Ein Dorf feiert Heilung

Die Suche nach dem Seelenfrieden

Warmherzig, charismatisch, freundlich – so würden Dorfbewohner den 65-jährigen Farah beschreiben. Der Landwirt mit dem ansteckenden Lächeln lebt in Sierra Leone – einem Land, dessen Gesundheitssystem unter schweren strukturellen Problemen leidet. Als Farah erkrankte, hätte er zahlreiche Gründe gehabt, aufzugeben und seine optimistisch-positive Art von Frustration ersticken zu lassen. Eine Option war das nie. Wie gut, denn das, was noch kommen sollte, ließ am Ende ein komplettes Dorf ausgelassen feiern.

Lange belastende Jahre

Vor über 15 Jahren begann alles mit einem faulen Zahn. Als Farah den Zahn verlor, blieb eine unangenehme, hartnäckige Wunde zurück. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln suchte sich der Landwirt Hilfe – leider vergeblich. „Alle haben mir geraten, nach Guinea zu fahren, um mich dort mit traditionellen Heilmethoden behandeln zu lassen“, erinnert sich der Familienvater lachend. Lachend, weil: „Es ist lustig, weil bei so einem Krankheitsfall plötzlich jeder im Dorf eine Lösung parat hat. Das ist eine typische afrikanische Eigenart.“ Der gesundheitliche Zustand von Farah wurde trotz allen Ratschlägen immer kritischer. Aus der Wunde entwickelte sich schließlich eine enorme Geschwulst. Irgendwann schränkten ihn die Auswirkungen seines gesundheitlichen Zustands so ein, dass er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen konnte. Der Arbeit, mit der er seine Familie ernährte. „Die Kraft, die ich früher für die Arbeit auf dem Hof hatte, die habe ich heute nicht mehr“, sagte Farah.

Sichtlich bedrückt: Farah verdeckte seinen Tumor im Gesicht mit einem Tuch. © Mercy Ships

Wunderbare Wende

Farahs Leben wendete sich vollständig, als er das erste Mal von der Global Mercy hörte. Die Behandlung auf einem Hospitalschiff weckte in ihm große Freude, endlich eine Chance zu bekommen, geheilt zu werden. Prof. Dr. Dr. Georg Eggers aus Deutschland war schon mehrfach ehrenamtlich für Mercy Ships im Einsatz. Er engagiert sich nicht nur auf den Schiffen, sondern auch im Vorstand von Mercy Ships Deutschland. Eggers führte auch die Operation bei Farah erfolgreich durch. „Farahs Erkrankung war eine Art gutartiger Tumor, der sich im Kiefer oder in den Gesichtsknochen bildet. Wir haben solche Tumore auch in Europa. In der Regel sind sie zunächst sehr klein, etwa so groß wie eine Kichererbse, und wachsen langsam. Bei uns kann ein Zahnarzt oder Kieferchirurg sie unter örtlicher Betäubung entfernen, was nur 15 Minuten dauert. Aber hier in Westafrika gibt es oft niemanden, der das Problem behandeln kann, oder die Menschen können sich die Behandlung einfach nicht leisten. Das ist so herzzerreißend, weil es nicht so sein müsste.“

Prof. Dr. Dr. Eggers wechselt den Verband von Farah. © Mercy Ships

Verwandeltes Spiegelbild

Die Operation des Landwirts verlief ohne Komplikationen. Und schon kurze Zeit nach dem Eingriff sah Farah völlig verwandelt aus. Der Tumor, der sein Gesicht optisch veränderte und der ihn körperlich sehr einschränkte, war plötzlich verschwunden. Prof. Dr. Dr. Eggers hat den emotionalen Moment noch gut vor Augen, als er Farah den Verband abnahm: „Wir gaben ihm einen Spiegel, damit er sich selbst sehen konnte, und er war einfach nur begeistert. Er schaute immer wieder in den Spiegel, um sich zu vergewissern, dass er wirklich sich selbst sah!“

Ein ganzes Dorf feiert

Nach der Genesung kehrte Farah wieder in sein Heimatdorf zurück. Die Eindrücke während seiner Ankunft wird er nie wieder vergessen. Viele der Dorfbewohner hätten nicht erwartet, den 65-Jährigen überhaupt nochmal wiederzusehen – darunter auch seine Tochter Sunkari: „Ich hatte nicht damit gerechnet, meinen Vater so zu sehen, weil er wirklich sehr krank war. Ich dachte, er würde sterben. Als ich ihn nach seiner Rückkehr sah, war ich unglaublich überrascht.“ Farahs Frau Mariama schaut mit großer Dankbarkeit auf ihren geheilten Mann: „Gott hat unsere Gebete erhört, Mercy Ships hat uns geholfen, und nun haben wir inneren Frieden gefunden.“ Als Farah seinen Heimatort erreichte, versammelte sich das ganze Dorf, um mit ihm gemeinsam seine Heilung zu feiern. Auch wenn nur ein Dorfbewohner geheilt wurde – neuen Mut und Hoffnung konnten alle Bewohner durch diese Erfahrung schöpfen.

Das ganze Dorf feiert ausgelassen die Ankunft von Farah nach seiner erfolgreichen OP. © Mercy Ships

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