Vorfreude auf eine besondere Familienzeit

Stefan Jäger wird mit seiner Frau Ann-Kathrin und Sohn Lukas für einen Einsatz zur Africa Mercy reisen. Im Interview berichtet er über Vorfreude und Vorbereitung.

Familie Jäger lebt in Hamburg. Stefan und Ann-Kathrin waren schon häufiger auf der Africa Mercy im Einsatz, doch eine Premiere steht Ihnen noch bevor: Im Januar werden sie ihren kleinen Sohn Lukas mitnehmen und das erste Mal als Familie für knapp drei Monate an Bord dienen. Im Interview berichtet Stefan Jäger über Vorfreude und Vorbereitung.

Stefan, wie kam es dazu, dass ihr euch für einen Einsatz auf der Africa Mercy entschieden habt?

Mit Mercy Ships verbindet uns eine lange Geschichte. Meine Frau und ich hatten uns bereits bei der Organisation beworben, als wir noch gar nicht verheiratet waren! Damals hatte es aus verschiedenen Gründen für uns beide aber nicht geklappt. Erst nach unserer Hochzeit bekam ich eine Nachricht: Es würde dringend ein Elektriker gesucht! Ob ich für einen Einsatz immer noch zur Verfügung stände?

Natürlich wollte ich nicht ohne meine Frau reisen, und auch für Ann-Kathrin gab es eine Stelle an Bord. Sie ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und ich bin Elektromeister, das passte super. So reisten wir schließlich 2015 nach Madagaskar. Das war unser erster Einsatz mit Mercy Ships, aber nicht der letzte!

Was hat euch damals bewegt, euch für einen Einsatz zu bewerben?

Wir finden es cool, Menschen mit den Fähigkeiten zu helfen, die wir von Gott geschenkt bekommen haben. Als Christen spielt für uns Nächstenliebe natürlich eine Rolle! Bei mir persönlich war es zudem die Faszination für Schiffe. Ich habe in Wismar studiert und bereits als Elektriker auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Aber nachdem ich eine eigene Familie gegründet hatte, kam das für mich nicht mehr in Frage. Man ist dann einfach zu lange auf See…

Apropos Familie: Ihr nehmt das erste Mal euren kleinen Sohn Lukas mit an Bord. Macht man sich da als Eltern keine Sorgen?

Wir kennen ja das Leben an Bord und wissen, dass man dort sehr geschützt ist. Es gibt eine Security, sauberes Wasser, eine Klimaanlage und auch Ärzte für die Crew. Außerdem ergreifen wir natürlich Vorsichtsmaßnahmen, die genauso für Erwachsene gelten: Impfungen, Gesundheitschecks und ganz praktisch zum Beispiel Mückenschutz!

Wir sehen den Aufenthalt als Familie viel mehr als Chance. Wenn Ann-Kathrin und ich gemeinsam an Bord waren, hatten wir oft viel mehr Zeit füreinander als in Deutschland. Da man auf dem Schiff sowohl arbeitet als auch lebt, läuft man sich häufiger über den Weg, man isst zusammen zu Mittag, zu Abend, trifft sich auf einen Kaffee… Deswegen gefällt uns Mercy Ships eben so gut, weil es uns die Chance gibt, auch als Ehepaar Menschen zu dienen, jeder mit seinen Fähigkeiten und in seinem Beruf.

Was Lukas angeht, wird es sicherlich auch für ihn eine bereichernde Erfahrung, andere Kinder an Bord aus anderen Kulturen kennenzulernen.

Wie wird denn euer Alltag auf dem Schiff aussehen?

Ich werde als Elektriker im Technikbereich arbeiten. Das heißt, ich kümmere mich um die Stromversorgung und einen Großteil der elektrischen Geräte an Bord. Dass während einer Operation nicht der Strom ausfällt ist in Afrika keine Selbstverständlichkeit! Glücklicherweise sind wir auf dem Schiff autark.

Meine Frau Ann-Kathrin wird das erste Mal nicht als Krankenschwester arbeiten, sondern sich um unseren Sohn kümmern. Da sie normalerweise auf der Intensivstation der Herzchirurgie arbeitet, bringt sie aber viel Expertise mit und wird diese sicherlich an der einen oder anderen Stelle einbringen können – sie kennt sich auf der Africa Mercy ja auch schon gut aus und könnte spontan unterstützen.

Worauf freut ihr euch am meisten?

Die Crew an Bord der Africa Mercy ist für uns wie eine Familie. Ich glaube am meisten freuen wir uns tatsächlich darauf, bekannte Gesichter endlich wieder zu sehen, die momentan oder als Langzeitmitarbeiter an Bord sind. Jeder Einsatz ist anders, und deswegen immer wieder spannend für uns. Es gibt neue Aufgaben, neue Herausforderungen, neue Patienten, andere medizinische Fälle, die für uns Europäer ganz unbekannt sind. Diese Spannung vor dem Einsatz ist immer auch mit viel Vorfreude verbunden.

Drei Monate ist eine recht lange Zeit! Wie habt ihr es geschafft, euch so einen Zeitraum frei zu schaufeln und wie finanziert ihr eure Zeit an Bord?

Die einfache Antwort ist: Elternzeit! Mein Team und mein Arbeitgeber kennen Mercy Ships, ich habe auch schon mal einen Vortrag über meine Einsätze gehalten. Sie sind da positiv von angetan und wissen, dass ich meine Elternzeit nutzen werde, um einen Einsatz zu leisten. Ich glaube, dass wir tatsächlich als Familie eine besondere Zeit erleben werden. Und danach haben wir auch noch etwas freie Zeit zusammen als Familie.

Einen Teil der Kosten an Bord stemmen wir selbst, den anderen Teil können wir dank der Unterstützung von Familie und Freunden finanzieren.

Euer Einsatz wird im April, kurz nach Ostern enden. Was möchtet ihr nach eurem Einsatz erzählen können?

Ich habe ja als Elektriker nicht so viel Patientenkontakt und kann deswegen nicht eine Patientengeschichte nach der anderen raushauen, wie das vielleicht ein Arzt nach seinem Einsatz kann. Und trotzdem weiß ich, wie wichtig meine Unterstützung ist! Bei einem meiner ersten Einsätze ist tatsächlich mal der Strom an Bord ausgefallen. Dabei ist mir bewusst geworden, wie das ganze Leben und Arbeiten an Bord auch von meiner Tätigkeit abhängt.

Das ist es, was ich gerne wieder nach meinem Einsatz erzählen würde, dass wirklich jeder wichtig an Bord ist, egal ob er direkt den Patienten hilft oder im Hintergrund arbeitet. Jeder kann an Bord mit seinen Fähigkeiten und Gaben anderen Menschen dienen. Und wer, es gibt ja viele Gründe dafür, keinen Einsatz durchführen kann, der kann zumindest mit seinen Finanzen einen Beitrag zur Arbeit von Mercy Ships leisten und somit den Menschen in Afrika helfen.

Lieber Stefan, vielen Dank für diesen Einblick!

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Tabea Supplieth
Tabea Supplieth
Als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit berichtet Tabea Supplieth regelmäßig über unsere Arbeit an der Küste Subsahara-Afrikas.

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