Unser Patient Pierre
Ein neues Meisterwerk für Pierre
Gesunde Hände durch helfende Hände
Sie sind ein Meisterwerk der Schöpfung: Hände. Sie sind zentrales Symbol für Handlung, Schutz und Kommunikation. Mit nur sechs Monaten erlebte Pierre große Einschränkungen an seiner Hand. Ein schwerer Infekt breitete sich auf seinem rechten Arm aus und machte seinen Ellbogen, sein Handgelenk und seine Finger unbeweglich. In der Schule oft Opfer von Spott, beim Arbeiten auf dem Feld schwächer als seine Brüder. Unübertroffen aber Pierres Stärke, durchzuhalten, zu hoffen, dass es auch für sein Leben einen guten Plan gibt.
Eine folgenschwere Infektion
Pierre war gerade ein halbes Jahr alt, als eine schwere Infektion erst sein Gesicht befiel und sich dann auf seinen rechten Arm ausbreitete. Seine Eltern mussten hilflos mitansehen, wie ihr kleiner Sohn unter großen offenen Wunden litt. Verzweifelt suchte die Familie nach einer Behandlung, besuchte Ärzte und gab das wenige Geld aus, das sie hatte. Schließlich heilte die Infektion. Doch als die Wunden sich schlossen, zog sich die Haut zusammen und Pierres Arm versteifte. Die Ärzte waren ratlos – er müsse damit leben, meinten sie.
Große Schmerzen und zerplatzte Träume
Pierre war mittlerweile zwölf Jahre alt und er wünschte sich nichts sehnlicher, als an der Seite des Vaters auf den eigenen Feldern zu arbeiten – wie seine Brüder und wie es Tradition ist in seinem kleinen Heimatdorf. Doch oft stieß er an seine Grenzen – zu groß waren die Schmerzen und die Einschränkungen. „Er kann einige Aufgaben auf dem Bauernhof erledigen“, sagte Vater Verisoa. „Aber er kann kein Holz hacken.“ Auch in der Schule tat sich Pierre schwer, auch wenn er gelernt hatte, mit der linken Hand zu schreiben. Der Spott der anderen Kinder schmerzte ihn zusätzlich. Doch Pierre gab nie auf. „Ich lerne gerne, weil ich weiterkommen und erfolgreich sein möchte.“
Das Unvorstellbare geschah
Pierre wusste: Nur eine Operation konnte ihn von seinem Leid befreien. Doch er wusste auch, dass sich seine Familie das niemals leisten kann. Und es geschah etwas, das er sich nie hätte vorstellen können: Pierres Lebensweg traf auf den Kurs der Africa Mercy. Im Hafen von Toamasina lag nämlich das Hospitalschiff, auf dem er kostenlos operiert werden konnte. Welch wundervolle Fügung! Doch Pierres Fall war komplex, denn durch die jahrelange Unbeweglichkeit hatten sich die Blutgefäße verkürzt. Das Team musste seinen Arm mit Muskeln aus seinem Bauch rekonstruieren und die Blutgefäße unter dem Mikroskop wieder verbinden.
Fachwissen und Fingerspitzengefühl
Fast zehn Stunden dauerte die Operation, in der unter anderem auch der deutsche Chirurg Guido Köhler mit höchster Konzentration und Präzision das Meisterwerk vollbrachte: Pierres Arm war das erste Mal in seinem Leben gerade und „seine Hand sieht jetzt aus wie meine“, staunte Vater Verisoa. Pierre war überglücklich und stand auch die lange und intensive Physiotherapie tapfer durch, in der seine unterentwickelte Muskulatur trainiert wurde. Seine Lieblingsübung: das Knüpfen eines Kreuzknotens, ein Seemannsknoten, der zwei gleich starke Enden sicher verbindet.
Pierres Glück ist heute vollkommen und er sprüht nur so vor Lebensfreude. Sein lang ersehnter Wunsch, gesund zu werden, hat sich erfüllt. Dadurch stehen ihm in Zukunft auch viele andere Türen offen, durch die Pierre freudestrahlend durchgehen kann.
Pierre kommt aus Madagaskar.
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