Von Mercy Ships zur nachhaltigen Landwirtschaft: Babas Reise

Alle Teilnehmer in unserem Food for Life-Programm nennen Baba, einen 19-jährigen Erdnussfarmer, „King Baba“. Aber dieser König verhält sich nicht hochmütig oder stolz. Stattdessen ist es Babas Ziel, seine Klassenkameraden voranzubringen, damit alle das gleiche Level erreichen. „Er ist ein sehr engagierter Teilnehmer und immer bestrebt, ein gutes Beispiel für das Team zu sein“, sagt Eliphaz Essah, der das Food for Life-Programm von Mercy Ships leitet.

800 Menschen aus neun Ländern wurden seit 2007 im Food for Life-Programm von Mercy Ships geschult. In dem 22-wöchigen Kurs werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Kenntnisse in nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung vermittelt (Mehr Informationen über das Food for Life-Programm finden Sie hier). Ziel ist es, die Teilnehmer zu unabhängigen Erzeugern und Verkäufern von gesunden, nahrhaften Lebensmitteln zu machen. Die gelehrten Methoden zielen besonders darauf ab, Unterernährung zu verhindern und die Gesundheit zu fördern. Gerade im Afrika südlich der Sahara, wo jeder Vierte unterernährt ist, ist dieses Wissen ein unermesslicher Schatz.

Im Rahmen des Kurses werden die Studenten auch darin geschult, andere zu unterrichten. Sie sollen ihr Wissen weitergeben und immer mehr Menschen damit erreichen. Baba schloss den Kurs 2022 als Bester ab. Das hätte er sich vor einigen Jahren niemals vorstellen können. Damals hätte er sich nicht einmal vorstellen können, überhaupt Landwirtschaft zu betreiben.

Der Unfall

Der Tag, an dem Babas Leben eine äußerst unschöne Wendung nahm, begann wie jeder andere. Baba wuchs im Senegal auf. Im Haus seiner Eltern bereitete er gerade das Frühstück zu. Als er den Deckel vom Topf nahm entzündete sich sein Oberteil. Rasend schnell breitete sich das Feuer über beide Arme aus. Babas Nachbarn stürmten herbei, um ihm zu helfen. Es gelang ihnen, das Feuer zu löschen und Baba ins Krankenhaus zu bringen. Dort konnten zwar seine Schmerzen gelindert werden. Doch einen seiner Arme konnte er seitdem nicht mehr benutzen.

Baba stammt aus einer Familie von Erdnussbauern und wuchs in einer Welt auf, in der der Lebensunterhalt durch harte Handarbeit erwirtschaftet wird. Doch nach seinem Unfall wusste er nicht, wie er arbeiten oder für sich selbst sorgen sollte, geschweige denn für eine zukünftige Familie.

Als die Africa Mercy 2019 nach Dakar kam, wurde Baba kostenlos von Mercy Ships operiert. Nach der Operation konnte er seinen Arm und seine Hand wieder benutzen und seine Arbeit als Landwirt wieder aufnehmen. Doch er wollte dazulernen und professioneller werden.  

Bio Bio Bio

Babas Freunde erzählten ihm vom Food for Life-Programm von Mercy Ships, und er beschloss, sich anzumelden. Seine Motivation war nicht nur, selbst ein besserer Landwirt zu werden. Er wollte seinem Heimatort Kaffrine helfen, in dem viele Menschen vom Erdnussanbau leben. Die Kulturpflanze ist in der Region so tief verwurzelt, dass sie im Volksmund als Erdnuss-Schwimmbecken bezeichnet wird.  

„Wir produzieren viel in unserer Region. Aber wir verkaufen unsere Produkte zu sehr niedrigen Preisen „, sagt er. „Dann werden unsere Produkte woanders weiterverarbeitet und wir kaufen sie zu hohen Preisen zurück.“ Baba wollte lernen, wie er, seine Familie und seine Freunde ein angemessenes Stück von diesem Kuchen abgekommen können. Im Oktober 2021 erhielt er dann einen Anruf von einem Food for Life-Koordinator, der ihn offiziell zur Teilnahme am Programm einlud.

 

Dort lernte er alles: von nachhaltiger Landwirtschaft über Geflügel- und Kaninchenzucht bis hin zu den Auswirkungen des Klimawandels und wie senegalesische Farmer darauf reagieren können. „Baba hat nicht nur gelernt, wie man natürliche Ressourcen anbaut, sondern auch, wie man Lebensmittel verarbeitet“, sagte Eliphaz. „Heute ist er in der Lage, Ingwersirup, Joghurt und Säuglingsnahrungsbrei herzustellen, um die schwere Unterernährung in seiner Gemeinde zu lindern.“ Jetzt möchte Baba sein eigenes Unternehmen für die Lebensmittelproduktion gründen. Er möchte auch seinen Nachbarn zeigen, wie man Gemüse anbaut, um es auf dem lokalen Markt zu verkaufen, wie man lokale Produkte wie Ingwer, Bissap und Milch verarbeitet und wie man Geflügel aufzieht. Er möchte seiner Gemeinde beibringen, wie man Lebensmittel auf biologische und nachhaltige Weise anbauen kann.

Bio Bio Bio

Baba weiß, dass dies alles nicht möglich gewesen wäre, wenn er nicht den Mut gehabt hätte, den ersten Schritt zu gehen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Möglichkeit haben würde, mich operieren zu lassen und dann eine Schulung im Bereich Landwirtschaft und Ernährung zu machen“, sagt Baba. „Ich danke Mercy Ships sehr für die Veränderung, die sie in meinem Leben bewirkt haben.“ Babas Geschichte der Heilung und seine harte Arbeit für eine neue Zukunft sind weiterhin eine Inspiration für die Menschen in seinem Umfeld. „Viele seiner Klassenkameraden waren von seinem Zeugnis berührt“, sagt Eliphaz. „Er wurde ein großer Motivator für den Rest der Klasse. Nicht nur das Leben von Baba und seinen Mitschülern hat sich verändert, sondern auch das seiner Freunde, Familie und Nachbarn.  

Mehr Erfolgsgeschichten des Food for Life-Programms finden Sie hier

Letzte Blogposts

freiwillige Friederike Ambacher

Ein einzigartiger Dienst

Als die 25-jährige Kinderkrankenpflegerin Friederike Ambacher aus Tübingen im November 2023 nach Sierra Leone zur Global Mercy reiste, begann für sie ein großes persönliches Abenteuer. Im Interview erzählt sie nun über ihre erste Zeit an Bord, den Arbeitsalltag, die Besonderheiten auf einem Hospitalschiff und ein einzigartiges Weihnachtsfest in Afrika.

Angelika Beyer

Ein Traum – über alle Grenzen hinweg

Als junges Mädchen hörte Angelika Beyer schon früh von Mercy Ships. Aufgewachsen in der DDR, schien der Traum, einmal an Bord des damaligen Hospitalschiffes Anastasis zu gehen, für sie unerreichbar. Doch mit dem Mauerfall änderte sich alles.

freiwillige Friederike Ambacher

Mit Herz und Hingabe

Koffer packen, Abschied nehmen – für vier Monate in eine andere Welt eintauchen. Die 25-jährige Kinderkrankenpflegerin Friederike aus Tübingen geht an Bord der Global Mercy, dem größten zivilen Hospitalschiff der Welt.

Petra Stein

Wegbegleiter auf dem Pfad der Hoffnung

Als ehrenamtliche Krankenpflegerin engagierte sich Petra Stein 2023 für rund drei Monate an Bord des größten zivilen Hospitalschiffes der Welt, der Global Mercy. Wir haben sie zu ihrer Zeit an Bord interviewt und nach ihren persönlichen Eindrücken gefragt.

Tags

TEILEN

Micha Knodt
Micha Knodt

ist als Referent für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit gerne im Austausch mit unseren ehrenamtlichen Fachkräften.

Ähnliche Beiträge

Bringen Sie mit uns Hoffnung nach Afrika!