Ab morgen darf ich wieder leben
Eine lebensverändernde Operation auf der Global Mercy
Es ist ein schöner Morgen an diesem Montag im September. Die Sonne bricht strahlend zwischen ein paar vereinzelt dünnen Wolkenschichten am sonst hellblauen Himmel hervor. Ruhig liegt sie da – fest vertäut am Dock Queen Elizabeth II. im Hafen von Freetown. Wie ein weißer Gigant hebt sich die Global Mercy elegant von der Silhouette der Hauptstadt Sierra Leones ab. Ein Symbol der Hoffnung, weithin sichtbar.
Ein Geländewagen rollt heran und kommt langsam vor dem Bug des Hospitalschiffes zum Stehen. Die linke, hintere Tür öffnet sich. Ein Mann mittleren Alters, die schwarzen Dreadlocks zu einem wilden Zopf zusammengebunden, steigt aus. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Der 43-jährige Emmanuel reckt seinen Kopf zum Himmel – für einen Moment steht er dort, überwältigt von Hoffnung, Freude und Zuversicht – endlich der Tag, auf den er so lange gewartet hatte. Der Moment, auf den er gehofft, aber an den er in den letzten Jahren immer weniger glauben konnte
Ein Tumor, Sorgen und tiefe Furcht
Bereits seit vier Jahren wächst an seiner linken Kieferseite unaufhörlich dieser Tumor, mittlerweile faustgroß. Aus Scham versteckt sich Emmanuel, verdeckt für gewöhnlich sein Gesicht, wenn er auf die Straße geht. Er weiß, seine berufliche Existenz als Händler steht auf dem Spiel. Als alleinerziehender Vater wächst mit der Größe seines Tumors auch beständig die eigene menschliche Katastrophe – kein Arzt, kein Medikament konnte ihm in den letzten Jahren helfen. Zu teuer wäre eine Operation gewesen. “Am Anfang dachte ich, es seien Zahnschmerzen – dann vermutete ich, es sei vielleicht ein Fieberbläschen“, erinnert er sich. “Ich hoffte inständig, es würde mit der Zeit wieder verschwinden.” Doch von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, wurde seine Sorge immer größer. Eine tiefe Furcht nistete sich in Emmanuels Herzen ein. „Was“, so dachte er, „wenn der Tumor irgendwann einfach platzen würde?“
„Was, wenn der Tumor irgendwann einfach platzen würde?“
Ein Morgen voller Hoffnung
An diesem Morgen im September fühlt sich alles anders an. Von dem Tag an, als Emmanuel davon hörte, dass die Global Mercy nach Freetown kommen würde, schöpfte er neue Hoffnung.
Und nun, steht er hier – vor diesem Schiff. So nah dran – an seinem Traum, endlich Heilung zu erfahren. Als erster Patient des zehnmonatigen Einsatzes von Mercy Ships sollte er schon morgen auf diesem modernsten, schwimmenden Krankenhaus operiert werden. “Das ist der schönste Tag meines Lebens”, bricht es immer wieder aus Emmanuel heraus.
Ein Gebet auf dem Weg zur Operation
Am nächsten Tag ist es so weit. Der weiße, mit bunten Rauten gemusterte OP-Kittel, wirkt wie ein Festgewand an Emmanuels dunkelhäutigem Körper. Ein wenig angespannt blickt er von seinem Krankenbett auf. “Emmanuel bedeutet ‘Gott mit uns’”, erklärt er dem Untersuchungsteam an Bord. “Gott ist mit mir und mit Mercy Ships!“
Noch in Gedanken an seine gleich bevorstehende OP ertönt plötzlich die markante Stimme von Taylor Perez – Kapitän der Global Mercy – durch die Lautsprecheranlage und erfüllt mit einem Mal jeden Winkel des Schiffs. “Achtung, Crew. Bitte machen Sie jetzt eine Pause und unterbrechen Sie für einen Moment ihren Dienst. Unsere Chefärztin, Dr. Sarah Kwok, wird ein Gebet für den nun beginnenden Einsatz in Sierra Leone sprechen”. Absolute Stille. Die gesamte Crew hält Inne und lässt für einen Moment alles stehen und liegen. In diese Ruhe hinein spricht Dr. Kwok mit klarer Stimme ihr Gebet:
“Himmlischer Vater, wir kommen vor dich mit dankbarem Herzen. Wir danken Dir, dass du mit uns in Sierra Leone bist. Wir sind hier mit offenen Armen und Herzen empfangen worden und wir sind überglücklich, hier zu sein. Wir beten für Emmanuel, unseren ersten Patienten. Wir beten für jeden Patienten, der in den nächsten zehn Monaten an Bord kommen wird. Wir beten für erfolgreiche Operationen und vollständige Genesung. In Jesu Namen – Amen.”
„Emmanuel bedeutet 'Gott mit uns' erklärt er dem Untersuchungsteam an Bord. "Gott ist mit mir und mit Mercy Ships!"
Heilung in nur 48 Minuten
Es sind gerade mal 48 Minuten, die das Team um den internationalen medizinischen Leiter von Mercy Ships – Dr. Mark Shrime – benötigt, um den gutartigen Tumor an Emmanuels Speicheldrüse erfolgreich zu entfernen. 48 Minuten, die das Leben dieses Mannes vollkommen verändern.
Vor seinem Sohn und seinem Vater hatte Emmanuel den Eingriff zuvor geheim gehalten, um sie persönlich zu überraschen. Doch jetzt, nach erfolgreicher Operation, ruft er die beiden sofort an, um ihnen die gute Nachricht mitzuteilen. “Das ist einer der glücklichsten Tage in meinem Leben”, ruft er voller Freude.
Mit Zuversicht in die Zukunft
Von nun an blickt Emmanuel voller Selbstvertrauen und frei von Angst seiner Zukunft entgegen. “Ich werde mit meinem Geschäft weitermachen können und muss mir endlich keine Sorgen mehr machen”.
So wie Emmanuel, ergeht es den vielen anderen Patienten, die derzeit in Sierra Leone gebrochen, enttäuscht, verstoßen und voller Scham an Bord der Global Mercy kommen und als neuer Mensch – mit Freude, Zuversicht und Selbstbewusstsein das Hospitalschiff verlassen werden, um nach einer langen Zeit des Leidens endlich wieder leben zu dürfen.
Emmanuel kommt aus Sierra Leone.
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