Erinnerungen fürs Herz

Rückblick: Vier Monate als Krankenschwester in Sierra Leone im Einsatz

Eine intensive, emotionale und erlebnisreiche Zeit liegt hinter der 25-jährigen Kinderkrankenpflegerin Friederike Ambacher aus Tübingen. Rund vier Monate verbrachte sie im ehrenamtlichen Dienst auf der Global Mercy in Freetown. Eine einzigartige Zeit voller tiefer Begegnungen, Momente und neuer Perspektiven – für ihre Patienten, aber auch sich selbst. In einer dreiteiligen Serie haben wir Friederike vor, während und nun auch nach ihrem Einsatz interviewt – dabei gewährt sie uns authentische und berührende Einblicke in das Leben an Bord des weltgrößten, zivilen Hospitalschiffs.

Liebe Friederike, nach rund vier Monaten in Sierra Leone – wie war es für Dich wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Meine Rückkehr war sehr schön und gleichzeitig auch traurig. Zum einen habe ich mich natürlich sehr darüber gefreut, Freunde und Familie wiederzusehen, in eine neue Wohnung einzuziehen und hier wieder durchzustarten. Andererseits kann ich es kaum glauben, wie eng Freundschaften in vier Monaten werden können und wie sehr das Schiff zu meinem Zuhause geworden ist. Ich vermisse meine Zeit auf der Global Mercy sehr und werde alle Erinnerungen daran tief in meinem Herzen bewahren.

Mit ein paar Wochen Abstand – was würdest Du heute sagen, war das Wertvollste in Deiner Zeit auf der Global Mercy?

Ich würde sagen, meine gesamte Zeit – jeder einzelne Tag – war einfach nur wertvoll. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Für mich war es ein großes Privileg, den Menschen in Sierra Leone helfen zu dürfen. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie Mercy Ships Leben verändert – nicht nur das der Patienten, sondern auch das der Ehrenamtlichen und lokalen Mitarbeiter aus dem Gastland. Alle werden zu einer großen Mercy Ships-Familie und das ist ein einmaliges Gefühl.

„Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.“ 
Friederike Ambacher

Welche Begegnungen und Eindrücke sind Dir besonders stark im Gedächtnis geblieben?

Oft denke ich daran zurück, wie ich Patienten nach einer OP in Empfang nehmen durfte. Viele kamen nicht – wie man vielleicht hätte erwarten können – mit schmerzverzogenen Gesichtern zurück auf die Station, sondern meistens mit einem strahlenden Lächeln. Trotz der Schmerzen überwogen meist die Freude und Dankbarkeit, denn vielen der Patienten wurde durch den Eingriff ein ganz neues Leben geschenkt. Ich will das einmal bildlich beschreiben: Wenn ein Leistenbruch, der dazu führt, dass Familienväter nicht mehr arbeiten und ihre Familie ernähren können oder die schmerzhaft fehlgebildeten Beine eines Kindes, mit denen es täglich zur Schule läuft, um später einen guten Arbeitsplatz finden zu können, durch eine Operation geheilt werden, dann wirst Du Zeuge eines Wunders. Es ist für die Patienten eine Chance auf ein neues Leben, die sie so in ihrem Land niemals gehabt hätten.

Gibt es Patienten, die Dir besonders ans Herz gewachsen sind?

Ja, definitiv. Beispielsweise hat mich die junge Orthopädie-Patientin Ruth sehr berührt. Sie war so lebensfroh, offen und freundlich. Dabei hatte sie es schwer. Sie bekam nämlich einige Infektionen und benötigte dadurch weitere Folge-Operationen. Trotz dieser Umstände verlor sie nie ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude. Auch ihre Willensstärke und ihren Kampfgeist bei der anschließenden Physiotherapie haben mich tief beeindruckt.

Lass uns mal einen kleinen Realitätscheck machen. Wie sehr hat sich Deine Zeit an Bord von Deinen Vorstellungen unterschieden? Gab es Dinge, die Du so nicht erwartet hättest?

Meine Erwartungen an diese Zeit wurden ehrlich gesagt übertroffen. Was ich ganz besonders geschätzt habe, war das Bemühen von Mercy Ships darum, dass sich die ehrenamtlichen Crewmitglieder an Bord richtig wohlfühlen können. Das ist mir wirklich leichtgefallen, trotz weiter Entfernung in die Heimat und der vertrauten Umgebung.

„Was ich ganz besonders geschätzt habe, war das Bemühen von Mercy Ships darum, dass sich die ehrenamtlichen Crewmitglieder an Bord richtig wohlfühlen können.“
Friederike Ambacher

Wie sehr hat Dich Dein ehrenamtlicher Einsatz persönlich verändert?

Ich habe in Sierra Leone vieles neu verstanden und schätzen gelernt. Ich habe eine neue Dankbarkeit dafür entwickelt, dass ich in Deutschland geboren wurde und empfinde unser Gesundheitssystem als ein großes Vorrecht.

Durch meine Arbeit auf dem Schiff bin ich persönlich viel flexibler und irgendwie auch entspannter geworden. Ich sehe viele Dinge nun aus einer anderen Perspektive. Vermeintliche Probleme haben bei mir nicht mehr den Stellenwert wie früher.

Hast Du – durch Erfahrungen an Bord – einen neuen Blick auf Deinen Beruf bekommen? Welchen Einfluss hat das auf Deine Tätigkeit als Krankenpflegerin in Deutschland?

Ich liebe meinen Beruf, gleichzeitig empfinde ich es als sehr schade, dass sich in Deutschland kaum noch jemand für eine Tätigkeit in der Pflege entscheidet. Viel Verantwortung, Stress, eine zu schlechte Bezahlung, unattraktive Arbeitszeiten. In Sierra Leone gibt es dagegen viele Pflegekräfte, die jahrelang ohne Gehalt und nur in der Hoffnung auf eine Festanstellung, in den lokalen Krankenhäusern arbeiten.

Außerdem möchte ich meinen Patienten hier in Deutschland mit einer neuen Lebensfreude und Liebe begegnen und auch hier bei uns dem 2.000 Jahre alten Beispiel von Jesus folgen.

Was würdest Du Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben wollen, die sich für Mercy Ships ehrenamtlich engagieren möchten, sich aber bisher nicht ganz sicher sind?

Ich würde jedem sagen: Bitte mach es! Es ist eine so tolle Möglichkeit neue Kulturen und neue Menschen kennenzulernen und gleichzeitig mit seinem Beruf an Gottes Reich zu bauen. Du schaffst einen bleibenden Wert, hinterlässt Spuren der Hoffnung – das ist einfach wunderschön.

In Sierra Leone sagt man: „Tell papa God tenki“, was so viel bedeutet wie: „Sag Gott danke“. Das sagen nicht nur viele der Patienten, sondern das möchte auch ich sagen. Danke, für die Möglichkeit mitzuerleben, wie Leben verändert und Zukunft geschaffen wird.

„Ich würde jedem sagen: Bitte mach es!“
Friederike Ambacher

Vielen herzlichen Dank, liebe Friederike, für das Teilen Deiner Eindrücke an Bord unseres Hospitalschiffs, für Deinen Einsatz und Deine Liebe, die Du den Menschen in Sierra Leone gegeben hast. Ich wünsche Dir Gottes Segen und alles Gute für Deine Zukunft und freue mich, wenn Du eines Tages wieder auf eines unserer Schiffe zurückkehren wirst.

Werden auch Sie Teil unserer ehrenamtlichen Crew!

Menschen wie Friederike sind Herz und Motor von Mercy Ships. An Bord unserer Hospitalschiffe werden nicht nur ehrenamtliche Fachkräfte im medizinischen Bereich gesucht. Von der Kantine bis zum Kapitän sind vielfältigste Berufsfelder gefragt und für den zuverlässigen Betrieb der Schiffe unabdingbar. Nur gemeinsam als Team wird ein Hilfseinsatz zum Erfolg – nur zusammen können wir Hoffnung und Heilung zu den Ärmsten der Armen bringen.

Wir stehen Ihnen für alle Ihre Fragen gerne telefonisch unter 0 8191 98550-14 zur Verfügung. Mehr zu unseren Stellenangeboten finden Sie hier.

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Dominic Pithan

führte das Interview mit Friederike nach ihrem Einsatz in Sierra Leone.

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