"Hast du einen Tennisball verschluckt?"

Das fragten die Nachbarskinder David hänselnd. Doch er antwortete ihnen nicht. „Ich weiß nicht, warum ich nichts erwiderte. Ich glaube, ich wollte diese Gemeinheiten einfach nicht zurückgeben.“ Während er über diese bitteren Zeiten seiner Vergangenheit berichtet, scheint sich ein sanftes Lächeln hinter seinem Gesichtsausdruck zu verbergen.

Ein Tumor verändert alles

Im Alter von fünf Jahren begann ein schmerzhafter Tumor an Davids Hals zu wuchern. Seine Eltern hatten nicht genügend finanzielle Mittel, um ihm eine angemessene ärztliche Behandlung zu ermöglichen. Alle Anstrengungen die sie unternahmen, um ihrem Sohn zu helfen, scheiterten. Als David zehn Jahre alt war und sein Tumor bereits eine dramatische Größe erreicht hatte, brachten sie ihn ins nahegelegene Krankenhaus. Dort mussten sie $50.000 CFA (umgerechnet 85 US-Dollar) für Davids Voruntersuchung bezahlen. Danach teilte ihnen ein Arzt mit, dass eine Behandlung für ihren Sohn weitere $300.000 CFA (umgerechnet 508 US-Dollar) kosten würde. „Wir hätten ihm so gerne geholfen, aber die Behandlung war einfach zu teuer“, berichteten seine Eltern.

Weitere zwei Jahre musste sich David mit seinem Schicksal arrangieren. Er schämte sich in der Öffentlichkeit wegen seines Aussehens und verbrachte die meiste Zeit in seinem Elternhaus. Seine Mutter Diane war deswegen oft sehr traurig. „Er wollte nicht wie seine Brüder mit mir rausgehen und mich begleiten, sondern und blieb immer nur alleine zu Hause zurück“, erzählt Diane.

Eine kostenlose Operation

Doch dann hörte Davids Mutter von Mercy Ships. „Ich war gerade in der Nähe des Hafens, als das große, weiße Schiff zu ankern begann“, erinnert sich Diane. Ab diesem Zeitpunkt versuchte sie alles, um für ihren Sohn Hilfe zu erhalten. So kamen sie sechs Tage lang hintereinander jeden Tag aufs Neue zum Hafen, schliefen manchmal sogar draußen im Regen, um sich mit vielen anderen Patienten immer wieder in einer langen Warteschlange einzureihen. Ihre Beharrlichkeit zahlte sich schließlich aus und David bekam einen Termin für eine Operation an Bord der Africa Mercy.

Begleitet von seiner Mutter, begab er sich schließlich hoffnungsvoll in die Hände der Ärzte, die ihn operieren sollten. Einige Stunden – und viele Gebete später – konnte die Geschwulst dann endlich an seinem Hals entfernt werden.

David erholte sich schnell und als die Krankenschwestern auf seiner Station seine Verbände wechselten, reichten sie ihm einen Spiegel. Er staunte, denn zum ersten Mal nach acht Jahren, konnte er sein Gesicht ohne diesen Tennisball an seinem Hals sehen. „Als ich mich im Spiegel betrachtete, sah ich plötzlich einen gut aussehenden Jungen“, erzählt David.

Während seiner Genesungsphase auf dem Schiff malte David einige Portraits von sich selbst. „Ich habe mich vor und nach der Operation gemalt. Und jetzt bin ich ein hübscher Junge“, berichtet er selbstbewusst.

Der Tumor ist endlich weg

Als er von der Krankenstation nach Hause entlassen werden konnte, fragte er sich, was wohl die Nachbarskinder zu seiner Veränderungen sagen würden? Diane erinnert sich: „Als wir in unser Dorf zurückkehrten, waren alle sehr erstaunt über Davids Aussehen. Sie umarmten ihn und freuten sich, ihn ohne diesen Tumor wiederzusehen. Als sie ihn so glücklich sahen, wollten sie mehr erfahren und erkannten, dass Gott manchmal andere Menschen schickt, um uns zu helfen.“

David freute sich, wieder zu Hause bei seiner Familie zu sein. Seine Geschwister waren neugierig und fragten ihn: „Wo ist dein Tumor an deinem Hals geblieben?“ Darauf hatte David die passende Antwort: „Er ist einfach weg!“

Davids Heimat Guinea

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„Es ist einfach ein ganz wunderbares Erlebnis, auf diesem Schiff an privilegierter Stelle als Arzt arbeiten zu dürfen – inmitten von Freiwilligen, die alle ein Ziel haben: den Ärmsten der Armen ganz direkt zu helfen. Das geschieht nicht nur durch die Operationen. In dieser Hilfe und dieser Solidarität ist jeder gleich, der mit anpackt – zweitrangig an welcher Stelle auf dem Schiff. Besser kann man Gemeinschaft, Solidarität und Nächstenliebe nicht erklären.“

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