht mehr in die Schule gehen, weil er sich schämte
Bis zu seinem elften Lebensjahr bemühte sich Paul auch ohne diesen Arm im Leben zurechtzukommen. Sensibel, wie er aber war, litt er jahrelang unter Schamgefühlen. Seine Mutter, Estelle, kann sich noch gut erinnern, wie er im Bus von fremden Menschen verspottet wurde. Auch viele Kinder auf der Straße lachten ihn aus. Doch Paul ertrug es mit Gleichmut und ohne nach Außen hin seine Freundlichkeit zu verlieren.
"Ich glaube, dass aus Paul ein Mann Gottes wird. Er ist tapfer und mutig. Kein anderes Kind wäre mit der Situation, glaube ich, so zurechtgekommen wie Paul. Er ist so freundlich und liebt die Menschen", sagt Estelle.
Paul blieb, um dem Spott zu entgegen, lange Zeit zu Hause, statt in die Schule zu gehen. Dadurch kam er mit dem Stoff nicht hinterher und seine Familie war besorgt, dass er das Versäumte nie wieder aufholen könnte. Schließlich ließ er sich überzeugen, den Unterricht wieder zu besuchen. Voll Freude stellte die Familie fest, dass es ihrem Sohn leicht fiel, den Stoff aufzuholen. Aber sein messerscharfer Verstand nützte ihm wenig, seinen beruflichen Traum zu verwirklichen. Paul wollte Schreiner werden. Aber dafür würde er beide Arme benötigen.
Über das Radio erfuhr seine Familie von der Africa Mercy
Aber eines Tages fand über das Radio ein Gefühl den Weg zu Pauls Familie, das lange Zeit verloren schien – Hoffnung.
Pauls Großvater verbrachte jeden Tag viel Zeit am Radio. Aufgeregt berichtete er: „Ein Schiff kommt nach Kamerun und es bietet kostenlose Operationen an!“ Was für eine Freude. Sofort meldete die Familie Paul zur Voruntersuchung an und wartete aufgeregt, ob Pauls Arm auf der Africa Mercy operiert werden könnte.
„Die Spannung war kaum auszuhalten“, berichtet Estelle im Rückblick, „aber es blieb nichts anderes übrig, als geduldig zu warten; und tief im Innersten hatte ich immer einen Funken Hoffnung.“
Wenige Monate später wurde die Hoffnung Wirklichkeit. Pauls Oma brachte ihn zur Africa Mercy. Dort wurde das Narbengewebe des Jungen operativ entfernt und durch gesunde Haut ersetzt. Man kann sich vorstellen, wie begeistert Paul war, als er, nachdem ihm die Verbände abgenommen worden waren, beide Arme durchstrecken konnte. Etwas, das er sich sieben Jahre lang sehnlichst gewünscht hatte.
Seine Mutter erkennt Pauls Arm nach der Operation kaum wieder
Estelle kam ihn nach ein paar Wochen auf der Africa Mercy besuchen, und auch sie konnte kaum glauben, was sie sah: “Bei einem Verbandswechsel habe ich seinen Arm zum ersten Mal nach der Operation gesehen. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut! Es war kaum zu glauben, wie sehr sich Paul dadurch verändert hat.“
Aber noch gab es einiges zu tun. Bei der Reha legte sich Paul mächtig ins Zeug. Ob beim Basketball, bei den Dehnübungen oder beim feinmotorischen Training, Paul war mit Feuereifer und viel Freude bei der Sache.
“Jetzt kann er seinen Ellenbogen fast ganz normal bewegen“, sagte Chelsea Darlow, die ehrenamtliche Ergotherapeutin kurz bevor er das Schiff verließ. „Das Bisschen, das noch fehlt, wird ihn im Alltag nicht einschränken. Er kann jetzt machen, wozu er Lust hat: Er kann in der Schule schreiben, malen und zeichnen. Und später kann er jeden Beruf ausüben, der ihm gefällt.“
Dem Wunsch Schreiner zu werden steht nun nichts mehr im Weg
Zurück zu Hause erinnert sich Paul oft an Chelseas Worte. Er geht wieder zur Schule und kann ohne Probleme bei allen Aktivitäten mitmachen. Außerdem hilft er fleißig im Haushalt. Am schönsten ist es für ihn, jetzt ganz normal mit seinen Freunden spielen zu können.
Und was seinen Berufswunsch angeht: Auch hier kann Paul jetzt sein Schicksal in beide Hände nehmen.
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